Methode 13

Was weißt du und was interpretierst du? – Ladder of Inference

Wie aus einer Beobachtung in Sekunden ein Urteil wird.

Quelle: Chris Argyris, bekannt gemacht durch Peter Senge · Grundlage: Praxisframework

Wann passt das?

Du bist dir sicher, warum sich jemand so verhalten hat, und hast noch nicht nachgefragt.

Das Tool

1
Beobachtung: Was wurde gesagt oder getan? Nur das, was eine Kamera aufzeichnen würde.
2
Interpretation: Welche Bedeutung gibst du dem?
3
Schlussfolgerung: Was schließt du daraus über die Person oder die Lage?
4
Alternative Erklärung: Was könnte es noch bedeuten?
5
Prüfen: Frag dein Gegenüber, bevor du handelst.

Die Ladder of Inference beschreibt, wie wir aus dem, was wir sehen und hören, Bedeutungen ableiten, Schlüsse ziehen und danach handeln. Das geht so schnell, dass sich Schlussfolgerungen wie Tatsachen anfühlen. Das Modell hilft dir, die Stufen auseinanderzuhalten und deine Deutung beim Gegenüber zu prüfen, bevor du handelst.

Beispiel

Ein Teammitglied kommt zum dritten Mal zu spät ins Montagsmeeting.

Beobachtung
Paul kam an drei Montagen zehn Minuten nach Beginn.
Interpretation
Das Meeting ist ihm egal.
Schlussfolgerung
Er nimmt das Team nicht ernst.
Alternative Erklärung
Er hat montags vorher einen festen Kundentermin, der überzieht.
Prüffrage
"Mir ist aufgefallen, dass du die letzten drei Montage später kamst. Was ist da los?"

Deine Anwendung

Denk an eine Situation, in der du dich über jemanden geärgert hast. Trenne die Stufen und formuliere eine Frage, mit der du deine Deutung prüfst.

Beobachtung
Interpretation
Schlussfolgerung
Alternative Erklärung
Prüffrage

Was danach vorliegt

Eine prüfbare Hypothese statt eines festen Urteils und eine Frage, mit der du sie im Gespräch klärst.

Analyse-Checkliste

Ziel:
Weniger Missverständnisse und vorschnelle Urteile.
Kontext:
Vor einem Feedback, in Konflikten, wenn du dich über jemanden ärgerst.
Zielgruppe:
Führungskräfte und Teams.
Dauer:
5 bis 10 Minuten.

Spannende Beobachtungen

"Wir merken oft nicht, dass wir die Leiter schon hochgestiegen sind. Ein guter Hinweis ist ein starkes Gefühl: Ärger oder Kränkung sitzen meist schon auf einer der oberen Stufen."

Grenzen & Fallstricke

Wenn ein Verhalten eindeutig gegen Absprachen verstößt, ändert eine wohlwollende Deutung nichts an der nötigen Konsequenz. Und tiefe Konflikte brauchen mehr als ein Denkmodell.

Das Modell zeigt dir deine eigenen Annahmen, aber es löst den Konflikt nicht. Die Prüfung beim Gegenüber funktioniert nur, wenn du die Antwort auch hören willst.

Anschluss

  • SBII: Macht aus der geprüften Beobachtung ein Feedback, das nach der Absicht fragt.
  • Psychologische Sicherheit: Ob dein Gegenüber dir offen eine andere Erklärung anbietet, hängt davon ab, wie sicher es sich bei dir fühlt.

Grundlage & Beleg

Grundlage:
Praxisframework