Thomas Metzinger
Philosoph · geboren 1958 · Mainz
- Kapitel
- Geist und Technik (redaktionell, keine Schulzugehörigkeit)
- Kants Fragen
- Was ist der Mensch? · Was soll ich tun? (Deutung)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Zum Einstieg
Wer ist das Ich, das du morgens beim Aufwachen wieder spürst?
- Position
- Metzinger antwortet, dass das erlebte Ich ein Modell ist, das das Gehirn von sich selbst entwirft. Aus dieser Sicht folgen ethische Fragen, etwa wie wir mit der Beeinflussung des Selbst durch Neurotechnologie umgehen.
- Einwand
- Aus den abgerufenen Quellen ist kein ausdrücklicher Einwand mit Urheber belegt. Offen bleibt die Frage, ob ein Modell des Selbst schon erklärt, warum es sich nach etwas anfühlt, was Chalmers als hartes Problem bezeichnet.
- Verbindung
- Metzinger verbindet die Philosophie des Geistes mit der Ethik der künstlichen Intelligenz und gehörte dabei mit Floridi derselben Expertengruppe an.
Redaktionell zusammengefasst, keine Zitate. Die Quellen stehen am Ende der Seite.
Deutscher Philosoph des Geistes, der das Selbst als ein vom Gehirn erzeugtes Modell beschreibt und die Ethik von Bewusstseinsforschung und künstlicher Intelligenz untersucht.
Wie Nagel und Chalmers fragt Metzinger nach dem Erleben und antwortet mit einer Theorie des Selbstmodells, aus der er ethische Schlüsse für Neurotechnologie und künstliche Intelligenz zieht. Von 2018 bis 2020 gehörte er wie Floridi der Hochrangigen Expertengruppe für künstliche Intelligenz der Europäischen Kommission an.
Kernidee
Metzinger vertritt in „Being No One“, dass das phänomenale Selbst ein Konstrukt ist, das das Gehirn erzeugt. Das Erleben, jemand zu sein, ist nach seiner Selbstmodell-Theorie das Ergebnis eines Modells, das das Gehirn von sich selbst bildet. In „Der Ego-Tunnel“ beschreibt er dieses Selbstbild als eine Art Tunnelblick, in dem vieles fehlt, und fragt, ob es bessere und schlechtere Bewusstseinszustände gibt.
Biografischer Moment
Lebensereignis Belegtes Ereignis aus dem Leben. Ob es das Denken geprägt hat, behauptet die Angabe nicht.
2018 wurde Metzinger in die Hochrangige Expertengruppe für künstliche Intelligenz der Europäischen Kommission berufen, der er bis zum Ende ihrer Arbeit 2020 angehörte. Im April 2019 äußerte er sich nach der deutschen Wikipedia zunächst enttäuscht über die ersten Ergebnisse.[2][3][4]
Fundstelle: Abschnitt Leben
Bekannt für
Man kennt Metzinger für seine Selbstmodell-Theorie, für das Buch „Der Ego-Tunnel“ und für seine Arbeit an der Ethik künstlicher Intelligenz. Ein Alltagsbeispiel ist das Erleben, ein Ich zu sein, das eine Entscheidung trifft, das nach seiner Theorie ein Modell des Gehirns ist.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Das Selbst als Modell
In „Being No One“ argumentiert Metzinger, dass das phänomenale Selbst ein mentales Konstrukt des Gehirns ist. Die deutsche Wikipedia beschreibt seine Selbstmodell-Theorie als repräsentationalistische Theorie der Subjektivität und der erlebten Ich-Perspektive. Beim Aufwachen aus dem Schlaf entsteht das Ich-Gefühl neu, was sich als Anschauung dafür anbietet.
Der Ego-Tunnel
Der Verlag beschreibt den Kerngedanken so: Unser Selbstbild ist eine Art Tunnelblick auf die Welt, in dem wenig enthalten ist und vieles fehlt. Weil sich das Selbst nach den Erkenntnissen der Neurowissenschaft beeinflussen und sogar experimentell steuern lässt, entstehen neue ethische Fragen. Im Alltag kannst du an die Ränder deines Blicks denken, wenn du unter Stress nur noch wahrnimmst, was dich selbst betrifft.
Ethik der künstlichen Intelligenz
Metzinger war von Juni 2018 bis zum Abschluss ihrer Arbeit 2020 Mitglied der Hochrangigen Expertengruppe für künstliche Intelligenz der Europäischen Kommission und in den Ethik-Leitlinien vom April 2019 einer der Berichterstatter. Nach der deutschen Wikipedia äußerte er sich im April 2019 zunächst enttäuscht über die ersten Ergebnisse. Übertragen auf heute: Wer ein System einführt, kann fragen, wer die ethischen Grenzen bestimmt.
Begriffe
- Selbstmodell
- Ego-Tunnel
- phänomenales Selbst
- Bewusstseinsethik
- Neurotechnologie
- Ethik künstlicher Intelligenz
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
3 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 2 belegt, 1 Deutung). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Was der Prüfstand bedeutet
- belegt
- Mit Quelle belegt.
- Deutung
- Redaktionelle Deutung auf Grundlage der Quellen.
- überliefert
- Überliefert, aber historisch nicht gesichert.
- ungeprüft
- Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Persönlich verbunden
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
David ChalmersPrüfstand: belegt
Chalmers und Metzinger gehören beide zu den Gründungsmitgliedern der Association for the Scientific Study of Consciousness, einer Fachgesellschaft für die Erforschung des Bewusstseins; ein Einfluss ist damit nicht behauptet.
Luciano FloridiPrüfstand: belegt
Floridi und Metzinger gehörten 2018 beide zur Hochrangigen Expertengruppe für künstliche Intelligenz der Europäischen Kommission.
Im Vergleich
Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.
David ChalmersPrüfstand: Deutung
Redaktioneller Vergleich: Beide fragen nach dem Erleben, Chalmers mit dem harten Problem, Metzinger mit einer Theorie des Selbstmodells; ein Einfluss wird nicht behauptet.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Zeitgeschehen belegt
Die Europäische Kommission setzte im Juni 2018 eine unabhängige Gruppe von 52 Fachleuten ein, die unter anderem Leitlinien zur Ethik der künstlichen Intelligenz entwerfen sollte. Ihre Arbeit lief nach dem Abschlussbericht von Juni 2018 bis Juni 2020. Metzinger gehörte dazu, ebenso Luciano Floridi.[4]
Biografie belegt
Metzinger wurde 1985 in Frankfurt mit einer Arbeit über das Leib-Seele-Problem promoviert und habilitierte sich 1992 in Gießen. Nach der englischen Wikipedia meditiert er seit über vierzig Jahren zweimal täglich.[2]
Kritik
Aus den abgerufenen Quellen ist keine Kritik an der Selbstmodell-Theorie mit benanntem Urheber belegt. Die deutsche Wikipedia vermerkt, dass Metzinger selbst im April 2019 über die ersten Ergebnisse der Expertengruppe enttäuscht war.
Wirkung heute
Metzinger beschäftigt sich als emeritierter Professor mit den ethischen Folgen von Neurotechnologie, virtueller Realität und künstlicher Intelligenz. Sein Buch über Meditation erschien 2023 auf Deutsch („Der Elefant und die Blinden“) und 2024 auf Englisch („The Elephant and the Blind“).
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Du kannst bei dir selbst beobachten, wie stark dein Bild von dir im Alltag nur ein Ausschnitt ist, und dich fragen, was du in einer angespannten Lage ausblendest. Das ist eine Analogie zu Metzingers Ego-Tunnel und keine Aussage von ihm über Führung.
Lebensstationen
- 1958Geburt am 12. März in Frankfurt am Main
- 1985Promotion an der Universität Frankfurt
- 2000Professur in Mainz
- 2003„Being No One“ erscheint bei MIT Press
- 2009„The Ego Tunnel“ und „Der Ego-Tunnel“ erscheinen
- 2018Mitglied der Hochrangigen Expertengruppe für künstliche Intelligenz der Europäischen Kommission (Juni 2018 bis 2020)
Werke
- Being No One: The Self-Model Theory of Subjectivity (2003)
Ersterscheinung: MIT Press, Cambridge (Massachusetts), 2003.
- The Ego Tunnel: The Science of the Mind and the Myth of the Self (2009)
Ersterscheinung: Basic Books, New York, 2009 (Verlagsseite: Ausgabe mit Datum 17. März 2009). Deutsche Ausgabe: „Der Ego-Tunnel: Eine neue Philosophie des Selbst: Von der Hirnforschung zur Bewusstseinsethik“ (2009).
Lesetipps
- Einstieg
- Thomas Metzinger, Der Ego-Tunnel: Eine neue Philosophie des Selbst (Berlin Verlag, 2009); die allgemeinverständliche Fassung seiner Theorie.
- Vertiefung
- Wikipedia (de), „Thomas Metzinger“, Abschnitt Werk und Positionen
Noch nicht sicher belegt
- Ein genaues Austrittsdatum aus der Hochrangigen Expertengruppe ist nicht belegt.
- „Bis 2020“ meint das Ende der Arbeit der Gruppe, die von Juni 2018 bis Juni 2020 arbeitete.
- Die englische Ausgabe von „Der Ego Tunnel“ (Basic Books) und die deutsche Ausgabe (Berlin Verlag) erschienen beide 2009.
- Der Monat der deutschen Ausgabe ist nicht belegt, deshalb bleibt die Reihenfolge innerhalb von 2009 offen.
- Die englische Wikipedia datiert „Der Ego Tunnel“ auf 2010.
- Nach dem Katalog der Deutschen Nationalbibliothek ist das die E-Book- bzw. Taschenbuchausgabe, die Erstausgabe ist von 2009.
- Zu Metzinger gibt es keinen Eintrag in der Stanford Encyclopedia of Philosophy.
- Wie schwer Metzingers Enttäuschung 2019 war, steht nur in der deutschen Wikipedia.
- Die Beschreibung der Selbstmodell-Theorie folgt der Wikipedia und dem Verlagstext.
- Ein Originaltext wurde nicht gelesen.
- Das Beispiel des Aufwachens im Steckbrief ist ein Anschauungsbeispiel der Redaktion.
Wege durchs Netz
Metzinger beschreibt das Selbst als ein Modell, das das Gehirn erzeugt.
Herkunft der Daten: Kapitel Geist, Maschine und Technik. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Metzinger
- [1]Thomas Metzinger · Wikipedia
- [2]Thomas Metzinger – Wikipedia (de), Abschnitt Leben; Wikipedia (en), Abschnitt Personal life
- [3]Daily Nous, Philosophers Appointed To High-Level Expert Group on Artificial Intelligence (18. Juni 2018) · Webseite
- [4]Daily Nous, Philosophers Appointed To High-Level Expert Group on Artificial Intelligence (18. Juni 2018); Hochrangige Expertengruppe, Assessment List for Trustworthy AI (17. Juli 2020), Einleitung und Mitgliederliste · Webseite
- [5]ec.europa.eu/newsroom/dae/document.cfm · Webseite
- [6]hbgacademic.com/titles/thomas-metzinger/the-ego-tunnel/9780786744428 · Webseite
- [7]katalog.dnb.de/DE/list.html · Webseite