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Landkarte der Philosophie

Nichiren

Mönch und Philosoph · 1222–1282 · Kominato (Bōsō-Halbinsel, heute Präfektur Chiba), Kiyosumi-dera, Kamakura, Insel Sado, Berg Minobu (heute Präfektur Yamanashi), Ikegami (heute Tōkyō)

Kernidee in Kürze

Nichiren kommt nach langem Studium der Schulen seiner Zeit zu dem Schluss, dass allein das Lotos-Sutra die wahre Lehre des Buddha für das gegenwärtige Zeitalter enthält. Das Zeitalter des Verfalls (mappō) sieht er schon als angebrochen an.

Kapitel
Asien (Überblick) (redaktionell)
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

Vertiefung

Zum Einstieg

Welche Lehre trägt im Zeitalter des Verfalls noch, und was hängt für das ganze Land von dieser Wahl ab?

Position
Die Anrufung seines Titels führe schon in diesem Leben zur Buddhaschaft, und der Staat solle nur diese Lehre fördern.
Einwand
Heutige Kritiker halten seine Haltung für ausschließend und unduldsam, weil er die anderen Schulen scharf angriff. Seine Verteidiger entgegnen, dass seine Aussagen aus ihrer Zeit zu verstehen seien und nicht mit heutigen Maßstäben, die religiöse Konfrontation ablehnen.
Verbindung
Nichiren stützt sich auf die Lehre vom historischen Buddha im Lotos-Sutra und wählt wie Hōnen eine einzige Übung aus.

Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen

Wer Nichiren war

Japanischer buddhistischer Mönch der Kamakura-Zeit und Gründer des Nichiren-Buddhismus, der das Lotos-Sutra zur einzigen Grundlage erklärte und dafür auch politische Veränderungen forderte.

Nichiren lebte in der Kamakura-Zeit, als der Hofadel die Macht an die Samurai verloren hatte. Auf Erdbeben, Dürre, Hungersnöte und Seuchen folgte die Drohung eines mongolischen Einfalls. Viele Menschen glaubten, das Zeitalter des Verfalls sei da. Wie Hōnen, Shinran und Dōgen ging Nichiren durch die Tendai-Schule. Anders als sie, die aus dem Adel oder aus Samurai-Familien kamen, stammte er nach eigenen Worten aus niedrigen Verhältnissen an der Küste. Die Angaben zu seiner Familie gehen auseinander; überliefert ist unter anderem, er sei der Sohn eines Fischers gewesen.

Kernidee genauer

Als Übung lehrt er, den Titel des Sutra anzurufen (daimoku) und so die Buddhaschaft schon in diesem Leben zu verwirklichen. Weil er den Staat verpflichtet sah, nur diese Lehre zu fördern, verband er seine religiöse Botschaft mit der Forderung nach einem politischen und gesellschaftlichen Wandel. Seine scharfe Kritik an anderen Schulen brachte ihm Verbannung und Verfolgung ein.

Biografischer Moment

Belegter Einfluss Die angegebenen Quellen dokumentieren, dass dieses Erlebnis das Denken beeinflusst hat. Belegt heißt dokumentiert, nicht bewiesen.

Nichiren suchte zwanzig Jahre lang in allen großen Schulen seiner Zeit die Lehre, die der historische Buddha selbst gepredigt hatte. Die Forschung nennt die Verzweiflung des Zeitalters des Verfalls als Ausgangspunkt seines Denkens.[1][3]

Fundstelle: Abschnitt Early years and spiritual quest Abschnitt 4.2.1

Bekannt für

Man kennt Nichiren für die Anrufung „Namu Myōhō renge kyō“ und dafür, dass er ohne Rücksicht auf Verbannung und Verfolgung an seiner Überzeugung festhielt. Ein Alltagsbeispiel: Wenn Du nach langer Suche eine Überzeugung gefunden hast und sie auch gegen Widerstand vertrittst, erinnert das an seine Haltung, ob man sie teilt oder nicht.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Das Lotos-Sutra als einzige wahre Lehre

Alle anderen Lehren waren für ihn nur vorläufige Stufen, mit denen der Buddha die Menschen zur endgültigen Lehre führen wollte. Er sah im Lotos-Sutra den eigentlichen Willen des Buddha.

Das Zeitalter des Verfalls und die Auswahl

Nichiren ging wie viele seiner Zeitgenossen davon aus, dass das Zeitalter des Verfalls (mappō) begonnen hatte. Er deutete es so, dass die zweite Hälfte des Lotos-Sutra genau für diese Zeit geschrieben sei und allein im Mittelpunkt stehen müsse. Wie Hōnen wählte er eine einzige Übung aus, ersetzte aber die Anrufung Amidas durch die Anrufung des Titels des Sutra.

Anrufung des Titels und Schriftmandala

Die Übung ist daimoku: das laute Sprechen von „Namu Myōhō renge kyō“, übersetzt „Ich weihe mich dem Lotos-Sutra des wunderbaren Gesetzes“. Dazu kommt der honzon (gohonzon), ein Schriftmandala als Gegenstand der Verehrung. Es trägt den Titel in der Mitte, umgeben von den Namen von Buddhas, Bodhisattvas und anderen Wesen, und stellt die Verbindung unserer Welt mit dem heiligen Bereich des ursprünglichen Buddha dar.

Dreitausend Welten in einem Gedankenaugenblick

Nichiren machte den Gedanken ichinen sanzen aus der Tendai-Tradition zum Kern seiner Lehre: Im kleinsten Augenblick des Denkens sind alle Welten enthalten, vom Höllenwesen bis zum Buddha. Er setzte ihn mit dem Titel des Lotos-Sutra gleich. Ein Forscher hält fest, dass bis zu Nichiren in Japan anscheinend niemand diese Lehre so ins Zentrum gestellt hatte.

Religion und Staat

Nichiren war überzeugt, dass der Zustand des Landes von der gewählten Lehre abhängt. In seiner Schrift Risshō ankoku ron von 1260 erklärte er, die Not des Landes komme daher, dass die Menschen den wahren Buddhismus ablehnten und falsche Schulen unterstützten. Er forderte den Herrscher auf, nur die wahre Lehre zu fördern. Die Regierung antwortete mit Verbannung.

Begriffe

Lotos-Sutra (Hokekyō)
daimoku (die Anrufung „Namu Myōhō renge kyō“)
honzon (Gegenstand der Verehrung
ein Schriftmandala)
mappō (Zeitalter des Verfalls der Lehre)
ichinen sanzen (dreitausend Welten in einem Gedankenaugenblick)

Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen

Eine Verbindung im Netz (Prüfstand: 1 belegt). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Was der Prüfstand bedeutet

Übernimmt Gedanken von

Nichiren übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • Siddhartha Gautama (Buddha)Prüfstand: belegt

    Nichiren stützt seine Lehre auf die Rede des historischen Buddha im Lotos-Sutra, das er für dessen wahre Lehre in der gegenwärtigen Zeit hielt.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Biografie belegt

    Nichiren wurde 1222 in Kominato an der Küste der Bōsō-Halbinsel als Sohn eines Fischers geboren. Er trat mit elf Jahren in das Kloster Kiyosumi-dera ein und wurde nach vier Jahren des Noviziats ordiniert. Die Quellen nennen dafür unterschiedliche Alter.[4]

  • Biografie belegt

    Zwanzig Jahre lang studierte Nichiren die Schulen seiner Zeit: die Anrufungslehre Amidas in Kamakura, Zen, die Tendai-Lehre auf dem Berg Hiei, die geheime Lehre auf dem Berg Kōya und in Nara die Ritsu-Schule. 1253 kam er zu dem Schluss, dass die wahre Lehre im Lotos-Sutra liege. Im Frühjahr 1253 verkündete er das im Kloster Kiyosumi-dera, wurde aber vertrieben und predigte danach in Kamakura.[1]

  • Zeitgeschehen belegt

    1260 veröffentlichte Nichiren das Risshō ankoku ron. Die Regierung in Kamakura reagierte darauf im Juni 1261 mit der Verbannung auf die Halbinsel Izu. 1268 forderten Gesandte der Mongolen von Japan Tribut, was Nichiren als Erfüllung seiner Voraussage ansah. 1271 wurde er verhaftet und zum Tod verurteilt, die Strafe wurde im letzten Augenblick in Verbannung auf die Insel Sado umgewandelt. Dort schrieb er 1272 das Kaimokushō. 1274 wurde er begnadigt und zog sich auf den Berg Minobu zurück.[1]

  • Biografie belegt

    In den letzten Jahren auf dem Berg Minobu unterwies Nichiren seine Anhänger und schrieb; aus dieser Zeit stammt mehr als die Hälfte seiner erhaltenen Briefe. Zu seinen Hauptschriften zählen aus diesen Jahren Senji shō und Hōon shō. Im Herbst 1282 verließ er den Berg krank und starb im Haus eines Schülers in Ikegami, im heutigen Tōkyō.[1]

  • Wirkung belegt

    Nach Nichirens Tod teilte sich seine Schule in mehrere Zweige, darunter Nichiren-shū und Nichiren-shōshū. Der Nichiren-Buddhismus umfasst heute mehr als vierzig eingetragene Organisationen und gehört zu den großen Schulen des japanischen Buddhismus.[4]

  • Wirkung belegt

    Nichiren gilt als eine der umstrittensten und einflussreichsten Gestalten des japanischen Buddhismus. Seine Kritik an den Schulen des Reinen Landes, an Shingon, Zen und Ritsu, bekannt als die Vier Verurteilungen, nennen heutige Kritiker ausschließend, während Verteidiger sie aus seiner Zeit erklären. Trotz seiner scharfen Angriffe lehnte er nicht jede andere Überlieferung oder Übung ganz ab, sondern vor allem die Schulen, die in seinen Augen die Menschen vom Lotos-Sutra abwandten. Die Forschung ordnet ihn zusammen mit Hōnen und Dōgen als Denker ein, der in der Krise des Zeitalters des Verfalls eine einzige Übung auswählte.[3]

Kritik

Nichiren gilt als eine der umstrittensten Gestalten des japanischen Buddhismus. Seine Kritik richtete sich vor allem gegen Schulen, die in seinen Augen die Menschen vom Lotos-Sutra abwandten. Später deuteten seine Nachfolger Nichiren unterschiedlich: Einige sehen in ihm den Bodhisattva Viśiṣṭacāritra (japanisch Jōgyō), andere sogar den ursprünglichen Buddha.

Wirkung heute

Der Nichiren-Buddhismus ist heute in Japan und weltweit mit vielen Organisationen verbreitet. Wie andere Gründer der Kamakura-Zeit wird Nichiren in der Forschung als Denker behandelt, der in einer Krisenzeit eine einzige Übung auswählte. Das ist eine Deutung der Forschung.

Brücke zu Führung und Coaching

Übertragen auf heute: Nichiren verbindet die Haltung des Einzelnen mit dem Zustand seiner Umgebung. Wenn Du ein Team leitest, kannst Du daran denken, dass Deine eigene Haltung die Stimmung um Dich mitprägt, und sie bewusst wählen. Das ist eine Übertragung und keine Aussage Nichirens über Führung.

Lebensstationen

  1. 1222Geburt in Kominato am 16. Februar
  2. 1253Kommt zum Schluss, dass das Lotos-Sutra die wahre Lehre enthält, und verkündet das
  3. 1260Schreibt das Risshō ankoku ron
  4. 1271Verhaftung, Todesurteil und Verbannung auf die Insel Sado
  5. 1274Begnadigung, Rückzug auf den Berg Minobu
  6. 1282Tod in Ikegami; als Todestag werden der 13. Oktober und der 14. November genannt

Werke

Risshō ankoku ron (Über die Errichtung der Rechtlehre zum Frieden des Landes, 1260); Kaimokushō (Die Öffnung der Augen, 1272); Kanjin no honzon shō (Der Gegenstand der Verehrung zur Betrachtung des Geistes); Senji shō (Die Wahl der Zeit); Hōon shō (Über die Vergeltung der Schuld der Dankbarkeit)

Anekdote überliefert

Nach einigen überlieferten Berichten wurde Nichirens Hinrichtung am Strand von Tatsunokuchi im letzten Augenblick verhindert, als eine leuchtende Kugel über den Richtplatz zog. Moderne Forscher bezweifeln, dass es sich so zugetragen hat. Nichiren selbst sah das Ereignis als Wendepunkt von Tod und Wiedergeburt.[4]

Lesetipps

Einstieg
Britannica, „Nichiren“; Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Japanese Philosophy“, Abschnitt 4.2.1
Vertiefung
Routledge Encyclopedia of Philosophy, „Nichiren (1222–82)“ von James W. Heisig

Noch nicht sicher belegt

  • Das Todesdatum wird mit dem 13. Oktober oder dem 14. November 1282 angegeben. Das Alter beim Klostereintritt und bei der Weihe unterscheidet sich je nach Quelle. Die Rettung vor der Hinrichtung durch eine leuchtende Kugel ist eine Überlieferung, die moderne Forscher bezweifeln. Auch die Abfolge seines ersten Auftretens 1253 im Kloster Kiyosumi-dera wird von der neueren Forschung als längerer Vorgang gesehen. Seine Herkunft aus einer Fischerfamilie beruht auf seinen eigenen Aussagen, andere Berichte nennen sie unterschiedlich.

Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 7: Japan klassisch und Korea. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen

Quellen zu Nichiren

  1. [1]Nichiren · Britannica
  2. [2]rep.routledge.com/articles/biographical/nichiren-1222-82/v-1 · Webseite
  3. [3]Japanese Philosophy, Abschnitt 4.1.1 · Stanford Encyclopedia of Philosophy
  4. [4]Britannica, Nichiren, Abschnitt Early years and spiritual quest; Wikipedia (englisch), Nichiren
  5. [5]nirc.nanzan-u.ac.jp/journal/6/article/1388/pdf/download · Webseite

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