Shōtoku Taishi
Prinzregent und Staatsmann · 574–622 · Yamato (Region um Nara und Asuka, Japan), Ikaruga
Kernidee in Kürze
Der Überlieferung nach gab Shōtoku Taishi Japan im Jahr 604 eine Art Grundordnung: die Siebzehn-Artikel-Verfassung. Sie verlangt Eintracht unter den Beamten, Ehrfurcht vor den Drei Schätzen des Buddhismus und Gehorsam gegenüber dem Herrscher.
- Kapitel
- Asien (Überblick) (redaktionell)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Vertiefung
Zum Einstieg
Wie hält man einen Staat aus zerstrittenen Sippen zusammen, und welche Lehre soll dafür den Rahmen geben?
- Position
- Die ihm zugeschriebene Verfassung setzt auf Eintracht, Ehrfurcht vor dem Buddhismus und eine Verwaltung nach konfuzianischem Vorbild, ohne die Rituale für die kami aufzugeben.
- Einwand
- Ob der Text wirklich von Shōtoku stammt, ist unsicher, und die meisten Bestimmungen wurden erst viel später umgesetzt. Auch sein Leben ist stark von Legenden überlagert.
- Verbindung
- Die Verfassung greift konfuzianische Ordnungsgedanken und die Verehrung der Drei Schätze des Buddhismus auf. Shinran verehrte Shōtoku später als Vorbild.
Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen
Wer Shōtoku Taishi war
Japanischer Prinzregent der frühen Asuka-Zeit, dem die Überlieferung die Siebzehn-Artikel-Verfassung und Auslegungen buddhistischer Lehrtexte zuschreibt. Die Forschung sieht in dieser Verfassung ein frühes Beispiel dafür, wie japanisches Denken verschiedene Lehren zu einem Ganzen verbindet.
Shōtoku lebte in einer Zeit, in der Japan aus vielen halb selbstständigen Sippenverbänden bestand und der Buddhismus gerade erst vom Festland her ins Land kam. Fast alles, was wir über sein Leben wissen, stammt aus der Chronik Nihon Shoki von 720, also knapp hundert Jahre nach seinem Tod, und aus noch späteren Legenden. Er gilt als halb legendäre Gestalt.
Kernidee genauer
Nach der Forschung verbindet sie dafür konfuzianische Ordnungsideale, buddhistische Frömmigkeit und das Weiterführen der Staatsrituale für die kami. Ob der Text wirklich von ihm stammt, ist umstritten. Die Überlieferung nennt ihn außerdem als Verfasser von Kommentaren zu drei buddhistischen Lehrtexten.
Biografischer Moment
Lebensereignis Belegtes Ereignis aus dem Leben. Ob es das Denken geprägt hat, behauptet die Angabe nicht.
Shōtoku wurde Regent, als Machtkämpfe seine Tante auf den Thron gebracht hatten, und regierte in einem Land aus halb selbstständigen Sippenverbänden. Die Verfassung entstand in dieser Zeit der Zersplitterung und betont den einheitlichen Staat unter einem Herrscher. Welche Rolle er selbst dabei spielte, ist wegen der späten Quellen nicht sicher.[1][2]
Bekannt für
Man kennt Shōtoku Taishi für die Siebzehn-Artikel-Verfassung, die schon im ersten Artikel Eintracht zum Wert erklärt. Ein Alltagsbeispiel: Wenn Du in einem Konflikt zuerst fragst, wie Ihr wieder miteinander reden könnt, und erst danach, wer recht hat, folgst Du dem Geist des ersten Artikels.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Eintracht als erster Grundsatz
Der erste Artikel der überlieferten Verfassung verlangt, Eintracht (wa) hochzuhalten und Streit zu vermeiden. Der Text begründet das damit, dass jeder Mensch seine Vorurteile hat und nur wenige weitsichtig sind. Wenn die Oberen untereinander einig und die Unteren freundlich gesinnt sind, wird nach dem Text in Ruhe beraten, und die richtige Sicht setzt sich durch.
Die Drei Schätze
Der zweite Artikel fordert aufrichtige Ehrfurcht vor den Drei Schätzen: dem Buddha, der Lehre (Dharma) und der Gemeinschaft der Mönche (Sangha). Der Text nennt sie die letzte Zuflucht aller Lebewesen und erklärt, nur wenige Menschen seien so schlecht, dass man sie nicht in der Lehre unterweisen könne.
Staat, Buddhismus und kami zusammengedacht
Die Forschung beschreibt die Verfassung als Beispiel dafür, wie in Japan verschiedene Lehren nebeneinander ihren eigenen Bereich bekamen. Der Buddhismus sollte Staatsreligion werden, die Staatsrituale für die kami blieben bestehen, und das Verhalten der Beamten sollte sich an konfuzianischen Idealen und einigen Gedanken der chinesischen Rechtsschule (Legalismus, die Lehre von der Lenkung durch Gesetz und Strafe) ausrichten.
Regelwerk für die Führungsschicht
Die Verfassung ist eine Sammlung sittlicher Vorschriften für die Herrscherschicht. Sie betont einen einheitlichen Staat unter einem Herrscher, die Auswahl der Beamten nach Verdienst statt nach Herkunft und die Pflichten der Beamten gegenüber den Beherrschten.
Begriffe
- wa (Harmonie
- Eintracht)
- Drei Schätze (Buddha
- Lehre
- Gemeinschaft der Mönche)
- Verbindung von Konfuzianismus
- Buddhismus und Verehrung der kami (Gottheiten der einheimischen Religion
- später Shintō genannt)
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
2 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 2 überliefert). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Übernimmt Gedanken von
Shōtoku Taishi übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
KonfuziusPrüfstand: überliefert
Die Shōtoku zugeschriebene Verfassung nimmt konfuzianische Gedanken auf, zum Beispiel den einheitlichen Staat unter einem Herrscher, die Auswahl der Beamten nach Verdienst und die Tugenden Gerechtigkeit, Anstand und Fleiß. Da die Verfasserschaft umstritten ist, gilt das nur für die Überlieferung.
Siddhartha Gautama (Buddha)Prüfstand: überliefert
Der zweite Artikel der Shōtoku zugeschriebenen Verfassung verlangt Ehrfurcht vor den Drei Schätzen, zu denen der Buddha gehört, und die Forschung sieht darin die Absicht, den Buddhismus zur Staatsreligion zu machen. Da die Verfasserschaft umstritten ist, gilt das nur für die Überlieferung.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
Shōtoku wurde 574 in Yamato geboren, als zweiter Sohn von Kaiser Yōmei, und gehörte zur mächtigen Familie Soga. Er starb am 8. April 622. Er wurde 593 Kronprinz und Regent, nachdem politische Machtkämpfe seine Tante auf den Thron gebracht hatten.[1]
Biografie überliefert
Die ältesten schriftlichen Berichte stammen aus dem achten Jahrhundert. Sie schreiben ihm zu, Buddhismus und Konfuzianismus bei koreanischen Lehrern gelernt, ein System von zwölf Hofrängen eingeführt, eine Verfassung mit siebzehn Artikeln verfasst und Auslegungen von drei Lehrtexten verfasst oder vorgetragen zu haben. Er gilt als halb legendäre Gestalt.[4]
Zeitgeschehen belegt
Die Verfassung entstand in einer Zeit der Zersplitterung, als Japan in erbliche, halb selbstständige Sippenverbände (uji) geteilt war. Sie soll den Grundgedanken der späteren Reformen nach chinesischem Vorbild geprägt haben.[2]
Wirkung belegt
Nach seinem Tod galt Shōtoku als buddhistischer Heiliger. Spätere Gründer buddhistischer Schulen wie Saichō und Shinran verehrten ihn. In der Neuzeit wurde er als Vorbild japanischer Tugenden wie Eintracht dargestellt und für Nationalismus und starke Kaisermacht in Anspruch genommen.[4]
Kritik
Die Verfasserschaft ist umstritten. Manche Historiker halten die Verfassung in ihrer überlieferten Form für eine spätere Fälschung; nach einer Einschätzung gibt sie aber auch dann sein Denken wieder. Als Grund für die Zweifel wird genannt, dass der Text Ausdrücke benutzt, die nicht zu Shōtokus Zeit passen. Ob man den Text im heutigen Sinn eine Verfassung nennen darf, ist ebenfalls umstritten, denn er enthält vor allem sittliche Grundsätze und kaum Gesetze. Die Verehrung Shōtokus als Heiliger setzte nach seinem Tod ein, und die Nutzung für Nationalismus und starke Kaisermacht kam erst in der Neuzeit hinzu.
Wirkung heute
Die Forschung deutet die Siebzehn-Artikel-Verfassung als wohl frühestes erhaltenes Beispiel eines japanischen philosophischen Versuchs, mehrere Überlieferungen zu verbinden: Konfuzianismus, Buddhismus und frühe Shintō-Mythen.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Der erste Artikel der Verfassung schlägt vor, Gespräche so zu führen, dass Eintracht entsteht, damit in Ruhe beraten werden kann. Wenn Du ein Team leitest, kannst Du vor einer schwierigen Entscheidung zuerst dafür sorgen, dass alle gehört werden, und erst dann entscheiden. Das ist eine Übertragung und keine Aussage Shōtokus über moderne Führung.
Lebensstationen
- 574Geburt in Yamato
- 593Wird Kronprinz und Regent unter seiner Tante, der Herrscherin Suiko
- 604Der Überlieferung nach Erlass der Siebzehn-Artikel-Verfassung; Verfasserschaft umstritten
- 622Tod am 8. April in Yamato
Werke
Siebzehn-Artikel-Verfassung (Jūshichijō kenpō, der Überlieferung nach 604, Verfasserschaft umstritten); Sangyō gisho, Kommentare zu drei Lehrtexten (Lotos-Sutra, Vimalakīrti-Sutra, Śrīmālā-Sutra, der Überlieferung nach)
Anekdote überliefert
Die Legende erzählt, Shōtoku sei vor einer Stalltür geboren worden, seine Mutter habe ihn ohne Mühe zur Welt gebracht, und er habe schon bei der Geburt sprechen und laufen können. Sein Name Umayado bedeutet „Prinz der Stalltür“.[6]
Lesetipps
- Einstieg
- Britannica, „Taishi Shōtoku“ und „Seventeen Article Constitution“
- Vertiefung
- Thomas P. Kasulis, „Prince Shōtoku’s Constitution and the Synthetic Nature of Japanese Thought“, in: Bret W. Davis (Herausgeber), The Oxford Handbook of Japanese Philosophy (Oxford University Press, 2020), Seiten 85 bis 96
Noch nicht sicher belegt
- Fast alles über Shōtokus Leben stammt aus Quellen, die gut hundert Jahre nach seinem Tod entstanden, und aus noch späteren Legenden. Ob die Siebzehn-Artikel-Verfassung wirklich von ihm stammt, ist umstritten; manche Forscher halten sie in der überlieferten Form für eine spätere Fälschung. Auch die Verfasserschaft der Kommentare zu den drei Lehrtexten ist nicht gesichert. Das Todesjahr wird mit 621 oder 622 angegeben, das Geburtsjahr mit 573 oder 574.
Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 7: Japan klassisch und Korea. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen
Quellen zu Shōtoku Taishi
- [1]Taishi Shōtoku · Britannica
- [2]Seventeen Article Constitution · Britannica
- [3]Japanese Philosophy, Abschnitt 4.1.1 · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [4]Encyclopedia of Buddhism, Shotoku, Prince (Taishi) · Webseite
- [5]afe.easia.columbia.edu/ps/japan/shotoku.pdf · Webseite
- [6](englisch), Prince Shōtoku, Abschnitt Legends · Wikipedia
- [7]Seventeen-article constitution · Wikipedia
- [8]academic.oup.com/edited-volume/38147/chapter-abstract/332922246 · Webseite