Zum Inhalt springen

Landkarte der Philosophie · Kann eine Maschine für mich denken?

Zwei Blickrichtungen auf den Satz, der den Kunden treffen wird

Der gemeinsame Fall

Am Abend vor dem Absenden weißt du, dass ein Satz im Entwurf den Kunden treffen wird, obwohl das Programm ihn für unauffällig hält. Zugleich hat es dir Zahlen zusammengesucht, die du nicht mehr im Kopf hattest, und ohne sie könntest du die Mail kaum schreiben.

Zwei Fragen, ein Entwurf: Dreyfus fragt, was du über den Kunden weißt, das sich nicht in Regeln fassen lässt. Clark und Chalmers fragen, welche Rolle ein Hilfsmittel bei deiner Aufgabe spielt, egal ob es im Kopf liegt oder auf dem Tisch. Keine der beiden ersetzt die Frage der zweiten Station, ob richtige Antworten schon Verstehen sind. Bei den Zahlen führen beide oft zur selben Handlung, beim Satz, der den Kunden trifft, gehen sie auseinander. Die Gegenüberstellung ist redaktionell, und keine der beiden Positionen ist die richtige Antwort auf deine Mail.

Redaktionelle Kreuzung: keine historische Abstammungslinie. Keine Richtung ist ein Ausgang, auf den du dich festlegst.

Welcher Einwand trifft dich am ehesten?

Wähle eine Frage. Du siehst darunter eine kurze Antwort, und die dazu passenden Richtungen stehen zuerst offen. Alle anderen bleiben erreichbar, und alle Wege führen zum selben Punkt am Ende.

Das Programm kennt diesen Kunden doch gar nicht.

Das kann gut sein, und mit Dreyfus lohnt sich die Frage, woher du ihn kennst. Dein Wissen über den Kunden steckt dann nicht nur in Fakten, sondern in einem Gespür, das du in vielen Gesprächen erworben hast und das sich nach Dreyfus nicht vollständig in Regeln fassen lässt. Clark und Chalmers bleiben eine weitere Blickrichtung: Vieles, was du über den Kunden weißt, steht vielleicht längst in deinen Notizen und spielt beim Schreiben die Rolle eines Gedächtnisses. Ob das Programm versteht, was es schreibt, fragt die zweite Station.

Was diese Antwort kostet

Wenn dein Gespür den Ausschlag gibt: Woran merkst du, dass es dich täuscht, etwa weil du dich über den Kunden geärgert hast?

Eine Frage zum Weiterdenken, keine Falle. Es geht darum, den Preis deines Maßstabs zu sehen.

Dazu passen diese Richtungen: Hubert Dreyfus.

Zugeklappt, aber erreichbar: Andy Clark, David Chalmers. Diese Blickrichtung beantwortet deine Frage nicht direkt; du kannst sie trotzdem aufklappen.

Mehr dazu: Station 3, Braucht Verstehen einen Körper, der selbst in einer Lage steckt, oder denken wir schon immer auch mit Hilfsmitteln wie einem Notizbuch?

Weiter zum gemeinsamen Punkt: Hier kommen die Positionen zusammen

Ohne die Zahlen aus dem Programm hätte ich die Mail gar nicht schreiben können.

Dann spielt das Programm bei dieser Aufgabe eine Rolle, die Clark und Chalmers ernst nehmen. Nach ihrem Paritätsprinzip zählt nicht, ob etwas im Kopf oder auf dem Bildschirm geschieht, sondern ob es dieselbe Rolle spielt wie dein Gedächtnis. Rupert hält dagegen, dass du ein Werkzeug benutzen kannst, ohne dass es Teil deines Denkens wird, so wie die Axt nicht Teil der Person wird, die damit einen Baum fällt. Dreyfus bleibt eine weitere Blickrichtung: Zahlen lassen sich aufschreiben, das Gespür für den Kunden nach ihm nicht vollständig.

Was diese Antwort kostet

Wenn das Programm zu deinem Denken gehört: Stehst du dann für jeden Fehler in seinen Zahlen so ein, als hättest du dich selbst verrechnet?

Eine Frage zum Weiterdenken, keine Falle. Es geht darum, den Preis deines Maßstabs zu sehen.

Dazu passen diese Richtungen: Andy Clark, David Chalmers.

Zugeklappt, aber erreichbar: Hubert Dreyfus. Diese Blickrichtung beantwortet deine Frage nicht direkt; du kannst sie trotzdem aufklappen.

Mehr dazu: Station 3, Braucht Verstehen einen Körper, der selbst in einer Lage steckt, oder denken wir schon immer auch mit Hilfsmitteln wie einem Notizbuch?

Weiter zum gemeinsamen Punkt: Hier kommen die Positionen zusammen

Ich weiß nicht, ob der Satz wirklich trifft oder ob ich mir das nur einbilde.

Hier treffen sich beide Richtungen, denn beide beziehen mehr ein als den Kopf allein. Mit Dreyfus nimmst du dein Gespür als Wissen ernst, das aus deiner Erfahrung mit diesem Kunden kommt, auch wenn du es nicht in Regeln fassen kannst. Mit Clark und Chalmers kannst du fragen, ob ein Hilfsmittel dieses Gespür stützt, etwa deine Notiz über das letzte Gespräch. Ob Verstehen dabei einen Körper braucht, beantworten die beiden Richtungen verschieden: Für Dreyfus ist der Körper wesentlich, Clark und Chalmers fragen nach der Rolle eines Hilfsmittels.

Was diese Antwort kostet

Wenn du deinem Gespür erst traust, sobald du es begründen kannst: Wie viel von dem, was du über Menschen weißt, bleibt dann noch übrig?

Eine Frage zum Weiterdenken, keine Falle. Es geht darum, den Preis deines Maßstabs zu sehen.

Dazu passen diese Richtungen: Hubert Dreyfus, Andy Clark, David Chalmers.

Mehr dazu: Station 3, Braucht Verstehen einen Körper, der selbst in einer Lage steckt, oder denken wir schon immer auch mit Hilfsmitteln wie einem Notizbuch?

Weiter zum gemeinsamen Punkt: Hier kommen die Positionen zusammen

Ich will wissen, was ich jetzt mit dem Satz mache.

Keine der beiden Blickrichtungen schreibt dir die Mail. Sie liefern Fragen: Was weißt du über den Kunden, das im Entwurf fehlt, und welche Rolle soll das Programm bei dieser Aufgabe spielen? Ob du den Satz änderst, hängt auch davon ab, was in der Mail auf dem Spiel steht und wer am Ende für sie einsteht. Darum geht es in der letzten Station bei Weizenbaum. Ein möglicher Satz für das Gespräch steht im Abschluss des Weges.

Was diese Antwort kostet

Würdest du dir eine feste Regel geben, etwa jede Mail an einen schwierigen Kunden selbst zu Ende zu schreiben, auch wenn das jedes Mal Zeit kostet? Und wer entscheidet, welcher Kunde schwierig ist?

Eine Frage zum Weiterdenken, keine Falle. Es geht darum, den Preis deines Maßstabs zu sehen.

Dazu passen diese Richtungen: Hubert Dreyfus, Andy Clark, David Chalmers.

Zum möglichen Satz für das Gespräch im Abschluss

Mehr dazu: Station 5, Was gibst du ab, wenn du die Mail absendest, und was behältst du?

Weiter zum gemeinsamen Punkt: Hier kommen die Positionen zusammen

Richtung 1 von 2

Was weißt du über diesen Kunden, das sich nicht in Regeln fassen lässt?

Hubert Dreyfus

Du verstehst, warum dein Gespür für eine Lage nach Dreyfus mehr ist als eine Sammlung von Fakten, und woran ein Entwurf scheitern könnte, der alle Fakten kennt.

Redaktionell: PerspektivwechselDreyfus sowie Clark und Chalmers beziehen beide mehr ein als den Kopf, fragen aber verschieden: Dreyfus nach dem Körper in einer Lage, Clark und Chalmers nach der Rolle eines Hilfsmittels. Die Gegenüberstellung ist redaktionell. Dreyfus’ Einwand, der Geist erweitere sich nicht, richtete sich gegen Michael Wheeler und nicht unmittelbar gegen Clark und Chalmers.

Das Kernargument

Dreyfus unterscheidet zwei Arten des Wissens. Wissen, dass etwas so ist, lässt sich in Sätze und Regeln fassen. Wissen, wie man etwas tut, zeigt sich im Können, etwa wenn du ein Gesicht erkennst oder im Gespräch das passende Wort findest, ohne ausdrücklich Möglichkeiten durchzugehen. Können zeigt sich nach ihm dort, wo deine Eingebungen so geübt sind, dass du die Regeln vergisst, die Lage einfach einschätzt und handelst. Auch wo wir ausdrücklich mit Zeichen arbeiten, stützen wir uns nach ihm auf einen unbewussten Hintergrund, zu dem auch Alltagswissen gehört und ohne den die Zeichen nichts bedeuten würden.

Am Fall

Dreyfus kritisierte vor allem Programme, die mit ausdrücklichen Symbolen und Regeln arbeiten, die Mail ist eine Übertragung. Dass der Satz den Kunden treffen wird, weißt du nicht aus einer Regel, sondern weil du seinen gereizten Tonfall kennst und viele Gespräche mit ihm hinter dir hast. Dieses Gespür kannst du kaum vollständig aufschreiben, und gerade darum fehlt es dem Entwurf.

Ein ernsthafter Einwand

Man kann gegen Dreyfus einwenden, dass seine Kritik vor allem Programme mit ausdrücklichen Symbolen und Regeln trifft und lernende Verfahren anders arbeiten, und er selbst räumte 1992 ein, dass solche Verfahren manche der Tendenzen erfassen können, die er für wesentlich hält. Peter Norvig und Stuart Russell halten außerdem fest: Dass man sich keine Regeln für menschliches Können vorstellen kann, heißt noch nicht, dass es keine gibt.

Quellen dieser Richtung

Vertiefen in Station 3: Braucht Verstehen einen Körper, der selbst in einer Lage steckt, oder denken wir schon immer auch mit Hilfsmitteln wie einem Notizbuch?

Richtung 2 von 2

Welche Rolle spielt ein Hilfsmittel bei deiner Aufgabe?

Andy Clark und David Chalmers

Du kannst prüfen, ob ein Werkzeug zu deinem Denken gehört oder ob du es nur benutzt, statt Kopf und Gerät von vornherein zu trennen.

Redaktionell: PerspektivwechselClark und Chalmers fragen in ihrem Aufsatz von 1998 vor allem nach der Rolle, die etwas bei einer Aufgabe spielt, egal ob es im Kopf liegt oder auf dem Tisch. Die Gegenüberstellung mit Dreyfus ist redaktionell.

Das Kernargument

Clark und Chalmers stützen sich auf ein Paritätsprinzip, also einen Grundsatz der Gleichwertigkeit von innen und außen: Wenn ein Teil der Welt bei einer Aufgabe so arbeitet, dass du ihn ohne Zögern zum Denken zählen würdest, fände es im Kopf statt, dann gehört er zum Denken. Ihr Beispiel sind Inga und Otto, die beide ins Museum wollen. Inga ruft die Adresse aus ihrem Gedächtnis ab, Otto, der an Alzheimer leidet, schlägt sie in seinem Notizbuch nach. Weil der Eintrag für Otto dieselbe Rolle spielt wie die Erinnerung für Inga, gehört das Notizbuch zu Ottos Denken. Es kommt also nicht darauf an, wo etwas geschieht, sondern welche Rolle es spielt.

Am Fall

Clark und Chalmers sprechen von einem Notizbuch, das Otto selbst geführt hat, und nicht von einem Programm, das Texte schreibt; die Mail ist eine Übertragung. Die Zahlen, die das Programm dir zusammengesucht hat, spielen beim Schreiben eine ähnliche Rolle wie ein Gedächtnis. Ob auch der fertige Entwurf zu deinem Denken gehört, ist eine weitere Frage, denn Otto hat seine Einträge selbst geschrieben.

Ein ernsthafter Einwand

Frederick Adams und Kenneth Aizawa wenden ein, dass ein Notizbucheintrag keinen ursprünglichen Inhalt hat, sondern seine Bedeutung erst von menschlichen Gedanken bekommt. Robert Rupert meint, es genüge, Werkzeuge als Hilfsmittel eines Denkens zu sehen, das im Kopf stattfindet: Auch eine Axt wird nicht Teil der Person, die damit einen Baum fällt.

Quellen dieser Richtung

Vertiefen in Station 3: Braucht Verstehen einen Körper, der selbst in einer Lage steckt, oder denken wir schon immer auch mit Hilfsmitteln wie einem Notizbuch?

Hier kommen die Positionen zusammen

Abgeben, aber aus welchem Grund?

Bei den Zahlen können beide Richtungen zur selben Handlung führen: Du übernimmst sie und prüfst sie kurz. Mit Clark und Chalmers spielt die Zusammenstellung beim Schreiben eine ähnliche Rolle wie dein Gedächtnis. Mit Dreyfus gehören Zahlen zu dem Wissen, das sich aufschreiben lässt; seine Kritik zielt auf etwas anderes. Auseinander gehen die Richtungen beim Satz, der den Kunden treffen wird. Mit Dreyfus fehlt dem Entwurf hier das Gespür eines Menschen, der in der Lage steckt. Mit Clark und Chalmers fragst du dagegen, ob das Programm bei dieser Aufgabe eine Rolle spielt, die du ohne Zögern zum Denken zählen würdest, wenn sie in deinem Kopf stattfände.

Selbst weiterdenken

Was verändert das an deiner ersten Einschätzung?

Freiwillig. Du kannst direkt weiterlesen.

Weiter auf dem Weg: Braucht Verstehen einen Körper, der selbst in einer Lage steckt, oder denken wir schon immer auch mit Hilfsmitteln wie einem Notizbuch?