Zum Inhalt springen

Landkarte der Philosophie

Axel Honneth

geb. 1949

Strömung
Kritische Theorie
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

Kommt in diesen Denkwegen vor

Der Theoretiker der Anerkennung, lange Direktor des Instituts für Sozialforschung.

Schüler von Habermas, greift auf den jungen Hegel zurück.

Kernidee

Menschen brauchen drei Arten von Anerkennung: Liebe, Recht und Wertschätzung. Wo sie fehlt, entstehen Kränkung und Konflikt. Soziale Kämpfe sind im Kern Kämpfe um Anerkennung.

Bekannt für

Honneth sagt, dass Menschen vor allem nach Anerkennung streben. Viele soziale Konflikte entstehen, weil Menschen sich missachtet fühlen, und nicht nur, weil ihnen Geld fehlt.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Drei Formen der Anerkennung

Menschen brauchen Liebe in nahen Beziehungen, Respekt als gleichberechtigte Bürger und Wertschätzung für ihre Leistung. Fehlt eine davon, leidet das Selbstbild. Eine Mitarbeiterin, die fair bezahlt wird, deren Arbeit aber nie gesehen wird, erlebt genau so eine Lücke.

Kampf um Anerkennung

Erfahrungen von Missachtung können in Protest umschlagen. Gruppen kämpfen dann darum, dass ihre Würde öffentlich anerkannt wird. Die Bürgerrechtsbewegung oder Proteste von Pflegekräften lassen sich so verstehen.

Unsichtbarkeit

Man kann Menschen demütigen, indem man durch sie hindurchsieht. Honneth zeigt, dass schon fehlender Blickkontakt eine Form der Missachtung sein kann. Ein Chef, der die Reinigungskraft nie grüßt, sendet eine klare Botschaft.

Begriffe

Kampf um Anerkennung
Missachtung
soziale Freiheit
Anerkennung
: Anerkennung heißt, dass andere dich als Person gelten lassen und positiv würdigen; das ist mehr, als nur zu bemerken, dass es dich gibt. In der Tradition Hegels ist Anerkennung gegenseitig gedacht: Du wirst dir deiner selbst als freie Person erst bewusst, wenn andere dich anerkennen und du sie ebenso.

Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen

4 Verbindungen im Netz, davon 2 noch nicht einzeln geprüft. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Lehrer

Persönliches Lehrverhältnis: hat Honneth unterrichtet.

  • Jürgen Habermasungeprüft

    Honneth ist Habermas' Assistent und später Nachfolger am Lehrstuhl.

Persönlich verbunden

Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.

  • Rahel Jaeggiungeprüft

    Jaeggi arbeitet in Honneths Frankfurter Umfeld am Entfremdungsbegriff.

Gegenseitige Kritik

Beide Seiten kritisieren Thesen der anderen.

  • Nancy Fraserbelegt

    Gegenseitige Kritik in „Umverteilung oder Anerkennung?“ (2003): Fraser kritisiert, dass Honneth die Anerkennung über die Umverteilung stellt, und verlangt beides zugleich; Honneth hält dagegen, dass sich Verteilungsfragen als Anerkennungsfragen verstehen lassen, und Fraser antwortet wiederum mit dem Hinweis auf den Kapitalismus.

Baut auf

Honneth übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Abhängigkeit belegt

    Von 2001 bis 2018 leitete er das Institut für Sozialforschung in Frankfurt. Als Direktor war er zugleich Hüter der Tradition, was manche als Grund für eine eher vorsichtige, wenig radikale Ausrichtung sehen.[1]

  • Biografie Deutung

    Er wurde 1949 in Essen geboren und wuchs im Ruhrgebiet auf, einer Region der Arbeiter und des Bergbaus. Dass diese Umgebung sein Gespür für Klassenunterschiede und Missachtung geschärft hat, liegt nahe.[2]

  • Zeitgeschehen belegt

    Seit 2011 lehrt er auch an der Columbia University in New York. Seine Theorie traf in den 1990er Jahren auf die Debatten über Identitätspolitik und wurde dadurch international bekannt.[1]

Kritik

Nancy Fraser wirft ihm vor, ökonomische Ungleichheit in psychologische Kränkung umzudeuten. Andere Kritiker meinen, Anerkennung könne auch zur Anpassung führen, wenn Menschen sich nach Lob sehnen, das ihnen das System gewährt.

Wirkung heute

Der Begriff Anerkennung ist aus Debatten über Arbeit, Pflege und Populismus nicht mehr wegzudenken. In "Der arbeitende Souverän" (2023) wendet Honneth ihn auf die Würde der Arbeit an.

Brücke zu Führung und Coaching

Anerkennung ist kein Bonusprogramm, sondern Grundbedürfnis. Eine Führungskraft sollte unterscheiden, ob jemand Respekt als gleichwertiges Teammitglied, Wertschätzung für Leistung oder schlicht Gesehenwerden braucht. Wer nur mit Geld reagiert, wenn eigentlich Würdigung fehlt, löst das Problem nicht.

Lebensstationen

  1. 1949Geboren in Essen
  2. 1983Assistent von Habermas
  3. 1992Kampf um Anerkennung erscheint
  4. 2001Direktor des Instituts für Sozialforschung
  5. 2011Das Recht der Freiheit, Columbia-Professur
  6. 2023Der arbeitende Souverän erscheint

Werke

Kritik der Macht (1985)

Kampf um Anerkennung (1992)

Das Recht der Freiheit (2011)

Anekdote belegt

Honneth übernahm 1996 in Frankfurt genau den Lehrstuhl für Sozialphilosophie, den zuvor sein Lehrer Habermas innehatte. Fünf Jahre später übernahm er auch die Leitung des Instituts, das einst Horkheimer geführt hatte.[1]

Lesetipps

Einstieg
Verdinglichung (2005): kurze, gut lesbare Studie über das Vergessen von Anerkennung
Vertiefung
Nancy Fraser und Axel Honneth: Umverteilung oder Anerkennung? Eine politisch-philosophische Kontroverse (2003), Streitgespräch als Einführung

Wege durchs Netz

Herkunft der Daten: Kritische Theorie. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.

Quellen zu Honneth

  1. [1]Axel Honneth · Wikipedia
  2. [2]Axel Honneth · Wikipedia

Zurück zur Landkarte · Suche