Alison Jaggar
Philosophin · geboren 1942 · Sheffield (England), Boulder (Colorado), Oslo (Norwegen)
Kernidee in Kürze
Jaggar fragt, welches Bild vom Menschen hinter einer politischen Theorie steht, und prüft von dort aus, wie Feminismus, Liberalismus, Marxismus und radikale Theorien Frauen verstehen. Sie verteidigt eine sozialistisch-feministische Sicht, die männliche Herrschaft aus der entfremdeten Arbeit von Frauen herleitet, also aus Arbeit, die ihnen fremd bleibt und über die sie nicht bestimmen.
- Kapitel
- Gegenwart (redaktionell)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Vertiefung
Zum Einstieg
Welches Bild vom Menschen steckt hinter den Theorien des Feminismus, und welche Rolle spielen Gefühle beim Erkennen?
- Position
- Jaggar ordnet den Feminismus in vier Lager und verteidigt den sozialistischen Feminismus, der männliche Herrschaft aus entfremdeter Arbeit erklärt. Gefühle sieht sie als Teil von Erkenntnis, besonders bei benachteiligten Gruppen.
- Einwand
- Ihre vier Kategorien passen auf frühere und neuere Strömungen schlecht, und die Großerzählungen hinter dem marxistischen und dem sozialistischen Feminismus gelten als weniger glaubhaft.
- Verbindung
- Jaggar baut auf Marx auf, indem sie marxistische Begriffe für feministische Fragen einsetzt. In der Forschung steht ihre Kritik an der männlich geprägten politischen Theorie neben der von Susan Moller Okin.
Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen
Wer Jaggar war
In England geborene amerikanische Philosophin, die in Feminist Politics and Human Nature die großen Strömungen feministischer Politik ordnete und für eine sozialistisch-feministische Theorie eintrat, sowie früh die Rolle von Gefühlen für Erkenntnis untersuchte.
Jaggar gehört zu den ersten, die feministische Fragen in die akademische Philosophie brachten. Sie lehrte an mehreren Universitäten in den Vereinigten Staaten, Neuseeland und Norwegen, von 1990 bis zu ihrem Ruhestand 2020 an der University of Colorado Boulder, und forschte später zu Geschlecht und globaler Gerechtigkeit.
Kernidee genauer
Später zeigt sie, dass Gefühle nicht das Gegenteil von Wissen sind, sondern in der Erkenntnis eine Rolle spielen, gerade bei Gruppen, die benachteiligt sind.
Biografischer Moment
Belegter Einfluss Die angegebenen Quellen dokumentieren, dass dieses Erlebnis das Denken beeinflusst hat. Belegt heißt dokumentiert, nicht bewiesen.
Jaggars Aufsatz On Sexual Equality von 1974 gehört zu den frühen Aufsätzen, mit denen feministische Ethik in den 1970er Jahren zu einem Fach der Philosophie wurde. Er wandte sich gegen die Trennung der Geschlechter als Weg zu einer besseren Welt.[6]
Fundstelle: Abschnitte 1 und 1.3
Bekannt für
Man kennt Jaggar für ihre Einteilung des feministischen Denkens in vier Lager und für die Frage, welche Rolle Gefühle beim Erkennen spielen. Ein Alltagsbeispiel: Wenn Du in einem Gespräch ein ungutes Gefühl hast, ohne es erklären zu können, würde Jaggar das nicht vorschnell abtun, sondern fragen, was es über die Lage aussagt, in der Du bist.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Vier Lager des Feminismus
In Feminist Politics and Human Nature (1983) ordnet Jaggar feministische politische Philosophie in vier Gruppen: liberalen, marxistischen, radikalen und sozialistischen Feminismus. Sie fragt jeweils, welches Menschenbild dahintersteht. Das Buch war wohl der erste philosophische Text, der diese Kategorien erklärte.
Sozialistischer Feminismus und entfremdete Arbeit
Sie übernimmt damit Begriffe von Marx, die auf Arbeit und wirtschaftliche Strukturen zielen, und erweitert sie um unbezahlte Arbeit zu Hause.
Gefühle und Erkenntnis
In ihrem Aufsatz von 1989 argumentiert Jaggar, dass die westliche Tradition Gefühle als Gefahr für Wissen ansah und dadurch ihre Rolle beim Erkennen verdeckte. Der Mythos vom unbeteiligten Forschen habe die Erkenntnisautorität von Frauen und anderen Gruppen, die mit Gefühl verbunden werden, geschwächt. Gefühle benachteiligter Gruppen könnten zu einer kritischen Gesellschaftstheorie beitragen.
Außenseiter-Gefühle
Jaggar nennt Gefühle, die von den üblichen Erwartungen abweichen, „outlaw emotions“. Eine Frau kann zum Beispiel Angst oder Verlegenheit bei sexuellen Anspielungen spüren und glauben, sie sei zimperlich. Solche Gefühle können zum Anlass werden, die Lage neu zu deuten und gemeinsam eine andere Sicht aufzubauen.
Frühe Arbeiten zu Gleichheit und globaler Gerechtigkeit
Schon 1974 sprach sich Jaggar gegen eine Trennung der Geschlechter als Weg aus und wollte stattdessen eine Kultur, die das Beste beider Seiten verbindet. In späteren Jahren brachte sie Geschlecht als Kategorie in die Debatte über globale Gerechtigkeit und beteiligte sich an einem Forschungsteam, das ein Armutsmaß mit Blick auf Geschlecht entwickelt.
Begriffe
- liberaler
- marxistischer
- radikaler und sozialistischer Feminismus (Jaggars Einteilung)
- entfremdete Arbeit
- Menschenbild (human nature)
- „Außenseiter-Gefühle“ (outlaw emotions: Gefühle
- die nicht zu den geltenden Regeln passen)
- feministische Erkenntnistheorie
- globale Gerechtigkeit
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
2 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 1 belegt, 1 Deutung). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Übernimmt Gedanken von
Jaggar übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
Karl MarxPrüfstand: belegt
Jaggar übernimmt marxistische Begriffe, die auf Arbeit und wirtschaftliche Strukturen zielen, und verteidigt eine sozialistisch-feministische Theorie männlicher Herrschaft, die auf entfremdeter Arbeit von Frauen beruht.
Im Vergleich
Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.
Susan Moller OkinPrüfstand: Deutung
Redaktioneller Vergleich: Die Stanford Encyclopedia of Philosophy nennt Jaggars Arbeit von 1989 neben Okins Arbeiten als Beispiele dafür, dass feministische Kritik die männlich geprägten Grundlagen der politischen Theorie freilegte. Ein Einfluss zwischen beiden ist damit nicht behauptet.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
Jaggar wurde in Sheffield in England geboren. Sie studierte in London und Edinburgh und wurde 1970 an der State University of New York in Buffalo promoviert. Von 1990 an lehrte sie an der University of Colorado Boulder, 2020 ging sie in den Ruhestand.[11]
Biografie belegt
Jaggar arbeitete an mehreren Hochschulen, darunter Cincinnati, Rutgers und die Universität Oslo. Von 2007 bis 2014 war sie Forschungskoordinatorin am Zentrum für das Studium des Geistes in der Natur in Oslo. Nach eigener Einschätzung unterrichtete sie den ersten Kurs in feministischer Philosophie.[1]
Zeitgeschehen belegt
Feministische Ethik wurde in den 1970er Jahren zu einem Fach der Philosophie, als philosophische Zeitschriften häufiger Aufsätze zu Feminismus und Sexismus druckten. Jaggars Aufsatz On Sexual Equality von 1974 gehört zu den frühen Beispielen.[6]
Wirkung belegt
Jaggars Einteilung des Feminismus in vier Lager war lange einflussreich. Inzwischen passen diese Kategorien nach Ansicht der Forschung schlecht auf frühere und neuere Strömungen.[5]
Kritik
Radikaler, marxistischer und sozialistischer Feminismus sind durch spätere Entwicklungen in den Hintergrund getreten oder haben sich stark verändert, und die Großerzählungen hinter dem marxistischen und dem sozialistischen Feminismus gelten als weniger glaubhaft. Der radikale Feminismus war unter Theoretikerinnen immer eher eine Nische.
Wirkung heute
Jaggars Aufsatz Love and Knowledge gehört zu den frühen Arbeiten, die dafür argumentieren, dass Vernunft verkörpert und mit Gefühlen verbunden ist und dass Gefühle einen Wert für Erkenntnis und Moral haben. Sie wird auch zu denen gezählt, die die männlich geprägten Grundlagen der politischen Theorie freilegten. Zuletzt arbeitete sie an einer naturalisierten Moralerkenntnistheorie und an einem Armutsmaß, das Geschlecht berücksichtigt.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Wenn Du in einem Gespräch ein Unbehagen spürst, das nicht zu den Regeln der Situation passt, kannst Du mit Jaggar fragen, was dieses Gefühl über die Lage verrät, bevor Du es abtust. Das ist eine Übertragung und keine Aussage von Jaggar über Führung.
Lebensstationen
- 1942Geburt in Sheffield (England)
- 1970Promotion an der State University of New York in Buffalo
- 1974Aufsatz On Sexual Equality in der Zeitschrift Ethics
- 1983Feminist Politics and Human Nature erscheint
- 1989Aufsatz Love and Knowledge: Emotion in Feminist Epistemology
- 1990Beginn an der University of Colorado Boulder
- 2014Ende der Tätigkeit als Forschungskoordinatorin in Oslo (seit 2007)
- 2020Ruhestand an der University of Colorado Boulder
Werke
On Sexual Equality (1974); Feminist Politics and Human Nature (1983); Love and Knowledge: Emotion in Feminist Epistemology (1989); Gender and Global Justice (2014, Herausgeberin)
Lesetipps
- Einstieg
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Feminist Epistemology and Philosophy of Science“, Abschnitt zu emotionaler Beteiligung, und Alison Jaggar, Love and Knowledge (Inquiry, 1989)
- Vertiefung
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Feminist Perspectives on Class and Work“
Noch nicht sicher belegt
- Das Geburtsjahr und der Geburtsort stützen sich auf eine einzige Quelle. Für den von ihr herausgegebenen Sammelband Gender and Global Justice werden 2013 und 2014 als Erscheinungsjahr genannt. Eine Kritik an ihrer Erkenntnistheorie der Gefühle konnte nicht belegt werden. Deutsche Ausgaben ihrer Werke konnten nicht belegt werden.
Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 9: Feministische Philosophie. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen
Quellen zu Jaggar
- [1]Alison Jaggar · Wikipedia
- [2]colorado.edu/cvsp/people/alison-jaggar · Webseite
- [4]Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [5]Feminist Perspectives on Class and Work, Abschnitt 3 · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [6]Stanford Encyclopedia of Philosophy, Feminist Ethics, Abschnitt 2.2 und Bibliographie · abgerufen 2026-10-22
- [7]Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [8]tandfonline.com/doi/abs/10.1080/00201748908602185 · Webseite
- [9]pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12378454 · Webseite
- [10]colorado.edu/philosophy/sites/default/files/attached-files/cv_jaggar.pdf · Webseite
- [11]Wikipedia, Alison Jaggar; University of Colorado Boulder, Lebenslauf; University of Colorado Boulder, Philosophy · Webseite
- [12]colorado.edu/wgst/2016/01/31/gender-and-global-justice · Webseite