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Landkarte der Philosophie

Susan Moller Okin

Philosophin · 1946–2004 · Auckland, Oxford, Harvard, Brandeis, Stanford

Kernidee in Kürze

Okin hielt Theorien der Gerechtigkeit vor, sie sprächen scheinbar geschlechtsneutral von Personen und setzten dabei stillschweigend die traditionelle Familie voraus, in der Frauen die Hausarbeit tragen. Sie argumentierte, dass die Familie nicht außerhalb der Gerechtigkeit liegt: Wie Arbeit und Verantwortung dort verteilt sind, prägt die Chancen von Frauen in Beruf und Politik, und Kinder lernen in der Familie, was sie später für gerecht halten.

Kapitel
Gegenwart (redaktionell)
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

Vertiefung

Zum Einstieg

Wenn Gerechtigkeit überall gelten soll: Warum hören dann Theorien der Gerechtigkeit an der Haustür der Familie auf?

Position
Der Liberalismus soll nicht aufgegeben, sondern so verstanden werden, dass er Frauen und Männer gleich erfasst.
Einwand
Feministinnen streiten darüber, ob Entscheidungen in der Familie, die Gleichheit untergraben, korrigiert werden sollen und wie. Okin setzt auf den Umbau äußerer Strukturen statt auf Zwang.
Verbindung
Okin nimmt die Theorie von Rawls auf und wendet sie auf die Familie an, und sie kritisiert unter anderem Nozick. Kittay und Held gehen von der Sorge aus, Okin vom Liberalismus.

Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen

Wer Okin war

In Neuseeland geborene Philosophin und politische Theoretikerin, die in den Vereinigten Staaten lehrte und mit „Justice, Gender, and the Family“ argumentierte, dass Theorien der Gerechtigkeit die Familie nicht länger als gerechten Privatraum voraussetzen dürfen.

Okin schrieb, nachdem Rawls’ Theorie der Gerechtigkeit von 1971 dem liberalen Denken neuen Schwung gegeben hatte. Sie nahm Rawls’ Gedanken ernst und wandte ihn auf die Familie an, die er und andere Theoretiker stillschweigend als gerecht vorausgesetzt hatten.

Biografischer Moment

Deutung Redaktionelle Deutung eines Zusammenhangs zwischen Leben und Denken, nicht als Tatsache belegt.

Ein Nachschlagewerk beschreibt, dass Okin als Kind unter selbstbewussten Frauen aufwuchs und als Studentin in Auckland die Haltung ihres Professors zu Fragen der Frauen hinterfragte. Das ist eine Darstellung im Nachschlagewerk, kein eigenes Zeugnis Okins.[6]

Bekannt für

Man kennt Okin für „Justice, Gender, and the Family“ (1989), für die Kritik an Rawls, Nozick und anderen und für die Frage, ob Rücksicht auf Kultur Frauen schaden kann. Ein Alltagsbeispiel: In vielen Paaren bleibt der Elternteil mit dem geringeren Einkommen bei den Kindern, und dieser Schritt macht ihn auf Dauer verletzlicher.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Die Familie gehört zur Gerechtigkeit

Nach der englischen Wikipedia argumentiert Okin, die von ihr untersuchten Theoretiker gingen aus einer männlichen Perspektive davon aus, dass die Familie gerecht sei. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy hält fest, dass die Familie ein Lernort der Moral ist, in dem aber zu viele Kinder Ungleichheit und Unterordnung lernen, wie sie bei Okin 1989 nachzulesen ist. Wenn Du in Deinem Team über Fairness redest, lohnt die Frage, wer zu Hause die unsichtbare Arbeit trägt.

Der Kreislauf der Verletzlichkeit

Nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy beschreibt Okin einen Kreislauf: Weil Frauen im Beruf weniger verdienen, ist es für Familien vernünftig, dass sie bei den Kindern bleiben, wodurch sie im Beruf weiter zurückfallen. Strukturen von Arbeit und Familie stützen sich so gegenseitig. Auch in Deinem Betrieb wirken Teilzeit und Karrierewege oft so.

Strukturen ändern statt Entscheidungen verbieten

Die Stanford Encyclopedia of Philosophy gibt Okins Vorschläge wieder: Ehepartner sollen gleichen Anspruch auf das Einkommen des anderen haben, Kinderbetreuung soll für alle verfügbar sein, und die Arbeit soll flexibler werden. Okin hält es für den besten Weg, die äußeren Strukturen umzubauen, statt Entscheidungen in der Familie zu erzwingen. Beispiel: Eine flexible Arbeitszeitregel hilft mehr als ein Appell an Fairness.

Begriffe

Gerechtigkeit in der Familie
Geschlechtergerechtigkeit
liberaler Feminismus
Kreislauf der Verletzlichkeit
Feminismus und Multikulturalismus

Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen

4 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 3 belegt, 1 Deutung). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Was der Prüfstand bedeutet

Kritisiert

Okin kritisiert eine bestimmte These. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.

  • Alasdair MacIntyrePrüfstand: belegt

    Okin hält MacIntyre vor, dass die Tradition, in der er Gerechtigkeit und Vernunft am besten verkörpert sieht, der Thomismus des Thomas von Aquin, die Frauenfeindlichkeit zweier Traditionen verbindet und verstärkt, die der vollen Menschlichkeit von Frauen besonders feindlich gegenüberstanden: der aristotelischen und der augustinisch-christlichen. Nach Okin kann ein Denken, das Gerechtigkeit an Traditionen bindet, Herrschaft nicht kritisch erfassen.

  • Robert NozickPrüfstand: belegt

    Okin hält Nozicks Libertarismus einen Widerspruch vor: Wenn man nach seiner Theorie besitzt, was man mit eigener Arbeit herstellt, müssten Mütter ihre Kinder besitzen, und dann wären die Kinder keine Eigentümer ihrer selbst.

Übernimmt Gedanken von

Okin übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • John RawlsPrüfstand: belegt

    Okin nahm Rawls’ Theorie der Gerechtigkeit auf und wandte sie auf die Familie an; zugleich hält sie ihm vor, dass seine Theorie die Gerechtigkeit der Familie voraussetzt.

Im Vergleich

Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.

  • Eva Feder KittayPrüfstand: Deutung

    Redaktioneller Vergleich: Beide nutzen Rawls’ Theorie, um sie auf die Anliegen von Frauen auszuweiten, Kittay über die Sorgearbeit, Okin über die Familie; ein Einfluss ist damit nicht behauptet.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Biografie belegt

    Okin wurde 1946 in Auckland in Neuseeland geboren. Sie studierte an der University of Auckland, erwarb 1970 den Abschluss Master of Philosophy am Somerville College in Oxford und 1975 den Doktortitel an der Harvard University.[1]

  • Biografie belegt

    Okin lehrte unter anderem an der Brandeis University und wurde 1990 Marta Sutton Weeks Professor of Ethics in Society an der Stanford University. Zuletzt war sie Gastprofessorin am Radcliffe Institute der Harvard University.[3]

  • Tod belegt

    Okin starb am 3. März 2004 mit 57 Jahren; sie wurde in ihrem Haus in Lincoln in Massachusetts tot aufgefunden. Nach Wikipedia ist die Todesursache unbekannt, ein Nachschlagewerk schreibt, sie sei offenbar eines natürlichen Todes gestorben.[6]

  • Ehrung belegt

    Für „Justice, Gender, and the Family“ erhielt Okin zusammen mit einer weiteren Person den Victoria Schuck Award für das beste Buch über Frauen in der Politik des Jahres 1989.[3]

Kritik

Weil Okin, etwa in ihrem Aufsatz über Multikulturalismus, darauf bestand, dass die Rechte von Frauen überall gelten, warfen ihr manche vor, zu eng im westlichen Liberalismus verhaftet zu sein, während andere ihre Verteidigung der Gleichheit feierten. Nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy halten Kritikerinnen die allgemeinen Werte, auf die sie sich beruft, in Wahrheit für ausgeweitete Werte einer bestimmten Kultur.

Wirkung heute

Die Stanford Encyclopedia of Philosophy nennt Okin unter den Autorinnen, die die männlich geprägten Grundlagen der politischen Theorie offengelegt haben. Nach dem Nachruf im Guardian galt sie vielen als diejenige, die die feministische politische Theorie als Fachgebiet begründet hat.

Brücke zu Führung und Coaching

Übertragen auf heute: Wenn Du für ein Team Regeln zu Beförderung und Erreichbarkeit aufstellst, kannst Du mit Okin fragen, wer privat wie viel unbezahlte Arbeit trägt und welche Regeln diese Last im Beruf noch verstärken. Das ist eine Analogie und keine Aussage Okins über Führung.

Lebensstationen

  1. 1946Geburt in Auckland, Neuseeland (19. Juli)
  2. 1970Abschluss Master of Philosophy am Somerville College in Oxford
  3. 1975Promotion an der Harvard University
  4. 1979„Women in Western Political Thought“ erscheint
  5. 1989„Justice, Gender, and the Family“ erscheint
  6. 1990Professur für Ethik in der Gesellschaft an der Stanford University
  7. 1999„Is Multiculturalism Bad for Women?“ erscheint
  8. 2004Tod in Lincoln, Massachusetts (3. März)

Werke

Women in Western Political Thought (1979); Justice, Gender, and the Family (1989); Is Multiculturalism Bad for Women? (1999)

Lesetipps

Einstieg
Susan Moller Okin, Justice, Gender, and the Family (1989); als Einstieg die Kapitel über Rawls und über die Familie.
Vertiefung
Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Feminist Perspectives on the Family“ und „Feminist Political Philosophy“

Noch nicht sicher belegt

  • Ob Okin 1966 oder 1967 den ersten Abschluss in Auckland erwarb, geben die Quellen unterschiedlich an, ebenso ob der Abschluss in Oxford ein Master of Philosophy oder ein Bachelor of Philosophy war. Die Todesursache ist nicht sicher bekannt; ein Nachschlagewerk schreibt nur, sie sei offenbar eines natürlichen Todes gestorben. Die Beschreibung, wie ihre Kindheit unter selbstbewussten Frauen ihre Fragen geprägt hat, stammt aus einem Nachschlagewerk und nicht von Okin selbst.

Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 2: Ethik und Care-Ethik. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen

Quellen zu Okin

  1. [1]Wikipedia (en), Susan Moller Okin, Abschnitt Life; The Guardian, Nachruf vom 26. März 2004
  2. [2]theguardian.com/news/2004/mar/26/guardianobituaries.highereducation · Webseite
  3. [3]Wikipedia (en), Susan Moller Okin, Abschnitt Life; Radcliffe Institute, Profil · Webseite
  4. [4]Stanford Encyclopedia of Philosophy
  5. [5]Stanford Encyclopedia of Philosophy
  6. [6]The Guardian, Nachruf vom 26. März 2004; Wikipedia (en), Susan Moller Okin, Abschnitt Life; Encyclopedia.com, Contemporary Authors · Webseite
  7. [7]rep.routledge.com/articles/biographical/okin-susan-moller-1946-2004/v-1 · Webseite
  8. [8]cambridge.org/core/journals/canadian-journal-of-philosophy/article/abs/on-okins-critique-of-libertarianism/EC18C717BC356944779A1A94CCBC841E · Webseite
  9. [9]cdn.mises.org/21_3_3.pdf · Webseite
  10. [10]repository.uclawsf.edu/cgi/viewcontent.cgi · Webseite
  11. [11]repository.law.umich.edu/cgi/viewcontent.cgi · Webseite

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