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Landkarte der Philosophie

James G. March

Organisationsforscher · 1928–2018 · Cleveland, Pittsburgh, Stanford

Kernidee in Kürze

March fragt, wie Entscheidungen in Organisationen tatsächlich zustande kommen. Zusammen mit Richard Cyert stellte er die Annahme in Frage, dass Firmen ihren Gewinn maximieren und alles wissen.

Kapitel
System und Organisation (redaktionell)
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

Vertiefung

Zum Einstieg

Wie entscheiden Organisationen wirklich, wenn Ziele unklar sind und niemand alles weiß?

Position
March beschreibt Organisationen mit begrenztem Wissen, ausgehandelten Zielen, Routinen und Lernprozessen. Sie suchen Lösungen, die gut genug sind, und manchmal treffen Probleme und Lösungen eher zufällig aufeinander.
Einwand
Es gibt weiter Fürsprecher der Gewinnmaximierung, und die Vorhersagekraft einer Theorie, die den Entscheidungsprozess zur Einheit macht, wird bezweifelt. Das Garbage-Can-Modell passt außerdem nicht auf jede Organisation gleich gut.
Verbindung
March arbeitete eng mit Herbert Simon zusammen und baute auf dessen Begriff der begrenzten Rationalität. Weick schrieb ein Kapitel in Marchs Handbuch der Organisationen.

Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen

Wer March war

Amerikanischer Politikwissenschaftler, Soziologe und Organisationsforscher, der mit Herbert Simon und anderen die Organisationsforschung mitbegründete und zeigte, dass Organisationen mit begrenztem Wissen, unklaren Zielen und Lernprozessen entscheiden.

March war von Haus aus Politikwissenschaftler und gehörte als Kern der Carnegie-Schule zu den Menschen, die die Organisationsforschung als eigenes Feld begründeten. Er ist kein Philosoph, trägt aber zu den Fragen bei, was Rationalität in Organisationen heißt und wie Organisationen lernen. Er schrieb zudem Gedichte und nutzte in seinen Kursen Romane wie „Don Quijote“, um Führung zu erklären.

Kernidee genauer

Später beschrieb er mit Michael Cohen und Johan Olsen Organisationen, in denen Probleme, Lösungen und Beteiligte eher zufällig aufeinandertreffen. Für das Lernen in Organisationen beschrieb er eine Spannung: Wer das Bewährte immer weiter verfeinert, wird kurzfristig besser, kann sich aber langfristig selbst schaden.

Biografischer Moment

Belegter Einfluss Die angegebenen Quellen dokumentieren, dass dieses Erlebnis das Denken beeinflusst hat. Belegt heißt dokumentiert, nicht bewiesen.

Von 1953 bis 1964 lehrte March in Pittsburgh am Carnegie Institute of Technology. Dort schloss er sich mit Simon, Cyert und Guetzkow zusammen. Aus dem Kreis ging die Carnegie-Schule hervor, die eine neue Organisationsforschung begründete.[1]

Bekannt für

Man kennt March für das Garbage-Can-Modell, das beschreibt, wie Organisationen unter Mehrdeutigkeit entscheiden, und für den Gegensatz von Erkunden und Ausnutzen im organisationalen Lernen. Ein Alltagsbeispiel: In einem Meeting wird oft das entschieden, was gerade auf dem Tisch liegt, und nicht, was zuvor geplant war.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Firmen entscheiden mit begrenztem Wissen

Sie nahmen stattdessen an, dass wirkliche Firmen sich mit „gut genug“ zufriedengeben, was auf Simons Idee der begrenzten Rationalität zurückgeht. Ziele sind in diesem Bild ausgehandelte Kompromisse zwischen Gruppen. Außerdem behaupten sie, dass überschüssige Ressourcen, die sie Spielraum der Organisation nennen, die Firma stabilisieren und anpassungsfähig machen.

Das Garbage-Can-Modell

Mit Michael Cohen und Johan Olsen beschrieb March 1972 Entscheidungssituationen, in denen Vorlieben unklar, Verfahren undurchsichtig und die Beteiligten wechselnd sind. Sie nannten das „organisierte Anarchie“. Probleme, Lösungen und Beteiligte werden hier wie in einen Mülleimer geworfen und treffen erst zusammen, wenn eine Gelegenheit zur Entscheidung entsteht. Das Modell beschreibt solche Lagen. Öffentliche Organisationen und Bildungseinrichtungen zeigen diese Merkmale häufiger, teilweise und zeitweise passen sie aber auf jede Organisation.

Erkunden und Ausnutzen

In seinem Aufsatz von 1991 untersucht March, wie sich beim Lernen von Organisationen das Erkunden neuer Möglichkeiten und das Ausnutzen des Bewährten zueinander verhalten. Er argumentiert, dass Anpassungsprozesse, die das Bewährte schneller verfeinern, als sie Neues erkunden, wahrscheinlich kurzfristig wirksam werden, sich auf lange Sicht aber selbst schaden. Außerdem prüft er, ob bestimmte gängige Praktiken in Organisationen diese Neigung abmildern.

Regeln, Routinen und gelebte Konflikte

„Organizations“ (1958) und „A Behavioral Theory of the Firm“ machten deutlich, wie wichtig Regeln, Routinen und Standardverfahren in Organisationen sind. Organisationen leben danach mit ungelösten Konflikten, indem sie ihre Aufmerksamkeit nacheinander auf Anforderungen richten und Pufferreserven nutzen, statt eine geschlossene Rangfolge von Zielen zu bilden.

Begriffe

Verhaltenstheorie der Firma
Garbage-Can-Modell (Mülleimer-Modell)
organisierte Anarchie
Erkunden und Ausnutzen
organisationales Lernen

Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen

2 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 1 belegt, 1 ungeprüft). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Was der Prüfstand bedeutet

Persönlich verbunden

Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.

  • Herbert A. SimonPrüfstand: belegt

    March schrieb 1958 mit Simon das Buch „Organizations“ und arbeitete mit ihm am Carnegie Institute of Technology in der Gruppe, aus der die Carnegie-Schule hervorging.

  • Karl WeickPrüfstand: ungeprüft

    Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.

    Weick schrieb für die erste Ausgabe des von March herausgegebenen „Handbook of Organizations“ (1965) das Kapitel über Laborexperimente mit Organisationen. Eine persönliche Zusammenarbeit darüber hinaus ist nicht belegt.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Biografie belegt

    March wurde 1928 in Cleveland geboren und wuchs in Wisconsin auf. Er studierte Politikwissenschaft an der University of Wisconsin in Madison und an der Yale University, wo er 1953 promovierte. In seiner Doktorarbeit untersuchte er mit Daten aus 15 Kulturen, wie die Selbstständigkeit einer Gruppe mit der Kontrolle in der Gruppe zusammenhängt.[2]

  • Zeitgeschehen belegt

    Von 1953 bis 1964 lehrte March am Carnegie Institute of Technology in Pittsburgh. Dort tat er sich mit Herbert Simon, Richard Cyert und Harold Guetzkow zusammen. Aus dieser Gruppe ging die Carnegie-Schule hervor.[1]

  • Biografie belegt

    Danach war March Gründungsdekan der School of Social Sciences an der University of California in Irvine. 1970 kam er an die Stanford University. Dort gründete er mit skandinavischen Kollegen das Scandinavian Consortium for Organizational Research, dessen Gründungsurkunde 1988 unterzeichnet wurde und das er von 1989 bis 1999 leitete.[9]

  • Biografie belegt

    March starb 2018 mit 90 Jahren in Portola Valley in Kalifornien, einen Monat nach dem Tod seiner Frau, mit der er 71 Jahre verheiratet war. Er veröffentlichte Gedichtbände und drehte zwei Filme. In seinen Kursen nutzte er „Don Quijote“ und „Krieg und Frieden“, um Führung zu erklären.[2]

Kritik

Gegen die Verhaltenstheorie der Firma gibt es Kritik: Sie sei unnötig kompliziert, und es wird bezweifelt, ob sich das Verhalten einer Firma vorhersagen lässt, wenn man ihren Entscheidungsprozess als Einheit betrachtet. Außerdem gibt es weiter Fürsprecher der Gewinnmaximierung gegenüber dem Sich-Begnügen mit „gut genug“. March selbst stellte nach dem Zeugnis seines Mitautors Olsen eher die Theorie in Frage als das Verhalten, wenn beides nicht zusammenpasste.

Wirkung heute

Kollegen nannten March nach seinem Tod einen der Giganten der Organisationstheorie. „Organizations“, „A Behavioral Theory of the Firm“ und das „Handbook of Organizations“ gelten als Klassiker, die neue Generationen inspiriert haben. 2013 feierte eine Tagung in den Vereinigten Staaten den fünfzigsten Jahrestag der Verhaltenstheorie der Firma.

Brücke zu Führung und Coaching

Übertragen auf heute: Frag Dich in Deinem Team, wie viel Zeit ins Verbessern des Bewährten geht und wie viel ins Ausprobieren von Neuem. Nach Marchs Aufsatz wird das Verfeinern des Bekannten schneller wirksam, kann sich aber langfristig als selbstschädigend erweisen. Und wenn in Meetings zufällig das entschieden wird, was gerade vorliegt, sagt Marchs Garbage-Can-Modell, dass das in Lagen mit unklaren Zielen und wechselnden Beteiligten vorkommt. Das ist eine Übertragung auf Führung und keine Handlungsanweisung Marchs.

Lebensstationen

  1. 1928Geburt in Cleveland (15. Januar)
  2. 1953Promotion an der Yale University, Beginn der Arbeit am Carnegie Institute of Technology
  3. 1958„Organizations“ mit Herbert Simon
  4. 1963„A Behavioral Theory of the Firm“ mit Richard Cyert
  5. 1970Wechsel an die Stanford University
  6. 1972Garbage-Can-Aufsatz mit Michael Cohen und Johan Olsen
  7. 1991Aufsatz über Erkunden und Ausnutzen im organisationalen Lernen
  8. 2018Tod in Portola Valley (27. September)

Werke

Organizations (1958, mit Herbert Simon); A Behavioral Theory of the Firm (1963, mit Richard Cyert); A Garbage Can Model of Organizational Choice (1972); Exploration and Exploitation in Organizational Learning (1991)

Lesetipps

Einstieg
James G. March, Exploration and Exploitation in Organizational Learning (Organization Science, 1991)
Vertiefung
Johan P. Olsen und Kollegen, Nachruf auf James G. March der Universität Bergen

Noch nicht sicher belegt

  • Wie viele Gedichtbände March veröffentlichte, geben die Quellen mit neun oder elf an. Der Anteil, den March und Simon an den jeweiligen Kapiteln von „Organizations“ hatten, geht aus den Quellen nicht hervor. Ob Weick und March persönlich zusammenarbeiteten, ist nicht belegt; belegt ist nur Weicks Kapitel in Marchs Sammelband. Ob March 1970 oder 1971 an die Stanford University wechselte, geben die Quellen unterschiedlich an.

Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 3: Organisation, System, Lernen. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen

Quellen zu March

  1. [1]Stanford Graduate School of Education, Nachruf · Webseite
  2. [2]Stanford Graduate School of Education, Nachruf; Universität Bergen, Nachruf · Webseite
  3. [3]James G. March · Wikipedia
  4. [4]A Behavioral Theory of the Firm · Wikipedia
  5. [5]Garbage can model · Wikipedia
  6. [6]pubsonline.informs.org/doi/abs/10.1287/orsc.2.1.71 · Webseite
  7. [7]Karl E. Weick – Wikipedia (en), Abschnitte Background und Career
  8. [8]casbs.stanford.edu/people/james-g-march · Webseite
  9. [9]Universität Bergen, Nachruf; Stanford Graduate School of Education, Nachruf; SCANCOR, Geschichte · Webseite
  10. [10]taylorfrancis.com/books/edit/10.4324/9780203629130/handbook-organizations-rle-organizations-james-march · Webseite
  11. [11]scancor.org/person/james-g-march · Webseite

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