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Landkarte der Philosophie

Karl Weick

Organisationspsychologe · 1936–2026 · Warsaw (Indiana), später University of Michigan

Kapitel
System und Organisation (redaktionell, keine Schulzugehörigkeit)
Kants Fragen
Was kann ich wissen? · Was ist der Mensch? (Deutung)
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

Zum Einstieg

Wie erklärst du dir im Nachhinein, was du getan hast, und was ändert das für dein nächstes Vorhaben?

Position
Weick antwortet, dass Sinn im Handeln entsteht und dass Menschen im Rückblick plausible Erklärungen für ihr Tun entwickeln. Organisationen sind darum fortlaufendes Organisieren, in dem Deutungen verhandelt werden. Entscheidungen folgen oft den Deutungen, nicht umgekehrt.
Einwand
Die englische Wikipedia nennt als Schwäche, dass Weicks Theorie bewusst komplex und mehrdeutig angelegt ist und deshalb schwer zu lehren ist. Einen ausdrücklichen Gegner der Grundthese nennt sie nicht.
Verbindung
Redaktionell gelesen setzt Weick gegen die Entscheidungsperspektive, wie sie Simon und Luhmann vertreten, die Frage, wie Sinn das Organisieren antreibt.

Redaktionell zusammengefasst, keine Zitate. Die Quellen stehen am Ende der Seite.

Kommt in diesen Denkwegen vor

Amerikanischer Organisationspsychologe, der Sensemaking (Sinnbildung), lose Kopplung und kollektive Achtsamkeit in die Organisationsforschung brachte.

Weick steht in diesem Kapitel für die Frage, wie Menschen in Organisationen Situationen deuten, bevor sie entscheiden. Redaktionell gelesen stellt er der Entscheidungsperspektive, für die hier Simon und Luhmann stehen, die Frage nach der Sinnbildung gegenüber.

Kernidee

Weick fragt nicht zuerst, wie Organisationen entscheiden, sondern wie Menschen in ihnen Sinn herstellen. Sinnbildung ist für ihn ein laufender, rückblickender Vorgang, in dem Menschen glaubwürdige Bilder entwickeln, die ihr Handeln erklären. Organisationen sind deshalb ein fortlaufendes Organisieren und keine fertigen Gebilde.

Biografischer Moment

Belegter Einfluss Die Quellen belegen, dass dieses Erlebnis das Denken beeinflusst hat.

Weick schrieb, dass seine Ideen zum Sensemaking in den späten 1960er Jahren mit dem Eindruck zusammenfielen, dass die Verwaltung in Washington einen verlorenen Krieg in Vietnam weiter rechtfertigte. In diesem Umfeld, so Weick, habe man sich dem Gefühl nicht entziehen können, dass Rationalität einen rückblickenden Kern hat und dass Organisationen ihre Umwelt selbst mit hervorbringen. Dies ist Weicks eigene Darstellung im Rückblick.[2]

Fundstelle: Abschnitt From decision-making to sensemaking (zitiert Weick 1993)

Bekannt für

Weick ist bekannt für den Begriff Sensemaking und für seine Analyse des Mann-Gulch-Unglücks. Er brachte außerdem die Begriffe lose Kopplung und Achtsamkeit in die Organisationsforschung.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Sensemaking

Sensemaking ist nach der Definition von Weick, Sutcliffe und Obstfeld (2005) die laufende, rückblickende Entwicklung glaubwürdiger Bilder, die rechtfertigen, was Menschen tun. Weick nennt sieben Merkmale, darunter Identität, Rückblick, Handeln in der Umwelt, soziale Verständigung, laufende Ereignisse, Hinweisreize und Plausibilität. Wenn nach einem Fehlschlag im Team jemand fragt, was eigentlich passiert ist, beginnt genau diese Sinnbildung.

Organizing und Enactment

In The Social Psychology of Organizing (1969) wechselt Weick den Blick von Organisationen als Dingen zum Organisieren als Tätigkeit. Enactment bedeutet, dass Menschen ihre Umwelt durch Handeln mit hervorbringen: Wer handelt, bringt Ordnung in Variablen und schafft damit seine eigenen Beschränkungen. Eine Führungskraft, die ein Problem benennt, formt damit schon, wie das Team es sieht.

Kosmologie-Episode und Mann Gulch

In der Analyse des Mann-Gulch-Unglücks beschreibt Weick eine Kosmologie-Episode als Herausforderung von Annahmen, die Beteiligte an ihrer eigenen Handlungsfähigkeit zweifeln lässt. Mit dem Zusammenbruch der Sinnbildung erklärt er, wie Orientierung verloren geht. In einer Krise im Betrieb lohnt sich deshalb die Frage, welche Grundannahme gerade nicht mehr trägt.

Begriffe

Sensemaking
Organizing
Enactment
lose Kopplung
Mehrdeutigkeit
kollektive Achtsamkeit
Kosmologie-Episode

Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen

2 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 2 Deutung). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Was der Prüfstand bedeutet
belegt
Mit Quelle belegt.
Deutung
Redaktionelle Deutung auf Grundlage der Quellen.
überliefert
Überliefert, aber historisch nicht gesichert.
ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.

Im Vergleich

Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.

  • Herbert A. SimonPrüfstand: Deutung

    Redaktioneller Vergleich: Simon fragt, wie Entscheidungen Organisationen formen, Weick dagegen, wie Sinnbildung das Organisieren antreibt; ein direkter Bezug ist in den abgerufenen Quellen nicht belegt.

  • Niklas LuhmannPrüfstand: Deutung

    Redaktioneller Vergleich: Luhmann beschreibt Organisationen als Systeme aus Entscheidungen, Weick als fortlaufendes Organisieren durch Sinnbildung.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Zeitgeschehen belegt

    Weick beschrieb selbst, dass seine Ideen in den späten 1960er Jahren mit der gesellschaftlichen Einsicht zusammenfielen, dass Verwaltungen in Washington zu rechtfertigen versuchten, immer mehr Mittel in einen Krieg in Vietnam zu stecken, den die Vereinigten Staaten offensichtlich verloren. Für ihn habe die Rationalität einen rückblickenden Kern gehabt: Menschen schauen ängstlich voraus und rechtfertigen im Nachhinein.[2]

  • Biografie belegt

    Weick arbeitete als Professor in Purdue, Minnesota, Cornell, Texas und Michigan und war von 1977 bis 1985 Herausgeber der Zeitschrift Administrative Science Quarterly. An der Ohio State University wurde für ihn und eine Kommilitonin ein eigener Studiengang namens Organisationspsychologie eingerichtet.[1]

Kritik

Weick wurde vorgeworfen, eine Geschichte aus einem Gedicht von Miroslav Holub ohne Quellenangabe weiterverwendet zu haben, was Thomas Basbøll und Henrik Graham beschrieben; Weick bestritt den Plagiatsvorwurf. Die englische Wikipedia merkt außerdem an, dass seine Theorie bewusst komplex und mehrdeutig angelegt ist, was das Lernen und Lehren erschwert.

Wirkung heute

Sensemaking ist ein verbreiteter Begriff in Organisationsforschung, Krisenmanagement und der Forschung zu Hochzuverlässigkeitsorganisationen. Weick starb am 21. Mai 2026 im Alter von 89 Jahren.

Brücke zu Führung und Coaching

Übertragen auf heute: Wenn in deinem Team etwas Unerwartetes passiert, kannst du zuerst fragen, was die Beteiligten gesehen haben und welche Erklärung ihnen plausibel erscheint, bevor du eine Entscheidung triffst. Du sammelst die Deutungen nebeneinander, statt eine einzige zu setzen. Das ist eine Übertragung von Weicks Sensemaking auf Führung, die er in dieser Form nicht als Rezept formuliert hat.

Lebensstationen

  1. 1936Geburt in Warsaw, Indiana (31. Oktober)
  2. 1962Promotion an der Ohio State University
  3. 1969The Social Psychology of Organizing erscheint
  4. 1988Wechsel an die University of Michigan
  5. 1993Aufsatz zum Mann-Gulch-Unglück
  6. 1995Sensemaking in Organizations erscheint
  7. 2026Tod am 21. Mai

Werke

  • Sensemaking in Organizations (1995)

    Ersterscheinung: Sage, Mai 1995.

  • The Social Psychology of Organizing (1969)

    Ersterscheinung: Addison-Wesley, 1969; zweite Auflage McGraw Hill, 1979.

  • The Collapse of Sensemaking in Organizations: The Mann Gulch Disaster (1993)

    Ersterscheinung: Administrative Science Quarterly, Band 38, Heft 4 (1993), ab Seite 628.

Lesetipps

Einstieg
Karl E. Weick, Sensemaking in Organizations (Sage, 1995); sein Hauptwerk, das sieben Merkmale der Sinnbildung erklärt.
Vertiefung
Sensemaking – Wikipedia (en), Abschnitte Weick's approach to sensemaking und From decision-making to sensemaking

Noch nicht sicher belegt

  • Die sieben Merkmale der Sinnbildung ordnet die englische Wikipedia dem Buch von 1969 zu, die Verlagsseite und die Seite Sensemaking ordnen sie dem Buch von 1995 zu.
  • Im Text gilt 1995.
  • Die Merkmale in der Beschreibung (Identität, Rückblick, Enactment, soziale Verständigung, laufende Ereignisse, Hinweisreize, Plausibilität) folgen der englischen Wikipedia.
  • Die genauen Bezeichnungen im Buch wurden nicht geprüft.
  • Die Verbindungen zu Simon und Luhmann sind Lesarten der Redaktion.
  • Die Quellen sprechen nur allgemein von einer Abkehr von der Entscheidungsperspektive.
  • Die Lehrer an der Ohio State University stammen aus der englischen Wikipedia.

Wege durchs Netz

Herkunft der Daten: Kapitel System, Organisation und Lernen. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.

Quellen zu Weick

  1. [1]Karl E. Weick – Wikipedia (en), Abschnitte Background und Career
  2. [2]Sensemaking – Wikipedia (en), Abschnitt From decision-making to sensemaking (Zitat aus Weick 1993)
  3. [3]us.sagepub.com/en-us/cab/sensemaking-in-organizations/book4988 · Webseite
  4. [4]egos.org/egos/about/in_memoriam_Weick · Webseite
  5. [5]thecynefin.co/karl-weick-1936-2026 · Webseite

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