Friedrich Pollock
1894–1970
- Strömung
- Kritische Theorie
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Der Ökonom der Gruppe und Horkheimers lebenslanger Freund.
Seine These prägt den Pessimismus der Dialektik der Aufklärung. Franz Neumann hielt sie für einen Abschied vom Marxismus.
Kernidee
Der Kapitalismus hat sich gewandelt: Der Staat plant und steuert, der freie Markt verschwindet. Das gilt im Faschismus, im Sowjetsystem und abgeschwächt im New Deal.
Bekannt für
Pollock war der Ökonom und Organisator der Frankfurter Schule. Er prägte den Begriff Staatskapitalismus: Der Staat lenkt die Wirtschaft, und der Kapitalismus überlebt seine Krisen gerade dadurch.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Staatskapitalismus
Pollock argumentierte 1941, dass der Markt als Steuerung durch staatliche Planung ersetzt werden kann, ohne dass der Kapitalismus endet. Diese Form könne totalitär sein wie im Nationalsozialismus oder demokratisch. Beispiel: In Krisen greifen Staaten heute massiv in Banken und Industrie ein, und das System stabilisiert sich dadurch eher, als dass es zusammenbricht.
Primat der Politik
Wenn der Staat die Wirtschaft plant, entscheidet über Erfolg nicht mehr der Markt, sondern politische Macht. Damit verschiebt sich der Ort, an dem Herrschaft ausgeübt wird. Beispiel: Für ein Unternehmen wird der gute Draht ins Ministerium wichtiger als das bessere Produkt.
Automation
In einer frühen Studie von 1956 untersuchte Pollock, was Automatisierung für Arbeit und Gesellschaft bedeutet. Er sah Chancen für Wohlstand, aber auch Gefahren für Beschäftigung und Kontrolle. Beispiel: Die heutige Debatte über KI und Arbeitsplätze stellt viele seiner Fragen neu.
Begriffe
- Staatskapitalismus
- Primat der Politik
Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner
Lehrer
- Carl Grünberg: erster Direktor des Instituts, Pollock war sein Stellvertreter
- Marx: Gegenstand seiner Dissertation über die Arbeitswertlehre
Freunde
- Max Horkheimer: lebenslanger engster Freund seit der Jugend
- Felix Weil: Stifter des Instituts und enger Vertrauter
Gegner
- Franz Neumann: hielt Pollocks Staatskapitalismus-These für eine Abkehr vom Marxismus und widersprach in Behemoth
- Arkadij Gurland und Otto Kirchheimer: Kritiker seiner These innerhalb des Instituts
Verbindungen im Netz
3 Verbindungen, davon 3 noch nicht einzeln geprüft. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Baut auf
Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
baut auf Karl Marxungeprüft
Pollock fragt, was aus Marx' Krisentheorie wird, wenn der Staat die Wirtschaft plant.
Kritik
Kritik an einer bestimmten These. Ein persönlicher Streit ist damit nicht gemeint.
kritisiert Franz Neumannungeprüft
Staatskapitalismus gegen Behemoth: War der NS-Staat noch Kapitalismus?
Persönlicher Kontakt
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
persönlich verbunden mit Max Horkheimerungeprüft
Jugendfreunde, lebenslang verbunden.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Geld belegt
Pollock verwaltete das Vermögen des Instituts, das aus dem Getreidehandel der Familie Weil stammte. Seine Entscheidungen über Gehälter und Stipendien bestimmten, wer im Exil weiter forschen konnte.[1]
Zeitgeschehen belegt
Seine Theorie entstand unter dem Eindruck von Weltwirtschaftskrise, New Deal, Sowjetunion und NS-Wirtschaft. Dass alle diese Systeme den Markt durch Planung ersetzten, ließ ihn eine neue Epoche des Kapitalismus vermuten.[2]
Abhängigkeit Deutung
Forscher deuten den Streit mit Neumann auch als Machtfrage innerhalb des Instituts, weil Pollock als Finanzchef zugleich über die Anstellung seiner Kritiker entschied. Neumann musste das Institut kurz darauf verlassen.[3]
Kritik
Neumann warf ihm vor, die Widersprüche der NS-Wirtschaft zu übersehen und ein Bild völliger Ohnmacht zu zeichnen. Marxisten kritisierten, er erkläre die Krisen des Kapitalismus für beendet. Als Autor stand er im Schatten Horkheimers und galt eher als Verwalter denn als Denker.
Wirkung heute
In Debatten über Industriepolitik, staatliche Rettungspakete und den chinesischen Staatskapitalismus wird Pollock wieder gelesen. Seine Automationsstudie gilt als frühe Analyse der heutigen Technologiedebatte.
Brücke zu Führung und Coaching
Pollock erinnert daran, dass Steuerung immer jemanden mächtig macht. Wer in einer Organisation die Mittel verteilt, prägt auch, welche Ideen überleben. Beispiel: Ein Innovationsprogramm ist offiziell offen für alle, aber wer das Budget verwaltet, entscheidet faktisch über die Richtung.
Lebensstationen
- 1894Geboren in Freiburg im Breisgau
- 1923Gründet mit Felix Weil das Institut
- 1928Leitet das Institut kommissarisch
- 1941Aufsatz über Staatskapitalismus erscheint
- 1956Studie Automation erscheint
- 1970Gestorben in Montagnola, Schweiz
Werke
Staatskapitalismus (1941)
Automation (1956)
Anekdote belegt
Pollock war Stellvertreter des ersten Institutsdirektors und hätte selbst die Leitung übernehmen können. Er unterstützte stattdessen seinen Freund Horkheimer und blieb an dessen Seite, zuletzt als Nachbar im Tessiner Ort Montagnola.[4]
Lesetipps
- Einstieg
- State Capitalism: Its Possibilities and Limitations (1941): ein einzelner Aufsatz, der die ganze These enthält
- Vertiefung
- Rolf Wiggershaus: Die Frankfurter Schule (1986)
Noch nicht sicher belegt
- Modul Kritische Theorie führt keine eigene Quellenliste; Quellen hier nur aus Kontext- und Anekdoten-Einträgen abgeleitet
Herkunft der Daten: Kritische Theorie. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Pollock
- [1]Institut für Sozialforschung · Wikipedia
- [2]Bernard E. Harcourt: Rethinking Capitalism with Friedrich Pollock · Webseite
- [3]Franz Neumann (political scientist), Wikipedia · Wikipedia
- [4]Max Horkheimer, Stanford Encyclopedia of Philosophy · Stanford Encyclopedia of Philosophy