Peter Railton
geb. 1950 · Ann Arbor
- Strömung
- Utilitarismus und Pragmatismus
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Der amerikanische Ethiker, der zeigt, dass Konsequentialisten nicht ständig rechnen müssen, um am Ende das Beste zu bewirken.
Railton antwortet auf den Einwand, der Utilitarismus entfremde Menschen von ihren Nächsten, wie ihn auch Williams mit dem „einen Gedanken zu viel“ ausdrückt (sein Beispiel: Wer vor der Wahl, seine ertrinkende Frau oder einen Fremden zu retten, erst die Folgen abwägt, hat einen Gedanken zu viel). Er steht damit zwischen den Modernen Konsequentialisten und den Kritikern des Netzes.
Kernidee
Railton unterscheidet, was eine Handlung richtig macht, von der Art, wie man sich entscheidet. Richtig ist, was tatsächlich am meisten Gutes bewirkt (objektiver Konsequentialismus). Das Nutzenprinzip ist für ihn ein Maßstab für richtiges Handeln, kein Verfahren, nach dem man vor jeder Handlung rechnen müsste.
Bekannt für
Railton ist bekannt für seinen Aufsatz „Alienation, Consequentialism, and the Demands of Morality“ (1984), auf den sich die Stanford Encyclopedia of Philosophy stützt, wenn sie erklärt, dass Utilitaristen nicht vor jeder Handlung Nutzen berechnen müssen. Außerdem vertritt er einen moralischen Realismus, nach dem moralische Tatsachen natürliche Tatsachen sind.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Objektiver und subjektiver Konsequentialismus
Die Stanford Encyclopedia of Philosophy nennt Railton (1984) für den „objektiven Konsequentialismus“: Eine Handlung ist richtig, wenn ihre tatsächlichen oder objektiv wahrscheinlichen Folgen am besten sind, nicht die beabsichtigten oder vorhergesehenen. Auf den Einwand, der Utilitarismus lasse keinen Raum für Freundschaft, weil er jedes Mal eine Nutzenrechnung verlange, antwortet die SEP mit Railton: Das Nutzenprinzip ist ein Maßstab des Richtigen, kein Entscheidungsverfahren, also muss niemand vor dem Handeln Nutzen berechnen. Im Büro heißt das: Wer jedes Gespräch mit Mitarbeitenden auf seinen Nutzen prüft, verliert oft genau das Vertrauen, das der Nutzen braucht.
Moralischer Realismus
Railton nennt sich scherzhaft einen „stark, raving moral realist“, also einen überzeugten Vertreter der Ansicht, dass moralische Aussagen wahr oder falsch sein können (Wikipedia). Anders als manche Realisten meint er, die Tatsachen, die moralische Aussagen wahr machen, seien natürliche Tatsachen, also Teil der Welt, die auch die Wissenschaft beschreibt. Für Führung heißt das: Ob eine Entscheidung gut für ein Team war, ist keine reine Geschmacksfrage, sondern lässt sich an Wirkungen prüfen.
Begriffe
- Objektiver und subjektiver Konsequentialismus
- : der objektive beurteilt eine Handlung nach ihren tatsächlichen oder objektiv wahrscheinlichen Folgen, der subjektive nach den beabsichtigten oder vorhergesehenen
- Maßstab des Richtigen und Entscheidungsverfahren
- : der Maßstab sagt, was richtig ist; das Verfahren ist die Methode, nach der man im Alltag entscheidet, und muss kein Nachrechnen sein
- Entfremdung
- : der Einwand, wer stets Nutzen berechne, werde seinen Nächsten fremd und könne keine echte Freundschaft leben; Railton weist ihn zurück
- moralischer Realismus
- : die Ansicht, dass moralische Aussagen wahr oder falsch sein können; bei Railton machen natürliche Tatsachen sie wahr
Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner
Lehrer
- David Lewis: betreute seine Dissertation in Princeton (1980)
Schüler
- Brian Leiter: Doktorand (Wikipedia)
- Heidi Li Feldman: Doktorandin (Wikipedia)
Freunde
- Stephen Darwall und Allan Gibbard: Mitherausgeber von Moral Discourse and Practice (1996)
Gegner
- Bernard Williams: Railton antwortet auf den Einwand des „einen Gedankens zu viel“ im Kontext der Entfremdung
Verbindungen im Netz
Eine Verbindung. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Kritik
Kritik an einer bestimmten These. Ein persönlicher Streit ist damit nicht gemeint.
kritisiert Bernard WilliamsDeutung
Die SEP führt Railton 1984 als Antwort auf den Einwand vom „einen Gedanken zu viel“ (Williams 1981) an: Das Nutzenprinzip ist Maßstab, nicht Entscheidungsverfahren.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
Ein öffentlicher Vortrag Railtons über seine eigenen Depressionen fand in der akademischen Welt große Beachtung und Anerkennung. Dass seine Ethik der Entfremdung und des Wohlbefindens damit zusammenhängt, sagt die Quelle nicht (Deutung).[1]
Abhängigkeit Deutung
Railton promovierte 1980 in Princeton bei David Lewis und lehrt seit 1979 an der University of Michigan. Eine Verzerrung ist in der Quelle nicht belegt; dass die analytische Schule von Lewis seine Wissenschaftsnähe prägte, ist Deutung.[1]
Kritik
Die Stanford Encyclopedia of Philosophy hält fest, dass umstritten bleibt, ob irgendeine Form des Konsequentialismus die üblichen moralischen Intuitionen über Freundschaft angemessen aufnehmen kann; Williams' Einwand vom „einen Gedanken zu viel“ (1981) steht gegen Railtons Antwort. Andere Gegner wenden ein, die Trennung von Maßstab und Entscheidungsverfahren nehme dem Konsequentialismus die Kraft, weil Handelnde ihn bei echten Entscheidungen ignorieren (SEP).
Wirkung heute
Die Unterscheidung zwischen Maßstab der Richtigkeit und Entscheidungsverfahren gilt als Standardantwort auf den Einwand, der Utilitarismus lasse keinen Raum für Freundschaft und Nähe. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy führt sie unter Railtons Namen an.
Brücke zu Führung und Coaching
Railton erlaubt dir, nach Wirkung zu führen, ohne jede Entscheidung durchzurechnen. Frage dich in der Teamführung: Welche Gewohnheiten (zum Beispiel ehrliches Feedback, Zeit für Einzelgespräche) bringen langfristig das Beste, auch wenn ich im einzelnen Gespräch nicht an den Nutzen denke? Und prüfe von Zeit zu Zeit, ob diese Gewohnheiten wirklich wirken, damit sie nicht zur Routine ohne Wirkung werden.
Lebensstationen
- 1950geboren am 23. Mai
- 1979beginnt an der University of Michigan zu lehren
- 1980Promotion in Princeton bei David Lewis
- 1984Aufsatz „Alienation, Consequentialism, and the Demands of Morality“
- 1986Aufsatz „Moral Realism“
- 2004Fellow der American Academy of Arts and Sciences
Werke
Alienation, Consequentialism, and the Demands of Morality (1984); Moral Realism (1986); Facts, Values, and Norms (2003)
Anekdote belegt
Railton hat sich selbst scherzhaft als „stark, raving moral realist“ bezeichnet, also als überzeugten moralischen Realisten, der dafür auch Spott in Kauf nimmt. Die Formulierung stammt aus seinem Aufsatz „Moral Realism“ (1986).[1]
Lesetipps
- Einstieg
- Peter Railton, Facts, Values, and Norms: Essays toward a Morality of Consequence (Cambridge University Press, 2003), weil dort die wichtigsten Aufsätze zur Ethik gesammelt sind, darunter der von 1984.
- Vertiefung
- Walter Sinnott-Armstrong, Consequentialism (Stanford Encyclopedia of Philosophy, 2003, überarbeitet 2023)
Noch nicht sicher belegt
- Nur eine echte Personenquelle (Wikipedia); die SEP erwähnt Railton nur im Eintrag Consequentialism, ein eigener SEP-Eintrag fehlt, Britannica und das Universitätsprofil (lsa.umich.edu) konnten nicht mehr abgerufen werden (Firecrawl-Kontingent erschöpft). Entfernt, weil nur durch ein Vorlesungsskript (Abreu) belegt: „sophisticated consequentialism“, das Schachbeispiel, das Paradox des Hedonismus und der Pluralismus der Werte. Entfernt, weil nur durch einen Nachrichtenartikel (Inside Higher Ed) belegt: John-Dewey-Lecture 2015 in St. Louis mit stehenden Ovationen; Wikipedia bestätigt nur, dass ein Vortrag über seine Depression große Beachtung fand. Kante zu Parfit entfernt: beide werden in der SEP nur in verschiedenen Absätzen zum gleichen Gedanken zitiert. Kante zu Williams stützt sich auf die Dialektik der SEP, nicht auf Railtons eigenen Text. Kein Zitat verwendet. Coaching ist Anwendung (Deutung).
Herkunft der Daten: Utilitarismus und Pragmatismus. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Railton
- [1]Peter Railton – Wikipedia · Wikipedia
- [2]Stanford Encyclopedia of Philosophy: consequentialism · Stanford Encyclopedia of Philosophy