Saichō
Mönch und Schulgründer · 767–822 · Ōmi (Präfektur Shiga, Japan), Berg Hiei bei Kyoto, Tang-China (Tiantai-Berg, Ningbo)
Kernidee in Kürze
Saichō brachte 805 die chinesische Tiantai-Lehre nach Japan und gründete daraus die Tendai-Schule mit dem Zentrum auf dem Berg Hiei. Er lehrt, dass das Lotos-Sutra und die esoterischen Übungen, also Rituale mit Mantras, das sind heilige Formeln, auf dieselbe Wahrheit zeigen.
- Kapitel
- Asien (Überblick) (redaktionell)
- Richtung
- Buddhismus belegt[3][5]
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Vertiefung
Zum Einstieg
Wie lassen sich die verschiedenen Lehren und Übungen des Buddhismus zu einem Weg verbinden?
- Position
- Saichō verbindet das Lotos-Sutra mit esoterischen Übungen, lehrt die Buddha-Natur aller Wesen und fordert eine eigene Weihe nach den Bodhisattva-Gelübden.
- Einwand
- Kūkai teilte Saichōs Sicht auf die Einheit von Lotos-Sutra und esoterischer Übung nach einer Darstellung nicht ganz, und nach einer anderen Darstellung war Saichō als Organisator bedeutender denn als Denker.
- Verbindung
- Saichō reiste mit Kūkai nach China, arbeitete zunächst mit ihm zusammen und brach dann mit ihm.
Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen
Wer Saichō war
Buddhistischer Mönch und Gründer der Tendai-Schule in Japan, der die chinesische Tiantai-Lehre mit esoterischen Übungen verband und eine eigene Mönchsweihe auf Grundlage der Bodhisattva-Gelübde forderte.
Saichō lebte zur Zeit der Verlegung der Hauptstadt von Nara nach Kyoto, als in Japan der Buddhismus eng mit dem Hof verbunden war. Er wurde mit 13 Jahren Schüler des Mönchs Gyōhyō und zog sich nach seiner Vollweihe auf den Berg Hiei zurück. Der Kaiser Kanmu förderte ihn und schickte ihn 804 nach China, wo er die Tiantai-Lehre studierte und auch esoterische Übungen kennenlernte. Gleichzeitig reiste Kūkai, der spätere Gründer der Shingon-Schule, nach China.
Kernidee genauer
Gegen den Gelehrten Tokuitsu hält er daran fest, dass alle Wesen die Buddha-Natur besitzen, also die Möglichkeit, ein Buddha zu werden. Er fordert, dass Mönche seiner Schule nicht nach den alten Klosterregeln der Schulen von Nara, sondern mit den Bodhisattva-Gelübden geweiht werden.
Biografischer Moment
Lebensereignis Belegtes Ereignis aus dem Leben. Ob es das Denken geprägt hat, behauptet die Angabe nicht.
Saichō zog sich nach seiner Vollweihe auf den Berg Hiei zurück. Von dort wurde er später an den Hof geholt, der ihn nach China schickte.[1]
Bekannt für
Saichō kennt man als den Mönch, der die Tendai-Schule begründete, aus der später viele andere japanische Schulen hervorgingen. Ein Alltagsbeispiel: Wenn Du in einer Firma beide Seiten, Strategie und Praxis, nicht als Gegensatz, sondern als zwei Wege zum selben Ziel verstehst, erinnert das an Saichōs Grundgedanken, dass Lotos-Sutra und esoterische Übung dieselbe Wahrheit meinen.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Lotos-Sutra und esoterische Lehre sind eins
Saichō verbindet die Tiantai-Lehre, die auf dem Lotos-Sutra beruht, mit der esoterischen Lehre (mikkyō), und nennt die Einheit beider „enmitsu itchi“. Die esoterischen Übungen ersetzen das Lotos-Sutra nicht, sondern ergänzen es als unmittelbarer Weg, schon in diesem Leben ein Buddha zu werden. Auf seinen Antrag teilte der Hof die jährlich Geweihten seiner Schule auf zwei Studiengänge auf, einen für die Betrachtungsübung nach Zhiyi und einen für die esoterischen Übungen.
Alle Wesen haben Buddha-Natur
Saichō vertritt, dass alle fühlenden Wesen die Buddha-Natur haben. Der Gelehrte Tokuitsu aus der Hossō-Schule erkennt zwar an, dass alle zur Buddhaschaft bestimmt sind, stützt aber die Lehre von den fünf Naturen, nach der manche Wesen wegen ihrer Anlage die Buddha-Natur durch Übung nicht verwirklichen können. Saichō hält diese Auffassung für eine mit Elementen des Hinayana, des sogenannten Kleinen Fahrzeugs. Er übernimmt außerdem von Zhanran den Gedanken, dass auch Dinge ohne Empfindung wie Berge und Flüsse Buddha-Natur haben.
Mönchsweihe mit den Bodhisattva-Gelübden
Saichō will, dass seine Mönche nicht nach der überlieferten Klosterordnung (Vinaya) geweiht werden, sondern nach den Bodhisattva-Gelübden aus dem Sutra vom Netz des Brahma. Diese Gelübde waren bisher eine Ergänzung der Klosterregeln, nicht ihr Ersatz. Die Schulen von Nara lehnten sein Anliegen entschieden ab, und der Hof genehmigte es erst nach seinem Tod.
Tiantai als Grundlage des ganzen asiatischen Buddhismus
In seiner Schrift „Ehyō Tendaishū“ aus dem Jahr 813 führt Saichō an, dass bedeutende Gestalten Chinas und Koreas ihre Lehren auf die Tiantai-Lehre gründeten. Er folgert, dass Tiantai den Rahmen für den gesamten ostasiatischen Buddhismus bilde.
Begriffe
- Tendai
- Einheit von Lotos-Sutra und esoterischer Lehre
- Buddha-Natur aller Wesen
- Bodhisattva-Gelübde
- Weihestätte auf dem Berg Hiei
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
Eine Verbindung im Netz (Prüfstand: 1 belegt). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Persönlich verbunden
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
KūkaiPrüfstand: belegt
Saichō und Kūkai fuhren in derselben Flotte nach China und arbeiteten danach zusammen. Saichō erhielt 812 von Kūkai Weihen in zwei esoterischen Überlieferungen. Ihre Beziehung zerbrach, als Kūkai Saichō zunächst drei Jahre Studium bei sich verlangte und ihm später einen Text nicht auslieh.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
Saichō wurde 767 in der Provinz Ōmi geboren, wurde mit 12 oder 13 Jahren Schüler des Mönchs Gyōhyō und empfing mit 19 oder 20 Jahren die volle Mönchsweihe. Wenig später zog er sich auf den Berg Hiei zurück.[3]
Zeitgeschehen belegt
Saichō kam durch die Bekanntschaft mit einem Hofpriester an den Hof und wurde 797 selbst Hofmönch. Der Kaiser Kanmu förderte ihn und ließ ihn nach China reisen, um die Tiantai-Lehre zu studieren.
Quelle: Oxford Reference, A Dictionary of Buddhism, Saichō; Wikipedia (englisch), Saichō, Abschnitt Trip to China
Zeitgeschehen belegt
Saichō blieb in China nur wenige Monate. Er studierte die Tiantai-Lehre bei Daosui und erhielt esoterische Weihen, kehrte 805 nach Japan zurück und gründete Tendai, das 806 vom Hof mit zwei jährlichen Weihestellen anerkannt wurde.[3]
Zeitgeschehen belegt
Nach Saichōs Tod genehmigte der Hof 822 die Weihe nach den Bodhisattva-Gelübden. Die Weihestätte auf dem Berg Hiei wurde 827 gebaut.
Quelle: Wikipedia (englisch), Saichō, Abschnitt Bodhisattva precepts and new ordination system
Werk belegt
Saichō verlangte von seinen Mönchen, zwölf Jahre in strenger Abgeschiedenheit auf dem Berg Hiei zu verbringen. Er ehrte nach einer Darstellung die Götter des Shintō und betonte die vaterländische Aufgabe des Buddhismus.[2]
Kritik
Nach einer anderen Darstellung wurde der sonst zurückhaltende Saichō im Streit mit der Seite von Nara in seinen Forderungen immer extremer. Der Hof genehmigte seine Weihestätte erst nach seinem Tod. Viele seiner Mönche verließen den Berg Hiei, um bei Kūkai zu lernen oder zur Hossō-Schule zu gehen.
Wirkung heute
Die Weiheordnung, die Saichō durchsetzte, wurde nach einer Darstellung zur Grundlage der Weihe in vielen Schulen, die aus Tendai hervorgingen, darunter Jōdo-shū, Rinzai und Sōtō. Nach einer anderen Darstellung wurde das Kloster auf dem Berg Hiei für die folgenden vier Jahrhunderte zur Ausbildungsstätte der bedeutendsten buddhistischen Mönche Japans.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Saichō und Kūkai arbeiteten zunächst eng zusammen. Ihre Beziehung zerbrach, als Kūkai für eine höhere Weihe zuerst drei Jahre Studium bei sich verlangte und ihm im Jahr darauf auch die Ausleihe eines Textes verweigerte. Das kann eine Frage für Deine eigene Zusammenarbeit anstoßen: Haben wir geklärt, was der andere als Gegenleistung für Unterstützung erwartet? Das ist eine Übertragung und keine Aussage Saichōs über Führung.
Lebensstationen
- 767Geburt in der Provinz Ōmi
- 797Ernennung zum Hofmönch
- 804Reise nach China zum Studium der Tiantai-Lehre
- 805Rückkehr nach Japan
- 806Anerkennung der Tendai-Schule durch den Hof
- 812Weihen in zwei esoterischen Überlieferungen durch Kūkai
- 813Schrift „Ehyō Tendaishū“
- 822Tod auf dem Berg Hiei; der Hof genehmigt die Weihe nach den Bodhisattva-Gelübden
Werke
Ehyō Tendaishū („Sammlung der Stützen der Tendai-Schule“); Kenkairon („Abhandlung zur Klärung der Gelübde“); Shugo Kokkai Shō („Schrift zum Schutz des Landes“); Sange Gakushō Shiki („Bestimmungen für die Schüler des Bergs“); Hokke Shūku („Besondere Stellen des Lotos-Sutra“)
Anekdote überliefert
Saichō soll der Überlieferung nach eine Lampe vor dem Buddha entzündet und gebetet haben, dass sie nie erlischt. Sie brennt als „unauslöschliche Dharma-Lampe“ seit rund 1200 Jahren.[3]
Lesetipps
- Einstieg
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Kūkai“ und „Japanese Philosophy“, Abschnitt 4.1
- Vertiefung
- Paul Groner, Saichō: The Establishment of the Japanese Tendai School (University of Hawaii Press, 2000)
Noch nicht sicher belegt
- Der Geburtstag wird mit dem 9. oder 15. September 767 angegeben. Welche esoterischen Weihen Saichō in China erhielt, ist unklar.
Herkunft der Daten: referenz-2026-10. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen
Quellen zu Saichō
- [2]Saichō · Britannica
- [3]Oxford Reference, A Dictionary of Buddhism, Saichō; Wikipedia (englisch), Saichō, Abschnitt Early life
- [4]Saichō · Wikipedia
- [5]Japanese Philosophy, Abschnitt 4.1.1 · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [6]Kūkai, Abschnitt 1 · Stanford Encyclopedia of Philosophy