Leonard J. Savage
Mathematiker und Statistiker · 1917–1971 · Detroit, Chicago, New Haven
Kernidee in Kürze
Savage fragt, wie sich Überzeugungen und Wünsche einer Person aus ihren Entscheidungen ablesen lassen. Er legt dazu Grundsätze für Vorlieben zwischen Handlungsmöglichkeiten fest und zeigt, dass eine Person, die sie erfüllt, so beschrieben werden kann, als verfolge sie ihren erwarteten Nutzen, gemessen mit einer eigenen Wahrscheinlichkeit und einem eigenen Nutzen.
- Kapitel
- System und Organisation (redaktionell)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Vertiefung
Zum Einstieg
Wie kann man vernünftig entscheiden, wenn man die Wahrscheinlichkeiten nicht kennt und nur eigene Überzeugungen hat?
- Position
- Savage hält persönliche Wahrscheinlichkeiten für Grade des Glaubens, die sich aus den Vorlieben einer Person ablesen lassen. Wer bestimmte Grundsätze beachtet, entscheidet so, als maximiere er seinen erwarteten Nutzen.
- Einwand
- Die Grundsätze verlangen Vorlieben über sinnlose Handlungen, und das Sure-Thing-Prinzip ist nur unter Annahmen überzeugend, die eigentlich das Ergebnis der Theorie sein sollten. Außerdem widerspricht das Allais-Paradox dem Prinzip.
- Verbindung
- Savage baut auf von Neumann und Morgenstern auf und ergänzt Wahrscheinlichkeiten. Von Neumann regte seinen Weg in die Statistik an. Simon kritisierte die Rechenanforderungen der Theorie.
Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen
Wer Savage war
Amerikanischer Mathematiker und Statistiker, der in „The Foundations of Statistics“ eine Theorie vernünftigen Entscheidens unter Unsicherheit entwarf, in der persönliche Wahrscheinlichkeiten und Nutzen aus den Vorlieben einer Person folgen.
Savage war Mathematiker und wurde durch die Statistik zur Entscheidungstheorie geführt. Er gehört nicht zur Philosophie im engen Sinn, doch seine Theorie beantwortet eine alte philosophische Frage: Was heißt es, eine Überzeugung zu haben, und wie hängt sie mit dem Handeln zusammen?
Kernidee genauer
Damit erweiterte er die Theorie von von Neumann und Morgenstern, die mit gegebenen Wahrscheinlichkeiten arbeitete, auf Lagen, in denen niemand die Wahrscheinlichkeiten vorgibt. In der Wirtschaftswissenschaft und den Entscheidungswissenschaften gilt seine Theorie als die bekannteste Theorie vernünftigen Wählens unter Unsicherheit; ihre Annahmen stehen aber in Spannung zueinander.
Biografischer Moment
Belegter Einfluss Die angegebenen Quellen dokumentieren, dass dieses Erlebnis das Denken beeinflusst hat. Belegt heißt dokumentiert, nicht bewiesen.
1944 wechselte Savage, noch in der Kriegsforschung, zur Statistical Research Group der Columbia University. Der Wechsel in die Statistik wurde von von Neumann angeregt, der Savages Begabung in Princeton erkannt hatte.[5]
Fundstelle: Abschnitt zum Zweiten Weltkrieg
Bekannt für
Man kennt Savage für den Satz, dass sich vernünftiges Entscheiden unter Unsicherheit als Zusammenspiel von persönlicher Wahrscheinlichkeit und Nutzen darstellen lässt, und für das Sure-Thing-Prinzip. Ein Alltagsbeispiel: Wenn Du sagst, ein Projekt gelinge wahrscheinlich, zeigt Dein Verhalten, worauf Du setzen würdest.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Handlungen, Zustände und Folgen
Savage unterscheidet drei Dinge: Folgen, die für uns gut oder schlecht sind, Zustände der Welt, über die wir keine Kontrolle haben, und Handlungen, die jedem Zustand eine Folge zuordnen. Ein Beispiel ist der Spaziergang ohne Regenschirm: Regnet es, ist er nass, regnet es nicht, ist er angenehm. Mit dieser Trennung lassen sich Wünsche und Überzeugungen auseinanderhalten. Folgen sind das Ziel des Wünschens, Zustände das Ziel des Glaubens.
Überzeugungen aus Entscheidungen ablesen
Savage definiert, dass jemand ein Ereignis für wahrscheinlicher hält als ein anderes, wenn er lieber auf das erste als auf das zweite setzt. Für den letzten Schritt stützte er sich auf den Satz von von Neumann und Morgenstern.
Das Sure-Thing-Prinzip
Der Gedanke dahinter ist derselbe wie bei der Unabhängigkeitsbedingung von von Neumann und Morgenstern: Jede Folge soll sich unabhängig von anderen möglichen Folgen bewerten lassen, und Zustände, in denen zwei verglichene Handlungen zur selben Folge führen, darf man deshalb ignorieren. Von Savages Grundsätzen hat dieses Prinzip in der Fachliteratur die meiste Aufmerksamkeit erhalten. Es widerspricht den Vorlieben, die das Allais-Paradox beschreibt, aus demselben Grund wie die Unabhängigkeitsbedingung.
Bayessche Statistik
Savage entwickelte im selben Buch seine Vorstellung der Bayesschen Statistik und der persönlichen Wahrscheinlichkeit. Er führte in der Statistik Bayessche Tests und Schätzungen ein. Sein Ansatz stand im Gegensatz zu den Ansichten der Statistiker Ronald Fisher und Jerzy Neyman.
Begriffe
- persönliche Wahrscheinlichkeit
- subjektiver erwarteter Nutzen
- Sure-Thing-Prinzip
- Bayessche Statistik
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
Eine Verbindung im Netz (Prüfstand: 1 belegt). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Übernimmt Gedanken von
Savage übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
John von NeumannPrüfstand: belegt
Savage ergänzte die Theorie von von Neumann und Morgenstern, die mit gegebenen Wahrscheinlichkeiten rechnete, um subjektive Wahrscheinlichkeiten und stützte sich für seinen Satz auf ihren Darstellungssatz; sein Buch zeigt von Neumanns Einfluss.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
Savage wurde 1917 als Leonard Ogashevitz in Detroit geboren. Er sah von Kindheit an sehr schlecht und galt in der Schule zunächst als wenig begabt. Sein Vater nannte sich 1920 in Savage um; Savage selbst nahm den Namen erst offiziell an, als er im Krieg an geheimen Projekten arbeitete.[5]
Zeitgeschehen belegt
1941 promovierte Savage in Mathematik an der University of Michigan. Im Studienjahr 1941/42 war er am Institute for Advanced Study in Princeton, wo er mit von Neumann sprach. Im Krieg arbeitete er in der Rüstungsforschung, ab 1944 in der Statistical Research Group der Columbia University.[5]
Biografie belegt
Ab 1946 arbeitete Savage an der University of Chicago, 1949 gehörte er zu den Gründern des dortigen Statistik-Instituts und 1954 wurde er dort Professor. 1960 ging er nach Michigan und 1964 nach Yale, wo er Eugene Higgins Professor of Statistics war.[5]
Biografie belegt
Savage starb 1971 mit 53 Jahren in New Haven. Er war eingeladen, 1970 den Fisher-Vortrag zu halten, und sollte 1972 die Wald-Vorlesungen halten.[6]
Kritik
Die Annahmen der Theorie ziehen in verschiedene Richtungen. Savage verlangt, dass Vorlieben über alle denkbaren Zuordnungen von Folgen zu Zuständen bestehen, auch über sinnlose Handlungen, die niemand wählen könnte. Je genauer man die Folgen beschreibt, damit sein Grundsatz der Zustandsunabhängigkeit gilt, desto unglaubwürdiger wird diese Annahme. Das Sure-Thing-Prinzip überzeugt nur, wenn die Handlungen von den Zuständen wahrscheinlichkeitsmäßig unabhängig sind, und das setzt voraus, dass man schon etwas über die Überzeugungen der Person weiß, die man erst ablesen will. Herbert Simon und I. J. Good wiesen schon früh darauf hin, wie viel Rechenarbeit die Theorie des subjektiven erwarteten Nutzens verlangt.
Wirkung heute
Die Spieltheorie baut darauf auf: Harsanyi zeigte 1967, wie sich Spiele mit Spielern lösen lassen, die Savages erwarteten Nutzen maximieren.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Wenn Du gefragt wirst, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Kunde verlängert, ist Deine Antwort nach Savage kein Messwert, sondern ein Grad Deines Glaubens. Du kannst ihn prüfen, indem Du Dich fragst, auf welchen Kunden Du lieber setzen würdest. Das ist eine Übertragung. Savage beschreibt, wie Entscheidungen vernünftig geordnet wären, und nicht, wie Menschen tatsächlich entscheiden.
Lebensstationen
- 1917Geburt in Detroit (20. November)
- 1941Promotion in Mathematik an der University of Michigan
- 1944Wechsel zur Statistik an der Columbia University auf Anregung von von Neumann
- 1948Aufsatz mit Milton Friedman über Entscheidungen unter Risiko
- 1954„The Foundations of Statistics“ erscheint
- 1964Wechsel an die Yale University
- 1971Tod in New Haven (1. November)
Werke
The Foundations of Statistics (1954); The Utility Analysis of Choices Involving Risk (1948, mit Milton Friedman); How to Gamble If You Must (1965, mit Lester Dubins)
Lesetipps
- Einstieg
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Decision Theory“, Abschnitt „Savage's theory“
- Vertiefung
- MacTutor, Biografie Leonard Jimmie Savage
Noch nicht sicher belegt
- Herbert Simon schrieb, die Annahmen der Theorie des subjektiven erwarteten Nutzens, für die er Savages Buch von 1954 als Grundlage nennt, passten womöglich nicht zu den wirtschaftlichen Entscheidungen, um die es in Wirklichkeit geht. Ob sich Savage und Simon direkt miteinander auseinandersetzten, geht aus den Quellen nicht hervor. Savages Grundsätze werden je nach Darstellung als sechs oder sieben gezählt.
Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 3: Organisation, System, Lernen. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen
Quellen zu Savage
- [1]Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [2]Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [3]Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [4]Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [5]MacTutor, Leonard Jimmie Savage · Webseite
- [6]MacTutor, Leonard Jimmie Savage; Wikipedia (en)
- [7]Theory of Games and Economic Behavior · Wikipedia
- [8]web.stanford.edu/~knutson/jdm/simon87.pdf · Webseite
- [9]statistics.yale.edu/people/alumni · Webseite
- [10]econometricsociety.org/uploads/Obituaries Past Presidents/ROY RADNER.pdf · Webseite
- [11]genealogy.math.ndsu.nodak.edu/id.php · Webseite