Straton von Lampsakos
um 335–269 v. Chr. · Lampsakos, lehrte in Athen
- Strömung
- Hellenismus: Stoa und Epikur
- Kants Fragen
- Was kann ich wissen? (Deutung)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Dritter Leiter des Lykeion, der Aristoteles' Naturdenken so weit ausbaute, dass er einen lenkenden Gott für überflüssig hielt.
Er folgt Theophrast als Schulleiter und steigert die naturwissenschaftliche Linie des Aristoteles. Außerhalb Athens wirkte er am Hof des Ptolemaios in Ägypten.
Kernidee
Straton interessierte sich vor allem für Naturforschung und erklärte die Welt aus der Natur selbst. Einen Gott, der das Universum plant, brauchte er nicht. Er galt daher als der „Physiker“ unter den Peripatetikern.
Bekannt für
Man kennt ihn als „Physiker“ und als den, der Natur und nicht einen Gott für die Ursache der Welt hielt. Zudem war er Erzieher des späteren Ptolemaios II.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Die Natur reicht
Straton lehrte nach Cicero, dass alles, was ist, durch die Natur entstanden ist und kein Gott dazu nötig war. Er wandte sich damit auch gegen die Atomlehre Demokrits, die er für Träumerei hielt. Wenn du ein Problem im Betrieb untersuchst, fragst du ähnlich zuerst nach den natürlichen Ursachen, bevor du einen großen Plan unterstellst.
Die Leere
Nach Britannica lehrte er, dass alle Stoffe leere Zwischenräume enthalten und Gewichtsunterschiede aus deren Ausdehnung folgen. Das diente als theoretische Grundlage für Luft- und Dampfmaschinen der hellenistischen Zeit. Ein Alltagsbild: Ein Schwamm ist leicht, weil er voller Luft ist, und genauso erklärte man damals Gewicht.
Zeitatome?
Sextus Empiricus berichtet, Straton habe unteilbare Zeitteile angenommen, andere Quellen widersprechen. Nach einer Deutung hat er nur die Möglichkeit erwogen. Für Entscheidungen heißt das: Man kann offen lassen, ob etwas teilbar ist, und trotzdem damit arbeiten.
Begriffe
- Naturforschung
- Natur statt Gott
- Leere
- Physikos
Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner
Lehrer
- Theophrast: sein Vorgänger an der Spitze des Lykeion
Schüler
- Ptolemaios II.: wurde von ihm unterrichtet
- Aristarch von Samos: ebenfalls von ihm unterrichtet
Gegner
- Demokrit (nach Cicero): dessen Atomlehre hielt er für Träumerei
Verbindungen im Netz
2 Verbindungen, davon 2 noch nicht einzeln geprüft. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Baut auf
Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
baut auf Aristotelesungeprüft
Er verstärkte die naturalistischen Züge in Aristoteles' Denken.
Persönlicher Kontakt
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
persönlich verbunden mit Theophrast von Eresosungeprüft
Straton folgte ihm als Leiter des Lykeion.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Zeitgeschehen belegt
Er ging als Erzieher an den ägyptischen Hof des Ptolemaios und kehrte erst nach Theophrasts Tod nach Athen zurück. Hellenistische Herrscher förderten Naturforscher an ihren Höfen.[1]
Abhängigkeit belegt
Wir kennen seine Lehre nur aus Fragmenten bei späteren Autoren wie Cicero und Sextus Empiricus, die ihn zum Teil kritisieren.[1]
Deutung Deutung
Dass ihn spätere Autoren als gottlos darstellen, kann mit deren eigenen religiösen Interessen zusammenhängen.[1]
Kritik
Cicero lobt sein Talent, wirft ihm aber vor, die Tugend und Ethik für die Naturforschung vernachlässigt zu haben. Seine Verneinung eines aktiven Gottes wurde von späteren Denkern bekämpft.
Wirkung heute
Straton steht für die Haltung, Erscheinungen aus der Natur selbst zu erklären. In der Neuzeit nannte Cudworth eine solche Lehre „stratonischen“ Materialismus.
Brücke zu Führung und Coaching
Straton lädt zu einer nüchternen Frage ein: Welche Ursachen kann ich im Alltag wirklich beobachten, bevor ich eine große Erklärung suche? Wenn Zahlen schwanken, such erst bei den greifbaren Gründen. Frag dein Team, welche Erklärung wir nur deshalb glauben, weil sie gut klingt.
Lebensstationen
- 335 v. Chr.Geburt in Lampsakos (ungefähr)
- 300 v. Chr.Aufenthalt in Athen und später in Ägypten als Erzieher des Ptolemaios (Zeitpunkt unsicher)
- 287 v. Chr.Übernimmt nach Theophrast das Lykeion (ungefähr)
- 269 v. Chr.Tod in Athen (ungefähr)
Werke
Nach Diogenes Laertios eine lange Liste, meist zur Naturwissenschaft. Alle Schriften sind verloren, seine Ansichten kennen wir nur aus Berichten anderer.
Anekdote überliefert
Er ging als Erzieher des Ptolemaios II. nach Ägypten und lehrte dort auch Aristarch von Samos. Nach Theophrasts Tod kehrte er nach Athen zurück und übernahm die Schule.[1]
Lesetipps
- Einstieg
- Von Straton ist nichts erhalten; als Einstieg dient Theophrast, Charaktere, Griechisch/Deutsch, Reclam (Ausgabe 2022), als Text seiner Schule.
- Vertiefung
- Hellmut Flashar (Hg.), Die Philosophie der Antike, Bd. 3: Ältere Akademie, Aristoteles, Peripatos, Schwabe, Basel (1983).
Noch nicht sicher belegt
- Lebensdaten ungefähr (Britannica: gestorben um 270). Zeit des Ägyptenaufenthalts nicht geprüft, daher grob. Die Zeitatome sind umstritten. Die Zusammenfassung der Leere-Lehre stammt aus einem Britannica-Ausschnitt.
Herkunft der Daten: Klassisches Athen. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Straton
- [1]Wikipedia, Strato of Lampsacus · Wikipedia
- [2]Britannica: Straton of Lampsacus · Britannica
- [3]Britannica: void philosophy · Britannica
- [4]SEP: Atomism (ancient) · Stanford Encyclopedia of Philosophy