Lucy Suchman
Anthropologin · Geburtsjahr nicht belegt · Lancaster, Vereinigtes Königreich
- Kapitel
- Geist und Technik, System und Organisation (redaktionell, keine Schulzugehörigkeit)
- Kants Fragen
- Was kann ich wissen? · Was ist der Mensch? (Deutung)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Zum Einstieg
Folgst du bei der Arbeit wirklich deinem Plan, oder machst du in jeder Lage etwas Neues daraus?
- Position
- Suchman antwortet, dass Handeln in der Situation entsteht und Pläne nur eine Hilfe dafür sind. Deshalb sei es ein Irrtum, Maschinen so zu bauen, als führten Menschen Pläne aus.
- Einwand
- Die Gegenseite der symbolischen künstlichen Intelligenz hielt dagegen: Vera und Simon veröffentlichten eine symbolische Deutung des situierten Handelns, auf die Suchman 1993 antwortete.
- Verbindung
- Redaktionell lässt sich Suchmans Befund aus der Arbeitspraxis neben Dreyfus' Gedanken stellen, dass Verstehen eine Situation braucht; zugleich ist sie die Brücke zum Kapitel über Organisation.
Redaktionell zusammengefasst, keine Zitate. Die Quellen stehen am Ende der Seite.
Amerikanische Anthropologin, die beschreibt, dass Menschen Pläne nicht einfach ausführen, sondern ihr Handeln in der Situation immer wieder neu herstellen, und die daraus Kritik an Modellen der künstlichen Intelligenz entwickelte.
Suchman bringt die Beobachtung der Alltagspraxis in die Technikkritik ein. Redaktionell lässt sie sich neben Dreyfus' philosophisches Argument stellen, und sie stritt 1993 mit Vera und Simon über situiertes Handeln. Im Kapitel zu System, Organisation und Lernen ist sie die Stimme für den Unterschied zwischen Plan und tatsächlichem Handeln.
Kernidee
Suchman sagt, dass Pläne das Handeln nicht festlegen, sondern Hilfsmittel sind, die in der Situation gebraucht und angepasst werden. Menschliches Handeln entsteht aus der laufenden Wechselwirkung mit der stofflichen und sozialen Welt. Deshalb greift ein Modell zu kurz, das Handeln als Ausführen eines Plans beschreibt, wie es in der Gestaltung interaktiver Maschinen häufig vorausgesetzt wurde.
Biografischer Moment
Lebensereignis Belegtes Ereignis aus dem Leben. Ob es das Denken geprägt hat, behauptet die Angabe nicht.
Suchman beobachtete bei Xerox mit Videoaufnahmen Büroangestellte und Forschende, die mit einem Kopierer zurechtkommen mussten. Die englische Wikipedia nennt diese Studie einflussreich; in ihrer Doktorarbeit in Berkeley kritisierte sie das Planungsmodell der künstlichen Intelligenz als Grundlage für die Gestaltung von Schnittstellen.[2]
Fundstelle: Abschnitte Career und Research
Bekannt für
Man kennt Suchman für „Plans and Situated Actions“, das nach der Wikipedia Grundlagen für das Forschungsfeld der Mensch-Computer-Interaktion legte, und für ihre Untersuchung von Mitarbeitenden, die mit einem Kopierer zurechtkommen mussten. Ein Alltagsbeispiel ist ein Navigationsgerät, dessen Route du an der nächsten Baustelle ändern musst.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Situiertes Handeln
Suchman beschreibt menschliches Handeln als etwas, das ständig aus der Wechselwirkung mit der stofflichen und sozialen Welt neu aufgebaut wird. Pläne sind dabei Mittel, aber nicht die Ursache des Handelns. Eine Reiseplanung, die du an Ort und Stelle anpasst, zeigt das.
Kritik am Planungsmodell der künstlichen Intelligenz
In ihrer Doktorarbeit kritisierte Suchman das Planungsmodell der künstlichen Intelligenz als Grundlage für die Gestaltung interaktiver Schnittstellen. Sie untersuchte auch Büroarbeit nach Vorschrift, um zu sehen, worin sie einem Programm gleicht und worin nicht. Im Betrieb zeigt sich das, wenn ein Ablauf auf dem Papier an einem Sonderfall scheitert.
Autonomie und Kontrolle
Ihre spätere Forschung gilt Fragen von Autonomie und Kontrolle in der Beziehung von Mensch und Technik, besonders bei automatisierten Waffensystemen. Dabei fragt sie, wessen Körper in militärische Systeme einbezogen werden und mit welchen Folgen für die soziale Gerechtigkeit. Übertragen auf heute: Du kannst bei jedem automatisierten Ablauf fragen, wer im Sonderfall entscheidet.
Begriffe
- situiertes Handeln
- Pläne
- Mensch-Maschine-Kommunikation
- Ethnomethodologie
- Arbeitspraxis
- autonome Systeme
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
2 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 1 Deutung, 1 ungeprüft). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Was der Prüfstand bedeutet
- belegt
- Mit Quelle belegt.
- Deutung
- Redaktionelle Deutung auf Grundlage der Quellen.
- überliefert
- Überliefert, aber historisch nicht gesichert.
- ungeprüft
- Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Kritisiert
Suchman kritisiert eine bestimmte These. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.
Herbert A. SimonPrüfstand: ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Suchman antwortete 1993 in Cognitive Science auf Vera und Simons „Situated Action: A Symbolic Interpretation“ und kritisierte das Planungsmodell der künstlichen Intelligenz.
Im Vergleich
Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.
Hubert DreyfusPrüfstand: Deutung
Redaktioneller Vergleich: Beide kritisieren das Bild, menschliches Handeln folge Regeln und Plänen, Dreyfus philosophisch, Suchman mit Beobachtungen der Arbeitspraxis; ein Einfluss wird nicht behauptet.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Abhängigkeit belegt
Suchman arbeitete etwa zwanzig Jahre im Palo Alto Research Center von Xerox (nach der deutschen Wikipedia von 1979 bis 2001), zuletzt als leitende Wissenschaftlerin und Leiterin der Gruppe für Arbeitspraxis und Technologie, die sie 1989 mitgegründet hatte.[3]
Biografie belegt
Suchman studierte ab 1968 in Berkeley und wurde dort 1984 in Sozial- und Kulturanthropologie promoviert. Ihre Doktorarbeit erschien 1987 als Buch bei Cambridge University Press.[1]
Kritik
Aus den abgerufenen Quellen ist keine Gegenkritik mit benanntem Urheber an „Plans and Situated Actions“ belegt. Belegt ist, dass Suchman 1993 in Cognitive Science auf „Situated Action: A Symbolic Interpretation“ von Vera und Simon antwortete, was auf einen Streit mit der Forschung zu symbolischer künstlicher Intelligenz hinweist.
Wirkung heute
Das Buch gilt als Grundlagentext für die Mensch-Computer-Interaktion, und 2007 erschien mit „Human-Machine Reconfigurations“ eine erweiterte Fassung mit fünf neuen Kapiteln. Suchman beschäftigt sich heute mit militärischen Systemen und mit menschenähnlichen Maschinen.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Du kannst in deinem Team neben dem Projektplan fragen, was Menschen in der Situation tatsächlich tun, wenn der Plan nicht mehr passt, und diese Anpassung als Teil der Arbeit ernst nehmen. Das ist eine Übertragung von Suchmans Beobachtungen zur Arbeitspraxis und keine Aussage von ihr über Führung.
Lebensstationen
- 1968Beginn des Studiums an der University of California, Berkeley
- 1984Promotion in Sozial- und Kulturanthropologie
- 1987„Plans and Situated Actions“ erscheint
- 1989Mitgründung der Gruppe Work Practice and Technology bei Xerox PARC
- 2007„Human-Machine Reconfigurations“ erscheint
- 2016Beginn der Amtszeit als Präsidentin der Society for Social Studies of Science (bis 2017)
Werke
- Plans and Situated Actions: The Problem of Human-Machine Communication (1987)
Ersterscheinung: Cambridge University Press, 1987.
- Human-Machine Reconfigurations (2007)
Ersterscheinung: Cambridge University Press, 2007; zweite Auflage von „Plans and Situated Actions“ mit fünf neuen Kapiteln.
Lesetipps
- Einstieg
- Lucy Suchman, Plans and Situated Actions: The Problem of Human-Machine Communication (Cambridge University Press, 1987); die Studie, die aus der Doktorarbeit hervorging.
- Vertiefung
- Lucy Suchman, Human-Machine Reconfigurations (Cambridge University Press, 2007); die erweiterte Neufassung mit dem Originaltext
Noch nicht sicher belegt
- Das Geburtsjahr 1951 nennt nur die englische Wikipedia.
- Das Profil der Lancaster University und die deutsche Wikipedia nennen kein Geburtsjahr, deshalb steht im Steckbrief keines.
- Die Doktorarbeit trug nach dem Profil der Lancaster University den Titel „Plans and Situated Actions“, das Buch erschien 1987.
- Die Antwort von 1993 an Vera und Simon (Cognitive Science 17, Seiten 71 bis 75) ist nur als Titel in der Wikipedia belegt.
- Inhalt und Ton des Austauschs wurden nicht gelesen, deshalb ist die Verbindung zu Simon nicht geprüft.
- Die Dauer bei Xerox wird unterschiedlich angegeben: zwanzig Jahre laut Lancaster-Profil, 22 Jahre laut englischer Wikipedia und 1979 bis 2001 laut deutscher Wikipedia.
- „Human-Machine Reconfigurations“ datiert die deutsche Wikipedia auf 2006, das Lancaster-Profil und die englische Wikipedia datieren es auf 2007.
- Eine deutsche Ausgabe von „Plans and Situated Actions“ wurde nicht gefunden.
- Das Beispiel Navigationsgerät ist ein Alltagsbeispiel der Redaktion.
Wege durchs Netz
Suchman beschreibt, dass Menschen Pläne nicht einfach ausführen, sondern ihr Handeln in der Situation immer neu herstellen.
1. Individuelles Handeln und Wissen
Suchman zeigt am Umgang mit Geräten, dass Handeln in der Situation entsteht und Pläne es nicht vollständig festlegen.
Herkunft der Daten: Kapitel Geist, Maschine und Technik. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.