Thomas Nagel
Philosoph · geboren 1937 · New York
- Kapitel
- Geist und Technik (redaktionell, keine Schulzugehörigkeit)
- Richtung
- Analytische PhilosophieDeutung[1]
- Kants Fragen
- Was kann ich wissen? · Was ist der Mensch? (Deutung)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Zum Einstieg
Kann man von außen vollständig beschreiben, wie es ist, ein bestimmtes Lebewesen zu sein?
- Position
- Nagel antwortet mit Nein. Zu bewusstem Erleben gehört ein einzelner Standpunkt, und dieser lässt sich nicht in objektive Beschreibung auflösen. Deshalb erklären rein physikalische oder funktionale Beschreibungen nach seiner Auffassung nicht, wie Erleben ist.
- Einwand
- Dennett widerspricht Nagel in einigen Punkten scharf, nennt den Aufsatz aber das einflussreichste Gedankenexperiment über Bewusstsein. Offen bleibt, ob ein subjektiver Charakter überhaupt ein eigener Gegenstand der Erklärung ist.
- Verbindung
- Nagels Frage führt zu Chalmers' hartem Problem des Bewusstseins und zu Dennetts Widerspruch.
Redaktionell zusammengefasst, keine Zitate. Die Quellen stehen am Ende der Seite.
Amerikanischer Philosoph, der mit der Frage „Wie ist es, eine Fledermaus zu sein?“ zeigt, dass die Innenseite des Erlebens sich nicht einfach durch Beschreibungen von außen erklären lässt.
In dieser Sammlung liefert Nagel die Frage, auf die Dennett, Patricia Churchland und Chalmers unterschiedlich antworten: ob und wie sich Bewusstsein erklären lässt.
Kernidee
Nagel sagt, ein Lebewesen habe bewusste Zustände genau dann, wenn es etwas gibt, wie es für dieses Lebewesen ist, es zu sein. Dieses „Wie es ist“ gehört zu einem einzelnen Standpunkt und lässt sich durch eine rein äußere, objektive Beschreibung nicht erfassen. Deshalb greifen reduktive Erklärungen des Geistes nach seiner Auffassung zu kurz.
Biografischer Moment
Lebensereignis Belegtes Ereignis aus dem Leben. Ob es das Denken geprägt hat, behauptet die Angabe nicht.
Nagel promovierte in Harvard unter John Rawls. Der Titel seines Aufsatzes von 1974 stellt eine Frage, die nach der Wikipedia ursprünglich Timothy Sprigge gestellt hatte.[1]
Fundstelle: Abschnitt Philosophy of mind
Bekannt für
Man kennt Nagel für den Aufsatz von 1974 über die Fledermaus. Ein Alltagsbeispiel ist die Frage, wie sich Schmerz, Farbe oder Musik für jemand anderen anfühlt, was du auch mit der besten Beschreibung nicht von außen erfährst.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Das „Wie es ist“ des Erlebens
Nagel schreibt, ein Organismus habe bewusste Zustände genau dann, wenn es etwas gibt, wie es für diesen Organismus ist, es zu sein. Diese Formel hat nach Wikipedia eine Sonderstellung in der Forschung zum Bewusstsein erhalten. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy führt sie als bekanntes Kriterium dafür an, was ein bewusstes Wesen ausmacht.
Grenzen des Reduktionismus
Nagel bestreitet, dass sich der subjektive Charakter der Erfahrung durch funktionale oder rein physische Beschreibungen erklären lässt. Eine solche Erklärung müsste den subjektiven Charakter weglassen und würde damit nach seiner Auffassung das Wesentliche übergehen. Übertragen auf heute: Bei der Frage, wie sich ein Mensch in einer Krise fühlt, reichen Messwerte allein nicht aus.
Die Fledermaus als Beispiel
Fledermäuse nehmen die Welt mit Echoortung wahr, einem Sinn, der sich stark von unseren Sinnen unterscheidet, auch wenn er wie das Sehen eine Form der Wahrnehmung ist. Nagel sagt, wir können uns vorstellen, wie wir als Fledermaus fliegen und kopfüber hängen, aber nicht, wie es aus Sicht der Fledermaus ist. Daran macht er den Unterschied von subjektiver und objektiver Sicht deutlich.
Begriffe
- subjektiver Charakter der Erfahrung
- Standpunkt
- Reduktionismus
- Bewusstsein
- Fledermaus
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
4 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 4 belegt). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Was der Prüfstand bedeutet
- belegt
- Mit Quelle belegt.
- Deutung
- Redaktionelle Deutung auf Grundlage der Quellen.
- überliefert
- Überliefert, aber historisch nicht gesichert.
- ungeprüft
- Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Lehrer
Persönliches Lehrverhältnis: haben Nagel unterrichtet.
John Langshaw AustinPrüfstand: belegt
J. L. Austin betreute Nagels Abschlussarbeit für den Bachelor of Philosophy in Oxford; Nagel nennt sich selbst einen von Austins letzten Studenten.
John RawlsPrüfstand: belegt
Nagel studierte in Cornell bei Rawls und promovierte in Harvard unter ihm.
Persönlich verbunden
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
Daniel DennettPrüfstand: belegt
Dennett nahm Nagels Aufsatz in den Sammelband „The Mind's I“ auf, den er mit Hofstadter herausgab, und nannte ihn das meistzitierte und einflussreichste Gedankenexperiment zum Bewusstsein, obwohl er in einigen Punkten scharf widerspricht.
Grundlage für
Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken von Nagel weiter, meist über Texte.
David ChalmersPrüfstand: belegt
Chalmers beschreibt den subjektiven Aspekt der Erfahrung mit Nagels Formel, dass es etwas gibt, wie es ist, ein bewusstes Wesen zu sein.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
Nagel wurde 1937 in Belgrad geboren, seine Eltern waren deutsch-jüdische Flüchtlinge. Er kam 1939 in die Vereinigten Staaten und wuchs in New York auf.[1]
Biografie belegt
Nagel studierte in Cornell unter anderem bei Rawls, dann in Oxford, wo er unter anderem bei Grice, Strawson und Hart lernte, und promovierte danach in Harvard.[1]
Kritik
Dennett bestreitet, dass das Erleben der Fledermaus unzugänglich ist: Alles theoretisch Wichtige daran lasse sich von außen beobachten. Trotzdem nennt er Nagels Aufsatz das meistzitierte und einflussreichste Gedankenexperiment über Bewusstsein. Ob ein subjektiver Charakter einen eigenen Gegenstand der Erklärung bildet, ist umstritten.
Wirkung heute
Nagels Formulierung wird weiterhin gebraucht, wenn gefragt wird, ob Tiere oder Maschinen etwas erleben. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy führt sie als bekanntes Kriterium bewusster Wesen auf.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Wenn du ein Team führst, kannst du daran denken, dass du die Lage eines Kollegen nie ganz von außen beurteilen kannst. Ein Gespräch, in dem du fragst, wie die Lage für ihn ist, ersetzt dann die bloße Beobachtung. Das ist eine Übertragung und keine Aussage Nagels über Führung.
Lebensstationen
- 1937Geburt am 4. Juli in Belgrad
- 1958Abschluss in Philosophie an der Cornell University
- 1960Bachelor of Philosophy in Oxford
- 1963Professur an der University of California, Berkeley
- 1974„What Is It Like to Be a Bat?“ erscheint
- 2012„Mind and Cosmos“ erscheint
Werke
- What Is It Like to Be a Bat? (1974)
Ersterscheinung: The Philosophical Review, Band 83, Heft 4 (Oktober 1974), Seiten 435 bis 450; später in Mortal Questions (1979). Deutsche Ausgabe: „Wie ist es, eine Fledermaus zu sein?“ (1981).
- Mind and Cosmos: Why the Materialist Neo-Darwinian Conception of Nature Is Almost Certainly False (2012)
Ersterscheinung: 2012. Deutsche Ausgabe: „Geist und Kosmos. Warum die materialistische neodarwinistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch ist“ (2013).
Lesetipps
- Einstieg
- Thomas Nagel, What Is It Like to Be a Bat?, The Philosophical Review 83 (1974); der kurze Aufsatz, der die Frage stellt.
- Vertiefung
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Consciousness“, Abschnitt zum „Wie es ist“-Kriterium
Noch nicht sicher belegt
- Die Promotion bei Rawls steht nur in der englischen Wikipedia.
- Geburtsdatum und Geburtsort (4. Juli 1937, Belgrad) stehen in beiden Wikipedia-Fassungen.
- Beide Fassungen führen Nagel am 22. Oktober 2026 als lebend.
- Der Wohnort New York folgt aus der Stellung an der New York University.
- Die Frage „What is it like to be a bat“ wird nach der Wikipedia ursprünglich Timothy Sprigge zugeschrieben.
- Nach Dennett stellte Farrell 1950 eine ähnliche Frage.
- Die deutschen Ausgaben des Fledermaus-Aufsatzes (1981) und von „Mind and Cosmos“ (2013) sind nur durch die deutsche Wikipedia belegt.
Wege durchs Netz
Nagel fragt, wie es ist, eine Fledermaus zu sein, und hält die Innenseite des Erlebens für schwer von außen erklärbar.
Herkunft der Daten: Kapitel Geist, Maschine und Technik. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.