Daniel Dennett
Philosoph und Kognitionswissenschaftler · 1942–2024 · Tufts University bei Boston, Massachusetts
- Kapitel
- Geist und Technik (redaktionell, keine Schulzugehörigkeit)
- Richtung
- Analytische PhilosophieDeutung[1]
- Kants Fragen
- Was kann ich wissen? · Was ist der Mensch? (Deutung)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Zum Einstieg
Warum sagst du, ein Schachcomputer „will“ dich schlagen, obwohl du weißt, dass er nur rechnet?
- Position
- Dennett antwortet, dass die Sprache von Überzeugungen und Wünschen eine nützliche Einstellung ist, um das Verhalten komplexer Systeme vorherzusagen. Bewusstsein ist für ihn kein Geheimnis außerhalb der Naturwissenschaft, sondern das Ergebnis vieler paralleler Prozesse im Gehirn.
- Einwand
- Searle bestreitet, dass das Verhalten oder das ganze System schon Verstehen bedeutet. Chalmers hält die Frage nach dem Erleben für ein eigenes, hartes Problem.
- Verbindung
- Dennett steht als Vertreter der Systemantwort gegen Searle und als naturalistischer Gegenpol neben Nagel und Chalmers.
Redaktionell zusammengefasst, keine Zitate. Die Quellen stehen am Ende der Seite.
Kommt in diesen Denkwegen vor
Amerikanischer Philosoph und Kognitionswissenschaftler, der Bewusstsein und Überzeugungen als Ergebnis physischer Vorgänge im Gehirn erklärt und dabei vom Standpunkt der Zuschreibung (intentionale Einstellung) ausgeht.
Dennett gehört in der Debatte um das Chinesische Zimmer zu den Gegnern Searles. Nagel und Chalmers vertreten die Gegenposition, dass sich das Erleben nicht vollständig aus Funktion und Verhalten erklären lässt. Er promovierte bei Ryle und gilt als naturalistischer Gegenpol zu Chalmers' hartem Problem.
Kernidee
Dennett vertritt, dass Bewusstsein ganz aus physischen Vorgängen im Gehirn entsteht, und lehnt den Dualismus von Körper und Geist ab. Seine intentionale Einstellung bedeutet, dass wir Systemen Überzeugungen und Wünsche zuschreiben, weil das ihr Verhalten gut vorhersagt, auch ohne ihre Physik zu kennen. Bewusstsein erklärt er mit vielen parallelen Prozessen, die um Beachtung im Gehirn konkurrieren.
Biografischer Moment
Belegter Einfluss Die Quellen belegen, dass dieses Erlebnis das Denken beeinflusst hat.
Dennett promovierte 1965 in Oxford unter Gilbert Ryle. Er sagte später, sein Projekt einer Philosophie des Geistes auf empirischer Grundlage sei seit der Zeit in Oxford im Kern gleich geblieben.[1]
Fundstelle: Abschnitte Academic career und Mind
Bekannt für
Man kennt Dennett für „Consciousness Explained“ von 1991 und für den Begriff der intentionalen Einstellung. Er war auch einer der als „Vier Reiter“ bezeichneten Vertreter des neuen Atheismus.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Die intentionale Einstellung
Nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy nennt Dennett die Sprache von Überzeugungen und Wünschen die intentionale Einstellung. Sie ist nützlich, um das Verhalten eines Systems vorherzusagen, wenn man die physikalischen Gesetze dahinter nicht im Detail kennt. Wenn du erklärst, warum ein Schachprogramm einen Zug macht, sagst du, es „will“ die Dame schützen.
Mehrfache Entwürfe
In „Consciousness Explained“ beschreibt Dennett Bewusstsein als Wettbewerb vieler paralleler Informationsströme um „Gehirnruhm“. Das Selbst nennt er ein „Zentrum narrativer Schwerkraft“, eine nützliche Fiktion, mit der das Gehirn sein Verhalten erklärt. Im Alltag erzählst du dir ebenfalls eine Geschichte darüber, warum du etwas getan hast.
Gefahr der Überschätzung von Maschinen
Dennett sah eine Gefahr darin, dass Menschen Systeme vermenschlichen und ihnen geistige Fähigkeiten zuschreiben, die sie nicht besitzen. Eine Überintelligenz hielt er 2017, im Erscheinungsjahr von „From Bacteria to Bach and Back“, für mindestens fünfzig Jahre entfernt und für weniger dringlich als andere Probleme der Welt. Übertragen auf heute: Du kannst fragen, welche Fähigkeit du einem Werkzeug stillschweigend zuschreibst.
Begriffe
- intentionale Einstellung
- Modell der mehrfachen Entwürfe
- Materialismus
- Systemantwort
- Bewusstsein
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
8 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 6 belegt, 2 Deutung). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Was der Prüfstand bedeutet
- belegt
- Mit Quelle belegt.
- Deutung
- Redaktionelle Deutung auf Grundlage der Quellen.
- überliefert
- Überliefert, aber historisch nicht gesichert.
- ungeprüft
- Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Lehrer
Persönliches Lehrverhältnis: haben Dennett unterrichtet.
Gilbert RylePrüfstand: belegt
Dennett studierte in Oxford unter Gilbert Ryle und promovierte dort 1965.
Willard Van Orman QuinePrüfstand: belegt
Dennett war in Harvard ein Student von Quine.
Persönlich verbunden
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
Thomas NagelPrüfstand: belegt
Dennett nahm Nagels Aufsatz in den Sammelband „The Mind's I“ auf, den er mit Hofstadter herausgab, und nannte ihn das meistzitierte und einflussreichste Gedankenexperiment zum Bewusstsein, obwohl er in einigen Punkten scharf widerspricht.
Kritisiert
Dennett kritisiert eine bestimmte These. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.
John SearlePrüfstand: belegt
Dennett gehört zu den Vertretern der Systemantwort auf das Chinesische Zimmer: Der Mensch im Zimmer versteht nicht, aber das ganze System versteht.
Nick BostromPrüfstand: belegt
Nach der englischen Wikipedia vertrat Dennett in „From Bacteria to Bach and Back“ (2017) eine Gegenposition zu Bostrom und hielt eine Überintelligenz für fern und für weniger dringlich als andere Probleme.
Wird kritisiert von
Kritik an einer bestimmten These von Dennett. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.
David ChalmersPrüfstand: belegt
Chalmers hält in seinem Aufsatz von 1995 Dennetts Modell der mehrfachen Entwürfe für eine Erklärung der Berichtbarkeit, die das harte Problem nicht erreicht; Dennett antwortete im Journal of Consciousness Studies.
Im Vergleich
Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.
Hilary PutnamPrüfstand: Deutung
Redaktioneller Vergleich: Putnam begründete den Funktionalismus als Maschinen-Funktionalismus, Dennett bezeichnet sich in „Consciousness Explained“ als eine Art „Teleofunktionalist“; beide erklären Geisteszustände über ihre Rolle statt über ihren Stoff. Ein Einfluss ist damit nicht behauptet.
Patricia ChurchlandPrüfstand: Deutung
Redaktioneller Vergleich: Churchland und Dennett vertreten beide einen naturalistischen Zugang zum Geist und widersprechen Searle auf unterschiedlichen Wegen; ein Einfluss oder persönlicher Austausch wird nicht behauptet.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
Dennett verbrachte einen Teil der Kindheit im Libanon; sein Vater, ein Agent des Office of Strategic Services, kam 1947 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Danach zog seine Mutter mit ihm nach Massachusetts.[1]
Abhängigkeit belegt
Dennett wollte eine Philosophie des Geistes, die auf empirischer Forschung beruht, und blieb nach eigener Aussage diesem Projekt seit seiner Zeit in Oxford treu.[1]
Kritik
Searle hält dagegen, dass der Mensch im Chinesischen Zimmer das ganze System in sich aufnehmen könnte und trotzdem keine Bedeutung hätte. Chalmers und Nagel bestreiten, dass sich das Erleben vollständig durch Funktion und Verhalten erklären lässt.
Wirkung heute
Die intentionale Einstellung wird in der Debatte genutzt, wann man Maschinen Überzeugungen und Wünsche zuschreiben darf. Nach der englischen Wikipedia warnte Dennett davor, dass Menschen das Wesen „parasitärer“ Systeme künstlicher Intelligenz missverstehen, statt sie zu nutzen, um ihr eigenes Verstehen herauszufordern.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: In einem Team schreibst du Kolleginnen und Kollegen ständig Absichten zu, weil das ihr Verhalten gut erklärt. Du kannst prüfen, wann diese Zuschreibung hilft und wann sie dich blind für andere Gründe macht. Das ist eine Analogie zu Dennetts intentionaler Einstellung und keine Aussage von ihm über Führung.
Lebensstationen
- 1942Geburt am 28. März in Boston
- 1963Abschluss in Philosophie in Harvard
- 1965Promotion in Oxford unter Gilbert Ryle
- 1987„The Intentional Stance“ erscheint
- 1991„Consciousness Explained“ erscheint
- 2024Tod am 19. April
Werke
- The Intentional Stance (1987)
Ersterscheinung: MIT Press, erste Veröffentlichung 1987 (Auflage von 1996 mit der Angabe „First published 1987“).
- Consciousness Explained (1991)
Ersterscheinung: Little, Brown, Boston 1991. Deutsche Ausgabe: „Philosophie des menschlichen Bewusstseins“ (1994).
Lesetipps
- Einstieg
- Daniel Dennett, Consciousness Explained (1991); die ausführliche Darstellung seiner Theorie des Bewusstseins.
- Vertiefung
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Intentionality“, Abschnitt zur intentionalen Einstellung
Noch nicht sicher belegt
- Zu Dennett gibt es keinen Eintrag in der Stanford Encyclopedia of Philosophy.
- Die Darstellung stützt sich vor allem auf die englische und die deutsche Wikipedia, ergänzt durch Einträge der Stanford Encyclopedia of Philosophy zu einzelnen Themen.
- Die Lebensdaten (28. März 1942 in Boston, 19. April 2024) stehen in beiden Wikipedia-Fassungen übereinstimmend.
- Eine Verbindung zu Putnam (Funktionalismus) ist in den genutzten Quellen nicht ausdrücklich belegt.
- Eine direkte Kritik Dennetts an Nagel steht in keiner genutzten Quelle.
- „Content and Consciousness“ erschien nach der deutschen Wikipedia 1969 bei Routledge & Kegan Paul.
- Nach der englischen Wikipedia trug die Doktorarbeit von 1965 einen anderen Titel („The Mind and the Brain …“), und das Buch gilt dort als „original dissertation“.
Wege durchs Netz
Dennett erklärt Bewusstsein und Überzeugungen als Ergebnis von Vorgängen im Gehirn, ausgehend davon, wie wir anderen Absichten zuschreiben.
Herkunft der Daten: Kapitel Geist, Maschine und Technik. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Dennett
- [1]Daniel Dennett – Wikipedia (en), Abschnitt Early life and education
- [2]Daniel Dennett · Wikipedia
- [3]The Chinese Room Argument, Abschnitt 1 · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [4]Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [5]Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [6]scrippsnews.com/obituaries/prolific-atheist-philosopher-daniel-dennett-dies-at-82 · Webseite