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Loslassen ist keine Schwäche: Warum Delegation die härteste Führungsdisziplin ist

Von Marcel Pirlich

Hände, die ein Seil loslassen

„Bevor ich das erklärt habe, habe ich es schneller selbst gemacht.“

Diesen Satz haben Sie bestimmt schon gedacht oder gesagt. Operativ haben Sie sogar recht: Sie sind schneller, und Sie sind besser.

Strategisch ist der Satz eine Bankrotterklärung. Jedes Mal bezahlen Sie eine 10-Euro-Aufgabe mit Ihrer 500-Euro-Stunde. Schwerer wiegt etwas anderes: Sie werden zum Nadelöhr Ihres eigenen Wachstums.

Die Kontrollillusion

Warum fällt Loslassen so schwer? Je kompetenter Sie sind, desto schwerer fällt es. Wer Führungskraft geworden ist, weil er fachlich exzellent war, hat in dieser Kompetenz seine Sicherheitszone.

Delegieren heißt, diese Sicherheit aufzugeben und das Ergebnis vorübergehend unsicherer zu machen. Das fühlt sich an wie Kontrollverlust. Führung ist aber nicht die Kunst, alles unter Kontrolle zu haben. Führung ist die Kunst, Ergebnisse durch andere zu erzielen.

Abdication vs. Delegation

Delegieren ist etwas anderes als Aufgaben abladen, auf Englisch Abdication.

Abladen: „Hier, mach mal.“ Und wenn es schiefgeht: „Ich wusste, er kann es nicht.“

Delegation: Sie übergeben Verantwortung, klären die Rahmenbedingungen, stellen Ressourcen bereit und vertrauen dann.

Michael Gerber unterscheidet in The E-Myth zwischen der Arbeit im Unternehmen (als Fachkraft) und der Arbeit am Unternehmen (als Unternehmer oder Führungskraft). Wer nicht delegiert, bleibt Fachkraft.

Sind Sie ein Multiplier?

Liz Wiseman beschreibt in ihrem Buch Multipliers zwei Typen von Führungskräften.

Diminisher sind hochintelligent, aber in ihrer Nähe fühlen sich andere klein und inkompetent. Sie ziehen die Energie aus dem Raum, weil sie immer die Klügsten sein müssen.

Multiplier setzen ihre Intelligenz ein, um die Intelligenz der anderen zu verstärken. Sie geben Verantwortung so ab, dass ihre Leute über sich hinauswachsen.

Wollen Sie der Genius mit 1.000 Helfern sein oder der Genius-Macher? Nur das Zweite skaliert.

Die Kunst, sich überflüssig zu machen

Delegation tut weh. Sie sehen zu, wie jemand eine Aufgabe anders löst als Sie, am Anfang vielleicht schlechter. Und Sie müssen aushalten, nicht gebraucht zu werden.

Die beste Führungskraft ist die, deren Team auch läuft, wenn sie vier Wochen im Urlaub ist. Steht Ihr Handy im Urlaub still, haben Sie Ihren Job gemacht. Klingelt es ständig, ist noch zu viel bei Ihnen hängen geblieben. Erst wenn Sie sich in diesem Sinn überflüssig gemacht haben, sind Ihre Hände frei für die strategische Arbeit, für die Sie bezahlt werden.

Wo landet die Verantwortung wieder bei Ihnen?

Welche Aufgaben und Entscheidungen bei Ihnen zurückkommen, obwohl Sie sie übergeben haben, fragt der Bereich Verantwortung im Klarheitscheck. Nehmen Sie sich danach eine dieser Übergaben vor und klären Sie drei Dinge: wer entscheidet, wo die Grenzen liegen und wann Sie das nächste Mal darüber sprechen.

„Die beste Führungskraft ist die, die sich selbst überflüssig macht.“

Darüber sprechen?

Sind Sie der Engpass in Ihrem eigenen Team? Lassen Sie uns klären, wie Sie Verantwortung übergeben, ohne das Ergebnis aus dem Blick zu verlieren.

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