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Landkarte der Philosophie

Andy Clark

Philosoph · geboren 1957 · Sussex, England

Kapitel
Geist und Technik (redaktionell, keine Schulzugehörigkeit)
Kants Fragen
Was kann ich wissen? · Was ist der Mensch? (Deutung)
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

Zum Einstieg

Wo hört dein Denken auf: im Kopf, in deinen Notizen oder in deinem Telefon?

Position
Clark und Chalmers antworten, dass der Geist über die Grenzen von Haut und Schädel hinausreichen kann, wenn Dinge in der Umwelt dieselbe Rolle spielen wie Vorgänge im Kopf. Das Beispiel ist Otto, dessen Notizbuch für ihn die Rolle des Gedächtnisses übernimmt.
Einwand
Adams und Aizawa bestreiten nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy, dass Systeme wie Otto mit seinem Notizbuch kognitiv sind, weil ihnen ein ursprünglicher, nicht abgeleiteter Gehalt fehle.
Verbindung
Redaktionell führt Clark zu Fragen nach Werkzeugen und Verantwortung, die auch Haraway, Floridi und Vallor stellen, und steht Searles Annahme gegenüber, dass Verstehen im Kopf liegt.

Redaktionell zusammengefasst, keine Zitate. Die Quellen stehen am Ende der Seite.

Kommt in diesen Denkwegen vor

Britischer Philosoph, der mit Chalmers die These vertritt, dass der Geist über Gehirn und Körper hinaus in Werkzeuge und Umwelt reichen kann.

Clark verbindet die Philosophie des Geistes mit Technik. Redaktionell steht er Searles Annahme gegenüber, dass Verstehen im Kopf liegt, und neben Haraway, Floridi und Vallor, die ebenfalls über Menschen mit Werkzeugen nachdenken.

Kernidee

Clark und Chalmers fragen, wo der Geist aufhört und die Welt beginnt. Sie antworten mit einem aktiven Externalismus: Auch die Umwelt kann beim Denken eine tragende Rolle spielen. Ein Notizbuch kann demnach für einen Menschen mit Gedächtnisverlust die Rolle des Gedächtnisses übernehmen, und seine Einträge zählen dann zu seinen Überzeugungen.

Biografischer Moment

Lebensereignis Belegtes Ereignis aus dem Leben. Ob es das Denken geprägt hat, behauptet die Angabe nicht.

Clark leitete in den frühen 1990er Jahren in St. Louis ein Programm zur Philosophie, Neurowissenschaft und Psychologie. Dort arbeitete Chalmers als Postdoktorand, und beide veröffentlichten 1998 gemeinsam „The Extended Mind“.[6][1]

Fundstelle: Abschnitt Early life and education

Bekannt für

Man kennt Clark für den Aufsatz „The Extended Mind“ von 1998 und das Beispiel von Otto und seinem Notizbuch. Ein Alltagsbeispiel ist dein Smartphone, in dem Termine und Telefonnummern stehen, die du dir nicht mehr merkst.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Otto und sein Notizbuch

Inga erinnert sich, dass das Museum in der 53. Straße liegt, und geht hin. Otto, der an Alzheimer leidet, schaut in sein Notizbuch, das ihm die Straße nennt, und geht ebenfalls hin. Clark und Chalmers sagen, das Notizbuch spiele für Otto dieselbe Rolle wie das Gedächtnis für Inga, und Otto glaube deshalb schon vorher, dass das Museum dort liegt. Wenn du dir eine Aufgabe in den Kalender schreibst, verhält sich der Kalender ähnlich.

Aktiver Externalismus

Die Autoren unterscheiden ihre Position von der Ansicht, Geist sei durch Haut und Schädel begrenzt. Sie sprechen von einem aktiven Externalismus, der auf der aktiven Rolle der Umwelt bei kognitiven Vorgängen beruht. Das heißt, die Umwelt ist nicht nur Eingabe, sondern wirkt im Denken mit. Bei einer Rechnung auf Papier denkst du mit dem Papier.

Das vorhersagende Gehirn

Nach der Wikipedia schlägt Clark ein Modell vor, in dem das Gehirn Vorhersagen erzeugt und mit dem tatsächlichen Ergebnis vergleicht. Aus dem Unterschied entstehen Fehlersignale, die künftige Vorhersagen verbessern. Das ist eine Rückkopplung zwischen Vorhersage und Fehler.

Begriffe

erweiterter Geist
Parität
Otto und sein Notizbuch
Kognition mit Werkzeugen
vorhersagendes Gehirn

Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen

3 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 2 belegt, 1 Deutung). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Was der Prüfstand bedeutet
belegt
Mit Quelle belegt.
Deutung
Redaktionelle Deutung auf Grundlage der Quellen.
überliefert
Überliefert, aber historisch nicht gesichert.
ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.

Persönlich verbunden

Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.

  • David ChalmersPrüfstand: belegt

    Clark und Chalmers sind Mitautoren von „The Extended Mind“ (1998); Chalmers war zuvor Postdoktorand in Clarks Programm in St. Louis.

Kritisiert

Clark kritisiert eine bestimmte These. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.

  • John SearlePrüfstand: belegt

    Nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy gibt Clark in „Microcognition“ Searle für Programme mit festen Regeln recht, hält ihm aber entgegen, dass sein Argument konnektionistische Modelle, also künstliche neuronale Netze, nicht trifft.

Im Vergleich

Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.

  • Donna HarawayPrüfstand: Deutung

    Redaktioneller Vergleich: Beide denken Mensch und Technik als Verbindung, Haraway mit der Figur des Cyborgs, Clark in „Natural-Born Cyborgs“ und im erweiterten Geist; ein Einfluss wird nicht behauptet.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Biografie belegt

    Clark war Professor in Edinburgh, leitete das Programm für Kognitionswissenschaft an der Indiana University Bloomington und war Leiter eines Programms zu Philosophie, Psychologie und Neurowissenschaft in St. Louis. Heute lehrt er an der Universität Sussex.[2]

  • Abhängigkeit belegt

    Chalmers war von 1993 bis 1995 Postdoktorand in einem von Clark geleiteten Programm an der Washington University in St. Louis, bevor beide 1998 gemeinsam den Aufsatz veröffentlichten.[6]

Kritik

Adams und Aizawa gehören nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy zu den lautesten Kritikern: Systeme wie Otto mit seinem Notizbuch seien nicht kognitiv, weil ihnen Merkmale des Kognitiven fehlen, etwa ein ursprünglicher, nicht abgeleiteter Gehalt. Verteidiger deuten die These bescheidener: Umwelt und Körper können Bestandteile eines kognitiven Systems sein, auch wenn die Kognition nicht in ihnen selbst abläuft.

Wirkung heute

Die Stanford Encyclopedia of Philosophy führt den erweiterten Geist unter den vier Spielarten verkörperter Kognition (verkörpert, eingebettet, enaktiv und erweitert). Übertragen auf heute: Die These lässt sich auf Smartphones, Sprachassistenten und Systeme künstlicher Intelligenz anwenden; das ist ein redaktioneller Transfer.

Brücke zu Führung und Coaching

Übertragen auf heute: Du kannst überlegen, welche Hilfsmittel dein Denken im Alltag tragen, etwa Checklisten, Notizen oder das Team selbst, und was passiert, wenn sie fehlen. Das ist eine Übertragung des Gedankens vom erweiterten Geist und keine Aussage Clarks über Führung.

Lebensstationen

  1. 1957Geburt (nur das Jahr ist in der Quelle genannt)
  2. 1993Chalmers wird Postdoktorand in dem von Clark geleiteten Programm für Philosophie, Neurowissenschaft und Psychologie in St. Louis (bis 1995)
  3. 1997„Being There“ erscheint
  4. 1998„The Extended Mind“ mit Chalmers in Analysis
  5. 2004„Natural-Born Cyborgs“ erscheint
  6. 2008„Supersizing the Mind“ erscheint

Werke

  • The Extended Mind (1998)

    Ersterscheinung: Analysis, Band 58 (1998), Seiten 10 bis 23, mit David Chalmers.

  • Natural-Born Cyborgs: Minds, Technologies, and the Future of Human Intelligence (2004)

    Ersterscheinung: 2004 (Verlag in den abgerufenen Quellen nicht genannt).

Lesetipps

Einstieg
Andy Clark und David Chalmers, The Extended Mind, Analysis 58 (1998); der Originalaufsatz mit Otto und Inga.
Vertiefung
Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Embodied Cognition“, Abschnitt 5.2 zum Paritätsprinzip

Noch nicht sicher belegt

  • Das Geburtsjahr 1957 nennen die englische Wikipedia und der Normdatensatz der Deutschen Nationalbibliothek übereinstimmend.
  • Tag und Ort der Geburt sind nicht belegt.
  • Clark steht als Autor des Aufsatzes zuerst, weil die Autoren laut Fußnote nach ihrem „degree of belief in the central thesis“ gereiht sind.
  • Zu Clark gibt es keinen Eintrag in der Stanford Encyclopedia of Philosophy.
  • Die Rolle von Clarks Positionen bei Haraway, Floridi und Vallor ist eine Einordnung der Redaktion und nicht belegt.
  • Das Beispiel Smartphone ist ein Alltagsbeispiel der Redaktion.
  • Für „Natural-Born Cyborgs“ nennt die Wikipedia das Jahr 2004, einen Verlag nennt keine genutzte Quelle.
  • „Microcognition“ datiert die Stanford Encyclopedia of Philosophy auf 1991 (MIT Press), die Wikipedia auf 1989.
  • Dass Clark das Programm in St. Louis ab 1993 leitete, ist nicht belegt.
  • Belegt ist nur, dass Chalmers von 1993 bis 1995 Postdoktorand in dem von Clark geleiteten Programm war.
  • Eine deutsche Ausgabe eines Clark-Buches wurde im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek nicht gefunden.

Wege durchs Netz

Herkunft der Daten: Kapitel Geist, Maschine und Technik. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.

Quellen zu Clark

  1. [1]Clark und Chalmers, The Extended Mind · Webseite
  2. [2]Andy Clark – Wikipedia (en), Einleitung
  3. [3]katalog.dnb.de/DE/list.html · Webseite
  4. [4]Stanford Encyclopedia of Philosophy
  5. [5]The Chinese Room Argument, Abschnitt 1 · Stanford Encyclopedia of Philosophy
  6. [6]David Chalmers – Wikipedia (en), Abschnitt Early life and education

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