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Landkarte der Philosophie

John Searle

Philosoph · 1932–2025 · Berkeley, Kalifornien

Kapitel
Geist und Technik (redaktionell, keine Schulzugehörigkeit)
Richtung
Analytische Philosophiebelegt[2]
Kants Fragen
Was kann ich wissen? · Was ist der Mensch? (Deutung)
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

Zum Einstieg

Wenn jemand deine Fragen perfekt beantwortet, heißt das schon, dass er sie versteht?

Position
Searle antwortet mit Nein. Wer nur Zeichen nach ihrer Form verarbeitet, kann richtige Antworten liefern, ohne ihre Bedeutung zu verstehen. Deshalb reicht nach seiner Auffassung ein Programm für Verstehen nicht aus.
Einwand
Die Systemantwort hält dagegen, dass nicht der Mensch im Zimmer, sondern das ganze System versteht. Searle erwidert, er könne das System verinnerlichen und hätte dann immer noch keine Bedeutung.
Verbindung
Searles Argument richtet sich gegen Turings Test und wird im Denkweg zu Maschine und Verstehen dem Einwand von Dreyfus gegenübergestellt.

Redaktionell zusammengefasst, keine Zitate. Die Quellen stehen am Ende der Seite.

Kommt in diesen Denkwegen vor

Amerikanischer Philosoph der Sprache und des Geistes, der mit dem Chinesischen Zimmer bestreitet, dass ein Programm allein Verstehen erzeugen kann.

Searle gehört zu den bekanntesten Gegnern der Idee, dass Denken Berechnen sei; das Chinesische Zimmer ist nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy wohl das meistdiskutierte philosophische Argument der Kognitionswissenschaft. Er richtet sich gegen Turings Test als Maßstab und gegen die berechnende Theorie des Geistes, zu deren Architekten Putnam gehört. Dennett und die Churchlands widersprechen ihm.

Kernidee

Searle stellt sich vor, er sitze in einem Raum und beantworte chinesische Fragen allein mit einem Regelbuch, ohne ein Wort Chinesisch zu verstehen. Von außen wirkt es, als verstünde jemand im Raum Chinesisch, doch nach Searle gibt es dort kein Verstehen. Daraus folgert er, dass ein Computerprogramm, das nur Zeichen nach ihrer Form verarbeitet, Verstehen nicht erzeugen kann.

Biografischer Moment

Belegter Einfluss Die Quellen belegen, dass dieses Erlebnis das Denken beeinflusst hat.

Searle führte seine Sprechakttheorie aus der Schule der Alltagssprachphilosophie seiner Oxforder Lehrer weiter. Philosophy Now beschreibt, dass ihn Austin und Strawson in Oxford prägten und seine Sicht auf Sprache als Handeln begründeten.[4]

Bekannt für

Man kennt Searle für das Gedankenexperiment des Chinesischen Zimmers, das 1980 in der Zeitschrift Behavioral and Brain Sciences erschien, und für seine Sprechakttheorie. Ein Alltagsbeispiel ist ein Übersetzungsprogramm, das korrekte Sätze liefert, ohne dass jemand sagen könnte, es verstehe sie.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Das Chinesische Zimmer

Searle stellt sich einen Menschen vor, der kein Chinesisch kann und in einem Raum mit Kisten voller chinesischer Zeichen und einem Regelbuch sitzt. Er erhält chinesische Fragen von außen und gibt mit Hilfe des Regelbuchs richtige chinesische Antworten heraus, ohne ein Wort zu verstehen. Searle schließt: Wenn der Mensch auf dieser Grundlage nicht versteht, versteht auch kein Computer allein dadurch, dass er ein Programm ausführt. Am Telefon einen vorgelesenen Text aufzusagen, den du nicht verstehst, wäre ein ähnlicher Fall.

Starke und schwache künstliche Intelligenz

Searle nennt die Ansicht, dass geeignet programmierte Computer Sprache wirklich verstehen und geistige Fähigkeiten haben, starke künstliche Intelligenz. Die schwache Version sagt nur, dass Computer als Werkzeug nützlich sind und geistige Fähigkeiten simulieren. Seine Kritik gilt nur der starken Version; er sagt ausdrücklich, dass Gehirne Maschinen sind und denken.

Sprechakte

In „Speech Acts“ von 1969 arbeitet Searle die Sprachphilosophie seines Lehrers Austin weiter aus und beschreibt Sprechen als Handeln nach Regeln. Wer „Ich verspreche es“ sagt, vollzieht eine Handlung, die Regeln unterliegt. Im Arbeitsalltag erkennst du das an Sätzen wie „Ich übernehme das“, die eine Verpflichtung schaffen.

Begriffe

Chinesisches Zimmer
starke künstliche Intelligenz
Syntax und Semantik
Intentionalität
Sprechakte

Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen

10 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 10 belegt). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Was der Prüfstand bedeutet
belegt
Mit Quelle belegt.
Deutung
Redaktionelle Deutung auf Grundlage der Quellen.
überliefert
Überliefert, aber historisch nicht gesichert.
ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.

Lehrer

Persönliches Lehrverhältnis: hat Searle unterrichtet.

  • John Langshaw AustinPrüfstand: belegt

    Searle studierte in Oxford bei J. L. Austin; Philosophy Now und die englische Wikipedia nennen Austin (mit Strawson) als Doktorvater. Er führte Austins Sprechaktlehre weiter.

Persönlich verbunden

Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.

  • Hubert DreyfusPrüfstand: belegt

    Dreyfus war Searles Kollege in Berkeley; die Stanford Encyclopedia of Philosophy nennt seine Kritik an der frühen künstlichen Intelligenz einen Vorläufer von Searles Argument des Chinesischen Zimmers.

Kritisiert

Searle kritisiert eine bestimmte These. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.

  • Alan TuringPrüfstand: belegt

    Searle folgert aus dem Chinesischen Zimmer, dass der Turing-Test als Maßstab für Verstehen nicht ausreicht: Der Mensch im Zimmer bestünde ihn, ohne Chinesisch zu verstehen.

  • Hilary PutnamPrüfstand: belegt

    Putnam gehört nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy zu den Architekten der berechnenden Theorie des Geistes, die Searles weiter gefasstes Argument angreift; ein persönlicher Streit ist nicht behauptet.

Wird kritisiert von

Kritik an einer bestimmten These von Searle. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.

  • Andy ClarkPrüfstand: belegt

    Nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy gibt Clark in „Microcognition“ Searle für Programme mit festen Regeln recht, hält ihm aber entgegen, dass sein Argument konnektionistische Modelle, also künstliche neuronale Netze, nicht trifft.

  • Daniel DennettPrüfstand: belegt

    Dennett gehört zu den Vertretern der Systemantwort auf das Chinesische Zimmer: Der Mensch im Zimmer versteht nicht, aber das ganze System versteht.

  • Patricia ChurchlandPrüfstand: belegt

    Die Churchlands antworteten 1990 in Scientific American auf Searle: Das Chinesische Zimmer versteht zwar nicht, doch das Argument nutze unsere Unkenntnis aus (Gleichnis vom Leuchtraum).

Gegenseitige Kritik

Beide Seiten kritisieren Thesen der anderen.

  • Luciano FloridiPrüfstand: belegt

    Searle besprach „The Fourth Revolution“ kritisch in der New York Review of Books, und Floridi wies die Rezension in einem Brief als oberflächlich zurück.

Baut auf

Searle übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • John Langshaw AustinPrüfstand: belegt

    Searles frühe Arbeit zu Sprechakten war von J. L. Austin und Ludwig Wittgenstein beeinflusst; in Oxford besuchte Searle ab 1952 Veranstaltungen von Austin und Peter Strawson.

  • Ludwig WittgensteinPrüfstand: belegt

    Searles frühe Arbeit zu Sprechakten wurde nach Wikipedia von Austin und Wittgenstein beeinflusst.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Biografie belegt

    Searle studierte als Rhodes-Stipendiat in Oxford und erwarb dort alle akademischen Grade. Nach Philosophy Now und der englischen Wikipedia promovierte er unter J. L. Austin und Peter Strawson; die deutsche Wikipedia nennt dagegen Peter Geach als Betreuer und sagt, Searle habe in Oxford Veranstaltungen von Austin und Strawson besucht. Seit 1959 lehrte er in Berkeley.[3]

  • Zeitgeschehen belegt

    Zu der Zeit, als Searle das Chinesische Zimmer vorstellte, behaupteten manche Forscher zu künstlicher Intelligenz, Computer verstünden bereits Teile natürlicher Sprache.[1]

Kritik

Die Systemantwort sagt, der Mensch im Zimmer sei nur ein Teil, und das ganze System verstehe Chinesisch. Dennett, Hofstadter, Block und andere vertreten sie. Die Churchlands halten das Argument für unzulässig, weil es unsere Unkenntnis über Verstehen ausnutzt (Gleichnis vom Leuchtraum).

Wirkung heute

Das Chinesische Zimmer wird in Debatten um Sprachmodelle weiter angeführt, wenn gefragt wird, ob flüssiges Antworten Verstehen bedeutet. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy erwähnt, dass große Sprachmodelle seit 2022 Aufsätze schreiben und Prüfungen bestehen, und stellt dazu dieselbe Frage.

Brücke zu Führung und Coaching

Übertragen auf heute: Wenn dir jemand im Team eine perfekte Antwort gibt, kannst du prüfen, ob die Person die Sache versteht oder nur die Formulierung beherrscht, zum Beispiel mit einer Rückfrage in einer neuen Lage. Das ist eine Analogie zu Searles Unterscheidung von Syntax und Bedeutung und keine Aussage von ihm über Führung.

Lebensstationen

  1. 1932Geburt am 31. Juli in Denver
  2. 1959Beginn der Lehrtätigkeit an der University of California, Berkeley
  3. 1969„Speech Acts“ erscheint
  4. 1980„Minds, Brains, and Programs“ mit dem Chinesischen Zimmer
  5. 2019Die Universität entzieht ihm im Juni den Status als emeritierter Professor, nachdem ein Disziplinarverfahren Verstöße gegen ihre Richtlinien zu sexueller Belästigung und Vergeltung festgestellt hat
  6. 2025Tod im September

Werke

  • Minds, Brains, and Programs (1980)

    Ersterscheinung: Behavioral and Brain Sciences, Band 3 (1980), mit Kommentaren von 27 Forschenden und Searles Antworten. Zuerst als Vortrag, Vorträge an mehreren Universitäten vor der Veröffentlichung von 1980; Jahr nicht belegt; die gedruckte Fassung ist davon getrennt angegeben.

  • Speech Acts: An Essay in the Philosophy of Language (1969)

    Ersterscheinung: Cambridge University Press, 1969. Deutsche Ausgabe: „Sprechakte. Ein sprachphilosophischer Essay“ (1971).

Lesetipps

Einstieg
John Searle, Minds, Brains, and Programs, Behavioral and Brain Sciences 3 (1980); der Aufsatz mit dem Gedankenexperiment und seinen Antworten auf die ersten Einwände.
Vertiefung
Stanford Encyclopedia of Philosophy, „The Chinese Room Argument“ (David Cole)

Noch nicht sicher belegt

  • Das Todesjahr 2025 ist durch mehrere Quellen bestätigt, darunter die Stanford Encyclopedia of Philosophy, Philosophy Now und beide Wikipedia-Fassungen.
  • Den 17. September als Todestag nennen zwei unabhängige Quellen.
  • Ein Nachruf der Boston Globe nennt den 16. September, er konnte aber nicht eingesehen werden.
  • Der Todestag steht deshalb nicht im Steckbrief.
  • Zu Searles Doktorvater widersprechen sich die Quellen.
  • Philosophy Now und die englische Wikipedia nennen Austin und Strawson, die deutsche Wikipedia nennt Peter Geach.
  • Alle Quellen nennen aber ein Studium bei Austin, deshalb gilt die Verbindung zu Austin als belegt.
  • Das Ende der Lehrtätigkeit datiert Philosophy Now auf 2017.
  • Die englische Wikipedia nennt Lehre bis 2016 und den Entzug des Emeritus-Status im Juni 2019.
  • Für „Speech Acts“ (1969) gibt es nur die deutsche und die englische Wikipedia als Quelle.
  • Belegt ist, dass Putnam zu den Architekten der berechnenden Theorie des Geistes gehört, gegen die sich Searles Argument richtet.
  • Ein persönlicher Streit zwischen beiden ist nicht belegt.
  • Die Verbindung zu Wittgenstein stützt sich nur auf die Wikipedia und ist nicht geprüft.

Wege durchs Netz

Herkunft der Daten: Kapitel Geist, Maschine und Technik. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.

Quellen zu Searle

  1. [1]The Chinese Room Argument, Abschnitt 1 · Stanford Encyclopedia of Philosophy
  2. [2]John Searle · Wikipedia
  3. [3]Philosophy Now, John Searle (1932–2025); Wikipedia (en), Abschnitt Life und Infobox; Wikipedia (de), Abschnitt Leben
  4. [4]Philosophy Now, John Searle (1932–2025) · Webseite
  5. [5]Stanford Encyclopedia of Philosophy

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