Donna Haraway
Wissenschaftshistorikerin und Philosophin · geboren 1944 · Santa Cruz, Kalifornien
- Kapitel
- Geist und Technik (redaktionell, keine Schulzugehörigkeit)
- Kants Fragen
- Was ist der Mensch? · Was darf ich hoffen? (Deutung)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Zum Einstieg
Wo endet ein Mensch, und wo beginnt die Maschine, auf die er sich verlässt?
- Position
- Haraway antwortet, dass diese Grenze nie eindeutig war und dass das Bild des Cyborgs die Fantasie von klaren Kategorien auflöst. Statt Identitäten zu verteidigen, sucht sie Bündnisse aus Verwandtschaft der Interessen.
- Einwand
- Aus den abgerufenen Quellen ist keine Kritik mit benanntem Urheber belegt. Offen bleibt, ob das Cyborg-Bild ein politisches Programm tragen kann.
- Verbindung
- Haraway verbindet die Fragen nach Werkzeug und Mensch mit Politik und Macht; im Kapitel steht sie redaktionell neben Latour, Anders und Zuboff.
Redaktionell zusammengefasst, keine Zitate. Die Quellen stehen am Ende der Seite.
Amerikanische Wissenschaftshistorikerin und Philosophin, die mit der Figur des Cyborgs die Grenzen zwischen Mensch, Tier und Maschine hinterfragt.
Haraway bringt die feministische Perspektive in die Technikfrage. Redaktionell steht sie Clarks Cyborg-Gedanken und Latours Auflösung der Trennung von Natur und Gesellschaft nahe, aber mit einem eigenen politischen Ziel.
Kernidee
Haraway beschreibt in „A Cyborg Manifesto“ den Cyborg als Mischwesen aus Organismus und Maschine, das feste Grenzen zwischen Mensch und Tier, Mensch und Maschine und Körper und Nichtkörper infrage stellt. Sie sieht darin ein Bild, mit dem sich Identitätspolitik hinterfragen lässt, und plädiert für Bündnisse aus Verwandtschaft der Interessen statt aus gleicher Identität. Mit „situiertem Wissen“ betont sie, dass alles Wissen aus einer bestimmten Lage heraus entsteht.
Biografischer Moment
Lebensereignis Belegtes Ereignis aus dem Leben. Ob es das Denken geprägt hat, behauptet die Angabe nicht.
Haraway begann das Manifest 1983 als Antwort auf eine Anfrage der Socialist Review an amerikanische sozialistische Feministinnen. Die erste Fassung galt dem Redaktionskollektiv der Ostküste als zu strittig; veröffentlicht wurde sie 1985 vom Berkeley Socialist Review Collective unter dem Titel „A Manifesto for Cyborgs“.[2]
Fundstelle: Abschnitt Publication history
Bekannt für
Man kennt Haraway für das Cyborg-Manifest und für ihre Arbeiten über Mensch-Tier-Beziehungen. Ein Alltagsbeispiel ist die Frage, wo dein Körper endet, wenn du eine Brille, ein Hörgerät oder einen Herzschrittmacher trägst.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Der Cyborg als Bild
Haraway geht von drei Grenzauflösungen im 20. Jahrhundert aus: zwischen Mensch und Tier, zwischen Tier-Mensch und Maschine und zwischen Körperlichem und Nichtkörperlichem. Aus diesen Auflösungen gewinnt sie das Bild eines Mischwesens, das sich nicht nach Gattung und Herkunft einordnen lässt. Im Alltag ist es das Gefühl, dass dein Telefon längst Teil deiner Erinnerung ist.
Kritik an Gegensatzpaaren
Haraway kritisiert Gegensatzpaare wie Natur und Kultur, Mann und Frau, zivilisiert und primitiv, die ihrer Ansicht nach zur Herrschaft über Frauen, nicht weiße Menschen, Natur, Arbeiter und Tiere beitragen. Sie will stattdessen Bündnisse aus Verwandtschaft der Interessen, wie die Wikipedia es beschreibt, und weniger aus gleicher Identität. In einem Projektteam zeigt sich das, wenn Zusammenarbeit auf gemeinsamen Zielen beruht und nicht auf gleicher Herkunft.
Situiertes Wissen
Die Stanford Encyclopedia of Philosophy beschreibt mit Verweis auf Haraway eine Lage, in der viele wechselnde Perspektiven nebeneinander stehen, von denen keine Objektivität im Sinne eines Standpunkts außerhalb jeder Lage beanspruchen kann. Daraus folgt die Pflicht, die eigene Perspektive zu erkennen und Verantwortung für die eigenen Darstellungen zu übernehmen. Eine Entscheidungsvorlage kann ausweisen, aus welcher Lage sie geschrieben ist.
Begriffe
- Cyborg
- Grenzen zwischen Mensch und Maschine
- situiertes Wissen
- sozialistischer Feminismus
- Verwandtschaft der Arten
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
2 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 2 Deutung). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Was der Prüfstand bedeutet
- belegt
- Mit Quelle belegt.
- Deutung
- Redaktionelle Deutung auf Grundlage der Quellen.
- überliefert
- Überliefert, aber historisch nicht gesichert.
- ungeprüft
- Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Im Vergleich
Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.
Andy ClarkPrüfstand: Deutung
Redaktioneller Vergleich: Beide denken Mensch und Technik als Verbindung, Haraway mit der Figur des Cyborgs, Clark in „Natural-Born Cyborgs“ und im erweiterten Geist; ein Einfluss wird nicht behauptet.
Bruno LatourPrüfstand: Deutung
Redaktioneller Vergleich: Haraway und Latour lösen beide die feste Trennung von Natur und Kultur bzw. Gesellschaft auf; ein Einfluss wird nicht behauptet.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Zeitgeschehen belegt
Haraway schrieb das Manifest ab 1983 als Antwort auf eine Anfrage der Zeitschrift Socialist Review an amerikanische sozialistische Feministinnen, die über die Zukunft des sozialistischen Feminismus unter Reagan nachdenken sollten. Der Text enthält Bezüge auf den Kalten Krieg, die Anti-Atom-Proteste und die Raketenabwehr „Star Wars“.[2]
Biografie belegt
Haraway studierte Zoologie, Philosophie und Englisch am Colorado College, ging mit einem Stipendium nach Paris und wurde 1972 in Yale in Biologie promoviert. Ihre Dissertation behandelte die Rolle von Metaphern in der Entwicklungsbiologie.[1]
Kritik
Die abgerufenen Quellen nennen keine konkrete Kritik mit Urheber. Belegt ist, dass die Wikipedia das Manifest als Meilenstein der feministischen posthumanistischen Theorie bezeichnet; ob das Cyborg-Bild politisch trägt, ist eine offene Frage.
Wirkung heute
Das Manifest gilt nach der englischen Wikipedia als Meilenstein feministischer posthumanistischer Theorie. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy verweist auf Haraways Metapher der Diffraktion (Beugung), die Karen Barad aufgreift, und auf ihren Begriff des situierten Wissens.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Du kannst in deinem Team darauf achten, welche Grenzen zwischen Mensch und Werkzeug, Fachbereich und Fachbereich du selbstverständlich ziehst, und prüfen, ob sie der Arbeit wirklich dienen. Das ist eine Analogie zu Haraways Grenzkritik und keine Aussage von ihr über Führung.
Lebensstationen
- 1944Geburt am 6. September in Denver, Colorado
- 1972Promotion in Biologie an der Yale University
- 1980Professur an der University of California, Santa Cruz
- 1985Cyborg-Manifest erscheint in der Socialist Review
- 1991„Simians, Cyborgs and Women“ erscheint
- 2025Erasmus-Preis
Werke
- A Cyborg Manifesto (ursprünglich „A Manifesto for Cyborgs: Science, Technology, and Socialist Feminism in the 1980s“) (1985)
Ersterscheinung: Socialist Review, Band 80 (1985), Seiten 65 bis 108 (Berkeley Socialist Review Collective, Herausgeber Jeff Escoffier). Deutsche Ausgabe: „Ein Manifest für Cyborgs“ (1995).
- Simians, Cyborgs and Women: The Reinvention of Nature (1991)
Ersterscheinung: Routledge, New York 1991 (zugleich Free Association Books, London 1991); enthält die Buchfassung des Manifests mit dem Titel „A Cyborg Manifesto: Science, Technology, and Socialist-Feminism in the Late Twentieth Century“. Deutsche Ausgabe: „Die Neuerfindung der Natur. Primaten, Cyborgs und Frauen“ (1995).
Lesetipps
- Einstieg
- Donna Haraway, A Cyborg Manifesto, Socialist Review (1985), später in Simians, Cyborgs and Women (1991); der Originaltext des Cyborg-Gedankens.
- Vertiefung
- Wikipedia (en), „A Cyborg Manifesto“, als Zusammenfassung mit Quellenhinweisen
Noch nicht sicher belegt
- Zu Haraway gibt es keinen Eintrag in der Stanford Encyclopedia of Philosophy.
- Die Darstellung stützt sich auf drei Wikipedia-Seiten und zwei Einträge der Stanford Encyclopedia of Philosophy zu einzelnen Themen.
- Das Manifest erschien 1985 in der Socialist Review unter dem Titel „A Manifesto for Cyborgs: Science, Technology, and Socialist Feminism in the 1980s“.
- Die Buchfassung von 1991 in „Simians, Cyborgs and Women“ trägt den Titel „… in the Late Twentieth Century“ (Seiten 149 bis 181).
- Die deutsche Wikipedia setzt in der Einleitung den späteren Buchtitel neben das Jahr 1985 und vermischt damit beide Fassungen.
- Die deutsche Ausgabe „Die Neuerfindung der Natur“ (Campus 1995) mit „Ein Manifest für Cyborgs“ ist nur durch die deutsche Wikipedia belegt.
- Die Verbindung zu Latour ist ein Vergleich der Redaktion.
- Verbindungen zu Foucault, Marx oder Butler sind nicht belegt.
- Der Erasmus-Preis 2025 steht in beiden Wikipedia-Fassungen.
- Die englische Wikipedia nennt als Wohnort „nördlich von San Francisco“.
- Im Steckbrief steht Santa Cruz als Ort der früheren Professur, von der sie emeritiert ist.
- Die Zuordnung zur Technikphilosophie ist eine Deutung, denn keine Quelle ordnet Haraway dieser Richtung zu.
Wege durchs Netz
Haraway hinterfragt mit der Figur des Cyborgs die Grenzen zwischen Mensch, Tier und Maschine.
Herkunft der Daten: Kapitel Geist, Maschine und Technik. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.