Kristie Dotson
Philosophin · Geburtsjahr nicht belegt · Memphis, Michigan (Michigan State University; University of Michigan in Ann Arbor)
Kernidee in Kürze
Dotson fragt, wie es dazu kommt, dass die Aussagen unterdrückter Menschen nicht gehört werden. Sie unterscheidet zwei Formen des Zum-Schweigen-Bringens: Beim Verstummen erkennt das Publikum die Sprecherin nicht als Wissende an, beim Ersticken kürzt die Sprecherin ihre Aussage selbst, weil sie ahnt, dass ihr Publikum sie nicht angemessen aufnehmen wird.
- Kapitel
- Gegenwart (redaktionell)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Vertiefung
Zum Einstieg
Warum werden die Aussagen unterdrückter Menschen so oft nicht gehört, und was kann das Publikum dazu beitragen?
- Position
- Dotson sagt, dass Zum-Schweigen-Bringen mit schädlicher Unwissenheit der Zuhörenden zusammenhängt.
- Einwand
- Dotson betont selbst, dass solche Praktiken schwer zu erkennen sind. Ob sich epistemische Unterdrückung in Formen trennen lässt, die auf anderer Unterdrückung beruhen, und in Formen, die das nicht tun, ist ihre eigene These und nicht allgemein anerkannt.
- Verbindung
- Dotson baut auf Miranda Frickers Begriff der epistemischen Ungerechtigkeit auf und auf Patricia Hill Collins’ Analyse, wie Schwarzes feministisches Denken unterdrückt wurde.
Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen
Wer Dotson war
Amerikanische Philosophin, die untersucht, wie Wissen und Nichtwissen Unterdrückung aufrechterhalten, und die Begriffe wie epistemische Gewalt, testimoniales Verstummen und testimoniales Ersticken prägte.
Dotson ist Philosophin am Schnittpunkt von Erkenntnistheorie und Schwarzem Feminismus. Sie promovierte 2008 an der University of Memphis, lehrte an der Michigan State University und ist heute Professorin an der University of Michigan.
Kernidee genauer
Beides nennt sie epistemische Gewalt, also ein Versagen der Zuhörenden, auf die Verletzlichkeit der Sprechenden einzugehen, das auf schädlicher Unwissenheit beruht. Darüber hinaus beschreibt sie epistemische Unterdrückung als dauerhaften Ausschluss aus der Wissensproduktion, der sich aus den Strukturen der Wissenssysteme selbst ergeben kann.
Biografischer Moment
Belegter Einfluss Die angegebenen Quellen dokumentieren, dass dieses Erlebnis das Denken beeinflusst hat. Belegt heißt dokumentiert, nicht bewiesen.
Dotson nennt in „Conceptualizing Epistemic Oppression“ als Einflüsse auf ihre Erweiterung von Platons Höhlengleichnis Nancy Tuanas Beschreibung epistemisch beschädigter Identitäten, Patricia Hill Collins’ Analyse, wie Schwarzes feministisches Denken unterdrückt wurde, und Miranda Frickers Grundfall testimonialer Ungerechtigkeit.[5]
Bekannt für
Man kennt Dotson für die Begriffe testimoniales Verstummen und testimoniales Ersticken. Ein Alltagsbeispiel: In einer Besprechung sagst Du nur die halbe Wahrheit, weil Du merkst, dass Deine Vorgesetzte den Rest ohnehin nicht verstehen oder hören will. Das kommt dem nahe, was Dotson testimoniales Ersticken nennt.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Epistemische Gewalt
In „Tracking Epistemic Violence, Tracking Practices of Silencing“ (2011) beschreibt Dotson epistemische Gewalt als das Scheitern von Zuhörenden, die Verletzlichkeit von Sprechenden in einem Gespräch zu beachten, weil sie schädliche Unwissenheit besitzen. Mit schädlicher Unwissenheit meint sie ein Nichtwissen, das verlässlich wiederkehrt und anderen schadet. Sie will damit Formen des Zum-Schweigen-Bringens voneinander unterscheiden, denen Angehörige unterdrückter Gruppen beim Zeugnisgeben begegnen.
Testimoniales Verstummen und Ersticken
Sie lässt dann nur das übrig, wofür das Publikum Kompetenz zeigt. Dotson bezeichnet beides als epistemische Gewalt.
Epistemische Unterdrückung
Dotson beschreibt epistemische Unterdrückung als anhaltenden Ausschluss, der den Beitrag einer Person zur Wissensproduktion behindert. Sie fragt, ob solche Unterdrückung sich auf soziale und politische Unterdrückung zurückführen lässt, und unterscheidet zurückführbare von nicht zurückführbaren Formen. Bei den nicht zurückführbaren Formen liegt die Schwierigkeit in der Macht über Wissen oder in den Merkmalen der Wissenssysteme selbst. Das ist ihre These, über die in der Forschung diskutiert wird.
Beitragende Ungerechtigkeit
Zu Miranda Frickers beiden Formen epistemischer Ungerechtigkeit, der testimonialen und der hermeneutischen, fügt Dotson eine dritte hinzu: die beitragende Ungerechtigkeit. Sie liegt vor, wenn eine herrschende Gruppe sich weigert, Deutungsmittel zu nutzen, die benachteiligte Gruppen entwickelt haben, um ihre Erfahrungen zu verstehen. Hermeneutisch heißt dabei: das Deuten und Verstehen von Erfahrung betreffend.
Begriffe
- epistemische Unterdrückung
- epistemische Gewalt
- testimoniales Verstummen (testimonial quieting)
- testimoniales Ersticken (testimonial smothering)
- schädliche Unwissenheit
- Schwarzer Feminismus
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
2 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 2 belegt). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Übernimmt Gedanken von
Dotson übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
Miranda FrickerPrüfstand: belegt
Dotson nennt Frickers Grundfall testimonialer Ungerechtigkeit als Einfluss auf ihren Begriff epistemischer Unterdrückung, versteht Frickers epistemische Ungerechtigkeit als eine Unterart davon und fügt zu Frickers beiden Formen eine dritte, die beitragende Ungerechtigkeit, hinzu.
Patricia Hill CollinsPrüfstand: belegt
Dotson nennt Collins’ Analyse, wie Schwarzes feministisches Denken unterdrückt wurde, als Einfluss und schrieb einen eigenen Aufsatz darüber, was aus „Black Feminist Thought“ als Erbe und offene Aufgabe folgt.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
Dotson studierte Afroamerikanische Studien, Betriebswirtschaft und Englische Literatur am Coe College (Abschluss 1996), Literatur an der University of Illinois in Chicago (1999) und Philosophie an der University of Memphis (Magisterabschluss 2005, Promotion 2008).[9]
Biografie belegt
Dotson lehrte ab 2008 an der Philosophieabteilung der Michigan State University. Dort organisierte sie 2013 das Symposium „Thinking Intersectionality: A Rare Event“ und gewann Kimberlé Crenshaw, Patricia Hill Collins und Nira Yuval-Davis als Teilnehmerinnen. Heute ist sie University Diversity and Social Transformation Professor an der University of Michigan.[3]
Werk belegt
Dotson sagt, sie untersuche in der Erkenntnistheorie, wie Nichtwissen entsteht, also das, was uns am Wissen hindert. Sie hält Unwissenheit nicht immer für ein Problem, sondern für eine Grundbedingung menschlicher Erfahrung. Sie interessiert sich besonders dafür, wie Unwissenheit und Unterdrückung junge Schwarze Frauen treffen.[4]
Werk belegt
2014 gab Dotson eine Sonderausgabe der Zeitschrift Hypatia zur Philosophie von Frauen of Color heraus. 2015 schrieb sie in der Zeitschrift Ethnic and Racial Studies den Beitrag „Inheriting Patricia Hill Collins’s Black Feminist Epistemology“, in dem sie ein Erbe an Einsichten aus „Black Feminist Thought“ und die offenen Aufgaben daraus zusammenträgt.[6]
Kritik
In der Forschung wird außerdem diskutiert, ob die Begriffe epistemische Ungerechtigkeit und epistemische Unterdrückung dasselbe bedeuten oder unterschiedliche Sachverhalte beschreiben.
Wirkung heute
Dotson entwickelte das Konzept der epistemischen Unterdrückung als breiteren, stärker auf Strukturen bezogenen Begriff neben Frickers epistemischer Ungerechtigkeit. Ihre Begriffe testimoniales Verstummen und testimoniales Ersticken werden in der feministischen Sozialerkenntnistheorie als Formen epistemischer Gewalt diskutiert.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Wenn Du ein Team führst, kannst Du mit Dotson fragen, ob Mitarbeitende Dir nur das erzählen, was Du hören willst. Wer merkt, dass Rückmeldungen unwillkommen sind, kürzt sie vielleicht selbst. Das ist eine Übertragung und keine Aussage von Dotson über Führung.
Lebensstationen
- 2008Promotion in Philosophie an der University of Memphis
- 2011Aufsatz „Tracking Epistemic Violence, Tracking Practices of Silencing“ in Hypatia
- 2013Symposium „Thinking Intersectionality: A Rare Event“ an der Michigan State University
- 2014Aufsatz „Conceptualizing Epistemic Oppression“ und Sonderausgabe von Hypatia
Werke
Tracking Epistemic Violence, Tracking Practices of Silencing (2011); A Cautionary Tale: On Limiting Epistemic Oppression (2012); Conceptualizing Epistemic Oppression (2014)
Lesetipps
- Einstieg
- Kristie Dotson, Tracking Epistemic Violence, Tracking Practices of Silencing (Hypatia, 2011)
- Vertiefung
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Feminist Social Epistemology“
Noch nicht sicher belegt
- Das Geburtsjahr von Dotson wird in den Quellen nicht genannt. Wann sie von der Michigan State University an die University of Michigan wechselte, ist nicht belegt; 2021 lehrte sie noch an der Michigan State University.
Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 9: Feministische Philosophie. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen
Quellen zu Dotson
- [2]Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [3]Michigan State University, Advancing Diversity in Philosophy (2014); Michigan State University, Working Toward a Philosophy for All of Us (2021); University of Michigan, Kristie Dotson · Webseite
- [4]Michigan State University, Advancing Diversity in Philosophy · Webseite
- [5]Dotson, Conceptualizing Epistemic Oppression, Social Epistemology 28 (2014), Anmerkung 10 · Webseite
- [6]Wikipedia (en), Kristie Dotson; Taylor & Francis, Inheriting Patricia Hill Collins’s Black Feminist epistemology · Webseite
- [7]jstor.org/stable/23016544 · Aufsatz
- [8]Kristie Dotson · Wikipedia
- [9]University of Michigan, Philosophy, Politics and Economics, Kristie Dotson · Webseite
- [10]philosophy.msu.edu/2021/02/12/working-toward-a-philosophy-for-all-of-us · Webseite
- [11]philpapers.org/rec/DOTTEV · Aufsatz