Hesiod
um 700 v. Chr. (Blütezeit) · Askra in Böotien (Mittelgriechenland), Vater aus Kyme in Kleinasien
- Strömung
- Vorsokratiker
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Dichter der Göttergenealogie und des Bauernlehrgedichts, auf den sich die Vorsokratiker als Gegenbild beziehen, wenn sie Welt und Götter anders erklären wollen.
Xenophanes wirft ihm und Homer vor, den Göttern Schande anzudichten. Aristoteles erwägt in der Metaphysik, ob nicht schon Hesiod als Erster nach einer Ursache der Bewegung gesucht habe, bleibt aber bei Thales als erstem Naturphilosophen.
Kernidee
Hesiod erzählt in der Theogonie, wie Welt und Götter nacheinander entstehen, beginnend mit dem Chaos, und wie Zeus Ordnung schafft. In Werke und Tage ermahnt er seinen Bruder zu Arbeit und Gerechtigkeit und beschreibt das bäuerliche Jahr. Die Welt ist bei ihm Ergebnis von Göttern, nicht von Naturkräften.
Bekannt für
Man kennt Hesiod als Dichter der Theogonie, der wichtigsten Quelle für griechische Göttergeschichten, und als Verfasser von Werke und Tage mit seiner Arbeitsethik. Britannica nennt ihn den Vater der griechischen Lehrdichtung.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Die Theogonie: Wie die Götter entstehen
In über tausend Hexametern, also in einem festen Vers von sechs Hebungen, schildert Hesiod nach de.wikipedia die Entstehung von Welt und Göttern, beginnend nach Britannica mit dem Chaos und dem Aufstieg des Zeus. Die Welt erscheint als Folge von Zeugungen und Kämpfen unter Göttern. Wer in einer Firma die Geschichte der Gründung als Folge von Taten der Gründer erzählt, erzählt sie im Stil Hesiods.
Werke und Tage: Arbeit als Hauptaufgabe
Hesiod verherrlicht nach de.wikipedia die Arbeit als Hauptaufgabe des Menschen und entwirft so eine frühe Arbeitsethik, die dem Adelsdenken Homers das Selbsterworbene entgegensetzt. Britannica betont Ehrlichkeit, Arbeit und Gerechtigkeit; er richtet das Gedicht an seinen Bruder Perses. Wenn du im Team zwischen Herkunft und Leistung gewichtest, steht dahinter derselbe Streit.
Dichter durch die Musen
Hesiod erzählt, die Musen hätten ihm auf dem Helikon, wo er Schafe hütete, einen Lorbeerstab als Zeichen dichterischer Vollmacht gegeben (Theogonie 22 bis 35, nach en.wikipedia). Seine Rede beruft sich also auf göttliche Eingebung und nicht auf eigene Beobachtung. Das ist der Gegenpol zu den Milesiern, die ihre Aussagen mit Erklärung begründen, so wie du in der Besprechung zwischen Eingebung und Beleg unterscheiden kannst.
Begriffe
- Theogonie (Entstehung der Götter)
- Chaos
- Musen
- Arbeitsethik
- Gerechtigkeit
Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner
Gegner
- Xenophanes: wirft Hesiod vor, den Göttern Diebstahl, Ehebruch und Betrug zuzuschreiben (B 11, B 12)
Verbindungen im Netz
3 Verbindungen. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Baut auf
Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
Grundlage für AristotelesDeutung
Aristoteles fragt in der Metaphysik (984b23), ob Hesiod als Erster nach einer Ursache von Bewegung und Wandel suchte (SEP).
Kritik
Kritik an einer bestimmten These. Ein persönlicher Streit ist damit nicht gemeint.
wird kritisiert von Xenophanes von KolophonDeutung
Xenophanes wirft Hesiod und Homer vor, den Göttern Diebstahl, Ehebruch und Betrug anzudichten (B 11, B 12, SEP).
Im Vergleich
Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.
im Vergleich mit HomerDeutung
Herodot hielt Hesiod und Homer für nahezu Zeitgenossen (Historien II 53, nach en.wikipedia); beide gelten als Hauptquellen der griechischen Götterüberlieferung (de.wikipedia).
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie Deutung
Hesiod spricht in Werke und Tage von sich selbst: Sein Vater kam aus Kyme, ließ sich in Askra nieder, und er stritt mit seinem Bruder Perses um das Erbe, wobei bestechliche Könige im Spiel waren. Wer so aus der Erfahrung eines ungerecht Behandelten dichtet, stellt Gerechtigkeit stark in den Vordergrund.[2]
Abhängigkeit belegt
Ob die biografischen Angaben stimmen, hängt davon ab, ob man die Stellen in seinen Gedichten als echt ansieht (de.wikipedia: unterstellt man die Authentizität). Antike Kritiker lehnten auch die Theogonie als nicht von Hesiod ab, obwohl er sich darin selbst nennt.[2]
Zeitgeschehen Deutung
Hesiod klagt in Werke und Tage über Herrscher, die als Richter Geschenke nehmen („Gabenfresser“), und richtet seine Mahnung zur Gerechtigkeit an die Führenden seiner Gemeinde, die seinem Bruder beistanden. Seine Betonung der Gerechtigkeit erklärt sich vielleicht aus dieser Erfahrung mit bestechlicher Rechtsprechung.[1]
Kritik
Xenophanes kritisiert, dass Hesiod und Homer den Göttern Diebstahl, Ehebruch und Betrug zuschreiben, was einem vollkommenen Gott nicht zukommt (SEP). Aristoteles hält die Frage, ob Hesiod der erste Ursachenforscher war, für rhetorisch und nicht ernst gemeint (SEP). Antike Kritiker bezweifelten zudem die Echtheit der Theogonie (en.wikipedia).
Wirkung heute
Tragend ist Hesiod als Quelle der griechischen Mythologie und als Beispiel dafür, wie ein Weltbild aus Erzählung entsteht. Seine Arbeitsethik, die das Selbsterworbene über das Angeborene stellt, bleibt ein früher Bezugspunkt für jede Debatte über Leistung und Herkunft.
Brücke zu Führung und Coaching
Hesiod lädt dich ein, die Gründungsgeschichte deines Teams zu prüfen: Erzählt ihr sie als Heldensage oder als Folge von Ursachen, die jeder nachvollziehen kann? Frag in der nächsten Teamrunde, welche Geschichte ihr euch über euren Erfolg erzählt und was davon sich messen ließe. Und schau hin, ob bei euch Herkunft oder eigene Leistung mehr zählt, denn genau diesen Streit hat Hesiod mit der Adelswelt Homers geführt.
Lebensstationen
- 700 v. Chr.Blütezeit, Dichter in Askra am Fuß des Helikon (ungefähr)
- 650 v. Chr.Spätestens im 7. Jahrhundert v. Chr. gestorben (nach de.wikipedia, ungefähr)
Werke
Theogonie und Werke und Tage (Erga kai hemerai) sowie der unechte Schild des Herakles; weitere Werke nur in Fragmenten. Entstehungszeit nur ungefähr, etwa um 700 v. Chr.
Anekdote überliefert
Hesiod berichtet selbst in Werke und Tage (654 bis 662), er sei zu den Leichenspielen des Amphidamas nach Chalkis auf Euböa gefahren und habe dort im Sängerwettstreit einen Dreifuß gewonnen. Nach seinen Worten war es die einzige Seefahrt seines Lebens, denn anders als sein Vater mied er das Meer.[2]
Lesetipps
- Einstieg
- Hesiod, Theogonie. Werke und Tage. Griechisch und deutsch, herausgegeben und übersetzt von Albert von Schirnding, 3. Auflage, Artemis und Winkler, Zürich/Düsseldorf 2002: beide Gedichte zweisprachig.
- Vertiefung
- Otto Schönberger (Hg.), Hesiod: Werke und Tage, Griechisch/Deutsch, Reclam, Stuttgart 2004, und Theogonie, Reclam, 2002: günstige zweisprachige Ausgaben mit Einführung.
Noch nicht sicher belegt
- Lebensdaten nur ungefähr: de.wikipedia Geburt vor 700, Tod im 7. Jahrhundert; en.wikipedia aktiv etwa 750 bis 650 (obere Grenze 750, untere 650 aus Nachahmungen bei späteren Dichtern); Britannica Blüte um 700. geb -700 steht für die Blütezeit, tod -650 für das Ende der Spanne, beides keine echten Daten; Geburtsort Askra oder Kyme unsicher. Daher nur zwei Stationen im Leben-Feld. Biografische Angaben stammen aus den Gedichten selbst, deren Authentizität unterstellt wird (de.wikipedia); manche Forscher halten Perses für eine literarische Figur (en.wikipedia). Hexameterzahl und Gedichtinhalt aus de.wikipedia und Britannica. Zitat null, kein deutscher Wortlaut mit Stelle abgerufen. Ausgaben von Schirnding (Artemis und Winkler 2002) und Schönberger (Reclam 2004 und 2002) über die Literaturliste von de.wikipedia bestätigt. Wettstreit, Dreifuß und Seescheu aus en.wikipedia und Britannica. Die Ablehnung der Theogonie durch antike Kritiker (Pausanias 9,31,3) nach en.wikipedia; Britannica hält die Verfasserschaft heute für unbestritten. Ob Homer vor oder nach Hesiod lebte, ist offen (en.wikipedia).
Herkunft der Daten: Vorsokratiker. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Hesiod
- [1]de.wikipedia Hesiod und Britannica Hesiod · Wikipedia
- [2]en.wikipedia Hesiod · Wikipedia
- [3]Britannica: Hesiod · Britannica
- [4]SEP Presocratic Philosophy · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [5]SEP Xenophanes und de.wikipedia Xenophanes · Stanford Encyclopedia of Philosophy