Jeong Yak-yong
Philosoph, Beamter und Reformer · 1762–1836 · Namyangju (Provinz Gyeonggi), Seoul, Gangjin (Provinz Südjeolla, Exil 1801 bis 1818)
Kernidee in Kürze
Jeong Yak-yong, genannt Dasan, war Gelehrter am Hof von König Jeongjo und später 18 Jahre im Exil. Er hielt die neokonfuzianische Lehre von Prinzip (i) und Lebenskraft (gi) für unzureichend, weil sie für Gefühle und den Willen des Handelnden keinen Platz lasse.
- Kapitel
- Asien (Überblick) (redaktionell)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Vertiefung
Zum Einstieg
Wie hängen Natur des Menschen, Verantwortung und Ordnung der Welt zusammen, wenn das Prinzip nicht der Grund von allem ist?
- Position
- Dasan versteht die Natur des Menschen als angeborene Neigung zum Guten. Ob jemand Gutes tut, entscheidet seine Selbstbestimmung. Den Ursprung der Welt sieht er in Sangje, einem persönlichen Schöpfer, und nicht in einem unpersönlichen Prinzip.
- Einwand
- Fachleute fragen, ob seine Rückkehr zu Konfuzius auch dazu diente, seine Nähe zum Katholizismus zu verbergen. Außerdem ist umstritten, wie stark christliche Gedanken sein System prägen.
- Verbindung
- Dasan setzt sich kritisch mit Zhu Xi auseinander und beruft sich auf Konfuzius. Eine Fachstudie hält es für wahrscheinlich, dass Yi Is Reformdenken ihn beeinflusste.
Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen
Wer Dasan war
Koreanischer Gelehrter, Beamter und Reformer der späten Joseon-Zeit, der die neokonfuzianische Lehre von Prinzip und Lebenskraft verwarf und eine neue Lehre vom Menschen und von Gott entwarf.
Jeong Yak-yong lebte, als in Korea das Praktische Lernen (Silhak) wuchs und westliches Wissen über China ins Land kam. Seine Familie gehörte zu den ersten Katholiken Koreas, und in der Verfolgung von 1801 wurde er ins Exil geschickt.
Kernidee genauer
Ob ein Mensch Gutes oder Böses tut, entscheidet er selbst durch die Kraft der Selbstbestimmung. Im Exil arbeitete er ein umfangreiches Reformprogramm für eine gerechte Verwaltung aus, in dem die Fürsorge für das Volk im Mittelpunkt steht.
Biografischer Moment
Belegter Einfluss Die angegebenen Quellen dokumentieren, dass dieses Erlebnis das Denken beeinflusst hat. Belegt heißt dokumentiert, nicht bewiesen.
Mit 15 Jahren lernte Dasan die Schriften von Yi Ik kennen und beschloss, sein Leben ähnlichen Studien zu widmen.[3]
Fundstelle: Abschnitt Early life
Bekannt für
Man kennt Jeong Yak-yong für seinen Bruch mit der Lehre von Prinzip und Lebenskraft und für seine Verwaltungsschriften, in denen er gerechtes Regieren im Alltag beschreibt. Ein Alltagsbeispiel: Wenn Du in einem Team nicht nur nach Regeln fragst, sondern danach, wer in einer konkreten Lage entscheiden kann und muss, folgst Du seinem Gedanken, dass ein Mensch frei und deshalb verantwortlich handelt.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Abschied von Prinzip und Lebenskraft
Das Prinzip wird bei ihm eher zu einer Eigenschaft, ähnlich einem Naturgesetz, und nicht mehr zu einer selbständigen Substanz.
Natur als Neigung
Als angeborene Neigung zum Guten ist sie ursprünglich gut. Ob der Mensch tatsächlich das Gute tut, hängt von seiner Selbstbestimmung (jaju jigwon) ab, mit der er zwischen Gut und Böse wählen kann.
Sangje, der Herr in der Höhe
Als Ursprung der Welt nennt Dasan Sangje (chinesisch Shangdi), den Herrn in der Höhe. Er beschreibt ihn als Wesen, das Himmel, Erde, Geister, Menschen und alle Dinge erschafft, lenkt und erhält und zugleich über ihnen steht. Diese Beschreibung erinnert an den Titel des ersten Kapitels in der Schrift des Jesuiten Matteo Ricci. Fachleute sprechen von einer Verbindung von konfuzianischen und katholischen Gedanken.
Zurück zu Konfuzius
Dasan wollte die koreanische Lehre wieder mit den Gedanken von Konfuzius verbinden. Er nannte diese Rückkehr zu den Klassikern Susa-Lernen. Er meinte, spätere Neokonfuzianer hätten die Klassiker nicht richtig ausgelegt, und stellte Zhu Xis Auslegungen grundsätzlich in Frage. Er wies zum Beispiel darauf hin, dass der Kreis des Diagramms vom höchsten Pol in den Klassikern nirgends vorkommt.
Verwaltung für das Volk
In seinen Verwaltungsschriften wie den Ermahnungen zum Regieren des Volkes zeigt Dasan, wie Beamte aufrichtig und gerecht handeln sollen. Er kritisiert die Untüchtigkeit und Korruption der Verwaltung und nennt die Fürsorge für das Volk als Aufgabe der Regierung. Sein Reformprogramm arbeitete er im Exil aus.
Begriffe
- Sangje (Herr in der Höhe)
- seonggi hosol (Natur als Neigung)
- Selbstbestimmung (jaju jigwon)
- Susa-Lernen (Rückkehr zu Konfuzius)
- Silhak (praktisches Lernen)
- i (Prinzip
- chinesisch li)
- gi (Lebenskraft
- chinesisch qi)
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
3 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 2 belegt, 1 ungeprüft). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Kritisiert
Dasan kritisiert eine bestimmte These. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.
Zhu XiPrüfstand: belegt
Jeong Yak-yong stellte Zhu Xis Metaphysik und Auslegung der Klassiker grundsätzlich in Frage und hielt sogar dessen Begriff der Tugend für das Gegenteil des eigenen.
Übernimmt Gedanken von
Dasan übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
KonfuziusPrüfstand: belegt
Jeong Yak-yong wollte die koreanische Lehre wieder mit dem ursprünglichen Denken von Konfuzius verbinden und nannte dies Susa-Lernen.
Yi IPrüfstand: ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Eine Fachstudie hält einen Einfluss von Yi Is Reformdenken auf Jeong Yak-yong für wahrscheinlich; ein zweiter Beleg fehlt bisher.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
Mit 15 Jahren las Dasan die Schriften von Yi Ik, die ihn tief beeindruckten und ihn bestärkten, sein Leben ähnlichen Studien zu widmen. Nach der Prüfung 1783 kam er an die Akademie Sungkyunkwan. König Jeongjo förderte ihn früh.[3]
Zeitgeschehen belegt
Dasans Familie war tief in die Anfänge der katholischen Gemeinde Koreas verwickelt. Sein älterer Bruder Jeong Yak-jong leitete die erste Gemeinde und wurde 1801 in der Verfolgung getötet. Ob Dasan selbst getauft wurde, ist nicht bewiesen. Nach der Verfolgung kam er ins Exil.[3]
Biografie belegt
Dasan lebte von 1801 bis 1818 im Exil in Gangjin (Provinz Südjeolla). Er schrieb dort sehr viel, 1805 zum Beispiel ein Werk über das Buch der Wandlungen, außerdem Schriften über Politik, Ethik, Wirtschaft, Naturwissenschaft und Medizin. Nach der Rückkehr veröffentlichte er unter anderem 1822 die Mongmin simseo.[3]
Kritik
Dasan stellte die Grundlagen des Neokonfuzianismus in Frage. Die Forschung diskutiert, ob seine Rückkehr zu Konfuzius (Susa-Lernen) wirklich ein philosophischer Plan war oder auch ein Schutz vor dem Vorwurf, Katholik zu sein; das ist eine Deutung. Sein Bild vom persönlichen Sangje wird als Nähe zum Katholizismus gelesen; nach der Verfolgung und den Hinrichtungen von Verwandten und Freunden sagte er sich nach der Fachliteratur von der Religion los. Zugleich wird er dem Praktischen Lernen zugerechnet, und ein Überblick beschreibt sein System als neue Form des Neokonfuzianismus.
Wirkung heute
Ein Überblick nennt Dasan einen der am meisten gewürdigten Philosophen in Koreas Geistesgeschichte. Ein anderer Überblick hält ihn für den ersten Philosophen Ostasiens, der ausdrücklich eine Philosophie der Freiheit vertrat; das ist ein Urteil des Autors. Der erste Überblick betont, dass Dasan selbst nicht ausdrücklich von Willensfreiheit spricht, sondern von der Kraft der Selbstbestimmung. Koreanische Gelehrte schenken ihm heute viel Aufmerksamkeit.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Dasans Gedanke, dass ein Mensch in einer konkreten Lage selbst wählen kann und deshalb verantwortlich ist, lässt sich für Führung nutzen. Ein Alltagsbeispiel: Du gibst Deinem Team nicht nur Regeln, sondern klärst, wer in welcher Lage selbst entscheiden darf und dafür einsteht. Das ist eine Übertragung und keine Aussage von Dasan über Führung.
Lebensstationen
- 1762Geburt bei Namyangju in der Provinz Gyeonggi
- 1783Besteht die Prüfung und kommt an die Akademie Sungkyunkwan
- 1792Bau der Mauern der Festung Hwaseong im Auftrag von König Jeongjo
- 1801Exil in Gangjin nach der Verfolgung der Katholiken
- 1818Rückkehr aus dem Exil
- 1822Mongmin simseo
- 1836Tod am Wohnsitz bei Namyangju
Werke
Mongmin simseo (Ermahnungen zum Regieren des Volkes, 1822); Gyeongse yupyo (Entwurf für gute Regierung); Maengja youi (Das Wesentliche des Mengzi); Chunchu gojing (Prüfung der Frühlings- und Herbstannalen, um 1812); Yeoyudangjeonseo (Gesammelte Werke)
Lesetipps
- Einstieg
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Korean Confucianism“, Abschnitt 6.2
- Vertiefung
- Mark Setton, Chong Yagyong: Korea’s Challenge to Orthodox Neo-Confucianism (State University of New York Press, 1997)
Noch nicht sicher belegt
- Ob Dasan getauft wurde, ist nicht bewiesen; eine Darstellung hält einen Übertritt zum Katholizismus für möglich. Ob seine Rückkehr zu Konfuzius auch ein Schutz vor dem Vorwurf des Katholizismus war, ist unter Forschern umstritten. Ein Einfluss von Yi Is Reformdenken gilt in einer Fachstudie nur als wahrscheinlich. Ob er Yi Hwang selbst kritisierte, ist nicht belegt; belegt ist seine Frage, ob das Diagramm des höchsten Pols zu den ursprünglichen Lehren gehört. Die Jahre mehrerer Schriften sind nicht belegt.
Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 7: Japan klassisch und Korea. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen
Quellen zu Dasan
- [1]Korean Confucianism, Abschnitt 3.2 · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [2]Korean Philosophy, Abschnitt 3.2 · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [3]Jeong Yak-yong, Abschnitt Early life · Wikipedia
- [4]Korean Confucianism, Understanding Korea Series Nr. 3 (Akademie für Koreastudien), Abschnitt 4 · Webseite
- [5]link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-030-94747-7_4 · Aufsatz
- [6]onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/9781119009924.eopr0206 · Webseite