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Landkarte der Philosophie

Zhu Xi

Philosoph und Gelehrter · 1130–1200 · Youxi (Fujian), Nankang (Jiangxi)

Kernidee in Kürze

Zhu Xi verbindet die Gedanken von Zhou Dunyi, Zhang Zai und den Brüdern Cheng zu einem Gesamtbild: li (das Ordnungsprinzip) und qi (Lebensenergie, Stoff) gehören für ihn zusammen und wirken gemeinsam in jedem Ding. Die menschliche Natur ist gut, doch das qi, das jeder bei der Geburt mitbekommt, kann sie trüben.

Kapitel
Asien (Überblick) (redaktionell)
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

Vertiefung

Zum Einstieg

Wie hängen Ordnung der Welt, menschliche Natur und gutes Leben zusammen, und wie wird man ein besserer Mensch?

Position
Zhu Xi sieht li und qi als zusammenwirkende Seiten jedes Dings. Der Mensch ist im Kern gut, doch sein qi kann ihn trüben, und er bessert sich durch Studium, Beobachtung und innere Sammlung.
Einwand
Kritiker sagen, die Verbindung von li und qi sei in Wahrheit ein Dualismus. Wang Yangming und Lu Jiuyuan hielten den Weg über Studium für einen Umweg und wollten beim eigenen Geist ansetzen.
Verbindung
Zhu Xi baut auf Zhou Dunyi und den Brüdern Cheng auf und beruft sich auf Konfuzius und Menzius. Wang Yangming wurde sein bekanntester Kritiker.

Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen

Wer Zhu Xi war

Chinesischer Gelehrter, Beamter und Lehrer der Südlichen Song-Zeit, der die Gedanken der Meister der Nördlichen Song-Zeit zu einem großen Gesamtbild ordnete und die Vier Bücher als Kern der konfuzianischen Bildung festlegte.

Zhu Xi lebte in der Südlichen Song-Zeit, als viele Menschen Rat bei Daoismus und Buddhismus suchten. Er wollte die Werte des Konfuzianismus wieder in den Mittelpunkt stellen. Zu Lebzeiten stritt er mit Gelehrten wie Lu Jiuyuan über den richtigen Weg der Selbstbildung, und am Ende seines Lebens wurde er politisch verfolgt.

Kernidee genauer

Den Weg zur Besserung sieht er im Erforschen der Dinge, im Studium der Klassiker und in innerer Sammlung. Seine Auswahl und Auslegung der Vier Bücher wurde später zur Grundlage der staatlichen Prüfungen.

Biografischer Moment

Belegter Einfluss Die angegebenen Quellen dokumentieren, dass dieses Erlebnis das Denken beeinflusst hat. Belegt heißt dokumentiert, nicht bewiesen.

Zhu Xi geriet in eine geistige Krise, weil ihm weder Li Tongs Betonung der Stille noch Hu Hongs Betonung der Tätigkeit genügte. In dieser Zeit las er die Schriften von Zhou Dunyi und fand in dessen Lehre von Stille und Tätigkeit einen Ausweg.[1]

Fundstelle: Abschnitt 2

Bekannt für

Ein Alltagsbeispiel: Wenn Du vor einer Entscheidung die Lage genau beobachtest, Beispiele sammelst und erst dann handelst, gehst Du so vor, wie Zhu Xi das Erforschen der Dinge verstand.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Die große Synthese

Er nahm Zhous Bild der Welt als Entfaltung aus dem höchsten Pol (taiji), das li der Brüder Cheng und Zhang Zais qi und verband sie zu einem Ganzen. Er gab auch die Aussprüche der Brüder und mit Lü Zuqian die Sammlung Jinsi lu heraus.

li und qi

Der Kosmos hat für Zhu Xi zwei Seiten: li, das Ordnungsprinzip, das die Muster aller Dinge bestimmt, und qi (Lebensenergie, Stoff), das mit li zusammen die Dinge mit Gestalt hervorbringt. Dabei verstand er li und qi nicht als zwei getrennte Dinge, sondern als sich ergänzende Seiten, die nie voneinander getrennt vorkommen.

Menschliche Natur und Selbstbildung

Zhu Xi hält die Menschen im Kern für gut. Wie sie sich entwickeln, hängt aber vom qi ab, das sie mitbringen, und von Familie und Umgebung. Wer sich ernsthaft bemüht, kommt nach seiner Überzeugung voran. Gegen den Gedanken, es genüge, in sich hineinzuschauen und den Geist zu klären, setzt er das Studium, die Beobachtung und die Übung.

Das Erforschen der Dinge

Zhu Xi verlangt, die Muster (li) in den Dingen und im menschlichen Miteinander zu beobachten und zu studieren, um das Urteilsvermögen zu schärfen. Das gehört zur Bildung wie die innere Sammlung. Gemeint ist nicht nur Bücherwissen, sondern auch das Achten auf Natur, Gesellschaft und Beziehungen.

Die Vier Bücher

Zhu Xi wählte die Gespräche des Konfuzius (Lunyu), das Buch Menzius (Mengzi), die Große Lehre (Daxue) und die Mitte-Lehre (Zhongyong) aus und versah sie mit Kommentaren. Rund ein Jahrhundert später machte die Yuan-Zeit diese Ausgabe zur Grundlage der staatlichen Prüfungen, bis das Prüfungssystem 1908 abgeschafft wurde.

Begriffe

li (Ordnungsprinzip
Muster)
qi (Lebensenergie
Stoff)
taiji (höchster Pol)
Erforschen der Dinge (gewu)
Vier Bücher (Sishu)
Selbstbildung
Natur (xing)

Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen

9 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 7 belegt, 2 Deutung). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Was der Prüfstand bedeutet

Wird kritisiert von

Kritik an einer bestimmten These von Zhu Xi. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.

  • Dai ZhenPrüfstand: belegt

    Dai wirft Zhu Xi vor, das Wesen von dao und li falsch zu verstehen und deshalb Wünsche und Gefühle zu Unrecht als Hindernis der Moral zu behandeln. Ob Dai Zhu Xi damit richtig wiedergibt, ist unter Fachleuten umstritten.

  • Mou ZongsanPrüfstand: belegt

    Mou kritisiert Zhu Xi als jemanden, der das Himmelsprinzip zu jenseitig darstellte und damit der ursprünglichen konfuzianischen Botschaft fremd sei. Er nennt ihn einen Usurpator, der trotz guter Absichten die Mitte der Tradition verschob.

  • Wang Yangming (Wang Shouren)Prüfstand: belegt

    Wang bestreitet Zhu Xis Auslegung des Großen Lernens und seine Methode, das Ordnungsprinzip durch Erforschen der Dinge und Studium der Klassiker zu finden. Er hält sie für ethisch irreführend, weil sie nach seiner Sicht Menschen hervorbringt, die nur studieren statt zu handeln.

Übernimmt Gedanken von

Zhu Xi übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • Cheng HaoPrüfstand: belegt

    Zhu Xi gab 1168 und 1173 die Aussprüche der beiden Cheng heraus und verband die Gedanken von Cheng Hao und Cheng Yi mit denen von Zhou Dunyi, Zhang Zai und Shao Yong zu einem großen Gesamtbild. Die Lehrlinie, die zu Zhu Xi führte, ging allerdings von Cheng Yi aus.

  • Cheng YiPrüfstand: belegt

    Zhu Xi übernahm und erweiterte Cheng Yis Gedanken über das Prinzip und die Selbstbildung. Aus der Verbindung entstand die Schule, die später „Cheng-Zhu“ hieß.

  • KonfuziusPrüfstand: belegt

    Zhu Xi wollte die ursprüngliche Lehre von Konfuzius und seiner frühen Schule wieder in den Mittelpunkt stellen und wählte die Gespräche des Konfuzius als eines der Vier Bücher aus.

  • Zhou DunyiPrüfstand: belegt

    Zhu Xi erklärte Zhou zum Ahnherrn seiner Schule und stützte seine Methode der Selbstbildung auf Zhous Lehre von Stille und Bewegung. Die Forschung sieht darin eine Leistung Zhu Xis und keine Weitergabe von Lehrer zu Schüler.

Im Vergleich

Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.

  • AristotelesPrüfstand: Deutung

    Redaktioneller Vergleich: Wegen seines Hangs zu Ordnung und System verglichen Forscher des 20. Jahrhunderts Zhu Xi mit Platon, Aristoteles und Thomas von Aquin. Eine historische Verbindung ist nicht behauptet.

  • PlatonPrüfstand: Deutung

    Redaktioneller Vergleich: Der Philosoph Feng Youlan deutete li ab den 1930er Jahren nach dem Muster der platonischen Ideen, andere verglichen Zhu Xis System mit dem Platons. Eine historische Verbindung ist nicht behauptet.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Biografie belegt

    Zhu Xi wurde 1130 in Fujian geboren. Sein Vater sorgte dafür, dass mehrere befreundete Gelehrte ihn unterrichteten, die sich auch mit Daoismus und Buddhismus beschäftigt hatten. Mit neunzehn Jahren bestand er die höchste staatliche Prüfung, wobei er sich in seinen Antworten auf Gedanken des chinesischen Zen stützte. Eine andere Darstellung nennt dafür das Alter von achtzehn.[3]

  • Biografie belegt

    1160 wurde Zhu Xi förmlich Schüler von Li Tong, den er schon Jahre zuvor besucht hatte; bis dahin hatte er sich weiter mit Daoismus und Buddhismus beschäftigt. Später geriet er in eine geistige Krise und entdeckte dabei Zhou Dunyis Lehre vom Zusammenwirken von Stille und Tätigkeit wieder. Sie wies ihm einen Ausweg aus dem Gegensatz zwischen Li Tongs Betonung der Stille und Hu Hongs Betonung der Tätigkeit.[3]

  • Biografie belegt

    Nach seinem ersten Amt (1151 bis 1158) als Registrator in Tong’an lehnte Zhu Xi bis 1179 jede weitere Stelle ab und lebte von staatlichen Ehrenämtern als Lehrer und Gelehrter. Von 1179 bis 1181 war er Präfekt in Nankang in Jiangxi und ließ dort die Akademie der Weißen Hirschgrotte wieder aufbauen.[3]

  • Zeitgeschehen belegt

    Zhu Xi sprach offen gegen Korruption und politische Bequemlichkeit, was ihm mehrmals die Entlassung oder die Versetzung weit weg vom Hof einbrachte. Gegen Lebensende wurde er von Gegnern angegriffen und von der Politik ausgeschlossen. Er starb 1200 noch in Ungnade. Kurz darauf wurde er rehabilitiert und 1241 im Konfuzius-Tempel geehrt.[3]

Kritik

Gegen Zhu Xi wurde der Vorwurf erhoben, seine Lehre von li und qi sei ein Dualismus, also eine Trennung in zwei Grundbestandteile, und sie lese abstrakte Begriffe in praktische alte Texte hinein. Andere halten dagegen, dass seine Lehre eher ein Ganzes aus sich ergänzenden Teilen beschreibt. Zhu Xis bedeutendster Kritiker war später der Ming-Gelehrte Wang Yangming, der ihn trotzdem achtete. Lu Jiuyuan setzte gegen Zhus Weg über das Studium allein auf den Blick nach innen und das Klären des eigenen Geistes. Spätere Zeiten kannten Zhu vor allem durch seine Ausgabe der Vier Bücher, sodass seine tieferen Texte in den Hintergrund traten. Zhu Xi selbst sagte, niemand wisse, aus welcher Lehrtradition Zhou Dunyi komme.

Wirkung heute

Zhu Xis Denken blieb bis zum Ende des Kaiserreichs 1911 und darüber hinaus Anlass zu Zustimmung und Streit. Sein Einfluss reichte nach Korea, Japan und Vietnam. Joseph Needham stellte im 20. Jahrhundert sein System als organisches Denken dar, andere verglichen es mit Platon, Aristoteles und Thomas von Aquin. Das sind Deutungen der Forschung.

Brücke zu Führung und Coaching

Übertragen auf heute: Wenn Du ein Team neu übernimmst, kannst Du mit Zhu Xi nicht nur auf Dein Gefühl hören, sondern zuerst genau beobachten, wie die Menschen zusammenarbeiten, Beispiele sammeln und erst dann entscheiden. Das ist eine Übertragung und keine Aussage von Zhu Xi über Führung.

Lebensstationen

  1. 1130Geburt in Youxi (Fujian), am 18. Oktober
  2. 1160Wird Schüler von Li Tong
  3. 1168Gibt die Aussprüche der beiden Cheng (Yishu) heraus
  4. 1175Sammlung Jinsi lu mit Lü Zuqian; Streitgespräch mit Lu Jiuyuan
  5. 1179Präfekt in Nankang, Wiederaufbau der Akademie der Weißen Hirschgrotte (bis 1181)
  6. 1189Kommentare zur Großen Lehre und zur Mitte-Lehre
  7. 1200Tod am 23. April, noch in politischer Ungnade

Werke

Kommentare zu den Vier Büchern (Sishu); Jinsi lu (Gedanken über das Nächstliegende, 1175 mit Lü Zuqian); Zhuzi yulei (Gespräche, geordnet nach Themen); Zhuzi wenji (Gesammelte Schriften)

Anekdote überliefert

Nach den Überlieferungen fragte der fünfjährige Zhu Xi, was jenseits des Himmels liege, und mit acht Jahren verstand er die Bedeutung des Buches der kindlichen Pietät (Xiaojing). Solche Geschichten über das frühreife Kind sind als Anekdoten überliefert.[1]

Lesetipps

Einstieg
Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Zhu Xi“
Vertiefung
Internet Encyclopedia of Philosophy, „Zhu Xi (Chu Hsi)“; Joseph A. Adler, Reconstructing the Confucian Dao: Zhu Xi’s Appropriation of Zhou Dunyi (State University of New York Press, 2014)

Noch nicht sicher belegt

  • Der Geburtsort wird als Youqi oder Youxi in Fujian geschrieben. Das Alter beim Bestehen der höchsten Prüfung wird mit neunzehn oder achtzehn Jahren angegeben. Wie genau sich Zhu Xis Schule von seinen eigenen, vielschichtigeren Lehrtexten unterscheidet, bleibt in der Forschung offen, denn spätere Zeiten kannten ihn vor allem durch seine Vier Bücher. Jesuitische Missionare machten Zhu Xis Denken im 17. und 18. Jahrhundert im Westen bekannt; ob und wie europäische Philosophen wie Leibniz seine Lehre aufnahmen, ist noch nicht sicher belegt. Für die Gespräche und die Gesammelten Schriften sind keine Entstehungsjahre angegeben.

Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 4: China. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen

Quellen zu Zhu Xi

  1. [1]Zhu Xi, Abschnitt 1 · Stanford Encyclopedia of Philosophy
  2. [2]Internet Encyclopedia of Philosophy
  3. [3]Stanford Encyclopedia of Philosophy, Zhu Xi, Abschnitt 1; Britannica, Zhu Xi
  4. [4]rep.routledge.com/articles/biographical/zhu-xi-1130-1200/v-1 · Webseite

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