Christine Korsgaard
geboren 1952 · Harvard, Cambridge (Massachusetts)
- Strömung
- Gegenwart: Gerechtigkeit und Ethik
- Kants Fragen
- Was soll ich tun? (Deutung)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Die führende heutige Kantianerin, die zeigt, dass Moral aus der Struktur des Handelns selbst folgt, und die Kants Ethik auf Tiere ausweitet.
Sie ist die Gegenwart des Kantischen Erbes: Sie baut auf Kant auf, wurde von Rawls ausgebildet und verbindet beides mit Fragen nach Identität und Tieren.
Kernidee
Korsgaard fragt, woher moralische Pflichten ihre Autorität nehmen. Ihre Antwort nach Kant: Wer handelt, gibt sich selbst Gesetze und muss sich dabei als jemand verstehen, der Gründe hat. Aus dieser Selbstverpflichtung folgt, dass wir auch andere vernunftbegabte und fühlende Wesen als Selbstzwecke achten müssen.
Bekannt für
Man kennt Korsgaard für ihr Buch The Sources of Normativity und für den Begriff der praktischen Identität. 2002 war sie die erste Frau, die in Oxford die John Locke Lectures hielt.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Die Quellen der Normativität
Normativität heißt, dass etwas für uns Anspruch und Autorität hat, zum Beispiel ein Gebot oder ein Wert. Korsgaard prüft vier Antworten, woher dieser Anspruch kommt: Befehl einer Macht, Existenz objektiver Werte, Billigung nach Überlegung und Autonomie. Sie verteidigt die vierte: Der Anspruch kommt aus unserer eigenen Selbstgesetzgebung. Wer in einem Team sagt, an seine Zusage fühle er sich gebunden, weil er sich selbst als verlässlich versteht, argumentiert so.
Selbstkonstitution
In Self-Constitution sagt sie, dass Handeln bedeutet, sich selbst als Handelnden zu erschaffen und zusammenzuhalten. Dazu gehört, sich Prinzipien zu geben, die zu einer einheitlichen Identität passen. Eine Führungskraft, die anderen Konsequenz abverlangt und sich selbst Ausnahmen gönnt, zerlegt genau diese Einheit.
Pflichten gegenüber Tieren
In Fellow Creatures entwickelt sie eine Kantische Begründung für Pflichten gegenüber anderen Tieren. Sie argumentiert, dass auch fühlende Wesen Selbstzwecke sind, nicht bloße Mittel. Diese Frage taucht in Unternehmen auf, wenn es um Lieferketten und Haltung geht.
Begriffe
- Normativität
- praktische Identität
- Selbstkonstitution
- Autonomie
- Selbstzweck
Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner
Lehrer
- John Rawls: Doktorvater am Harvard
- Martha Nussbaum: weitere Doktormutter
- Hilary Putnam und Amélie Rorty: weitere Förderer
Gegner
- Thomas Hobbes: Vertreter der Lehre vom Befehl als Quelle der Pflicht
- Samuel Clarke: Vertreter des Realismus
- Bernard Williams: Vertreter des Gedankens der Billigung nach Überlegung
Verbindungen im Netz
2 Verbindungen, davon 2 noch nicht einzeln geprüft. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Lehrer und Schüler
Persönliches Lehrverhältnis.
Schüler von John Rawlsungeprüft
Korsgaard promovierte unter anderem bei ihm.
Baut auf
Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
baut auf Immanuel Kantungeprüft
Sie entwickelt Kants Gedanken der Autonomie als Quelle moralischer Verpflichtung weiter.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Abhängigkeit Deutung
Sie promovierte 1981 in Harvard bei Rawls und Nussbaum und blieb dem Haus als Professorin treu, zuletzt als emeritierte Inhaberin des Arthur Kingsley Porter Lehrstuhls. Ihre Nähe zu Rawls prägt ihre Kant-Lesart.[2]
Zeitgeschehen Deutung
Ihre Tanner Lectures 1992 und die Locke Lectures 2002, die sie als erste Frau hielt, machten ihre Positionen zum Maßstab der Debatte. Die Aufmerksamkeit für Tierrechte in der Gegenwart stärkt ihr späteres Werk.[1]
Kritik
Korsgaard nennt selbst den zentralen Einwand: Dass meine Gründe auch für alle anderen gelten, ist eine Annahme, die man bestreiten kann. Andere bezweifeln, dass Moral aus der bloßen Struktur des Handelns folgt. Zu diesen Einwänden liegt aus den geprüften Quellen keine namentliche Zuordnung vor.
Wirkung heute
Ihre Idee, dass sich Moral aus dem Handeln selbst ergibt, ist im aktuellen Streit über moralische Gründe ein Hauptbezugspunkt. Ihr Kantischer Tierschutz regt Diskussionen über Ernährung und Technik an.
Brücke zu Führung und Coaching
Korsgaards praktische Identität lässt sich im Coaching gut verwenden. Frag: Welche Beschreibung von dir macht dein Leben lebenswert, und handelst du im Alltag danach? Und wo bricht diese Beschreibung im Führungsalltag, etwa unter Zeitdruck?
Lebensstationen
- 1952Geboren in Chicago
- 1981Promotion in Harvard bei Rawls und Nussbaum
- 1996The Sources of Normativity und Creating the Kingdom of Ends
- 2002Als erste Frau Locke Lecturer in Oxford
- 2009Self-Constitution erscheint
- 2018Fellow Creatures über Pflichten gegenüber Tieren
Werke
Creating the Kingdom of Ends (1996)
The Sources of Normativity (1996)
The Constitution of Agency (2008)
Self-Constitution: Agency, Identity, and Integrity (2009)
Fellow Creatures: Our Obligations to the Other Animals (2018)
Anekdote belegt
Im Jahr 2002 war Korsgaard die erste Frau, die in Oxford die John Locke Lectures hielt. Daraus entstand 2009 ihr Buch Self-Constitution.[1]
Lesetipps
- Einstieg
- The Sources of Normativity (Cambridge University Press, 1996): erweiterte Fassung ihrer Tanner Lectures, englisch (eine deutsche Ausgabe wurde nicht bestätigt)
Noch nicht sicher belegt
- Lebt: Wikipedia en nennt Alter 74 und Geburtstag 9. April 1952, Harvard führt sie als Emerita, Philosophers News (Sept. 2026) führt sie als Emerita ohne Todesjahr. Eine ausdrückliche Lebendbestätigung gibt es nicht, nur das Fehlen eines Todesvermerks. Ort Cambridge (Massachusetts) ist aus der Harvard-Zugehörigkeit abgeleitet. Fellow Creatures: 2018 laut Interviewfußnote (OUP), Harvard nennt kein Jahr. Eine deutschsprachige Einführung konnte nicht bestätigt werden, daher sekundaer leer. Die Zuordnung der drei Positionen zu Hobbes, Clarke und Williams stammt aus der Zusammenfassung auf informationphilosopher.com, nicht aus dem Buch selbst.
Wege durchs Netz
Korsgaard: Wer handelt, gibt sich selbst Gesetze, und daraus wächst die Autorität der Moral.
Herkunft der Daten: Kant und Deutscher Idealismus. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Korsgaard
- [1]Christine Korsgaard (Wikipedia en) · Wikipedia
- [2]Christine Korsgaard (Wikipedia en) und Harvard Philosophy · Webseite
- [3]informationphilosopher.com/solutions/philosophers/korsgaard · Webseite
- [4]philpeople.org/profiles/christine-marion-korsgaard/publications · Webseite
- [5]r.jordan.im/download/ethics/korsgaard2012.pdf · Webseite
- [6]philosophersnews.com/philosophers · Webseite