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Landkarte der Philosophie

Frederick Winslow Taylor

Ingenieur und Managementtheoretiker · 1856–1915 · Philadelphia (Pennsylvania)

Kernidee in Kürze

Taylor wollte die Arbeit in Fabriken nicht mehr dem Erfahrungswissen und der Gewohnheit der einzelnen Arbeiter überlassen, sondern sie beobachten, messen und planen. Nach seiner Darstellung sammelt das Management das verstreute Wissen der Handwerker, verwandelt es in Regeln und weist jeder Person eine genau beschriebene Aufgabe zu.

Kapitel
System und Organisation (redaktionell)
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

Vertiefung

Zum Einstieg

Wer in einer Organisation weiß, wie die Arbeit am besten geht: die Ausführenden oder das Management?

Position
Taylor meint, das Management solle das Erfahrungswissen sammeln, durch Beobachtung und Messung prüfen und als Regeln vorgeben. So könne eine Organisation mit gewöhnlichen Beschäftigten mehr leisten als einzelne Könner.
Einwand
Gramsci und später Braverman halten dagegen, dass die Trennung von Planen und Ausführen die Arbeiter entwertet. Taylors Bemerkungen über die geistigen Fähigkeiten von Arbeitern gelten als besonders anstößig.
Verbindung
Follett setzt dem Befehlsdenken die Zusammenarbeit entgegen, Gramsci analysiert den Taylorismus als Teil des Kapitalismus.

Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen

Wer Taylor war

Amerikanischer Ingenieur, der mit Zeitstudien und genauen Arbeitsplänen die wissenschaftliche Betriebsführung (Scientific Management) begründete.

Taylor steht in diesem Kapitel für die Frage, ob eine Organisation mehr ist als ihre Mitglieder und wer in ihr das Wissen über die Arbeit besitzt. Antonio Gramsci, später Harry Braverman und Henry Mintzberg haben seinen Ansatz kritisiert. In der Managementforschung gilt seine Zeitgenossin Mary Parker Follett oft als Gegenbild, obwohl sie einige seiner Konzepte anerkannte.

Biografischer Moment

Lebensereignis Belegtes Ereignis aus dem Leben. Ob es das Denken geprägt hat, behauptet die Angabe nicht.

Taylor erlebte in Midvale als Arbeiter und Vorarbeiter, dass Beschäftigte absichtlich langsam arbeiteten. Dieses Zurückhalten nannte man „soldiering“. Taylor hielt es für das größte Übel der arbeitenden Menschen in England und Amerika und wollte die Ursachen durch genaue Untersuchung der Arbeit beseitigen.[4][6]

Fundstelle: Abschnitt Biography Kapitel 1

Bekannt für

Taylor ist bekannt als Vater der wissenschaftlichen Betriebsführung, die auch Taylorismus heißt. Berühmt wurden seine Stoppuhr-Studien, etwa zum Schaufeln und zum Verladen von Roheisen.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Wissenschaftliche Methoden statt Faustregeln

Taylor beschreibt, dass die Arbeiter eines Handwerks ein großes Wissen aus Erfahrung besitzen, das nirgends aufgeschrieben ist. Nach seiner Darstellung soll das Management dieses Wissen sammeln, prüfen und in Regeln verwandeln, statt es den Einzelnen zu überlassen. Das ist seine Position und beschreibt nicht, wie jede Fabrik damals arbeitete. Wenn Du in Deinem Team heute einen Ablauf aufschreibst, den bisher nur eine erfahrene Kollegin im Kopf hatte, tust Du etwas Ähnliches.

Die vier Grundsätze

Nach der gängigen Zusammenfassung beruht sein Vorgehen auf vier Grundsätzen: Arbeitsmethoden werden durch wissenschaftliche Untersuchung der Aufgaben bestimmt, die Beschäftigten werden planmäßig ausgewählt und geschult, sie werden bei ihrer Aufgabe genau angeleitet und beaufsichtigt, und die Arbeit wird zwischen Management und Beschäftigten geteilt, sodass das Management plant und die Beschäftigten ausführen. Er nennt als Ziel gleichzeitig den größten Wohlstand für den Arbeitgeber und für jeden Beschäftigten. Ob dieses Ziel in der Praxis erreicht wurde, ist bis heute umstritten.

Das System vor dem Menschen

In der Einleitung von „The Principles of Scientific Management“ schreibt Taylor, dass bisher der Mensch an erster Stelle stand und künftig das System an erster Stelle stehen müsse. Er betont dort zugleich, dass dies nicht heiße, große Persönlichkeiten würden nicht gebraucht. Als Führungskraft kannst Du daran die Frage anschließen, welche Fehler Dein Team der Person und welche der Organisation zuschreibt.

Begriffe

Scientific Management
Taylorismus
Zeitstudie
Aufgabenstellung
Trennung von Planen und Ausführen

Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen

4 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 1 belegt, 3 Deutung). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Was der Prüfstand bedeutet

Untersucht von

Untersucht, kommentiert oder deutet das Werk von Taylor, ohne es als eigene Position weiterzuführen.

  • untersucht von Antonio GramsciPrüfstand: belegt

    Gramsci analysiert Taylors wissenschaftliche Betriebsführung in den Notizen „Amerikanismus und Fordismus“ der Gefängnishefte. Er greift Taylors Bild vom abgerichteten Gorilla an und hält dagegen, dass der Arbeiter auch bei mechanischer Arbeit weiter denkt. Die amerikanische Rationalisierung, deren Zweck Taylor nach Gramsci offen ausspricht, sieht er zugleich als Versuch, einen neuen Typ von Arbeiter zu schaffen.

Im Vergleich

Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.

  • Chester BarnardPrüfstand: Deutung

    Redaktioneller Vergleich: Barnards Ansatz weicht nach der Quelle von den mechanischen Vorstellungen Taylors über Organisation ab; er sieht Zusammenarbeit und Beweggründe der Mitglieder im Mittelpunkt.

  • Mary Parker FollettPrüfstand: Deutung

    Redaktioneller Vergleich: Taylors Führung durch Anordnung und Kontrolle steht Folletts Ansatz gegenüber, der auf Zusammenarbeit und gemeinsame Macht setzt; die Quelle stellt beide als Gegenüber dar.

  • Max WeberPrüfstand: Deutung

    Redaktioneller Vergleich: Lehrbücher nennen Taylor, Weber und Fayol zusammen, weil alle drei Wirksamkeit durch Verbesserungen der Abläufe, des Rechts oder der Verwaltung suchten und Rationalität betonten.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Biografie belegt

    Taylor stammte aus einer wohlhabenden Familie in Philadelphia und bestand die Aufnahmeprüfung für die Universität Harvard. Er ging dann in eine Lehre als Modellbauer und Maschinist und arbeitete sich ab 1878 im Stahlwerk Midvale vom Arbeiter zum leitenden Ingenieur hoch. Die Quellen führen den schnellen Aufstieg auf seine Fähigkeiten und auf die Beziehung seiner Familie zu Edward Clark zurück, einem Miteigentümer des Werks.[4]

  • Abhängigkeit belegt

    Seinen Lebensunterhalt bestritt er aus Industriebeteiligungen und aus Einnahmen aus seinen Patenten, vor allem zur Stahlbearbeitung. Bei der Bethlehem Steel Company, für die er ab 1898 als beratender Ingenieur arbeitete, wurde er 1901 entlassen, nachdem er sich mit der Unternehmensleitung über seine Vorschläge zu Lohnerhöhungen und zur Organisation der Buchführung lange nicht einigen konnte.[4]

  • Zeitgeschehen belegt

    Die Einführung seines Systems stieß bei Beschäftigten oft auf Widerstand. Ein Streik im staatlichen Arsenal Watertown führte zu einer Untersuchung des Kongresses der Vereinigten Staaten 1912, vor der Taylor aussagte.[2]

Kritik

Antonio Gramsci schrieb in den Gefängnisheften, Taylor drücke „mit brutalem Zynismus“ den Zweck der amerikanischen Gesellschaft aus, im Arbeiter mechanische Haltungen zu entwickeln und die geistige Beteiligung an qualifizierter Arbeit aufzulösen. Er hielt dagegen, dass der Arbeiter auch bei mechanischer Arbeit weiter denkt, und sah in der amerikanischen Rationalisierung der Arbeit zugleich den bisher größten Versuch, einen neuen Typ von Arbeiter und Mensch zu schaffen. Harry Braverman warf Taylor in „Labor and Monopoly Capital“ (1974) vor, die Arbeit zu entwerten, und Henry Mintzberg hält die Fixierung auf messbare Effizienz für einseitig, weil der schwerer messbare soziale Nutzen dabei zurücktritt. Taylor selbst schrieb im Beispiel vom Verladen des Roheisens, ein geeigneter Arbeiter müsse „so dumm und so träge“ sein, dass er in seiner geistigen Art eher einem Ochsen gleiche. Im selben Buch meinte er, man könne einen intelligenten Gorilla zu einem besseren Roheisenverlader abrichten, als es ein Mensch sein könne. Dieser Satz fiel Kommentatoren wegen seiner Taktlosigkeit sofort auf.

Wirkung heute

Wenn heute Software Arbeit in genormte Teilschritte zerlegt, misst und überwacht, sprechen Forschende von einem „digitalen Taylorismus“.

Brücke zu Führung und Coaching

Übertragen auf heute: Wenn Du einen Ablauf in Deinem Team verbessern willst, kannst Du wie Taylor zuerst beobachten, wie die Arbeit tatsächlich geschieht, und das Wissen der Erfahrenen aufschreiben. Mit Gramsci und Follett kannst Du danach fragen, ob Du die Beteiligten dabei als Mitdenkende einbeziehst oder nur als Ausführende behandelst. Das ist eine Übertragung und keine Aussage Taylors über Führung.

Lebensstationen

  1. 1856Geburt in Germantown, Philadelphia (20. März)
  2. 1878Eintritt als Arbeiter in das Stahlwerk Midvale
  3. 1883Abschluss als Maschinenbauingenieur am Stevens Institute of Technology (im Fernstudium)
  4. 1903„Shop Management“ erscheint
  5. 1906Präsident der American Society of Mechanical Engineers (bis 1907)
  6. 1911„The Principles of Scientific Management“ erscheint
  7. 1912Aussage vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses
  8. 1915Tod in Philadelphia (21. März)

Werke

Shop Management (1903); The Principles of Scientific Management (1911)

Lesetipps

Einstieg
Frederick Winslow Taylor, The Principles of Scientific Management (1911), frei im Project Gutenberg zugänglich; deutsche Ausgabe: Die Grundsätze wissenschaftlicher Betriebsführung
Vertiefung
Britannica, „Frederick W. Taylor“ (John F. Mee)

Noch nicht sicher belegt

  • Ob Taylors Verfahren die Arbeiter auf Dauer besser stellten oder ihre Arbeit entwerteten, ist unter Fachleuten umstritten. Wann die deutsche Ausgabe der Grundsätze zum ersten Mal erschien, ist bisher nicht geklärt.

Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 3: Organisation, System, Lernen. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen

Quellen zu Taylor

  1. [1]Frederick W Taylor · Britannica
  2. [2]Wikipedia (englisch), Abschnitt Managers and workers; Britannica Kids (John F. Mee)
  3. [3]encyclopedia.com/people/social-sciences-and-law/business-leaders/frederick-winslow-taylor · Webseite
  4. [4](englisch), Frederick Winslow Taylor, Abschnitt Biography · Wikipedia
  5. [5]Frederick Winslow Taylor · Wikipedia
  6. [6]The Principles of Scientific Management, Kapitel 1 · Webseite
  7. [7]stevensarchives.contentdm.oclc.org/digital/collection/p4100coll1 · Webseite
  8. [8]archive.org/stream/Gramsci-Fordism/Americanism and Fordism_djvu.txt · Webseite
  9. [9]iese.edu/insight/articles/power-authority-ethics-mary-parker-follett · Webseite
  10. [10]pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10074337 · Webseite

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