Mary Parker Follett
1868–1933 · Boston
- Strömung
- Utilitarismus und Pragmatismus
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Sozialarbeiterin, politische Denkerin und Managementtheoretikerin, die pragmatistische Ideen von Gruppe, Erfahrung und Demokratie in die Führung von Unternehmen übersetzte.
Follett führt die pragmatistische Linie von Dewey, Addams und Mead in die Arbeitswelt. Sie macht aus Lernen aus Erfahrung und gemeinsamem Handeln eine Lehre von Management und Führung.
Kernidee
Follett sieht Gruppen und Organisationen als lebendige Prozesse, in denen Menschen sich gegenseitig verändern. Konflikte sollen nicht durch Kompromisse beendet, sondern durch Integration gelöst werden, bei der beide Seiten etwas Neues finden. Macht versteht sie als gemeinsame Gestaltungskraft und nicht als Herrschaft.
Bekannt für
Follett wird die „Mutter des modernen Managements“ genannt und gilt als Wegbereiterin des Win-win-Ansatzes in der Konfliktlösung. Nach ihrem Tod geriet sie in den USA in Vergessenheit, wurde in Großbritannien und ab den 1960ern in Japan weiter gelesen, und Pauline Grahams Buch von 1995 belebte das Interesse neu.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Integration statt Kompromiss
Follett nennt Integration das Zusammenspiel unterschiedlicher Sichtweisen angesichts einer gemeinsamen Situation. Konflikt ist für sie eine Chance zu gegenseitigem Verständnis und zu neuen Lösungen, nicht nur ein Störfall. Wenn Vertrieb und Produktion über Liefertermine streiten, fragst du nicht, wer nachgibt, sondern was jede Seite wirklich braucht und welche dritte Lösung beide trägt.
Macht mit statt Macht über
Macht ist für Follett ein schöpferisches Potenzial, das gemeinsam entsteht. Weder Arbeit für jemanden noch das Zahlen von Löhnen soll Macht über andere geben. Eine Führungskraft, die Entscheidungen gemeinsam mit ihrem Team entwickelt, gewinnt dadurch oft mehr Wirkung als durch Anweisung.
Führung nach Wissen und Situation
Führung ist nach Follett nicht immer an eine Rolle gebunden, sondern oft an die Person mit dem meisten Wissen oder der meisten Erfahrung in einer Frage. Sie spricht von der „Autorität der Expertise“ und sieht den Führenden zugleich als von der Gruppe Beeinflussten. Bei einem IT-Ausfall am Wochenende ist die Sysadmin die Führung, nicht die Abteilungsleiterin.
Begriffe
- Integration
- Macht mit statt Macht über
- Gesetz der Situation
- Gruppenprozess
- schöpferische Erfahrung
- Win-win
Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner
Lehrer
- Albert Bushnell Hart: ihr Harvard-Berater und früher Mentor
- Anna Boynton Thompson: frühe Mentorin an der Thayer Academy
- William James: nach der SEP (Pragmatist Feminism) einer ihrer Lehrer an Radcliffe/Harvard
- Josiah Royce: nach der SEP (Pragmatist Feminism) einer ihrer Lehrer an Radcliffe/Harvard
Freunde
- Isobel L. Briggs: Lebensgefährtin über dreißig Jahre
- Katharine Furse: enge Freundin in den letzten Lebensjahren
Verbindungen im Netz
3 Verbindungen. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Lehrer und Schüler
Persönliches Lehrverhältnis.
Schüler von William JamesDeutung
Nach der SEP (Pragmatist Feminism) studierte Follett an Radcliffe/Harvard unter anderem bei William James.
Im Vergleich
Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.
im Vergleich mit Jane AddamsDeutung
Thematische Nähe, keine belegte persönliche Beziehung: Wie Addams entwickelte Follett ihre Philosophie nach der SEP (Pragmatist Feminism) aus der Arbeit an sozialen Fragen ihrer Stadt, und Demokratie ist für beide ein Kernbegriff.
im Vergleich mit John DeweyDeutung
Thematische Nähe, keine belegte persönliche Beziehung: Nach der SEP (Pragmatist Feminism) kritisierten Addams, Dewey und Follett gleichermaßen das Ideal des liberalen Individualismus.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie Deutung
Nach dem Tod ihres Vaters und wegen der Behinderung ihrer Mutter übernahm Follett als Jugendliche die Rolle des Haushaltsvorstands und pflegte ihre Mutter. Das Erleben von Abhängigkeit und Verantwortung kann ihr Interesse an Zusammenleben und gegenseitiger Beeinflussung gestärkt haben.[1]
Zeitgeschehen belegt
Follett arbeitete von 1900 bis 1908 als Sozialarbeiterin im Bostoner Stadtteil Roxbury und setzte sich dafür ein, Schulen abends als Gemeinschaftszentren zu öffnen. In den 1920ern fand sie in Industrie und Arbeitsbeziehungen ein begeistertes Publikum und hielt Vorträge und beriet auf beiden Seiten des Atlantiks.[1]
Abhängigkeit Deutung
Nach der Sozialarbeit schrieb Follett zunehmend für ein Publikum aus der Wirtschaft, weil sie glaubte, gute Praxis im Geschäft könne andere Institutionen verändern. Das hat ihre Wirkung stark, aber auch auf Management begrenzt.[1]
Kritik
Nach Wikipedia wird argumentiert, Follett sei teilweise mitverantwortlich dafür, dass der Gedanke der Gemeinschaft von Unternehmen vereinnahmt wurde und heute dem Profit dient. Nach ihrem Tod verschwanden ihre Ideen zudem lange aus der amerikanischen Managementlehre; neues Interesse weckte vor allem Pauline Grahams Buch von 1995.
Wirkung heute
Ihre Gedanken zu Macht mit anderen, zu Integration im Konflikt und zu Führung nach Kompetenz sind Teil der modernen Organisationslehre und Humanisierung der Arbeit. Warren Bennis wird mit dem Satz zitiert, fast alles, was heute über Führung und Organisationen geschrieben werde, gehe auf sie zurück.
Brücke zu Führung und Coaching
Follett bietet dir eine Frage für festgefahrene Konflikte im Team: Was braucht jede Seite wirklich, und welche Lösung wäre für beide neu? Setz in der nächsten Besprechung bewusst zwei Konfliktparteien an ein Whiteboard und lass sie ihre Interessen nebeneinander schreiben, bevor irgendein Vorschlag fällt. Frag danach: Wer hat in dieser Sache das meiste Wissen, und wie geben wir dieser Person die Führung?
Zitate
„Demokratisch zu sein ist keine Entscheidung für eine bestimmte Form des Zusammenlebens, es bedeutet zu erlernen, wie man mit anderen Menschen zusammenlebt.“
Lebensstationen
- 1868Geboren am 3. September in Quincy, Massachusetts
- 1898Abschluss am Radcliffe-Vorläufer summa cum laude in Regierung, Wirtschaft, Recht und Philosophie
- 1900Beginn der Sozialarbeit in Boston (bis 1908), später Förderung von Gemeinschaftszentren
- 1918The New State erscheint
- 1924Creative Experience erscheint
- 1933Gestorben am 18. Dezember in Boston
Werke
The Speaker of the House of Representatives (1896)
The New State (1918)
Creative Experience (1924)
Dynamic Administration (postum 1942)
Anekdote überliefert
Follett schrieb ihre Abschlussarbeit über den Sprecher des Repräsentantenhauses, die 1896 erschien. Theodore Roosevelt lobte sie in einer Rezension als das beste Werk, das je zu diesem Thema geschrieben wurde.[1]
Lesetipps
- Einstieg
- Mary Parker Follett, The New State: Group Organization the Solution of Popular Government (Longmans, Green and Co., 1918; bei Project Gutenberg als eBook 73755 frei verfügbar); eine deutsche Ausgabe ist in den abgerufenen Quellen nicht nachgewiesen.
- Vertiefung
- Jana Lucas, Die geheimen Pionierinnen der Wirtschaft (Redline Verlag, München 2021), mit Kapitel zu Follett; fachlich: Marlies W. Fröse, Mary Parker Follett: Eine (fast) vergessene und wiederzuentdeckende Grenzgängerin zwischen Management und Sozialer Arbeit (2019, Ergon)
Noch nicht sicher belegt
- Kein abgerufener Text belegt persönliche Beziehungen Folletts zu Dewey, Addams oder Mead; die Kanten zu Dewey und Addams beruhen auf der SEP (Pragmatist Feminism) und sind als thematische Nähe zu lesen. Die Kante zu James stützt sich nur auf den Satz der SEP, sie habe bei Royce, James und Hart studiert; Umfang des Studiums bei James unklar. Whipps (2014, scholarworks.gvsu.edu) war für den Prüfer nicht abrufbar (403) und wurde aus den Quellen entfernt. Der Forschungsüberblick (vbn.aau.dk) nennt Follett nur gemeinsam mit Addams und trägt allein keine Kante. Zitat: englisches Original und Seite S. 22–23 nach de.wikipedia, deutsche Fassung dort ohne Übersetzer (Grammatikfehler 'für einer' stillschweigend berichtigt). Hart ist als Harvard-Berater und früher Mentor genannt. Dynamic Administration nach en.wikipedia 1942 (statt 1941/42). Die Rezeption durch Barnard und Bennis nur über Wikipedia. Eine deutsche Primärausgabe wurde nicht gefunden. Prüfung: en.wikipedia, de.wikipedia, SEP Pragmatist Feminism, vbn.aau.dk und Gutenberg-Katalog abgerufen.
Herkunft der Daten: Utilitarismus und Pragmatismus. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Follett
- [1]Wikipedia en, Mary Parker Follett · Wikipedia
- [2]Wikipedia (de): Mary Parker Follett · Wikipedia
- [3]vbn.aau.dk/en/publications/pragmatism-and-organizing-for-change · Webseite
- [4]Stanford Encyclopedia of Philosophy: femapproach-pragmatism · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [5]gutenberg.org/ebooks/73755 · Webseite