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Landkarte der Philosophie

Chester Barnard

Manager und Organisationstheoretiker · 1886–1961 · Malden (Massachusetts), später New Jersey und New York

Kernidee in Kürze

Barnard beschreibt eine formale Organisation als ein System bewusst abgestimmter Tätigkeiten von mindestens zwei Personen. Sie besteht nach seiner Darstellung aus drei Elementen: Kommunikation, Bereitschaft zur Mitarbeit und einem gemeinsamen Zweck.

Kapitel
System und Organisation (redaktionell)
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

Vertiefung

Zum Einstieg

Wodurch wird aus vielen Einzelnen eine Organisation, und woher hat eine Anweisung ihre Autorität?

Position
Sie halten nur, wenn sie ihr Ziel erreichen und zugleich die Beweggründe ihrer Mitglieder befriedigen.
Einwand
Kritiker halten seine Definition für zu weit und seine Theorie der Autorität von unten für einseitig, weil Führung manchmal Macht einsetzen muss.
Verbindung
Simon baut auf ihm auf, mit Parsons soll er im Briefwechsel gestanden haben, und seine Sicht hat Ähnlichkeit mit der Mary Parker Folletts.

Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen

Wer Barnard war

Amerikanischer Telefonmanager und Verwaltungsfachmann, der Organisationen als Systeme der Zusammenarbeit beschrieb und die Autorität bei den Empfängern von Anweisungen ansiedelte.

Barnard gehört in diesem Kapitel zur Frage, ob eine Organisation mehr ist als ihre Mitglieder. Herbert Simon baute sein Buch „Administrative Behavior“ nach eigener Aussage auf ihm auf, und mit Talcott Parsons soll er über Jahre Briefe und Manuskripte ausgetauscht haben.

Kernidee genauer

Autorität entsteht in seinem Modell erst dadurch, dass der Empfänger eine Anweisung annimmt, und nicht schon dadurch, dass jemand sie gibt.

Biografischer Moment

Lebensereignis Belegtes Ereignis aus dem Leben. Ob es das Denken geprägt hat, behauptet die Angabe nicht.

Barnard hielt 1936 in Princeton den Vortrag „Mind in Everyday Affairs“ über logisches und nicht logisches Denken. Dieser Vortrag trug dazu bei, dass er 1937 zu den Vorträgen am Lowell Institute eingeladen wurde, aus denen sein Hauptwerk entstand.[3]

Fundstelle: Abschnitt Background

Bekannt für

Barnard ist bekannt für „The Functions of the Executive“ (1938) und den Gedanken der Indifferenzzone: Es gibt einen Bereich, in dem Menschen Anweisungen annehmen, ohne ihre Berechtigung bewusst zu hinterfragen. Dieser Bereich ist nach seiner Darstellung enger oder weiter, je nachdem, wie stark die Anreize die Lasten übersteigen.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Organisation als System der Zusammenarbeit

Er hält erfolgreiche Zusammenarbeit für den Ausnahmefall, nicht für den Normalfall. Wenn in Deinem Team niemand mehr weiß, wofür die gemeinsame Arbeit gut ist, fehlt nach diesem Modell eines der drei Elemente.

Autorität von unten

Barnard formuliert, dass jemand eine Mitteilung nur dann als maßgeblich annimmt, wenn er sie versteht, nicht im Widerspruch zum Zweck der Organisation sieht, sie mit seinem persönlichen Interesse vereinbar hält und sie ausführen kann. Autorität liegt deshalb bei der Person, die den Auftrag erhält, und nicht bei der, die ihn gibt.

Wirksam und wirtschaftlich

Barnard nennt eine Handlung wirksam, wenn das gewollte Ziel erreicht wird, und wirtschaftlich, wenn die ungewollten Nebenfolgen unwichtig oder gering sind. Die Wirtschaftlichkeit einer Organisation misst er daran, ob sie die Beweggründe ihrer Mitglieder befriedigt. Wenn Du ein Projekt gewinnst, aber das Team danach ausgebrannt ist, wäre das nach dieser Unterscheidung wirksam, aber nicht wirtschaftlich.

Begriffe

kooperatives System
formale und informale Organisation
Willigkeit zur Mitarbeit
gemeinsamer Zweck
Kommunikation
Indifferenzzone
Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit

Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen

4 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 1 belegt, 2 Deutung, 1 ungeprüft). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Was der Prüfstand bedeutet

Persönlich verbunden

Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.

  • Talcott ParsonsPrüfstand: ungeprüft

    Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.

    Barnard und Parsons sollen über Jahre Manuskripte und lange Briefe zu gemeinsamen theoretischen Fragen ausgetauscht haben; eine zweite, unabhängige Quelle dafür fehlt bisher.

Grundlage für

Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken von Barnard weiter, meist über Texte.

  • Herbert A. SimonPrüfstand: belegt

    Simon übernahm in „Administrative Behavior“ von Barnard das Gleichgewicht von Beiträgen und Anreizen, den Autoritätsbegriff und die Akzeptanzzone.

Im Vergleich

Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.

  • Frederick Winslow TaylorPrüfstand: Deutung

    Redaktioneller Vergleich: Barnards Ansatz weicht nach der Quelle von den mechanischen Vorstellungen Taylors über Organisation ab; er sieht Zusammenarbeit und Beweggründe der Mitglieder im Mittelpunkt.

  • Mary Parker FollettPrüfstand: Deutung

    Redaktioneller Vergleich: Barnards Sicht der Autorität von unten ähnelt nach der Quelle der von Mary Parker Follett. Als Einfluss ist Follett im Buch genannt, die Quelle belegt aber keinen bestimmten übernommenen Gedanken.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Biografie belegt

    Barnard studierte Wirtschaft in Harvard, machte aber keinen Abschluss. Er trat 1909 in den Telefonkonzern AT&T ein und wurde 1927 Präsident der New Jersey Bell Telephone Company. Er war also Praktiker, kein Hochschullehrer.[1]

  • Zeitgeschehen belegt

    Während der Weltwirtschaftskrise leitete Barnard das staatliche Hilfssystem von New Jersey. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er Präsident der Rockefeller Foundation und Vorsitzender der National Science Foundation.[1]

  • Abhängigkeit belegt

    Das Buch ging aus acht frei gehaltenen Vorträgen am Lowell Institute im Jahr 1937 hervor. Angestoßen hatte die Einladung sein Freund Lawrence J. Henderson, der Abbott Lawrence Lowell vorschlug, Barnard einzuladen.[3]

Kritik

Kritiker nennen Barnards Prosa schwer lesbar und schwerfällig. Seine Definition der formalen Organisation halten manche für zu weit gefasst: Lyndall Urwick merkte an, nach ihr könne sogar „Junge küsst Mädchen“ als Organisation gelten. Hinzu kommt, dass er das Verhältnis zu Kunden, zum Verwaltungsrat und zu den Aktionären kaum behandelt.

Wirkung heute

„The Functions of the Executive“ wurde zu einer wesentlichen Grundlage für den Unterricht in Organisationssoziologie und Managementlehre. Simon nannte das Gleichgewicht von Beiträgen und Anreizen, den Autoritätsbegriff und die Akzeptanzzone als von Barnard übernommen.

Brücke zu Führung und Coaching

Übertragen auf heute: Wenn Du eine Anweisung gibst und sie wird nicht umgesetzt, kannst Du mit Barnard fragen, ob Dein Team sie versteht, mit dem Zweck vereinbar sieht, mit den eigenen Interessen vereinbaren kann und ausführen kann. Das sind seine vier Bedingungen. Das ist eine Übertragung und keine Aussage Barnards über moderne Teamführung.

Lebensstationen

  1. 1886Geburt in Malden, Massachusetts (7. November)
  2. 1909Eintritt bei der American Telephone and Telegraph Company
  3. 1927Präsident der New Jersey Bell Telephone Company
  4. 1938„The Functions of the Executive“ erscheint
  5. 1948Präsident der Rockefeller Foundation (bis 1952)
  6. 1961Tod in New York (7. Juni)

Werke

The Functions of the Executive (1938); Organization and Management (1948)

Lesetipps

Einstieg
Chester I. Barnard, The Functions of the Executive (Harvard University Press, 1938); deutsche Ausgabe: Die Führung großer Organisationen (Girardet, Essen 1970)
Vertiefung
Britannica, „Chester Irving Barnard“

Noch nicht sicher belegt

  • Den langjährigen Briefwechsel mit Talcott Parsons beschreibt bisher nur eine Lexikonquelle. Seine Nähe zu Mary Parker Follett und seine Abgrenzung von Taylor sind Vergleiche der Forschung und kein belegter Einfluss.

Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 3: Organisation, System, Lernen. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen

Quellen zu Barnard

  1. [1]Chester Irving Barnard · Britannica
  2. [2]encyclopedia.com/people/social-sciences-and-law/sociology-biographies/chester-i-barnard · Webseite
  3. [3](englisch), The Functions of the Executive, Abschnitt Background · Wikipedia
  4. [4]Chester Barnard · Wikipedia
  5. [5]Chester Barnard · Wikipedia
  6. [6](englisch), Talcott Parsons, Abschnitt Harvard University · Wikipedia
  7. [7]organizationsandmarkets.com/wp-content/uploads/2009/09/mahoney-j-chester-barnard.pdf · Webseite

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