Shannon Vallor
Philosophin · Geburtsjahr nicht belegt · Edinburgh
- Kapitel
- Geist und Technik (redaktionell, keine Schulzugehörigkeit)
- Kants Fragen
- Was soll ich tun? · Was ist der Mensch? (Deutung)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Zum Einstieg
Welche Fähigkeit würdest du gern behalten, auch wenn eine Maschine sie dir abnehmen könnte?
- Position
- Vallor antwortet, dass wir moralische Fähigkeiten nur behalten, wenn wir sie üben, und dass Technik, die uns Urteile abnimmt, diese Übung gefährdet. Deshalb müssen wir bewusst technomoralische Tugenden pflegen.
- Einwand
- Sigurd Hovd hält Vallors Behandlung von Tugend im militärischen Beruf 2022 für normativ problematisch und moralpsychologisch unplausibel und stellt eine Sicht dagegen, nach der Institutionen und Technik Teil der Tugenden sind.
- Verbindung
- Vallor verbindet die aristotelische und die konfuzianische Tugendethik mit der Frage nach künstlicher Intelligenz. Redaktionell lässt sich ihre Sorge mit Platons Kritik an der Schrift vergleichen, die Fähigkeiten verlagert; ein Einfluss wird nicht behauptet.
Redaktionell zusammengefasst, keine Zitate. Die Quellen stehen am Ende der Seite.
Kommt in diesen Denkwegen vor
Amerikanische Technikphilosophin, die die klassische Tugendethik auf das Leben mit digitaler Technik überträgt und vor dem Verlernen moralischer Fähigkeiten warnt.
Vallor führt die Fragen von Weizenbaum, Anders und Jonas in eine Ethik des Charakters. Statt nach Regeln für Maschinen zu fragen, fragt sie, welche menschlichen Fähigkeiten wir im Umgang mit Maschinen bewahren müssen.
Kernidee
Vallor sagt, dass wir für ein gutes Leben mit neuer Technik moralische Charakterstärken pflegen müssen, die zu unserer Zeit passen, und nennt sie technomoralische Tugenden. Sie greift dafür auf drei alte Traditionen der Tugendethik zurück, die aristotelische, die konfuzianische und die buddhistische. Sie warnt zugleich vor moralischem Verlernen: Wenn Technik Aufgaben übernimmt, die moralisches Urteil verlangen, können uns die Gelegenheiten fehlen, diese Fähigkeiten zu üben.
Biografischer Moment
Lebensereignis Belegtes Ereignis aus dem Leben. Ob es das Denken geprägt hat, behauptet die Angabe nicht.
Vallor veröffentlichte 2015 ihren Aufsatz über moralisches Verlernen und Neulernen in der Zeitschrift Philosophy and Technology. Im selben Jahr erhielt sie den World Technology Award in Ethics. 2016 folgte das Buch „Technology and the Virtues“.[1]
Fundstelle: Abschnitte Selected works und Education and career
Bekannt für
Man kennt Vallor für „Technology and the Virtues“ und für das Bild der künstlichen Intelligenz als Spiegel in „The AI Mirror“. Ein Alltagsbeispiel ist die Frage, ob du Wege noch kennst, seit dein Navigationsgerät sie dir ansagt, und ob dir etwas Ähnliches bei Entscheidungen drohen kann.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Technomoralische Tugenden
Vallor fordert eine technomoralische Tugendethik von weltweiter Reichweite, also Charakterstärken für das Leben mit neuer Technik, die über einzelne Kulturen hinaus tragen. Im zweiten Teil von „Technology and the Virtues“ untersucht sie dafür die aristotelische, die konfuzianische und die buddhistische Tradition und sucht nach gemeinsamen Grundzügen der Tugend und der moralischen Selbstbildung. In einem Team zeigt sich das, wenn du fragst, welche Charakterzüge deine Leute im Umgang mit neuen Werkzeugen brauchen.
Moralisches Verlernen
Vallor überträgt den soziologischen Begriff des Verlernens von Fähigkeiten in die Tugendethik. Nach der Darstellung von Sigurd Hovd fragt sie, ob Soldaten, die immer weiter vom Gefechtsfeld entfernt sind und deren Handeln zunehmend durch künstliche Intelligenz vermittelt wird, noch als verantwortliche moralische Handelnde urteilen können. Das Risiko sei, dass ihnen die Gelegenheit fehlt, moralische Fähigkeiten zu entwickeln; in ihrem Buch von 2016 fragt sie allgemeiner, was es unseren Charakter kostet, moralisch bedeutsame Aufgaben vom Kampf bis zur Pflege an Roboter abzugeben.
Der Spiegel
Der Untertitel von „The AI Mirror“ lautet „How to Reclaim Our Humanity in an Age of Machine Thinking“. Das Buch erschien 2024 bei Oxford University Press. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy verweist auf das Buch für die Sicht, dass künstliche Intelligenz für die Menschheit auch ein Fluch sein kann. Übertragen auf heute: Du kannst fragen, was ein System dir über dich selbst zurückspiegelt.
Begriffe
- technomoralische Tugenden
- Tugendethik
- moralisches Verlernen
- künstliche Intelligenz als Spiegel
- gutes Leben mit Technik
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
4 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 3 belegt, 1 Deutung). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Was der Prüfstand bedeutet
- belegt
- Mit Quelle belegt.
- Deutung
- Redaktionelle Deutung auf Grundlage der Quellen.
- überliefert
- Überliefert, aber historisch nicht gesichert.
- ungeprüft
- Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Persönlich verbunden
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
Luciano FloridiPrüfstand: belegt
Vallor schrieb 2014 den Beitrag „Armed Robots and Military Virtue“ für den von Floridi und Taddeo herausgegebenen Band „The Ethics of Information Warfare“.
Baut auf
Vallor übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
AristotelesPrüfstand: belegt
Vallor stützt ihre Tugendethik der Technik unter anderem auf die aristotelische Tradition; ihr Begriff des moralischen Verlernens beruht laut Hovd wesentlich auf Aristoteles' Bestimmung der tugendhaften Handlung.
KonfuziusPrüfstand: belegt
Vallor greift im zweiten Teil von „Technology and the Virtues“ auf die konfuzianische Tradition zurück und argumentiert in Kapitel 9 mit dem Konfuzianer Mengzi.
Im Vergleich
Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.
PlatonPrüfstand: Deutung
Redaktioneller Vergleich: Im Phaidros steht der Mythos von Theuth und Thamus, der die Schrift kritisch sieht, weil sie auf Fragen nicht antworten kann und das echte Wiedererinnern stört (274d–275b); das lebendige, wissende Gespräch stellt Platon darüber (276a, 276e–277a). Vallor warnt, dass Technik, die uns moralische Urteile abnimmt, diese Fähigkeit verkümmern lässt. Beide sehen in einem Werkzeug eine Verlagerung menschlicher Fähigkeiten; ein Einfluss wird nicht behauptet.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
Vallor wurde 2001 in Philosophie am Boston College promoviert und lehrte danach an der Santa Clara University. Seit 2020 ist sie die erste Inhaberin der Baillie-Gifford-Professur für Ethik von Daten und künstlicher Intelligenz am Edinburgh Futures Institute.[1]
Abhängigkeit belegt
Laut englischer Wikipedia berät Vallor als Ethikerin das Cloud-Programm für künstliche Intelligenz von Google; seit wann und ob noch heute, sagt die Quelle nicht. Ob dieser Auftrag ihre Aussagen zur Technik prägt, ist eine offene Frage und keine Aussage der Quelle.[1]
Kritik
Sigurd Hovd hält 2022 Vallors Umgang mit Fertigkeiten und Tugend im militärischen Beruf für normativ problematisch und moralpsychologisch unplausibel, weil sie militärische Tugend als eigene Form ethischer Erkenntnis behandle. Er legt eine Gegenansicht vor, nach der Tugenden des Berufs durch Institutionen und Technik vermittelt und Teil einer erweiterten Kognition sind.
Wirkung heute
Die Debatte um moralisches Verlernen wird auf militärische Systeme angewendet, in denen Entscheidende weit vom Geschehen entfernt sind. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy nennt ihre Bücher von 2016 und 2024 als Beispiele für Tugendethik, die auf die Ethik der Technik angewendet wird.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Du kannst in deinem Team darauf achten, welche Entscheidungen von Werkzeugen vorbereitet werden und welche moralischen Urteile deine Leute dadurch nicht mehr üben. Das ist eine Übertragung von Vallors These des moralischen Verlernens und keine Aussage von ihr über Führung.
Lebensstationen
- 2001Promotion in Philosophie am Boston College
- 2003Professur an der Santa Clara University
- 2015Aufsatz über moralisches Verlernen und Neulernen
- 2016„Technology and the Virtues“ erscheint
- 2020Baillie-Gifford-Professur in Edinburgh
- 2024„The AI Mirror“ erscheint
Werke
- Moral Deskilling and Upskilling in a New Machine Age: Reflections on the Ambiguous Future of Character (2015)
Ersterscheinung: Philosophy and Technology, Band 28 (2015), Seiten 107 bis 124.
- Technology and the Virtues: A Philosophical Guide to a Future Worth Wanting (2016)
Ersterscheinung: Oxford University Press, 2016.
- The AI Mirror: How to Reclaim Our Humanity in an Age of Machine Thinking (2024)
Ersterscheinung: Oxford University Press, 2024.
Lesetipps
- Einstieg
- Shannon Vallor, Moral Deskilling and Upskilling in a New Machine Age: Reflections on the Ambiguous Future of Character, Philosophy and Technology 28 (2015); der Aufsatz, der den Begriff des moralischen Verlernens prägt.
- Vertiefung
- Rezension von „Technology and the Virtues“ in den Notre Dame Philosophical Reviews (2018), als Überblick über den Aufbau des Buches
Noch nicht sicher belegt
- Das Geburtsjahr wird in keiner genutzten Quelle genannt und fehlt deshalb im Steckbrief.
- Zu Vallor gibt es keinen Eintrag in der Stanford Encyclopedia of Philosophy, sie schrieb dort selbst den Eintrag Social Networking and Ethics.
- Hauptquellen sind die englische Wikipedia, die Rezension in den Notre Dame Philosophical Reviews, Hovds Aufsatz (Frontiers in Big Data 2022) und die Einträge Ethics of Artificial Intelligence and Robotics und Virtue Ethics der Stanford Encyclopedia of Philosophy.
- Die Rezension nennt die konfuzianische Tradition und Mengzi, nicht Konfuzius als Person.
- Die Verbindung zu Konfuzius gilt deshalb der von ihm ausgehenden Tradition.
- Ob das Wort „Verlernen“ (deskilling) im Aufsatz von 2015 genau so definiert wird, wurde am Originaltext nicht geprüft.
- Hovd gibt Vallors Position für militärische Einsätze wieder.
- Hovds Kritik bezieht sich ausdrücklich nur auf Vallors Gebrauch des Begriffs im Militär.
- Das Datum 19. September 2016 für „Technology and the Virtues“ steht in einer Fußnote der englischen Wikipedia.
- Das Beispiel Navigationsgerät ist ein Beispiel der Redaktion.
- Die Beratung für Google Cloud AI steht in der englischen Wikipedia ohne Datum.
Wege durchs Netz
Vallor überträgt die Tugendethik auf das Leben mit digitaler Technik und warnt vor dem Verlernen moralischer Fähigkeiten.
Herkunft der Daten: Kapitel Geist, Maschine und Technik. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Vallor
- [1]Shannon Vallor – Wikipedia (en), Abschnitt Education and career
- [2]ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9982729 · Webseite
- [3]ndpr.nd.edu/reviews/technology-and-the-virtues-a-philosophical-guide-to-a-future-worth-wanting · Webseite
- [4]Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [5]Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [6]Stanford Encyclopedia of Philosophy