Platon
um 428–348 v. Chr. · Athen, mit Reisen nach Sizilien (Syrakus)
- Strömung
- Athen: Sokrates, Platon, Aristoteles
- Kants Fragen
- Was kann ich wissen? · Was soll ich tun? (Deutung)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
- Eigener Eintrag
- Stanford Encyclopedia of Philosophy
Schüler des Sokrates und Gründer der Akademie, der Schule, aus der in diesem Modul Speusipp, Xenokrates, Arkesilaos und Aristoteles hervorgehen.
Er ist der Ausgangspunkt dieses Moduls: Sokrates ist sein Lehrer, Aristoteles sein berühmtester Schüler, und Speusipp und Xenokrates führen seine Schule nach seinem Tod weiter. Gegen die Sophisten wie Gorgias und Thrasymachos setzt er sein Bild vom Philosophen.
Kernidee
Hinter den wechselnden Dingen, die wir sehen, gibt es nach Platon unveränderliche Ideen (auch „Formen“ genannt), etwa die Gerechtigkeit selbst. Wirkliches Wissen richtet sich auf diese Ideen und nicht auf bloße Meinungen. Deshalb sollen nach seiner „Politeia“ die am besten Geschulten, die Philosophen, den Staat lenken.
Bekannt für
Man kennt Platon für die Ideenlehre und für das Höhlengleichnis: Gefangene halten die Schatten an der Wand für die Wirklichkeit, bis einer ins Freie geführt wird. Er gründete außerdem die Akademie, die oft als erste Hochschule des Westens gilt.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Ideenlehre
Platon geht davon aus, dass es hinter den einzelnen schönen oder gerechten Dingen die Idee des Schönen und des Gerechten selbst gibt. Diese Ideen ändern sich nicht und sind der eigentliche Gegenstand des Wissens, während die sichtbare Welt nur ein unvollkommenes Abbild ist. Im Arbeitsalltag fragst du etwa bei „Qualität“ oder „Fairness“ erst, was damit eigentlich gemeint ist, bevor du über einzelne Fälle streitest.
Der Philosophenkönig
In der „Politeia“ sollen diejenigen regieren, die das Gute erkannt haben und zum Nutzen der Regierten herrschen. Platon begründet das damit, dass die meisten Menschen und die Weisen verschiedene Werte haben und ein Staat deshalb selten gute Herrscher bekommt. Auf Führung übertragen heißt das: Eine Entscheidung gehört in die Hand dessen, der die Sache wirklich versteht, nicht dessen, der am lautesten spricht.
Begriffe
- Ideenlehre
- Höhlengleichnis
- Philosophenkönig
- Dialektik
- Akademie
Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner
Lehrer
- Sokrates: Gespräch und Prüfung von Behauptungen, in fast allen Dialogen als Hauptfigur
Schüler
- Aristoteles: kam mit etwa 17 Jahren in die Akademie und blieb bis zu Platons Tod
- Speusippos: sein Neffe und erster Nachfolger
- Xenokrates: begleitete ihn 361 v. Chr. nach Sizilien
Freunde
- Dion von Syrakus: wurde bei Platons erstem Sizilienbesuch sein Schüler und Freund
Gegner
- Gorgias und die Sophisten: Platon hält Rhetorik, die nur gefallen will, für Schmeichelei
Verbindungen im Netz
47 Verbindungen, davon 26 noch nicht einzeln geprüft. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Lehrer und Schüler
Persönliches Lehrverhältnis.
Lehrer von Aristotelesungeprüft
Aristoteles studierte in Platons Akademie bis zu dessen Tod 347 v. Chr.
Schüler von Sokratesungeprüft
Platon macht ihn zur Hauptfigur seiner Dialoge und gründet auf diesem Bild die Akademie.
Lehrer von Xenokrates von Chalkedonungeprüft
Er begleitete Platon nach Sizilien und blieb in der Akademie.
Baut auf
Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
Grundlage für Abu Nasr Muhammad al-FarabiDeutung
Seine Staatslehre nimmt Anregungen aus Platons Politeia und Nomoi und wandelt sie für ein Großreich ab (SEP).
Grundlage für Abu Yusuf Yaqub ibn Ishaq al-KindiDeutung
Sein Gott wirkt wie eine platonische Form, und er verwendet Platons Erinnerungslehre (SEP).
Grundlage für Alfred North WhiteheadDeutung
Deutung: In Process and Reality nennt Whitehead die europäische Philosophie sinngemäß Fußnoten zu Platon und greift laut SEP Platons Formen auf.
Grundlage für Anicius Manlius Severinus BoethiusDeutung
Laut Wikipedia wollte er das Gesamtwerk von Platon und Aristoteles übersetzen, und der Trost ist stark vom platonischen Dialog geprägt.
Grundlage für Arkesilaos von Pitaneungeprüft
Er leitete Platons Akademie und gab ihr eine skeptische Ausrichtung.
Grundlage für Arthur Schopenhauerungeprüft
bezieht Ideenlehre auf seine Kunstlehre
Grundlage für Augustinus von Hippoungeprüft
las die 'Bücher der Platoniker' (Neuplatonismus), die sein Denken am nachhaltigsten prägten
Grundlage für Basilius BessarionDeutung
In calumniatorem Platonis verteidigt Platon als Theologen.
Grundlage für Erasmus von RotterdamDeutung
Die SEP sagt, er greife mit seinem Ideal des weisen, philosophischen Herrschers in der Institutio principis christiani Platon auf.
Grundlage für Francesco Patrizi da ChersoDeutung
Er hält Platon für besser und mit der Kirchenlehre vereinbar, in Rom lehrte er Platonische Philosophie (SEP, de.wikipedia).
Grundlage für Georgios Gemistos PlethonDeutung
Er knüpft mit den Nomoi an Platons Gesetze an und verteidigt Platon gegen Aristoteles (Wikipedia de, SEP).
Grundlage für Giovanni Pico della MirandolaDeutung
Laut en.wikipedia stützte er seine Ideen hauptsächlich auf Platon, wie Ficino; die SEP betont dagegen, dass Platonismus nur etwa ein Drittel der Thesen ausmacht.
Grundlage für Heinrich Cornelius Agrippa von NettesheimDeutung
Der „göttliche Plato“ ist für ihn Gewährsmann für die Seele als göttliche Substanz.
baut auf Heraklit von Ephesosungeprüft
Platon liest Heraklit als Philosophen des Flusses (SEP), Anlass für die Lehre vom Unveränderlichen
Grundlage für Hypatia von Alexandriaungeprüft
Nach Damascius lehrte sie über die Schriften Platons.
Grundlage für Ibn Ruschd (Averroes)ungeprüft
Er verfasste einen Kommentar zu Platons Staat und nutzte ihn zur Kritik an den Almohaden.
Grundlage für Ibn Sina (Avicenna)ungeprüft
neuplatonische Strömungen der Spätantike flossen in sein System ein
Grundlage für Iris Murdochungeprüft
Ihr moralischer Realismus nimmt Platons Idee des Guten und das Bild von Aufstieg und Licht auf.
Grundlage für Lucius Annaeus Senecaungeprüft
Zieht Platon und andere Schulen für eigene Argumente heran (IEP)
Grundlage für Lucrezia MarinellaDeutung
Sie lobt Platon und nutzt platonische Vorstellungen von der Schönheit als Spiegel der Seele (SEP).
Grundlage für Margaret FullerDeutung
SEP nennt Platon ihren liebsten antiken Philosophen.
Grundlage für Marsilio FicinoDeutung
Er übersetzte Platons Gesamtwerk ins Lateinische (gedruckt 1484) und kommentierte es.
Grundlage für Michael PsellosDeutung
Laut SEP hatte Psellos eine starke Vorliebe für Platon und die Neuplatoniker und gilt als Schlüsselfigur für die Weitergabe des platonischen Erbes.
baut auf Parmenides von Eleaungeprüft
Setzt sich in späten Dialogen (Parmenides, Sophistes) mit der Frage nach dem Sein auseinander
baut auf Philolaos von KrotonDeutung
Platons Philebos (16b ff.) greift laut SEP Philolaos' Begriffe von Grenze und Unbegrenztem und das Tonleiter-Beispiel auf.
Grundlage für Plotinungeprüft
Plotin greift etwa die fünf größten Gattungen aus Platons Sophistes auf und baut sie zur Ordnung des Geistes aus.
baut auf Pythagoras von Samosungeprüft
In der frühen Akademie wurde Pythagoras zum Urheber vieler Gedanken Platons stilisiert.
Grundlage für Ralph Waldo EmersonDeutung
SEP nennt Platon und den Neuplatonismus als Einfluss.
Grundlage für Thomas MorusDeutung
Utopia knüpft an Platons Politeia an; Morus stellte Platon allen Philosophen voran.
Kritik
Kritik an einer bestimmten These. Ein persönlicher Streit ist damit nicht gemeint.
kritisiert Archytas von TarentDeutung
Gastfreunde seit 388/387; im Siebten Brief rettet Archytas Platon aus Syrakus, Platon kritisiert aber in der Politeia (VII) seine Harmonik.
wird kritisiert von Aristotelesungeprüft
Aristotelismus entstand aus der kritischen Auseinandersetzung mit dem Platonismus
kritisiert Gorgias von Leontinoiungeprüft
Im Dialog „Gorgias“ nennt Platon die Redekunst eine Form der Schmeichelei.
wird kritisiert von Gregorios PalamasDeutung
Er hält die platonischen Ideen als Ursachen für unsinnig und die antike Philosophie nicht für einen Weg zu Gott (Wikipedia de; SEP nennt die Kritik an griechischen Naturphilosophen).
kritisiert Hippias von ElisDeutung
Platon zeichnet ihn in Hippias minor und maior als eitel und oberflächlich, mit karikierenden Zügen.
wird kritisiert von Isokratesungeprüft
Rivalen um den Begriff der Philosophie: Bildung für die Praxis gegen Dialektik und Wahrheitssuche.
wird kritisiert von Niccolò Machiavelliungeprüft
wandte sich gegen erdachte ideale Staaten zugunsten der wirklichen Verhältnisse
kritisiert Protagoras von Abderaungeprüft
Platon behandelt seine Lehre im Theaitetos und macht aus dem Mensch-Maß-Satz einen Relativismus, den er bekämpft.
kritisiert Thrasymachos von Chalkedonungeprüft
Platon lässt ihn in der Politeia als Gegner auftreten.
Persönlicher Kontakt
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
persönlich verbunden mit Archytas von TarentDeutung
Gastfreunde seit 388/387; im Siebten Brief rettet Archytas Platon aus Syrakus, Platon kritisiert aber in der Politeia (VII) seine Harmonik.
persönlich verbunden mit Aristippos von Kyreneungeprüft
Nach Plutarch trafen beide in Syrakus zusammen, als Platon zum dritten Mal dort war.
persönlich verbunden mit Speusippos von Athenungeprüft
Der Neffe übernahm nach Platons Tod die Leitung der Schule.
Im Vergleich
Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.
im Vergleich mit Epikur von Samosungeprüft
Radikaler Materialismus ohne Platonische Ideen (SEP)
im Vergleich mit Euklid von Megaraungeprüft
Im Phaidon wird er als Zuhörer genannt; im Rahmen des Theaitetos soll er das Gespräch aufgeschrieben haben.
im Vergleich mit Xenophon von Athenungeprüft
Beide schreiben Sokrates-Dialoge, betonen aber unterschiedliche Züge ihres Lehrers.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Zeitgeschehen belegt
Nach der Rückkehr der Demokratie 403 v. Chr. und der Anklage gegen Sokrates gab Platon seine Pläne für eine politische Laufbahn auf. Das prägt sein Misstrauen gegenüber der Menge und seine Suche nach dem sachkundigen Herrscher.[1]
Biografie belegt
Der Versuch, in Syrakus den Tyrannen Dionysios II. im Sinn des Philosophenkönigs zu erziehen, scheiterte, und Dion wurde ermordet. Die Quellen dazu sind teils die Briefe, deren Echtheit umstritten ist.[3]
Deutung Deutung
Dass Platon eine Herrschaft der Wissenden vorzieht, kann mit seinen Erfahrungen mit Demokratie und Tyrannis in Athen und Syrakus zusammenhängen.[1]
Kritik
Aristoteles weist die Vorstellung zurück, dass man zum guten Handeln erst das Gute an sich erkennen müsse. Speusipp verwarf die Ideenlehre. Gegen die Herrschaft der Wissenden wird bis heute eingewandt, dass sie die Beteiligten aus dem Urteil über ihr eigenes Leben ausschließt.
Wirkung heute
Die Frage, was ein Begriff wie Gerechtigkeit eigentlich meint, ist noch immer der Beginn jeder sauberen Argumentation. Auch die Idee, dass Führung Sachverstand braucht und nicht nur Mehrheit, wird in Organisationen jeden Tag verhandelt.
Brücke zu Führung und Coaching
In Führungsteams stehen oft Werte wie „Vertrauen“ oder „Verantwortung“ an der Wand, jeder versteht darunter aber etwas anderes. Lass das Team dazu ein Gespräch im Stil Platons führen: Was ist das genau, woran würdest du es morgen im Meeting erkennen? Und eine zweite Frage für dich selbst: Wer in deinem Team versteht das Thema wirklich, und wer entscheidet es gerade stattdessen?
Lebensstationen
- 428 v. Chr.Geburt in Athen (Datum ungefähr)
- 399 v. Chr.Hinrichtung des Sokrates
- 385 v. Chr.Erste Reise nach Syrakus (ungefähr)
- 375 v. Chr.Politeia entsteht (ungefähr)
- 361 v. Chr.Dritte Reise nach Syrakus, Rückkehr mit Hilfe des Archytas
- 348 v. Chr.Tod in Athen (ungefähr)
Werke
- Politeia (um 375 v. Chr.)
- Apologie des Sokrates (nach 399 v. Chr.)
Dialoge, darunter Apologie, Gorgias und Politeia (Politeia um 375 v. Chr.); außerdem Briefe, deren Echtheit umstritten ist. Die Reihenfolge der Dialoge ist bis heute nicht sicher.
Anekdote überliefert
Nach einer 2024 gemeldeten Entzifferung einer Schriftrolle aus Herculaneum (Philodem, Geschichte der Akademie) wurde Platon schon als junger Mann auf der Insel Ägina in die Sklaverei verkauft. Das Datum ist unsicher: möglich ist 404 oder 399 v. Chr.[1]
Lesetipps
- Einstieg
- Platon, Der Staat, übers. von Gernot Krapinger, Reclam 2017: darin stehen Höhlengleichnis und Philosophenkönig.
- Vertiefung
- Internet Encyclopedia of Philosophy, Eintrag „Plato“ (online): Leben und Werk im Überblick.
Noch nicht sicher belegt
- Lebensdaten ungefähr (IEP: Geburt 428/7, Tod 348/7; antike Angaben widersprechen sich). Echtheit der Briefe umstritten. Die Sklaverei-Episode ist nur überliefert. Gründungsjahr der Akademie hier nicht angegeben, weil ich es nicht geprüft habe.
- Gerüst: Datierung der Politeia (um 375) und der Apologie wurde in den abgerufenen Textauszügen nicht geprüft. Platons Geburtsjahr: SEP 429?, Wikipedia 428/427. Die Philosophenkönig-Formulierung und die Edge zu heraklit sind Fachüblichkeit.
Wege durchs Netz
Platon: Orientierung geben nur die unveränderlichen Ideen, etwa die Gerechtigkeit selbst.
Platon: Die Politeia ist eine einzige lange Antwort auf diese These.
Platon: Hinter den wechselnden Dingen stehen unveränderliche Ideen.
Platon: Wirkliches Wissen richtet sich auf das Unveränderliche.
Herkunft der Daten: Gerüst der Landkarte (Version 6), Klassisches Athen. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Platon
- [1]Wikipedia, Plato · Wikipedia
- [2]Internet Encyclopedia of Philosophy: plato · Internet Encyclopedia of Philosophy
- [3]Britannica, Plato · Britannica
- [4]Stanford Encyclopedia of Philosophy: plato-metaphysics · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [5]Stanford Encyclopedia of Philosophy: plato-ethics-politics · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [6]Wikipedia (de): Politeia · Wikipedia
- [7]Stanford Encyclopedia of Philosophy: plato · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [8]Wikipedia (de): Platon · Wikipedia