Arkesilaos von Pitane
um 315–241 v. Chr. · Pitane (Äolien), lehrte in Athen
- Strömung
- Hellenismus: Stoa und Epikur
- Kants Fragen
- Was kann ich wissen? (Deutung)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
- Eigener Eintrag
- Stanford Encyclopedia of Philosophy
Leiter der Akademie, der sie zur skeptischen Schule machte und die Stoiker kritisierte.
Er führt die Akademie in eine skeptische Phase und streitet mit Zenon und den Stoikern. Zuvor hörte er bei Theophrast Rhetorik, bevor er zu Platons Akademie wechselte.
Kernidee
Arkesilaos hielt es für unvernünftig, einer Behauptung sicher zuzustimmen, weil kein Eindruck so sicher ist, dass er die Wahrheit verbürgt. Er wandte dies gegen die Stoiker, die genau solche sicheren Eindrücke annahmen. Handeln sei trotzdem möglich, weil man sich am Vernünftigen orientieren kann.
Bekannt für
Man kennt ihn als Begründer der Akademischen Skepsis. Er bohrt gezielt in die Behauptung der Stoiker, es gebe sichere Erkenntnis.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Kein sicherer Eindruck
Arkesilaos argumentiert, dass es keine Wahrnehmung gibt, die so sicher ist, dass sie nicht auch falsch sein könnte. Den Stoikern wirft er vor, dass sie dann folgerichtig keiner Wahrnehmung zustimmen dürften. In der Praxis erkennst du das, wenn eine überzeugende Zahl im Quartalsbericht sich später als Messfehler erweist.
Zustimmung zurückhalten
Wenn kein Eindruck sicher ist, folgt für ihn, dass man sein Urteil für alles zurückhalten soll. Meinungen zu vertreten, ohne sicher zu sein, sei vernunftwidrig. Für Führung heißt das: Wer eine Entscheidung vorbereitet, darf offen sagen, was er nicht weiß.
Handeln nach dem Vernünftigen
Gegen den Einwand, wer nichts glaube, könne nicht handeln, verwies er auf das Vernünftige als Wegweiser. Man kann also handeln, ohne etwas für gewiss zu halten. Im Alltag entscheidest du ohnehin meist auf Grundlage dessen, was plausibel ist, nicht dessen, was bewiesen ist.
Begriffe
- Skepsis
- Zurückhaltung im Urteil (Enthaltung der Zustimmung)
- Wahrnehmung
- das Vernünftige
Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner
Lehrer
- Theophrast: bei ihm hörte er zunächst Rhetorik
- Krantor, Polemon und Krates: Lehrer in der Akademie
Gegner
- Zenon von Kition und die Stoiker: Streit über sichere Erkenntnis
Verbindungen im Netz
2 Verbindungen, davon 2 noch nicht einzeln geprüft. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Lehrer und Schüler
Persönliches Lehrverhältnis.
Schüler von Theophrast von Eresosungeprüft
Bei ihm studierte er zunächst Rhetorik.
Baut auf
Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
baut auf Platonungeprüft
Er leitete Platons Akademie und gab ihr eine skeptische Ausrichtung.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Zeitgeschehen Deutung
In Athen stehen die Schulen des Hellenismus im Wettbewerb, besonders Stoa und Akademie. Arkesilaos schärft sein Profil an Zenon.[2]
Abhängigkeit belegt
Er stand im Austausch mit dem Pyrrhoneer Timon von Phleius, dessen Philosophie ihn beeinflusst haben dürfte.[2]
Biografie belegt
Er war mehr als 25 Jahre Leiter der Akademie und wurde von den Athenern geachtet.[1]
Kritik
Die Stoiker hielten dagegen, dass man ohne Zustimmung nicht handeln kann. Es bleibt umstritten, ob er die Skepsis wirklich selbst vertrat oder nur gegen die Stoiker einsetzte, und seine Antworten sind nur kurz überliefert.
Wirkung heute
Seine Haltung, Behauptungen nur dann zuzustimmen, wenn sie es wert sind, ist eine Grundlage wissenschaftlichen Denkens. Der Gedanke, dass man auch ohne Gewissheit vernünftig handeln kann, trägt jede Entscheidung unter Unsicherheit.
Brücke zu Führung und Coaching
Gerade in Strategieprozessen wird oft so getan, als gäbe es sichere Prognosen. Frage das Team: Welche Annahme in unserem Plan halten wir für sicher, und was würde passieren, wenn sie falsch ist? Das schafft Raum, bevor Entscheidungen gefallen sind.
Lebensstationen
- 315 v. Chr.Geburt in Pitane (ungefähr)
- 295 v. Chr.Wendet sich von der Rhetorik zur Philosophie der Akademie (ungefähr)
- 268 v. Chr.Wird nach dem Tod des Krates Leiter der Akademie (ungefähr)
- 241 v. Chr.Tod in Athen (ungefähr)
Werke
Seine Lehre ist vor allem durch Berichte anderer überliefert, etwa bei Cicero und Sextus Empiricus. Eigene Schriften habe ich nicht nachgewiesen.
Anekdote überliefert
Nach Diogenes Laertios starb Arkesilaos wie sein Nachfolger Lakydes an übermäßigem Weingenuss. Die Wikipedia vermerkt, dass andere Zeugen und seine eigenen Lehren dagegensprechen.[2]
Lesetipps
- Einstieg
- Platon, Der Staat (Krapinger, Reclam 2017), als Grundtext der Akademie; von Arkesilaos selbst sind in meinen Quellen keine Texte genannt.
- Vertiefung
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, Eintrag „Arcesilaus“ (online).
Noch nicht sicher belegt
- Geburtsjahr schwankt (SEP 315/4, Wikipedia 316/5). Die Überlieferung seines Todes durch Wein ist unsicher. Ob und welche Schriften er hinterließ, habe ich nicht geprüft.
Herkunft der Daten: Klassisches Athen. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Arkesilaos
- [1]Stanford Encyclopedia of Philosophy, Arcesilaus · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [2]Wikipedia, Arcesilaus · Wikipedia