Landkarte der Philosophie

Albert Ellis

1913–2007 · USA, wirkte in New York (Albert Ellis Institute)

Strömung
Gegenwart: Gerechtigkeit und Ethik
Kants Fragen
Was ist der Mensch? · Was soll ich tun? (Deutung)
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

Der Psychologe, der mit der Rational-Emotiven Verhaltenstherapie eine Vorform der kognitiven Verhaltenstherapie schuf und die Stoiker ausdrücklich als Quelle nannte.

Ellis ist die Brücke von den Stoikern in die moderne Psychotherapie. Er selbst nannte die Stoa, besonders Epiktet und Mark Aurel, als Einfluss, aber auch andere Quellen und eigene Erfahrungen.

Kernidee

Ellis vertritt, dass emotionale Probleme vor allem von unseren Überzeugungen kommen und nicht direkt von den Ereignissen. Eine Therapie soll diese Überzeugungen aufdecken, prüfen und verändern. Dabei ist er aktiv und direkt, also gibt er dem Klienten klare Rückmeldungen.

Bekannt für

Er gilt als Begründer der REBT und als einer der Vorreiter der kognitiven Verhaltenstherapie. Bekannt ist auch, dass er viele populäre Selbsthilfebücher schrieb.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Überzeugungen statt Ereignisse

Nach Ellis entstehen emotionale Störungen vor allem durch Überzeugungen, nicht durch die Ereignisse selbst. Er brachte Klienten oft den Satz aus Epiktets Handbüchlein bei, dass nicht Ereignisse, sondern Urteile uns beunruhigen. Wenn du nach einer Absage frustriert bist, fragt ein REBT-Berater: Welche Überzeugung steckt dahinter, etwa „Ich darf nie scheitern“?

Aktiv und direkt arbeiten

Ellis war dafür bekannt, Klienten offen zu sagen, was an ihren Überzeugungen unlogisch oder selbstschädigend ist. Er verlangte, dass sie das Verstandene auch umsetzen. In Coachings kann das heißen, eine Annahme nicht nur zu besprechen, sondern bis zum nächsten Termin im Alltag zu testen.

Denken, Fühlen und Handeln zusammen

In den 1990er Jahren nannte er seine Methode Rational-Emotive Verhaltenstherapie, um die Verbindung von Denken, Fühlen und Handeln zu betonen. Ein Plan für eine Verhaltensänderung braucht daher alle drei Ebenen. Wenn du ein Team zu mehr Offenheit bringen willst, reichen Appelle nicht: Es braucht eine neue Überzeugung, ein Gefühl der Sicherheit und eine konkrete Übung.

Begriffe

Rational-Emotive Verhaltenstherapie (REBT)
irrationale Überzeugungen
aktiv-direktive Therapie
Selbstakzeptanz

Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner

Gegner

  • Psychoanalyse: Ellis brach bis Januar 1953 mit ihr

Verbindungen im Netz

3 Verbindungen, davon 3 noch nicht einzeln geprüft. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Baut auf

Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • baut auf Epiktetungeprüft

    Ellis nennt Epiktet als eine seiner Quellen und lehrte Klienten dessen Satz über Urteile.

  • baut auf Lucius Annaeus Senecaungeprüft

    Ellis hatte nach den Quellen schon in der Jugend Epiktet, Seneca und Mark Aurel gelesen.

  • baut auf Mark Aurel (Marcus Aurelius)ungeprüft

    Ellis nannte Epiktet und Mark Aurel ausdrücklich als Einfluss (Ellis 1962, S. 35, nach Robertson).

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Zeitgeschehen belegt

    Als er 1955 seine Methode vorstellte, wurde das Feld laut seiner eigenen Aussage von Psychoanalytikern und Behavioristen beherrscht. Er führt seine Methode darauf zurück, dass er stärker von Philosophen als von Therapeuten beeinflusst war.[2]

  • Abhängigkeit Deutung

    Ellis gründete das Albert Ellis Institute in New York und leitete es. Ein eigenes Institut mit Ausbildung und Büchern könnte die Darstellung der REBT als besonders effizient gefärbt haben.[1]

Kritik

Das Albert Ellis Institute räumt selbst ein, dass seine Selbstsicherheit manchen als Arroganz erschien, wenn er Klienten sagte, was rational sei und was nicht. Ellis schrieb auch, er sei „hoffentlich kein frommer REBTer“, da die Methode nicht für jeden eine Heilung sei. Debbie Joffe Ellis weist darauf hin, dass REBT oft fälschlich als Ableger der kognitiven Verhaltenstherapie gesehen wird, obwohl sie ihr zeitlich vorausging.

Wirkung heute

REBT gilt als erste Form der kognitiven Verhaltenstherapie, und viele heutige kognitive Verfahren stehen in ihrer Tradition. Der Gedanke, eigene Überzeugungen zu prüfen, ist zentrales Werkzeug in Coaching und Training.

Brücke zu Führung und Coaching

Mit Ellis kannst du Teams helfen, Verhalten auf Überzeugungen zurückzuführen. Frage in der nächsten Konfliktsituation: Welche Regel, die ich für selbstverständlich halte („Man muss immer erreichbar sein“), steckt hinter meiner Reaktion? Prüfe danach gemeinsam, ob sie stimmt und ob sie dir nützt.

Lebensstationen

  1. 1913Geboren
  2. 1953Bruch mit der Psychoanalyse, nennt sich rationaler Therapeut
  3. 1955Stellt seine rationale Therapie vor
  4. 1962Reason and Emotion in Psychotherapy erscheint
  5. 1994Überarbeitet dieses Buch, Mitte der 1990er Umbenennung in REBT
  6. 2007Gestorben in New York

Werke

Reason and Emotion in Psychotherapy (1962, überarbeitet 1994); A Guide to Rational Living (mit Robert A. Harper, 3. überarbeitete Auflage 1997); The Road to Tolerance (2004); autobiografisch All Out! (2009).

Anekdote belegt

Ellis brachte seinen Klienten oft schon in der ersten Phase der Therapie den Satz aus Epiktets Handbüchlein bei, dass nicht Ereignisse, sondern Urteile über Ereignisse uns beunruhigen.[3]

Lesetipps

Einstieg
Albert Ellis und Robert A. Harper: A Guide to Rational Living (3. überarbeitete Auflage 1997, englisch)
Vertiefung
Donald J. Robertson: Stoic Philosophy as a Cognitive-Behavioral Therapy (Beitrag auf donaldrobertson.name, 2019)

Noch nicht sicher belegt

  • Zur Verbindung mit Epiktet: Belegt ist, dass Ellis die Stoiker, besonders Epiktet und Mark Aurel, selbst als Einfluss nannte (Ellis 1962, S. 35, zitiert bei Robertson), dass er als Jugendlicher Epiktet, Seneca und Mark Aurel gelesen hatte (Still und Dryden, nach Robertson) und dass das Albert Ellis Institute die Wurzeln der REBT bei Epiktet sieht. Wikipedia nennt als weitere Einflüsse Korzybski, Horney, Adler und andere. Wie stark Epiktet die konkrete Methode im Einzelnen prägte, belegen die Quellen nicht, sie belegen nur Ellis' eigene Aussagen. Geburtsort und Institutsgründungsjahr nicht geprüft. Der Wortlaut des Zitats von Ellis über „fromme REBTer“ wurde aus der Wikipedia sinngemäß übernommen. Zitat nicht aufgenommen. Die Aussage von Debbie Joffe Ellis ist eine Selbstbeschreibung aus dem Umfeld des Instituts.

Wege durchs Netz

Herkunft der Daten: Stoa und Epikur. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.

Quellen zu Ellis

  1. [1]Albert Ellis (Wikipedia) · Wikipedia
  2. [2]REBT Network: Albert Ellis' Philosophical Revolution · Webseite
  3. [3]Donald J. Robertson: Stoic Philosophy as a Cognitive-Behavioral Therapy · Webseite
  4. [4]albertellis.org/about-albert-ellis-phd · Webseite
  5. [5]modernstoicism.com/rational-emotive-behavior-therapy-rebt-and-stoicism-a-workshop-by-debbie-joffe-ellis · Webseite

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