Pierre Hadot
1922–2010 · Reims, wirkte in Paris (Collège de France)
- Strömung
- Gegenwart: Gerechtigkeit und Ethik
- Kants Fragen
- Was soll ich tun? · Was ist der Mensch? (Deutung)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Der Philosophiehistoriker, der antike Philosophie als Lebensweise und Folge geistiger Übungen deutet und damit die heutige Stoa-Rezeption prägt.
Er macht Epiktets drei Übungsfelder zum Schlüssel für Mark Aurels Selbstbetrachtungen. Seine Ehefrau Ilsetraut Hadot ist als Seneca-Forscherin in der Stanford-Enzyklopädie genannt.
Kernidee
Hadot behauptet, dass antike Philosophie vor allem ein Weg war, Menschen zu verändern. Schulen wie die Stoa boten Übungen wie Dialog, Meditation und Betrachtung, mit denen man sein Leben formte. Die heutige akademische Philosophie habe diese praktische Seite weitgehend verloren.
Bekannt für
Er ist bekannt für die These, dass antike Philosophie eine Lebensweise war. Dieser Gedanke beeinflusste auch Michel Foucault und die moderne Stoa-Bewegung.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Philosophie als Lebensweise
Hadot nennt die antike Philosophie ein „bios“, eine Art zu leben. Ihre Ziele waren, Lernende zu formen und nicht nur zu informieren. Ein Führungskräfte-Seminar, das nur Wissen vermittelt, wäre für ihn nur halb so wirksam wie eines mit regelmäßigen Übungen.
Geistige Übungen
Die Übungen reichen laut der Internet Encyclopedia of Philosophy von Dialogformen über meditative Betrachtung bis zu theoretischer Kontemplation. Hadot hält den Begriff „spirituell“ für den besten verfügbaren. Wenn du jeden Morgen fünf Minuten über den Tag nachdenkst, ist das nach Hadot eine solche Übung.
Mark Aurel als Übungsbuch
Hadot liest die Selbstbetrachtungen als Folge von Übungen, die Epiktets drei Übungsfelder (Wünsche, Handeln, Zustimmung) anwenden. Das Buch wirkt so weniger zufällig. Auch ein privates Notizbuch eines Chefs kann als solches Übungsfeld dienen.
Begriffe
- Philosophie als Lebensweise (bios)
- geistige Übungen
- kosmische Perspektive
- drei Übungsfelder
Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner
Lehrer
- Paul Henry: betreute seine Doktorarbeit
Freunde
- Ilsetraut Hadot: Ehefrau seit 1966, Philosophiehistorikerin
Verbindungen im Netz
3 Verbindungen, davon 3 noch nicht einzeln geprüft. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Baut auf
Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
baut auf Epiktetungeprüft
Hadot erklärt Mark Aurels Notizen mithilfe von Epiktets drei Übungsfeldern.
baut auf Mark Aurel (Marcus Aurelius)ungeprüft
Hadot deutet Mark Aurels Notizen als Folge geistiger Übungen.
Im Vergleich
Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.
im Vergleich mit Lucius Annaeus Senecaungeprüft
Ehefrau Ilsetraut Hadot ist in der Seneca-Forschung zu Brief 94 und 95 zitiert.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie Deutung
Hadot wurde 1944 zum katholischen Priester geweiht und verließ das Priesteramt 1950. Sein Begriff „geistige Übungen“ könnte aus dieser christlichen Prägung stammen.[2]
Abhängigkeit belegt
Er war ab 1982 Professor am Collège de France für die Geschichte des hellenistischen und römischen Denkens. Das gab seiner These eine große Plattform.[1]
Kritik
In den von mir abgerufenen Quellen stehen keine ausgearbeiteten Einwände. Ein naheliegender Punkt ist, dass der Begriff „spirituell“ auf manche Leser abschreckend wirkt, was Hadot selbst einräumt, ohne einen besseren Begriff zu finden (so die Zusammenfassung in einem Philosophie-Blog). Die Einwände sollten vor Veröffentlichung ergänzt werden.
Wirkung heute
Hadots Sicht auf antike Philosophie als Übungsweg ist Grundlage vieler heutiger Stoa-Angebote. Sie hat auch Foucaults Beschäftigung mit der „Sorge um sich“ beeinflusst.
Brücke zu Führung und Coaching
Hadot hilft dir, Coaching nicht als Wissensvermittlung, sondern als Übungsweg zu planen. Frage am Ende eines Workshops: Welche kleine Übung nehmt ihr mit, und wann macht ihr sie das nächste Mal? Frage dich selbst: Welche Übung trainiere ich regelmäßig, ohne dass mich jemand dazu zwingt?
Lebensstationen
- 1922Geboren in Reims
- 1944Zum katholischen Priester geweiht
- 1950Verlässt das Priesteramt
- 1982Professor am Collège de France (Lehrstuhl für hellenistisches und römisches Denken)
- 1992La Citadelle intérieure über Mark Aurel erscheint
- 2010Gestorben in Orsay
Werke
Exercices spirituels et philosophie antique (1981; englisch Philosophy as a Way of Life, 1995); La Citadelle intérieure (1992, englisch The Inner Citadel, 1998); Qu'est-ce que la philosophie antique? (1995, englisch What is Ancient Philosophy?, 2002).
Anekdote belegt
Hadot wurde 1944 zum Priester geweiht und verließ das Amt 1950, nachdem Papst Pius XII. die Enzyklika Humani generis veröffentlicht hatte. Danach wandte er sich der Erforschung der antiken Philosophie zu.[2]
Lesetipps
- Einstieg
- Pierre Hadot: Philosophie als Lebensform. Antike und moderne Exerzitien der Weisheit (französisch 1981), Fischer Taschenbuch
- Vertiefung
- Pierre Hadot: Qu'est-ce que la philosophie antique? (1995), englisch What is Ancient Philosophy? (2002)
Noch nicht sicher belegt
- Zum Verhältnis von Hadot zu Foucault und zur Kritik an Hadot habe ich nur kurze Hinweise gesehen. Das Jahr der deutschen Ausgabe von Philosophie als Lebensform wurde nicht geprüft (nur das Erscheinen bei Fischer Taschenbuch). Die Herleitung des Begriffs „geistige Übungen“ aus der Priesterzeit ist Deutung. Kritik-Abschnitt dünn belegt. Zitat weggelassen.
Wege durchs Netz
Von der Seelenheilkunde zur Verhaltenstherapie
Hadot: Antike Philosophie war vor allem eine Folge geistiger Übungen.
Herkunft der Daten: Stoa und Epikur. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Hadot
- [1]Internet Encyclopedia of Philosophy: Hadot · Internet Encyclopedia of Philosophy
- [2]Pierre Hadot (Wikipedia) · Wikipedia
- [3]Internet Encyclopedia of Philosophy: Marcus Aurelius · Internet Encyclopedia of Philosophy
- [4]Stanford Encyclopedia of Philosophy: Seneca · Stanford Encyclopedia of Philosophy