Carl Gustav Hempel
Philosoph · 1905–1997 · Oranienburg, Berlin, Brüssel, New York, Yale, Princeton, Pittsburgh
Kernidee in Kürze
Hempel erklärte, wann eine wissenschaftliche Erklärung gut ist: Ein Ereignis ist erklärt, wenn man es aus allgemeinen Gesetzen und Anfangsbedingungen logisch ableiten kann. Er zeigte außerdem, dass das Sinnkriterium des logischen Positivismus zu streng ist.
- Kapitel
- Analytische Philosophie und Wissenschaftstheorie (redaktionell)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
- Fachlexikon
- Eigener Artikel in der Stanford Encyclopedia of Philosophy
Vertiefung
Zum Einstieg
Wann hast Du etwas wirklich erklärt und nicht nur beschrieben?
- Position
- Dieselbe Form gilt für Vorhersagen und Rückschauen.
- Einwand
- Die Stanford Encyclopedia of Philosophy berichtet von Einwänden gegen die Symmetriethese und gegen die Bedingungen für Gesetzesartigkeit. Hempel selbst überarbeitete seine Position mehrfach.
- Verbindung
- Hempel führt vom logischen Positivismus zum logischen Empirismus und zu den späteren Debatten über Erklärung und Bestätigung.
Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen
Wer Hempel war
Deutsch-amerikanischer Philosoph des logischen Empirismus, der das Modell der Erklärung durch allgemeine Gesetze entwarf und die Schwächen des Verifikationsprinzips aufzeigte.
Hempel war nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy an der Verwandlung des logischen Positivismus in den vorsichtigeren logischen Empirismus beteiligt, gemeinsam mit Carnap und Reichenbach. Seine Erklärungslehre galt in den 1950er und 1960er Jahren als Standardmodell. Später wurde sie von vielen kritisiert.
Kernidee genauer
Nach diesem Kriterium ist ein Satz über die Welt nur sinnvoll, wenn er sich aus endlich vielen Beobachtungen vollständig nachweisen lässt, und damit würden auch allgemeine wissenschaftliche Gesetze sinnlos. Mit dem Rabenparadox machte er sichtbar, dass die Frage, was eine Theorie bestätigt, überraschende Folgen hat.
Biografischer Moment
Belegter Einfluss Die angegebenen Quellen dokumentieren, dass dieses Erlebnis das Denken beeinflusst hat. Belegt heißt dokumentiert, nicht bewiesen.
Hempel kam nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy über Reichenbach zu Carnap und war von der Idee überzeugt, dass die Anwendung symbolischer Logik viele philosophische Probleme lösen könne, darunter die Trennung echter von bloß scheinbaren Problemen.[1]
Fundstelle: Abschnitt 1
Bekannt für
Man kennt Hempel für das Rabenparadox und für das Modell der Erklärung durch Gesetze. Ein Alltagsbeispiel ist die Frage, ob ein Vorfall im Betrieb erklärt ist, wenn Du aus einer Regel und den Umständen vorhersagen kannst, dass er eintreten musste.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Erklärung durch Gesetze
In einem Betrieb entspricht das der Frage, aus welcher Regel und welchen Anfangsbedingungen ein Ausfall folgt. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy zeigt, dass diese Lehre später auf viele Einwände stieß.
Das Rabenparadox
Hempel zeigte, dass zwei einleuchtende Annahmen über Bestätigung zu einem merkwürdigen Ergebnis führen. Wenn ein schwarzer Rabe die Aussage „Alle Raben sind schwarz“ bestätigt und logisch gleichwertige Aussagen dieselben Beobachtungen bestätigen, dann bestätigt auch ein weißer Schuh diese Aussage. Das ist die Kernaussage des Paradoxes, und sie macht deutlich, wie schwer es ist, Bestätigung genau zu fassen. Beim Prüfen einer Behauptung in Deinem Team hilft Dir das, die Beispiele kritisch zu wählen.
Kritik am Verifikationsprinzip
Hempel zeigte in den Jahren 1950 und 1951, dass das Kriterium, nur Verifizierbares sei sinnvoll, nicht haltbar ist. Es macht Aussagen über Gott sinnlos, was erwünscht war, trifft aber auch allgemeine Gesetze, die das Hauptziel der Wissenschaft sind. Im Alltag kennst Du das Muster, wenn ein Kriterium, das Unsinn aussortieren soll, auch die besten Ideen aussortiert.
Explikation
Hempel verstand Philosophie als Klärung unscharfer Begriffe. Eine Explikation nimmt ein vages Wort und ersetzt es durch einen genauen Begriff, der drei Anforderungen erfüllt: Er ist syntaktisch bestimmt, semantisch passend und pragmatisch nützlich. Als Beispiel nennt die Stanford Encyclopedia of Philosophy das Wort Wahrscheinlichkeit. In einem Unternehmen entspricht das dem Klären von Wörtern wie „Erfolg“, bevor man darüber streitet.
Begriffe
- Hempel-Oppenheim-Schema
- deduktiv-nomologische Erklärung
- Rabenparadox
- Sinnkriterium
- Explikation
- logischer Empirismus
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
3 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 3 belegt). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Lehrer
Persönliches Lehrverhältnis: hat Hempel unterrichtet.
Hans ReichenbachPrüfstand: belegt
Hempel studierte ab 1925 in Berlin bei Hans Reichenbach, der ihn mit Carnaps Arbeiten bekannt machte und ihm 1929 ein Semester in Wien empfahl. Reichenbach betreute auch seine Doktorarbeit, bis er 1933 seinen Lehrstuhl verlor; offiziell begutachteten sie dann Wolfgang Köhler und Nicolai Hartmann.
Persönlich verbunden
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
Moritz SchlickPrüfstand: belegt
Hempel verbrachte 1929 ein Semester in Wien und studierte dort unter anderem bei Moritz Schlick, einem Mitglied des Wiener Kreises; ein Einfluss Schlicks auf Hempels Lehre wird nicht genannt.
Übernimmt Gedanken von
Hempel übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
Rudolf CarnapPrüfstand: belegt
Hempel übernahm von Carnap die Methode der Explikation und die Teildefinition durch Reduktionssätze, um das Problem der Dispositionsbegriffe zu lösen.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
Hempel wurde 1905 in Oranienburg bei Berlin geboren und studierte Philosophie, Physik und Mathematik in Göttingen, Heidelberg und Berlin. In Berlin studierte er bei Hans Reichenbach, der ihn mit den Arbeiten Rudolf Carnaps bekannt machte. 1929 verbrachte er auf dessen Rat ein Semester in Wien bei Carnap, Schlick und Waismann.[1]
Zeitgeschehen belegt
Mit dem Machtgewinn Hitlers zog Hempel, der nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy nicht jüdisch war, aber das Regime nicht unterstützte, nach Brüssel und arbeitete dort mit Paul Oppenheim zusammen. Nach Wikipedia war seine Frau jüdischer Herkunft. Er war 1937 und 1938 an der Universität von Chicago und hatte ab 1939 am City College of New York seine erste akademische Stelle. Später wurde er Staatsbürger der Vereinigten Staaten.[2]
Biografie belegt
Nach dem City College of New York lehrte Hempel in Yale und ab 1955 in Princeton, wo sein Ansatz laut der Stanford Encyclopedia of Philosophy die Wissenschaftsphilosophie beherrschte. Nach seiner Emeritierung 1973 lehrte er von 1977 bis 1985 an der Universität Pittsburgh. Er starb am 9. November 1997 in einem Pflegeheim bei Princeton.[2]
Kritik
Die Stanford Encyclopedia of Philosophy nennt mehrere Einwände gegen Hempels Erklärungsmodell, unter anderem die Symmetriethese, nach der jede gute Erklärung auch eine mögliche Vorhersage ist, und umgekehrt. Hempel hat selbst die Schwächen früherer Positionen eingeräumt. Das Rabenparadox selbst wird von der Stanford Encyclopedia of Philosophy als sein umstrittenstes Argument bezeichnet.
Wirkung heute
Die Stanford Encyclopedia of Philosophy stellt fest, dass Hempels Ansatz mehr als eine Generation von Wissenschaftsphilosophen beeinflusste. Seine Einführung „Philosophy of Natural Science“ wurde in zehn Sprachen übersetzt.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Wenn Du erklären sollst, warum ein Projekt gescheitert ist, kannst Du mit Hempel prüfen, ob Deine Erklärung eine allgemeine Regel und die konkreten Umstände nennt, aus denen das Ergebnis folgt. Ein Beispiel ist die Aussage „Das Team war überlastet“, die nur erklärt, wenn auch eine Regel wie „Überlastete Teams liefern zu spät“ dahintersteht. Das ist eine Übertragung und keine Aussage Hempels über Führung.
Lebensstationen
- 1905Geburt in Oranienburg bei Berlin (8. Januar)
- 1925Studium an der Universität Berlin bei Hans Reichenbach
- 1929Ein Semester an der Universität Wien bei Carnap, Schlick und Waismann
- 1948„Studies in the Logic of Explanation“ mit Paul Oppenheim erscheint
- 1955Wechsel nach Princeton
- 1997Tod am 9. November bei Princeton
Werke
Studies in the Logic of Confirmation (1945); Studies in the Logic of Explanation (1948); Aspects of Scientific Explanation (1965)
Lesetipps
- Einstieg
- Carl G. Hempel, Philosophy of Natural Science (1966), eine kurze Einführung, die laut der Stanford Encyclopedia of Philosophy in zehn Sprachen übersetzt wurde.
- Vertiefung
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Carl Hempel“
Noch nicht sicher belegt
- Zur Emigration weichen die Quellen ab: Die Stanford Encyclopedia of Philosophy nennt Brüssel und danach zwei Aufenthalte in den Vereinigten Staaten (Chicago 1937 bis 1938, City College of New York 1939 bis 1940 als erste akademische Stelle). Die englische Wikipedia nennt für 1937 die Auswanderung als Carnaps Assistent nach Chicago und das City College von 1939 bis 1948, die deutsche Wikipedia nennt 1939 als Jahr der Emigration, das City College und das Queens College von 1940 bis 1948 sowie als Grund die jüdische Ehefrau Eva Ahrends. Der Steckbrief folgt der Stanford Encyclopedia of Philosophy. Als Geburtsort nennen die deutsche und englische Wikipedia Oranienburg, die Stanford Encyclopedia of Philosophy sagt „bei Berlin“; beides passt zusammen. Nach Berlin kam er nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy 1925, nach der deutschen Wikipedia 1924. Das Ende in Princeton 1973 war nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy eine Pflichtemeritierung, die deutsche Wikipedia nennt 1974; die Jahre in Pittsburgh (1977 bis 1985) stammen aus der englischen Wikipedia. Verbindungen zu Kuhn, Popper, Quine und Ayer sind nicht eingetragen, weil der Eintrag sie nur am Rand nennt. Die Verbindung zu Schlick belegt das Studium bei ihm im Herbstsemester 1929, einen Einfluss belegt sie nicht. Der Abschnitt zur Kritik fasst die Abschnitte 5.1 bis 5.3 des Eintrags zusammen, ohne einzelne Kritiker zu nennen. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy schreibt Waismanns Vornamen „Frederick“. Das Jahr der deutschen Ausgabe „Aspekte wissenschaftlicher Erklärung“ (1977) stützt sich nur auf die deutsche Wikipedia.
Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 1: Wissenschaftstheorie, Logik und Sprache. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen
Quellen zu Hempel
- [1]Carl Hempel, Abschnitt 1 · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [2]SEP, Carl Hempel, Abschnitt 1; Wikipedia en, Carl Gustav Hempel
- [3]Carl Gustav Hempel · Wikipedia