Henry More
1614–1687 · Cambridge
- Strömung
- Rationalismus
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
- Eigener Eintrag
- Stanford Encyclopedia of Philosophy
Cambridge-Platoniker, der Descartes zuerst als Vorbild feierte, dann bekämpfte, und der Anne Conway in Philosophie unterrichtete.
More führt Descartes in Cambridge ein und wird dann sein Kritiker, weil er im Cartesianismus den Weg zum Atheismus sieht. Mit Cudworth bildet er den Kern der Cambridge-Platoniker, und seine Schülerin Anne Conway entwickelt eine Philosophie, die sich gegen ihn und Descartes richtet.
Kernidee
More will mit den Mitteln der neuen mechanischen Physik zeigen, dass es unkörperliche Geistwesen und damit Gott gibt. Weil Materie und Bewegung allein nicht alles erklären, setzt er zwischen Gott und Welt einen Geist der Natur ein. Auch den unendlichen Raum hält er für etwas, das Eigenschaften Gottes teilt.
Bekannt für
More gilt als der bekannteste Kopf der Cambridge-Platoniker und als einer der frühesten Wegbereiter des Cartesianismus in England. Er soll das Wort Cartesianismus geprägt haben, und sein Briefwechsel mit Descartes von 1648/49 ist bis heute Lesestoff.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Geist der Natur
More sieht, dass Bewegung und Stoß von Körpern nicht erklären, warum Himmelskörper rund sind oder wie Pflanzen wachsen. Er nimmt dafür einen unkörperlichen, ordnenden Geist der Natur an, der als Mittler zwischen Gott und Welt wirkt. Das gleicht einer Projektleitung, die nicht jeden Handgriff selbst tut, aber dafür sorgt, dass alles auf das Ziel zuläuft.
Geist ist ausgedehnt, Raum ist göttlich
Gegen Descartes behauptet More, auch Geistwesen nähmen Raum ein, sonst wären sie ein Nichts, das nichts bewirken kann. Den unendlichen Raum versteht er als Abbild unkörperlicher Wirklichkeit, der einige Eigenschaften Gottes teilt. Für heutige Leser klingt das fremd, es zeigt aber, wie eng Raum, Geist und Gott damals zusammengedacht wurden.
Vernünftige Religion
More wendet sich schon als Schüler gegen die Lehre von der Vorherbestimmung, weil ein gerechter Gott sie nicht wollen kann. Er will einen Glauben bauen, der der Vernunft standhält und Gott als vollkommen gut zeigt. Eine Führungskraft kann das als Maßstab nehmen: Eine Regel, die sich nicht fair begründen lässt, sollte nicht gelten.
Begriffe
- Cambridge-Platonismus
- Geist der Natur
- unkörperliche Substanz
- Raum und Gott
- Cartesianismus
- rationale Theologie
Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner
Schüler
- Anne Conway: More unterrichtete sie in Philosophie, besonders im Cartesianismus
- George Rust und Joseph Glanvill: Anhänger seiner Lehre
Freunde
- Ralph Cudworth: Freund und Kollege in Cambridge, mit ähnlicher Philosophie
- Anne Conway: aus der Lehrer-Schüler-Beziehung wurde Freundschaft unter Gleichen
Gegner
- Thomas Hobbes: More wirft ihm Materialismus, Determinismus und Sterblichkeit der Seele vor
- Spinoza: More sieht in ihm einen Atheisten, der den Cartesianismus ins Extrem treibt
- Descartes: More lehnt dessen Gleichsetzung von Materie und Ausdehnung ab
Verbindungen im Netz
5 Verbindungen, davon 1 noch nicht einzeln geprüft. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Lehrer und Schüler
Persönliches Lehrverhältnis.
Lehrer von Anne ConwayDeutung
More unterrichtete sie brieflich, später setzte sie ihre Lehre in Opposition zu seiner (SEP).
Baut auf
Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
baut auf René DescartesDeutung
More las 1646 Descartes' Principia, lehrte die mechanische Philosophie und wandte sich dann gegen sie (SEP).
Kritik
Kritik an einer bestimmten These. Ein persönlicher Streit ist damit nicht gemeint.
kritisiert Baruch de SpinozaDeutung
More schrieb zwei Angriffe auf Spinoza und sah in ihm einen Atheisten (SEP).
Persönlicher Kontakt
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
persönlich verbunden mit Ralph CudworthDeutung
Zwischen plastischer Natur und Mores Naturgeist bestehen laut SEP starke Verwandtschaften.
Im Vergleich
Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.
im Vergleich mit Elisabeth von der Pfalz, Prinzessin von Böhmenungeprüft
Hutton untersucht laut SEP ihre Verbindungen zu Henry More und dessen Umfeld; Umfang der Beziehung nicht näher belegt.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Zeitgeschehen belegt
More hatte sich zur Zeit des Protektorats auf die Seite des Commonwealth gestellt und geriet nach der Rückkehr der vertriebenen Fellows in Cambridge in eine heikle Lage. Seine Latitudinarier-Haltung, also eine weitherzige, vernunftbetonte Frömmigkeit, galt Konservativen als verdächtig.[1]
Abhängigkeit belegt
Die Familie Conway war nach der Restauration ein mächtiger Förderer. Lord Conway besorgte ihm ein Bistum in Irland, More blieb aber lieber in Cambridge.[1]
Biografie Deutung
Die SEP berichtet von einem Hang More zur religiösen Begeisterung, die er selbst als einen natürlichen Zug von Schwärmerei beschrieb. Ob seine rationale Theologie davon geprägt ist, ist eine Deutung.[1]
Kritik
Descartes antwortete More, dieser erfinde zusätzliche Prinzipien, die der Wahrheitssuche nur im Weg stünden. Boyle, Hooke, Sturm und Hale lehnten Mores Deutung der Experimente ab. Nach der SEP wirkt seine Philosophie dort schwach, wo religiöse Anliegen die philosophische Schärfe überdecken.
Wirkung heute
Mores Streit mit Descartes zeigt, wo die rein mechanische Erklärung an ihre Grenzen stößt und warum Raum und Geist in der Philosophie des 17. Jahrhunderts zusammenhingen. Sein Versuch, Religion durch Vernunft zu begründen, bleibt ein Muster rationaler Theologie.
Brücke zu Führung und Coaching
More fragt: Was erklärt dein Modell nicht? Nimm ein Kennzahlen-System, mit dem du dein Team führst, und suche die Vorgänge, die es nicht erfasst, etwa Vertrauen oder Stimmung. Wer die Grenzen des eigenen Modells kennt, führt klüger.
Lebensstationen
- 1614Geboren in Grantham, Lincolnshire
- 1631Tritt ins Christ's College in Cambridge ein
- 1641Wird Fellow des Christ's College
- 1646Liest Descartes' Principia philosophiae
- 1659Erscheint The Immortality of the Soul
- 1687Stirbt in Cambridge am 1. September
Werke
Psychodia Platonica (1642); An Antidote Against Atheism (1653); The Immortality of the Soul (1659); An Explanation of the Grand Mystery of Godliness (1660); Enchiridion Metaphysicum (1671)
Anekdote belegt
Lord Conway arrangierte für More ein Bistum in Irland und eine Pfründe in Worcester. More lehnte ab und blieb in Cambridge.[1]
Lesetipps
- Einstieg
- Henry More: The Immortality of the Soul (1659, auch in der Sammelausgabe von 1662), zeigt seinen Weg von Descartes weg; eine deutsche Übersetzung wurde nicht ermittelt
- Vertiefung
- Sarah Hutton (Hrsg.): Henry More (1614–1687). Tercentenary Studies, Kluwer/Springer, Dordrecht 1990
Noch nicht sicher belegt
- Zitate bewusst weggelassen (nur englische Originalpassagen). Britannica nennt den Briefwechsel mit Descartes 1648/49 als Quelle für The Immortality of the Soule, die SEP trennt beides; hier nur die SEP-Lesart. 'Soll das Wort Cartesianismus geprägt haben' stützt sich auf SEP More (is credited with inventing the word); der SEP-Eintrag zu Cudworth schreibt die Prägung dagegen Cudworth zu. Fellow des Christ's College: SEP 1641, Britannica und Wikipedia 1639 (hier SEP). An Antidote Against Atheism: SEP und Wikipedia 1653, Britannica 1652. Deutsche Übersetzung nicht ermittelt. Mores Rolle in der Enthusiasmus-Deutung ist Deutung. Prüfer: Lesetipp Sekundärliteratur auf Hutton 1990 geändert (Buch mit Verlag, Jahr und ISBN in Wikipedia belegt), statt des SEP-Eintrags.
Herkunft der Daten: Rationalismus. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu More
- [1]Stanford Encyclopedia of Philosophy: Henry More · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [2]Wikipedia (en): Henry More · Wikipedia
- [3]Britannica: Henry More · Britannica