Rosalind Hursthouse
Philosophin · geboren 1943 · Oxford, Milton Keynes, Auckland
Kernidee in Kürze
Hursthouse zeigt, dass eine Ethik, die bei den Tugenden ansetzt, auch sagen kann, was man tun soll. Ihre Antwort: Eine Handlung ist richtig, wenn ein tugendhafter Mensch sie in dieser Lage typischerweise tun würde, also so, wie es seinem Charakter entspricht.
- Kapitel
- Gegenwart (redaktionell)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Vertiefung
Zum Einstieg
Kann eine Ethik, die vom Charakter ausgeht, auch sagen, was man tun soll?
- Position
- Hursthouse meint ja.
- Einwand
- Offen bleibt, wie man begründet, welche Charakterzüge Tugenden sind, ohne die menschliche Natur wissenschaftlich überzubewerten.
- Verbindung
- Sie baut auf Aristoteles und auf Foot und Anscombe auf. Kant und Aristoteles vergleicht sie bei der Frage nach dem Motiv moralischen Handelns.
Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen
Wer Hursthouse war
Britisch-neuseeländische Philosophin, die in „On Virtue Ethics“ die Tugendethik im Anschluss an Aristoteles zu einer vollständigen Theorie des richtigen Handelns ausgebaut hat.
Hursthouse wuchs in Neuseeland auf, studierte in Oxford bei Philosophinnen, die die Tugendethik wiederbelebten, und lehrte lange an der Open University in England, bevor sie nach Auckland zurückkehrte. Mit ihrem Buch von 1999 gilt sie als eine der wichtigsten Vertreterinnen der gegenwärtigen Tugendethik.
Kernidee genauer
Dazu dienen Regeln, die aus den Namen von Tugenden und Lastern entstehen, zum Beispiel „Tu, was ehrlich ist“. Tugenden sind für sie Charakterzüge, die ein Mensch braucht, um gut zu leben, also um zu „gedeihen“, wie es das griechische Wort eudaimonia ausdrückt.
Biografischer Moment
Belegter Einfluss Die angegebenen Quellen dokumentieren, dass dieses Erlebnis das Denken beeinflusst hat. Belegt heißt dokumentiert, nicht bewiesen.
Hursthouse wurde in Oxford nach Wikipedia von Elizabeth Anscombe und Philippa Foot betreut, die ihre Freundinnen und Anreger blieben.[1]
Fundstelle: Abschnitt Leben
Bekannt für
Man kennt Hursthouse für „On Virtue Ethics“ und für ihren Aufsatz „Virtue Theory and Abortion“, der die Tugendethik auf eine praktische Streitfrage anwendet. Ein Alltagsbeispiel: Du fragst nicht nur, ob eine Entscheidung erlaubt ist, sondern auch, ob sie rücksichtslos oder feige wäre.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Tugendregeln geben Orientierung
Die vielen Wörter für Laster wie rücksichtslos, faul oder taktlos helfen dabei, schlechte Wege zu vermeiden. Ein Beispiel aus dem Alltag ist die Frage, ob eine Absage an eine Kollegin unehrlich oder rücksichtslos wäre.
Tugenden und gutes Leben
Nach dem Verlagstext von „On Virtue Ethics“ versteht Hursthouse eine Tugend als Charakterzug, den ein Mensch braucht, um zu gedeihen oder gut zu leben. Das enthalte zwei Behauptungen: Tugenden nützen ihrem Besitzer, und sie machen ihn zu einem guten Menschen. Sie begründet die zweite Behauptung durch eine Form des ethischen Naturalismus, also durch Rückgriff auf die menschliche Natur, ohne dies als rein wissenschaftlich auszugeben.
Tugendethik und Abtreibung
Es geht ihr dabei um die moralische Seite, nicht um Gesetze. Ob eine Frau ein moralisches Recht auf Abtreibung hat, hält sie für diese Betrachtung für unerheblich, denn wer ein Recht ausübt, kann dabei trotzdem grausam, gefühllos, selbstsüchtig oder leichtfertig handeln. Auch der Status des Fötus zählt für sie nur so weit, wie die bekannten biologischen Tatsachen einer Schwangerschaft zählen. Entscheidend ist für sie, wie ein kluger und tugendhafter Mensch mit diesen Tatsachen umgeht.
Begriffe
- Tugendethik
- neo-aristotelische Ethik
- Tugendregeln
- Eudaimonia
- ethischer Naturalismus
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
4 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 3 belegt, 1 Deutung). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Lehrer
Persönliches Lehrverhältnis: haben Hursthouse unterrichtet.
G. E. M. Anscombe (Elizabeth Anscombe)Prüfstand: belegt
Hursthouse lernte in Oxford bei Anscombe, die sie dort zusammen mit Foot als Mentorin begleitete und ihr lebenslang freundschaftlich verbunden blieb.
Philippa FootPrüfstand: belegt
Hursthouse lernte in Oxford bei Foot und Anscombe. Beide begleiteten sie dort als Mentorinnen und blieben ihr lebenslang freundschaftlich verbunden.
Übernimmt Gedanken von
Hursthouse übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
AristotelesPrüfstand: belegt
Hursthouse entwickelt eine neo-aristotelische Tugendethik, in der Tugenden Charakterzüge für ein gutes Leben im Sinn der eudaimonia sind.
Im Vergleich
Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.
Immanuel KantPrüfstand: Deutung
Redaktioneller Vergleich: Hursthouse vergleicht Kant und Aristoteles bei der Frage nach dem Motiv des moralischen Handelns und beschreibt aus Sicht der Tugendethik das Handeln aus Pflichtgefühl.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
Hursthouse wurde 1943 in Bristol geboren und wuchs in Wellington in Neuseeland auf. Sie studierte in Neuseeland, wechselte 1966 mit einem Stipendium nach Oxford und promovierte dort 1974 am Somerville College. Nebenbei lehrte sie am Corpus Christi College und war nach Wikipedia die erste Frau, die an einem reinen Männer-College in Oxford unterrichtete.[1]
Biografie belegt
Ab 1975 lehrte Hursthouse 25 Jahre an der Open University, einer britischen Fernuniversität für Erwachsene, von 1991 bis 1997 auch als Leiterin des Fachbereichs. 2002 ging sie als Professorin nach Auckland, um in Neuseeland bei ihrem alternden Vater zu sein. 2016 wurde sie in die Royal Society of New Zealand gewählt, heute ist sie emeritierte Professorin in Auckland.[5]
Kritik
Der dritte Teil von „On Virtue Ethics“, die Frage, welche Charakterzüge Tugenden sind, gilt nach Wikipedia als der umstrittenste Teil des Buches. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy bespricht den Einwand, Tugendethik gebe zu wenig Handlungsanleitung, und beantwortet ihn mit Hursthouses Tugendregeln.
Wirkung heute
Die Stanford Encyclopedia of Philosophy nennt Hursthouse unter den Autorinnen und Autoren, die für die Tugendethik einen Weg zwischen reiner Naturwissenschaft und bloßer Wertsetzung beschrieben haben.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Vor einer schwierigen Personalentscheidung kannst Du mit Hursthouse nicht nur fragen, was erlaubt ist, sondern auch, ob die Entscheidung ehrlich, rücksichtsvoll oder feige wäre. Das ist eine Übertragung und keine Aussage Hursthouses über Führung.
Lebensstationen
- 1943Geburt in Bristol (10. November), Kindheit in Wellington
- 1966Beginn des Aufbaustudiums in Oxford
- 1974Promotion am Somerville College in Oxford
- 1975Dozentin an der Open University
- 1991„Virtue Theory and Abortion“ erscheint
- 1999„On Virtue Ethics“ erscheint
- 2002Professur an der University of Auckland
Werke
Virtue Theory and Abortion (1991); On Virtue Ethics (1999)
Lesetipps
- Einstieg
- Rosalind Hursthouse, On Virtue Ethics (Oxford University Press, 1999)
- Vertiefung
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Virtue Ethics“ (Rosalind Hursthouse und Glen Pettigrove)
Noch nicht sicher belegt
- Dass Hursthouse in Oxford bei Anscombe und Foot lernte, stützen bisher Wikipedia und ein medizinethischer Fachaufsatz. Wer ihre Doktorarbeit formell betreute, nennen die Quellen nicht. Ihr Geburtsort Bristol, ihre Kindheit in Wellington und die einzelnen Stationen ihrer Laufbahn sind bisher nur in einer Quelle ausführlich beschrieben. Die Einordnung als Philosophin der analytischen Richtung ist eine Einschätzung der Redaktion.
Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 2: Ethik und Care-Ethik. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen
Quellen zu Hursthouse
- [1]Rosalind Hursthouse, Abschnitt Leben · Wikipedia
- [2]Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [3]academic.oup.com/book/2302 · Webseite
- [4]royalsociety.org.nz/who-we-are/our-people/our-fellows/new-fellow-seminars/new-fellows-seminars/professor-rosalind-hursthouse-frsnz · Webseite
- [5]Wikipedia (en), Rosalind Hursthouse, Abschnitt Laufbahn; Royal Society Te Apārangi, 2016 Professor Rosalind Hursthouse FRSNZ; University of Auckland, Profil · Webseite
- [6]philpapers.org/rec/HURVTA · Aufsatz
- [7]123philosophy.files.wordpress.com/2018/12/Rosalind-Hursthouse-Virtue-Theory-and-Abortion.pdf · Webseite
- [8]books.google.co.nz/books · Webseite
- [9]journalofethics.ama-assn.org/article/virtue-ethics-and-postponing-human-extinction/2025-08 · Webseite