Philippa Foot
Philosophin · 1920–2010 · Oxford, Los Angeles
Kernidee in Kürze
Foot wendet sich gegen die Ansicht, ein moralisches Urteil sei nur der Ausdruck einer Haltung oder eines Gefühls. Für sie hängt es von Tatsachen ab, ob etwas moralisch gut oder schlecht ist, denn Tugenden wie Mut, Besonnenheit und Gerechtigkeit gleichen typische menschliche Schwächen aus.
- Kapitel
- Gegenwart (redaktionell)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
- Fachlexikon
- Eigener Artikel in der Stanford Encyclopedia of Philosophy
Vertiefung
Zum Einstieg
Ist Moral nur eine Sache der Haltung, oder gibt es Gründe, die uns sagen, was ein gutes menschliches Leben ausmacht?
- Position
- Foot hält Moral für objektiv in dem Sinn, dass Tatsachen über das menschliche Leben entscheiden, was gut ist.
- Einwand
- Ob sich moralische Güte wirklich an der Art des Menschen ablesen lässt, ist umstritten. Es wird gefragt, ob das zur heutigen Biologie passt, und sie selbst hat ihre Ansicht über die Gründe zum moralischen Handeln im Lauf der Zeit geändert.
- Verbindung
- Foot greift Aristoteles auf und setzt sich von Emotivismus und Präskriptivismus ab. Anscombe und Murdoch gehören zu ihrem Oxforder Kreis.
Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen
Wer Foot war
Britische Philosophin, die die Tugendethik der Gegenwart mitbegründete: Gut zu leben heißt für sie, die Eigenschaften zu entwickeln, die einen Menschen als Menschen gut machen.
Foot gehörte im Oxford der Kriegsjahre zu einem Freundeskreis junger Philosophinnen und bezog sich auf Aristoteles, um der Ethik nach den Angriffen der Emotivisten, die Moral auf Gefühle zurückführen, wieder eine Grundlage zu geben. Sie gilt als eine der Wegbereiterinnen der heutigen Tugendethik.
Kernidee genauer
In ihrem späten Hauptwerk geht sie noch weiter: Wie ein Kaktus gut ist, wenn er für seine Art gesund wächst, so ist ein Mensch gut, wenn er die Tugenden besitzt, die zu einem menschlichen Leben gehören.
Biografischer Moment
Belegter Einfluss Die angegebenen Quellen dokumentieren, dass dieses Erlebnis das Denken beeinflusst hat. Belegt heißt dokumentiert, nicht bewiesen.
Foot gehörte in Oxford zu den vier Philosophinnen, die nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy enge geistige Beziehungen aufbauten und sich gegenseitig beeinflussten. Anscombe führte sie nach eigener Angabe in die Philosophie Wittgensteins ein.[1]
Fundstelle: Abschnitt Biographie
Bekannt für
Man kennt Foot für das Trolley-Problem, also das Gedankenexperiment mit der Straßenbahn, die auf fünf Menschen zurollt, und für ihre Erneuerung der Tugendethik. Ein Alltagsbeispiel: Du fragst Dich nicht nur, welche Regel gilt, sondern auch, welche Eigenschaften Dich als Führungskraft tragen, zum Beispiel Mut, Fairness und Fürsorge.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Moral hängt von Tatsachen ab
Nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy hält sie dagegen, dass der Inhalt einer Überzeugung darüber entscheidet, ob ein Urteil moralisch ist. Wenn Du jemandem sagst, ein Verhalten sei unfair, kannst Du nach Gründen gefragt werden, und diese Gründe sind nicht beliebig.
Tugenden gleichen menschliche Schwächen aus
In „Virtues and Vices“ beschreibt Foot Tugenden als Haltungen des Willens, die den Menschen bei typischen Schwierigkeiten helfen. Mut und Besonnenheit gleichen nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy etwa die Neigung zu übermäßiger Furcht oder zu starken Begierden aus. Jemand, der unter Druck ruhig bleibt und trotzdem das Richtige tut, zeigt so eine Tugend.
Natürliche Güte
In „Natural Goodness“ vertritt Foot, dass moralische Güte eine Form natürlicher Normativität ist, also eine Art von Maßstab, der sich aus dem Leben einer Art ergibt. Nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy vergleicht sie die Tugenden des Menschen mit den Eigenschaften, die einen Kaktus als Kaktus gut machen. Das ist ihre philosophische Position, und über ihre Richtigkeit wird bis heute gestritten.
Das Trolley-Problem
In ihrem Aufsatz über Abtreibung und die Lehre von der Doppelwirkung führte Foot 1967 den Fall der außer Kontrolle geratenen Straßenbahn ein. Es geht darum, warum es erlaubt scheint, die Bahn von fünf Menschen auf einen umzulenken, aber nicht, einen Menschen zu töten, um fünf zu retten. Foot erklärt das mit dem unterschiedlichen Gewicht von Pflichten, anderen nicht zu schaden, und Pflichten, ihnen zu helfen.
Begriffe
- Tugendethik
- ethischer Naturalismus
- natürliche Güte
- hypothetische Imperative
- Trolley-Problem
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
6 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 6 belegt). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Schüler
Persönliches Lehrverhältnis: wurde von Foot unterrichtet.
Rosalind HursthousePrüfstand: belegt
Hursthouse lernte in Oxford bei Foot und Anscombe. Beide begleiteten sie dort als Mentorinnen und blieben ihr lebenslang freundschaftlich verbunden.
Persönlich verbunden
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
Iris MurdochPrüfstand: belegt
Foot und Murdoch gehörten in Oxford zum selben Freundeskreis junger Philosophinnen und beeinflussten sich nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy gegenseitig. Nach Wikipedia teilten sie zeitweise eine Wohnung.
Kritisiert
Foot kritisiert eine bestimmte These. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.
Immanuel KantPrüfstand: belegt
Foot bestreitet die kantische Annahme, moralische Pflichten seien Gebote ohne Bedingung. Sie hält sie für Gebote, die von Zwecken abhängen, und hält Kants Bild der menschlichen Psychologie für zu eng.
R. M. HarePrüfstand: belegt
Foot stellte sich Ende der 1950er Jahre gegen Hares Präskriptivismus, nach dem moralische Urteile Anweisungen sind. Sie warf ihm vor, er achte so sehr auf die logische Form moralischer Sprache, dass er das menschliche Wohlergehen aus dem Blick verliere, um das es in der Moral geht.
Übernimmt Gedanken von
Foot übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
AristotelesPrüfstand: belegt
Foot knüpft an die Ethik des Aristoteles an und erneuert sie als Grundlage einer Ethik der Tugenden, die sich auf das Leben der Menschen als Art bezieht.
G. E. M. Anscombe (Elizabeth Anscombe)Prüfstand: belegt
Foot nennt Anscombe als die Person, die sie in die Philosophie Wittgensteins einführte, und beide gehörten zum Oxforder Kreis der vier Philosophinnen.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
Foot wurde 1920 als Philippa Bosanquet in Owston Ferry in Lincolnshire geboren und wuchs in Yorkshire auf. Ihre Mutter war eine Tochter des amerikanischen Präsidenten Grover Cleveland, ihr Vater leitete ein Stahlwerk. Als Kind wurde sie nur von Hauslehrerinnen unterrichtet und kam über einen Fernkurs in Latein und eine Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung an die Universität Oxford.[1]
Zeitgeschehen belegt
Foot studierte ab 1939 am Somerville College in Oxford Philosophie, Politik und Wirtschaft. In Oxford lernte sie Elizabeth Anscombe, Mary Midgley und Iris Murdoch kennen, die später ebenfalls bekannte Philosophinnen wurden. Nach ihrem Abschluss 1942 arbeitete sie während des Krieges zunächst in Oxford und dann in London und kehrte danach an das Somerville College zurück. Die Quellen geben den Zeitraum ihrer Kriegsarbeit etwas unterschiedlich an.[5]
Biografie belegt
Foot gab 1969 ihre Stelle in Oxford auf und lehrte einige Jahre als Gastprofessorin in den Vereinigten Staaten. Ab 1976 hatte sie eine feste Professur an der University of California in Los Angeles und blieb dort bis zu ihrer Emeritierung 1991. Danach kehrte sie nach Oxford zurück, schrieb dort „Natural Goodness“ und starb 2010 an ihrem neunzigsten Geburtstag.[1]
Biografie belegt
Foot wird oft als Mitgründerin von Oxfam bezeichnet. Nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy belegen die Quellen aber erst ab 1948 ihre Mitarbeit, sechs Jahre nach der Gründung des Oxford Committee for Famine Relief. Sie blieb der Organisation ihr Leben lang verbunden.[1]
Kritik
Foot selbst änderte ihre Meinung darüber, ob moralische Urteile jedem einen Grund zum Handeln geben. In dem Aufsatz über Moral als System hypothetischer Imperative lehnte sie die kantische Vorstellung ab, Moral bestehe aus Geboten ohne Bedingung. Gegen ihre späte Lehre von der natürlichen Güte wird nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy gefragt, ob sie mit der heutigen Biologie vereinbar ist. Sie selbst wollte außerdem nicht als Vertreterin der Tugendethik im üblichen Sinn gelten.
Wirkung heute
Die Stanford Encyclopedia of Philosophy beschreibt Foot als zentrale Figur der Wiederbelebung der aristotelischen Tugendethik in der Gegenwart. Das Trolley-Problem, das sie 1967 beschrieb, ist nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy Gegenstand ausgedehnter Diskussionen.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Wenn Du ein schwieriges Gespräch mit einem Teammitglied vorbereitest, kannst Du mit Foot fragen, welche Tugenden hier gebraucht werden, etwa Mut, damit Du das Problem ansprichst, und Fürsorge, damit Du es fair tust. Das ist eine Übertragung und keine Aussage Foots über Führung.
Lebensstationen
- 1920Geburt in Owston Ferry, Lincolnshire (3. Oktober)
- 1942Abschluss am Somerville College in Oxford mit einer Arbeit über Kant
- 1949Fellow am Somerville College (nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy)
- 1967Aufsatz über Abtreibung und Doppelwirkung mit dem Trolley-Fall
- 1976Feste Professur an der University of California in Los Angeles
- 2001„Natural Goodness“ erscheint
- 2010Tod in Oxford (3. Oktober)
Werke
Virtues and Vices (1978); Natural Goodness (2001); Moral Dilemmas (2002)
Lesetipps
- Einstieg
- Philippa Foot, Die Natur des Guten (deutsche Ausgabe, Suhrkamp 2004)
- Vertiefung
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Philippa Foot“
Noch nicht sicher belegt
- Ob Foot 1949 oder 1950 Fellow am Somerville College wurde, geben die Quellen unterschiedlich an. Auch ihre Kriegsjahre werden verschieden beschrieben: einmal als ein Jahr Arbeit in Oxford und danach Arbeit in London bis Kriegsende, einmal als Tätigkeit als Wirtschaftswissenschaftlerin im Staatsdienst von 1942 bis 1947. Ob ihre späte Lehre von der natürlichen Güte zur heutigen Biologie passt, wird unter Fachleuten diskutiert.
Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 2: Ethik und Care-Ethik. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen
Quellen zu Foot
- [1]Philippa Foot, Abschnitt Biographie · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [2]Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [3]Philippa Foot · Wikipedia
- [4]Philippa Foot · Wikipedia
- [5]Stanford Encyclopedia of Philosophy, Philippa Foot, Abschnitt Biographie; Rosalind Hursthouse, Philippa Ruth Foot 1920–2010, Biographical Memoirs of Fellows of the British Academy XI (2012), Abschnitte I und II · Webseite
- [6]theguardian.com/news/2002/feb/01/guardianobituaries.humanities · Webseite
- [7]theguardian.com/world/2010/oct/05/philippa-foot-obituary · Webseite
- [8]nytimes.com/2010/10/10/us/10foot.html · Webseite