Jeong Do-jeon
Gelehrter und Staatsmann · 1342–1398 · Kaesong und Hanyang (heute Seoul)
Kernidee in Kürze
Jeong Do-jeon war ein Berater des Dynastiegründers Yi Seonggye und plante die Ordnung der neuen Joseon-Dynastie, die Korea bis 1910 prägte. Er wollte Bildung und Verwaltung nach neokonfuzianischen Gedanken ordnen.
- Kapitel
- Asien (Überblick) (redaktionell)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Vertiefung
Zum Einstieg
Wie baut man nach dem Sturz einer Dynastie eine neue Ordnung auf, die auf Pflichten gegenüber Familie und Gesellschaft gründet?
- Position
- Jeong Do-jeon stellt das Prinzip (i) an den Anfang und begründet damit eine Ordnung, in der Menschen ihre sozialen Pflichten erfüllen. Den Buddhismus kritisiert er, weil er nach seiner Darstellung diese Pflichten vernachlässigt.
- Einwand
- Der Mönch Kihwa hält dagegen, dass man Buddhist sein kann, ohne Güte und Kindespflicht aufzugeben. Die Fachliteratur beschreibt Jeongs Kritik außerdem als Teil des politischen Umbaus der neuen Dynastie.
- Verbindung
- Jeong Do-jeon baut auf Zhu Xi und den Brüdern Cheng auf. Der Mönch Kihwa antwortete ihm mit einer Gegenschrift.
Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen
Wer Jeong Do-jeon war
Koreanischer Gelehrter und Staatsmann, der den Neokonfuzianismus zur Grundlage der neuen Joseon-Dynastie machte und den Buddhismus in Schriften scharf kritisierte.
Jeong Do-jeon lebte, als die Goryeo-Dynastie zerfiel, an deren Hof der Buddhismus viel Geld und Einfluss hatte. Er stellte sich an die Seite des Generals Yi Seonggye, der 1392 die Joseon-Dynastie gründete. Wenige Jahre später starb er im Machtkampf um die Thronfolge.
Kernidee genauer
In seiner Schrift über Herz, Lebenskraft und Prinzip (Simgiri pyeon) stellt er das Prinzip (i) an den Anfang: Erst wenn es ein Prinzip gibt, gibt es Lebenskraft (gi). Seine große Streitschrift gegen den Buddhismus (Pulssi japbyeon) führt 19 Einwände auf, zum Beispiel gegen die Lehren von Wiedergeburt und Karma.
Biografischer Moment
Belegter Einfluss Die angegebenen Quellen dokumentieren, dass dieses Erlebnis das Denken beeinflusst hat. Belegt heißt dokumentiert, nicht bewiesen.
Jeong Do-jeon wollte den Buddhismus zurückdrängen, auch weil nach seiner Darstellung ein großer Teil der Staatsfinanzen dafür ausgegeben wurde. Diesen praktischen Grund nennt die Fachliteratur neben der philosophischen Kritik.[1]
Fundstelle: Abschnitt 3.2
Bekannt für
Man kennt Jeong Do-jeon als Planer der neuen Ordnung der Joseon-Dynastie und als Verfasser der umfangreichsten Streitschrift gegen den Buddhismus am Beginn dieser Dynastie. Ein Alltagsbeispiel: Wenn Du nach einer Umstrukturierung schriftlich festhältst, wofür jede Abteilung da ist und wer wofür zuständig ist, gehst Du ähnlich vor wie Jeong Do-jeon, der für die neue Dynastie Regeln aufschreiben ließ.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Prinzip vor Lebenskraft
Das Prinzip nennt er die dem Herzen eigene Tugend, durch die Lebenskraft hervorgebracht wird. Er hält fest, dass es erst Lebenskraft gibt, nachdem es ein Prinzip gibt. Mit diesen Begriffen widerspricht er Lehren der Buddhisten und Daoisten, die er für falsch gedeutet hält. Zur Begründung zitiert er aus dem Buch Mengzi, den Gesprächen des Konfuzius, den Schriften Zhu Xis und dem Buch der Riten.
Die Kritik am Buddhismus
Jeong Do-jeon wirft den Buddhisten vor, sie lösten sich von sozialen und familiären Pflichten, und er widerspricht Lehren wie Wiedergeburt und Karma. Dem Mönch Jinul hält er vage Vermutungen ohne feste Tatsachen vor, und den Zen-Buddhisten (Seon) wirft er vor, sie machten die Leerheit zu ihrer Kernlehre und gäben die Pflichten in der Gesellschaft auf. Seine Sprache ist an manchen Stellen sehr scharf. Er gibt auch praktische Gründe an, etwa dass ein großer Teil der Staatsfinanzen für den Buddhismus und für Gottheiten ausgegeben werde. Diese Haltung ist seine Position als Neokonfuzianer; die Gegenseite beschreibt das Thema anders.
Die Antwort des Mönchs Kihwa
Der Mönch Kihwa antwortete mit der Schrift Hyeonjeong non. Er verwendet konfuzianische Gedanken und Texte, wirbt für einen einschließenden Ansatz und für die Einheit der drei Lehren (Konfuzianismus, Buddhismus, Daoismus). Die Fachliteratur zeigt damit, dass der Streit nicht einseitig blieb.
Ordnung zum Wohl des Volkes
In seinen Schriften betont Jeong Do-jeon, dass man dem Volk helfen und das Herz des Herrschers berichtigen muss und dass man sich selbst berichtigt, bevor man andere berichtigt. Der Weise soll nach seiner Darstellung für das Wohl des Volkes planen und vermeiden, was ihm schadet. Nur eine Quelle berichtet bisher, er habe vertreten, dass die Regierung einschließlich des Königs für das Volk da sei, und den Sturz der Goryeo-Herrscher weitgehend damit gerechtfertigt.
Praktisches Lernen
Jeong Do-jeon gehörte zu den ersten koreanischen Gelehrten, die ihr Denken als Silhak (praktisches Lernen) bezeichneten. Er zählt aber meist nicht zur späteren Silhak-Schule, die erst viel später in der Joseon-Zeit entstand.
Begriffe
- i (Prinzip
- chinesisch li)
- gi (Lebenskraft
- chinesisch qi)
- sim (Herz und Geist)
- Neokonfuzianismus als Staatslehre
- Kritik am Buddhismus
- praktische Lehre (Silhak)
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
3 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 3 belegt). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Übernimmt Gedanken von
Jeong Do-jeon übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
Cheng HaoPrüfstand: belegt
Die philosophischen Einwände in Jeong Do-jeons großer Streitschrift stammen nach der Zusammenfassung der Übersetzung zum Teil aus den Schriften der Brüder Cheng, zu denen Cheng Hao gehört.
Cheng YiPrüfstand: belegt
Jeong Do-jeon verwendet in seiner Streitschrift gegen den Buddhismus einen Satz von Cheng Yi: Die Buddhisten achteten auf innere Ehrfurcht, aber nicht auf Gerechtigkeit nach außen.
Zhu XiPrüfstand: belegt
Jeong Do-jeon stützt seine Kritik am Buddhismus auf die neokonfuzianische Lehre der Cheng-Zhu-Schule und zitiert dazu Zhu Xi.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
Jeong Do-jeon lernte 1383 den General Yi Seonggye kennen. Nach der Gründung der Joseon-Dynastie im Juli 1392 berief dieser ihn in ein hohes Amt. Jeong ordnete danach Verwaltung, Steuern und Bildung neu, verlegte die Hauptstadt von Kaesong nach Hanyang (heute Seoul) und ersetzte, so wird berichtet, den Buddhismus durch den Konfuzianismus als Staatsreligion.[3]
Zeitgeschehen belegt
Als Gegner des Buddhismus verwies Jeong Do-jeon auch auf praktische Gründe: Der Bericht über seine Schriften nennt als Beispiel, dass ein großer Teil der Staatsfinanzen für den Buddhismus und für Gottheiten ausgegeben werde, und er bezeichnete das als größte Verschwendung.[1]
Biografie belegt
1398 kam Jeong Do-jeon ums Leben: Prinz Yi Bangwon ließ ihn im Machtkampf um die Thronfolge töten (erster Prinzenkampf). Wie genau er starb, berichten die Quellen unterschiedlich. In der Joseon-Zeit wurde er lange geschmäht oder übergangen, und erst 1865 wurde er rehabilitiert.[4]
Kritik
Jeong Do-jeon gilt in der Forschung als Hauptarchitekt des neokonfuzianischen Staates, und seine Streitschrift gegen den Buddhismus wurde von Kihwa beantwortet. Die Fachliteratur sieht die scharfen Angriffe der koreanischen Neokonfuzianer seiner Zeit auf den Buddhismus zugleich von den philosophischen Argumenten der Cheng-Brüder und Zhu Xis und von der offen sichtbaren Korruption in den buddhistischen Einrichtungen getragen. In der Joseon-Zeit wurde er lange geschmäht oder übergangen.
Wirkung heute
Jeong Do-jeons Schriften wurden ins Englische übertragen (Charles Muller 2015, David Robinson 2016). Die Fachliteratur behandelt seine Streitschrift zusammen mit der Antwort des Mönchs Kihwa als die große Auseinandersetzung zwischen Buddhismus und Konfuzianismus in Korea.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Wenn Du in einer Umbruchphase ein Team neu aufstellst, kannst Du bei Jeong Do-jeon sehen, wie wichtig es ist, die neuen Regeln aufzuschreiben und mit einem Zweck zu begründen, der allen dient. Ein Alltagsbeispiel: Du übernimmst eine Abteilung und legst mit dem Team schriftlich fest, wofür sie da ist und wer wofür zuständig ist. Das ist eine Übertragung und keine Aussage von Jeong Do-jeon über Führung.
Lebensstationen
- 1342Geburt (nach mehreren Quellen)
- 1375Schrift Simmun cheondap
- 1383Erste Begegnung mit Yi Seonggye
- 1392Gründung der Joseon-Dynastie, Jeong wird in ein hohes Amt berufen
- 1398Streitschrift Pulssi japbyeon; Tod im Machtkampf um die Thronfolge
Werke
Simmun cheondap (Fragen des Herzens, Antworten des Himmels, 1375); Simgiri pyeon (Über Herz, Lebenskraft und Prinzip, 1394); Pulssi japbyeon (Vielfältige Einwände gegen den Buddhismus, 1398); Sambongjip (Gesammelte Schriften)
Anekdote überliefert
Über Jeong Do-jeons Tod gibt es zwei Überlieferungen: In den Veritablen Aufzeichnungen bittet er den Prinzen um sein Leben, in der Sammlung Sambongjip nimmt er den Tod würdevoll an und hinterlässt ein Gedicht. Die Glaubwürdigkeit beider Berichte wird bezweifelt.[4]
Lesetipps
- Einstieg
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Korean Confucianism“, Abschnitt 3.2
- Vertiefung
- A. Charles Muller (Übersetzer), Korea’s Great Buddhist-Confucian Debate (University of Hawai’i Press, 2015); David M. Robinson (Übersetzer), Seeking Order in a Tumultuous Age: The Writings of Chŏng Tojŏn, a Korean Neo-Confucian (University of Hawai’i Press, 2016)
Noch nicht sicher belegt
- Die Quellen weichen darin ab, wo Jeong Do-jeon geboren wurde. Wie er 1398 genau starb, berichten die Aufzeichnungen unterschiedlich. Die Jahreszahl der Neuausgabe seiner Gesammelten Schriften ist nicht eindeutig (1781 oder 1791). Dass er Schüler von Yi Che-hyeon war, ist nur in einer Quelle belegt. Dass er den Sturz der Goryeo-Herrscher weitgehend damit begründete, dass die Regierung für das Volk da sei, berichtet ebenfalls nur eine Quelle. Die Entstehungsjahre einiger Schriften sind nicht belegt.
Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 7: Japan klassisch und Korea. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen
Quellen zu Jeong Do-jeon
- [1]Korean Confucianism, Abschnitt 3.2 · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [2]Korean Philosophy, Abschnitt 3.2 · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [3]Wikipedia, Jeong Do-jeon, Abschnitt Relationship with Yi Sŏnggye; Britannica, Chŏng To-jŏn
- [4]Wikipedia, Jeong Do-jeon, Abschnitte Conflict with Yi Pangwŏn und Death
- [5]academic.oup.com/hawaii-scholarship-online/book/24219/chapter/189945244 · Webseite
- [6]acmuller.net/articles/2016-05-Confucian-Buddhist-Confrontation.pdf · Webseite
- [7]Korean Confucianism, Understanding Korea Series Nr. 3 (Akademie für Koreastudien), Abschnitt 4 · Webseite