Landkarte der Philosophie

Kleanthes von Assos

um 330–230 v. Chr. · Assos (Kleinasien), lehrte in Athen

Strömung
Hellenismus: Stoa und Epikur
Kants Fragen
Was soll ich tun? · Was darf ich hoffen? (Deutung)
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

Der zweite Schulleiter der Stoa, früher Boxer, der Zenons Lehre bewahrte und ihr eine religiöse Wärme gab.

Kleanthes führte die Schule nach Zenon 32 Jahre lang und gab sie an Chrysipp weiter. Er hörte vor Zenon zunächst Krates, und er verband die Stoa stark mit Heraklits Feuerlehre.

Kernidee

Kleanthes bewahrte Zenons Lehre und entwickelte sie in der Physik weiter. Er sah das Universum als lebendig und die Vernunft als göttliches Feuer, das alles durchzieht. Von seinen Schriften ist nur der Hymnus an Zeus erhalten.

Bekannt für

Man kennt Kleanthes als den Boxer, der nachts Wasser trug, um tagsüber Philosophie zu hören. Sein Beiname war deshalb Wasserschöpfer.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Die Welt als göttliches Ganzes

Für Kleanthes ist das Universum ein lebendiges Wesen, durchdrungen von göttlicher Vernunft, die er mit einem alles belebenden Feuer verband. Der Mensch hat daran Anteil. Wer die Firma als Organismus sieht, in dem alle Teile voneinander abhängen, denkt ähnlich.

Der Hymnus an Zeus

In seinem Hymnus preist er Zeus als Lenker der Natur und bittet, die Menschen zu wahrer Einsicht zu führen. Die Stoa wird dadurch zu einer Haltung der Zustimmung zur Weltordnung. Im Alltag zeigt sich das, wenn jemand ein Ergebnis annimmt, das er nicht ändern kann, und weiterarbeitet.

Bewahrung der Lehre

Kleanthes gilt als treuer Hüter von Zenons Lehre, mit eigenen Ideen in der Physik. Er sorgte dafür, dass die Schule nach dem Gründer weiterbestand. Für Führung heißt das: Wer ein Erbe übernimmt, muss es sowohl pflegen als auch weiterentwickeln.

Begriffe

Hymnus an Zeus
Weltvernunft
Pantheismus
Materialismus

Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner

Lehrer

  • Krates von Theben: hörte ihn zuerst
  • Zenon von Kition: wurde sein Lehrer und Vorgänger

Schüler

  • Chrysipp: Nachfolger
  • Antigonos II. Gonatas: König von Makedonien

Verbindungen im Netz

4 Verbindungen, davon 4 noch nicht einzeln geprüft. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Lehrer und Schüler

Persönliches Lehrverhältnis.

  • Lehrer von Chrysipp von Soloiungeprüft

    Chrysipp war sein Schüler und wurde das dritte Schulhaupt.

  • Schüler von Krates von Thebenungeprüft

    Kleanthes hörte bei Ankunft in Athen nach Diogenes Laertios zuerst Krates.

Baut auf

Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • baut auf Heraklit von Ephesosungeprüft

    Kleanthes schrieb nach der Überlieferung Bücher über Heraklit.

Persönlicher Kontakt

Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.

  • persönlich verbunden mit Zenon von Kitionungeprüft

    Kleanthes übernahm nach Zenons Tod die Leitung der Schule.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Geld belegt

    Er kam mit vier Drachmen nach Athen und trug nachts Wasser, um sich zu finanzieren. Vom König Antigonos II. nahm er später eine Zuwendung von 3000 Minen an.[1]

  • Abhängigkeit Deutung

    Er war als Schulleiter vom Ansehen unter seinen Schülern und Förderern abhängig. Dass er königliches Geld annahm, kann seine Betonung von Gehorsam gegenüber der Weltordnung mitgeprägt haben.[2]

Kritik

Britannica sieht in Kleanthes wenig Originelles, er habe Zenons Lehre vor allem mit religiösem Eifer gefüllt. Andere Stoiker wie Chrysipp änderten seine Lehren in mehreren Punkten.

Wirkung heute

Sein Hymnus gehört zu den wenigen erhaltenen stoischen Originaltexten und zeigt die religiöse Seite der Stoa. Die Idee, Arbeit und Lernen zu verbinden, bleibt als Vorbild für berufsbegleitende Weiterbildung.

Brücke zu Führung und Coaching

Kleanthes erinnert daran, dass Entwicklung oft neben dem Alltagsjob stattfindet. Frage eine Führungskraft: „Was lernst du gerade neben deinem Beruf, und wie viel Zeit gibst du dem Lernen wirklich?“ So wird sichtbar, ob Lernen Priorität hat oder nur Absicht bleibt.

Lebensstationen

  1. 330 v. Chr.Geburt in Assos (ungefähr)
  2. 312 v. Chr.Ankunft in Athen, zuerst bei Krates, dann bei Zenon (Zeitpunkt ungefähr)
  3. 262 v. Chr.Übernahme der Leitung der Stoa nach Zenons Tod
  4. 230 v. Chr.Tod in Athen mit etwa 99 Jahren, nach der Überlieferung durch Fasten

Werke

Von etwa fünfzig zugeschriebenen Schriften sind nur Fragmente erhalten, das größte ist der Hymnus an Zeus (3. Jh. v. Chr.). Der Rest ist verloren.

Anekdote überliefert

Der frühere Boxer Kleanthes kam mit nur vier Drachmen nach Athen und arbeitete nachts als Wasserträger bei einem Gärtner, um tagsüber Zenon zu hören. Als ihn König Antigonos fragte, warum er Wasser schöpfe, soll er geantwortet haben, er tue das für die Philosophie.[4]

Lesetipps

Einstieg
Hymnus des Kleanthes (englische Übersetzung von E. H. Blakeney, 1921, auf Wikisource), kurz und der einzige erhaltene Text
Vertiefung
Maximilian Forschner: Die Philosophie der Stoa. Logik, Physik und Ethik (Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2018)

Noch nicht sicher belegt

  • Lebensdaten ungefähr (Wikipedia 330–230, Britannica 331–232). Die Ankunft in Athen ist geschätzt. Das Gespräch mit Antigonos stammt aus einem abgeschnittenen Textausschnitt der Attalus-Edition. Bücher über Heraklit stützen sich auf Daily Stoic. Die Todesumstände (Fasten) kommen aus Wikipedia.

Herkunft der Daten: Stoa und Epikur. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.

Quellen zu Kleanthes

  1. [1]Cleanthes (Wikipedia), nach Diogenes Laertios · Wikipedia
  2. [2]Cleanthes (Britannica) · Britannica
  3. [3]dailystoic.com/cleanthes · Webseite
  4. [4]Diogenes Laertios, Leben 7 (Attalus-Edition) · Webseite
  5. [5]Stoicism (SEP) · Stanford Encyclopedia of Philosophy

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