Krates von Theben
um 365–285 v. Chr. · Theben, lebte in Athen
- Strömung
- Athen: Sokrates, Platon, Aristoteles
- Kants Fragen
- Was soll ich tun? · Was ist der Mensch? (Deutung)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Der Kyniker, der sein Vermögen weggab und Zenon, den Gründer der Stoa, unterrichtete: die Brücke zwischen Kynismus und Stoa.
Krates war Schüler von Diogenes und Lehrer von Zenon und ist deshalb das Verbindungsglied der kynisch-stoischen Linie. Er soll auch Kleanthes unterrichtet haben (der später Zenon als Leiter der stoischen Schule nachfolgte) und war mit der Kynikerin Hipparchia verheiratet.
Kernidee
Krates lebte wie sein Lehrer Diogenes in Armut, aber freundlicher und zugewandter. Er verzichtete auf sein Erbe, um frei zu sein. In einem Spottgedicht beschreibt er einen idealen Staat namens Pera, den Bettelsack, in den kein Narr und kein Schmarotzer gelangt.
Bekannt für
Man kennt Krates dafür, dass er als reicher Erbe alles weggab und als Bettelphilosoph in Athen lebte. Ein Beispiel: Er galt als so beliebt, dass er als „Türöffner“ ungebeten Häuser betrat, um Rat zu geben.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Verzicht macht frei
Krates sah Besitz als Last, die abhängig macht. Wer Reichtum weggibt, gewinnt Unabhängigkeit. In der Praxis heißt das: Wer nichts zu verlieren hat, kann in Verhandlungen offener sprechen.
Pera, der ideale Staat
In seinem Spottgedicht ist der ideale Staat ein Ort ohne Gier. Dort gibt es nur Thymian, Knoblauch, Feigen und Brot, wofür niemand kämpft. Ein Unternehmen, in dem keiner um Titel kämpft, wäre die moderne Version dieses Bildes.
Freundliche Strenge
Anders als Diogenes wird Krates als freundlich und beliebt beschrieben. Er nutzte Humor und Rat, um Menschen zu bewegen. Eine Führungskraft, die klar bleibt, aber nicht verletzt, folgt dieser Spur.
Begriffe
- Kynismus
- : die Lehre, dass man sich von überflüssigen Bedürfnissen und äußeren Zwängen befreien muss, um glücklich zu werden
- Verzicht
- : bei Krates das Weggeben des Erbes, nach der Überlieferung an die Mitbürger, um anspruchslos und innerlich frei zu leben
- Pera (Bettelsack)
- : der ideale Staat in Krates' Gedicht, in dem Anspruchslosigkeit und Zufriedenheit herrschen und den jeder für sich selbst verwirklichen kann
- freundlicher Kynismus
- : Krates' mildere Spielart des Kynismus: Er galt als liebenswürdiger als Diogenes und erhielt den Beinamen Türöffner
- Hipparchia
- : die Philosophin, die Krates heiratete und wie er das anspruchslose kynische Leben führte, in einer sogenannten Hundeehe
Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner
Lehrer
- Diogenes von Sinope: Hauptlehrer (nach Hippobotos eventuell Bryson von Achaia)
Schüler
- Zenon von Kition: Gründer der Stoa
- Hipparchia von Maroneia: Ehefrau und Mitkynikerin
- Metrokles, Monimos, Menippos: weitere Schüler
Freunde
- Hipparchia: lebte wie er
Verbindungen im Netz
4 Verbindungen, davon 4 noch nicht einzeln geprüft. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Lehrer und Schüler
Persönliches Lehrverhältnis.
Schüler von Diogenes von Sinopeungeprüft
Krates war sein Hauptschüler und gab die Lehre an Zenon weiter.
Lehrer von Kleanthes von Assosungeprüft
Kleanthes hörte bei Ankunft in Athen nach Diogenes Laertios zuerst Krates.
Baut auf
Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
Grundlage für Zenon von Kitionungeprüft
Er war der wichtigste Einfluss auf Zenons Entwicklung der Stoa.
Im Vergleich
Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.
im Vergleich mit Antisthenesungeprüft
Beide gehören zur Linie der Kyniker, die später zu Zenon führt.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Geld belegt
Krates war Erbe eines großen Vermögens. Nach Diogenes Laertios (einem antiken Philosophiehistoriker, der Leben und Lehren griechischer Denker sammelte) gibt es mehrere Versionen, wie er es los wurde: Er gab es den Thebanern, nachdem er den Bettlerkönig Telephos im Theater sah, oder vertraute es einem Bankier an.[1]
Abhängigkeit belegt
Vieles von Krates ist wohl über Zenons Schriften überliefert, so dass Zenons Sicht sein Bild prägen kann.[1]
Zeitgeschehen belegt
Krates soll 307 v. Chr. in Theben gewesen sein, als dort Demetrios von Phaleron im Exil lebte, der zuvor Athen regiert hatte. Das ordnet ihn in die Zeit der Machtkämpfe nach Alexander ein.[1]
Kritik
Wie bei allen Kynikern halten Kritiker den Verzicht für Pose und Provokation. Außerdem bleibt unklar, wie viel der überlieferten Geschichten übertrieben wurde, um die kynische Haltung zu illustrieren.
Wirkung heute
Seine Verbindung von Verzicht und Menschenfreundlichkeit passt zu heutigen Fragen nach Minimalismus und Sinn. Er zeigt außerdem, dass Philosophie als Lebenspraxis auch Humor haben darf.
Brücke zu Führung und Coaching
Krates fragt, was man bereit wäre, loszulassen, um freier zu werden. Frage eine Führungskraft: „Welche Verpflichtung hältst du aus Gewohnheit aufrecht, obwohl sie dir mehr nimmt, als sie gibt?“ Oft lässt sich so ein Kalendereintrag, ein Titel oder ein Projekt benennen, das niemand mehr will.
Zitate
„Es gibt eine Stadt Pera mitten im weinfarbenen Dunst, schön, fruchtbar, ganz schmutzig und ohne Besitz.“
Lebensstationen
- 365 v. Chr.Geburt in Theben (ungefähr)
- 340 v. Chr.Verzicht auf das Vermögen und Beginn des kynischen Lebens in Athen (ungefähr)
- 307 v. Chr.Aufenthalt in Theben zur Zeit des Exils von Demetrios von Phaleron
- 300 v. Chr.Lehrer des Zenon von Kition (um die Jahrhundertwende)
- 285 v. Chr.Tod, nach Überlieferung in hohem Alter (ungefähr)
Werke
Von ihm sind Fragmente erhalten, darunter Verse über den idealen Staat Pera, kleine Gedichte (Paignia, „Spiele“) und philosophische Tragödien. Die Werke sind verloren, es bleiben Fragmente bei späteren Autoren (v. a. Diogenes Laertios, Buch 6).
Anekdote überliefert
Krates war Erbe eines Vermögens und gab es nach einer Überlieferung den Bürgern von Theben, nachdem er den Bettlerkönig Telephos in einer Tragödie gesehen hatte. Eine andere Version sagt, er habe es einem Bankier anvertraut.[1]
Lesetipps
- Einstieg
- Diogenes Laertios: Leben und Meinungen berühmter Philosophen, übersetzt von Otto Apelt (Meiner), Buch 6, Abschnitt zu Krates
- Vertiefung
- Heinrich Niehues-Pröbsting: Der Kynismus des Diogenes und der Begriff des Zynismus (Fink, 1979)
Noch nicht sicher belegt
- Lebensdaten ungefähr (Wikipedia 365–285, New World Encyclopedia 368–288). Der Zeitpunkt des Verzichts und des Unterrichts für Zenon ist geschätzt. Der Titel „Türöffner“ stammt aus der New World Encyclopedia und ist nicht an der Primärquelle geprüft. Die deutsche Zeilenübersetzung der Pera-Verse ist sinngemäß aus der englischen Fassung gebildet.
Wege durchs Netz
Vom Bettelsack zur Säulenhalle
Krates: Er gibt sein Erbe weg, um frei zu sein, und unterrichtet Zenon.
Herkunft der Daten: Stoa und Epikur. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Krates
- [1]Crates of Thebes (Wikipedia) · Wikipedia
- [2]worldhistory.org/article/742/the-life-of-crates-of-thebes-in-diogenes-laertius · Webseite
- [3]penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Diogenes_Laertius/Lives_of_the_Eminent_Philosophers/6/Crates*.html · Webseite
- [4]Internet Encyclopedia of Philosophy: Cynics · Internet Encyclopedia of Philosophy
- [5]Wikipedia (de): Kleanthes · Wikipedia, abgerufen 2026-10-20
- [6]Wikipedia (de): Diogenes Laertios · Wikipedia, abgerufen 2026-10-20
- [7]Wikipedia (de): Demetrios von Phaleron · Wikipedia, abgerufen 2026-10-20
- [8]Wikipedia (de): Krates von Theben · Wikipedia, abgerufen 2026-10-20