Landkarte der Philosophie

Margaret Fuller

1810–1850 · Boston, New York, Rom

Strömung
Die großen Abweichler des 19. Jahrhunderts
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Eigener Eintrag
Stanford Encyclopedia of Philosophy

Transzendentalistin, Gesprächsleiterin, Journalistin und Verfasserin des ersten großen amerikanischen Buchs zur Gleichstellung der Frau.

Im Modul die Frau im Zentrum der amerikanischen Selbstvertrauens-Denker: Sie gab auf Emersons Angebot den Dial heraus, gehörte zum Kreis um Thoreau und trug den Transzendentalismus in die Frauenfrage.

Kernidee

Jeder Mensch, Frau wie Mann, soll sich selbst bilden und entfalten dürfen. Fuller sieht in beiden Geschlechtern männliche und weibliche Anlagen und fordert für Frauen Zugang zu Bildung und mehr Berufen. Die Ehe soll eine gemeinsame Lebensaufgabe sein.

Bekannt für

Fuller leitete von 1839 an Gesprächskreise für Bostoner Frauen und gab ab 1840 die Zeitschrift The Dial heraus. Ihr Buch Woman in the Nineteenth Century gilt als erstes großes feministisches Werk der USA.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Selbstkultur für alle

Fuller versteht Bildung als Selbstkultur, die jedem Menschen zusteht und nicht von Geschlecht abhängt. Wer sich selbst entfaltet, trägt nach ihr auch zur Gesellschaft bei. Im Betrieb entspricht das dem Gedanken, dass Entwicklungsangebote nicht an Rolle oder Geschlecht hängen sollten.

Womanhood und Manhood

Fuller beschreibt Ideale der Weiblichkeit und Männlichkeit, die jeweils Eigenschaften beider Seiten vereinen. Frauen brauchen dafür Zugang zu mehr Berufen und zu Bildung. Ein Beispiel ist ein Team, in dem Fürsorge und Durchsetzungskraft beide als Führungsstärken gelten.

Vernunft und Verstand

Sie unterscheidet die intuitive Einsicht (Reason) vom rechnenden Verstand (Understanding). Beide gehören zusammen, aber die Einsicht gibt die Richtung. In der Führung zeigt sich das, wenn Zahlen ein Vorhaben stützen, dein Gespür aber vor etwas warnt, das die Zahlen nicht erfassen.

Begriffe

Selbstkultur
Womanhood und Manhood
Vernunft und Verstand
Konversation
Frauenbildung

Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner

Lehrer

  • Goethe und die deutsche Romantik: prägende Lektüre
  • Ralph Waldo Emerson: Freund und zeitweiliger Mentor, spannungsreich

Freunde

  • Ralph Waldo Emerson: bot ihr die Herausgabe des Dial an
  • Henry David Thoreau: lobte ihr Buch zur Frauenfrage

Gegner

  • Harriet Martineau: warf den Konversationen vor, sie kreisten um Ideale und seichte Einfälle

Verbindungen im Netz

4 Verbindungen. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Baut auf

Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • baut auf Immanuel KantDeutung

    SEP nennt Kant unter den Einflüssen, die die Transzendentalisten in Amerika einführen wollten.

  • baut auf PlatonDeutung

    SEP nennt Platon ihren liebsten antiken Philosophen.

Persönlicher Kontakt

Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.

  • persönlich verbunden mit Henry David ThoreauDeutung

    Zum selben transzendentalistischen Umfeld gehörig; Thoreau lobte ihr Buch (Wikipedia en).

  • persönlich verbunden mit Ralph Waldo EmersonDeutung

    Emerson bot Fuller die Herausgabe der Zeitschrift The Dial an, die sie ab 1840 leitete (Wikipedia en).

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Geld belegt

    Nach dem Tod des Vaters 1835 fiel der Hof ohne Testament an dessen Brüder, und Fuller musste ihre Mutter und Geschwister als Lehrerin versorgen. Das versprochene Jahresgehalt von 200 Dollar für den Dial erhielt sie nie.[1]

  • Zeitgeschehen Deutung

    1849 arbeitete sie in der Römischen Republik als Krankenpflegerin, während Ossoli als Soldat kämpfte; nach dem Sieg der Franzosen flohen beide nach Florenz. Dass diese Erfahrung ihre politischen Berichte für die Tribune färbte, liegt nahe.[1]

  • Biografie belegt

    Nach ihrem Tod gaben Emerson, Clarke und Channing 1852 ihre Memoiren heraus und zensierten oder überarbeiteten ihre Texte teils für den viktorianischen Geschmack. Unser Bild von ihr ist daher durch diese Herausgeber gefiltert.[1]

Kritik

Harriet Martineau warf ihren Konversationen vor, sie kreisten um Ideale statt um Reformen. Ihr Buch gilt als weitschweifig, ohne durchgehende Gedankenführung und setzt beim Lesen ihre große Belesenheit voraus. Nach SEP blieb ihr Blick auf indigene und Schwarze Amerikaner in weißer Selbstgewissheit befangen.

Wirkung heute

Ihr Anspruch auf Bildung und Berufswahl für alle trägt weiter und wird als Vorläufer des Feminismus gelesen. Ihre Konversationen sind ein frühes Modell für moderierte Lerngespräche.

Brücke zu Führung und Coaching

Fuller zeigt, wie ein moderierter Gesprächskreis Menschen entfaltet, die in normalen Meetings still bleiben. Frage dich: Wer in deinem Team bekommt kaum Raum zum Denken, und welches Format würde ihm den geben? Probiere eine Runde, in der zuerst das Denken Raum hat und erst danach das Entscheiden.

Lebensstationen

  1. 1810Geburt in Cambridgeport, Massachusetts
  2. 1835Tod des Vaters, Begegnung mit Emerson
  3. 1839Beginn der Konversationen für Frauen in Boston
  4. 1840Herausgeberin des Dial bis 1842
  5. 1844Literaturkritikerin bei der New-York Tribune
  6. 1845Woman in the Nineteenth Century erscheint
  7. 1850Tod bei Schiffbruch vor Fire Island

Werke

Summer on the Lakes (1844)

Woman in the Nineteenth Century (1845, vorher als Essay The Great Lawsuit 1843)

Papers on Literature and Art (1846)

Anekdote belegt

Nach dem Schiffbruch 1850 soll Emerson Thoreau gebeten haben, die Küste nach Fullers Leichnam abzusuchen. Gefunden wurde nur der Körper ihres Sohnes.[2]

Lesetipps

Einstieg
Woman in the Nineteenth Century: An Authoritative Text, Backgrounds, Criticism, hg. von Larry J. Reynolds, Norton Critical Edition, W. W. Norton, New York 1998 (ISBN 978-0-393-97157-6), englisch mit Kommentar; deutsche Ausgabe nicht gefunden
Vertiefung
Daniel Howe und Sonia Di Loreto: Margaret Fuller, Stanford Encyclopedia of Philosophy, online

Noch nicht sicher belegt

  • Wikipedia en nur bis Zeichen 100000 gelesen. Kein Zitat mit Stelle gesichert. Deutsche Ausgabe des Hauptwerks nicht gefunden. Dritte Quelle (Britannica, Deutsche Biographie) nicht abgerufen. Prüfer: Dass die Memoiren die Beziehung zu Ossoli ausließen, ist nicht belegt (SEP: sein Name steht im Titel), Satz ersetzt. Jahr des Dial-Angebots (1839) nicht belegt, entfernt. Zahl der Onkel nicht belegt.

Herkunft der Daten: Die Abweichler des 19. Jahrhunderts. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.

Quellen zu M. Fuller

  1. [1]Stanford Encyclopedia of Philosophy: Margaret Fuller, Abschnitt 1 · Stanford Encyclopedia of Philosophy
  2. [2]Wikipedia (en): Margaret Fuller · Wikipedia

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