Landkarte der Philosophie

Rollo May

1909–1994 · New York

Strömung
Phänomenologie und Existenzialismus
Kants Fragen
Was ist der Mensch? (Deutung)
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

US-amerikanischer Psychologe, der europäische Existenzphilosophie in die amerikanische Psychotherapie brachte und als einer der ersten und einflussreichsten Vertreter der existenziellen Psychotherapie (die den Platz des Menschen in der Welt und Grundthemen wie Tod, Liebe und Angst in den Blick nimmt) gilt.

May ist die Brücke von Tillich und Kierkegaard zur Psychotherapie in den USA. Er wurde von Tillich wesentlich beeinflusst, zitierte Kierkegaard zur Angst und prägte Irvin Yalom, dessen Therapeut er war.

Kernidee

May versteht Angst als zentrale Erfahrung des Menschen, die in der Therapie beachtet werden muss. Wer ihr mit Mut begegnet, kann zu einem kreativen Erwachsenen werden. Seine Stufenlehre unterscheidet Unschuld, Rebellion, Gewöhnlichkeit und Kreativität, wobei sich mehrere Merkmale mischen können.

Bekannt für

Man kennt May für „Love and Will“, sein bekanntestes Buch, und für „The Courage to Create“, das von Tillichs „Der Mut zum Sein“ angeregt wurde. Er brachte die Existenzphilosophie in die amerikanische Psychologie.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Angst als Grunderfahrung

Viele menschliche Verhaltensweisen sind laut May mit einer unterschwelligen Angst verbunden, die in der Psychotherapie beachtet werden muss. Er zitiert Kierkegaard, Angst sei der Schwindel der Freiheit. Wer in einer neuen Führungsrolle plötzlich viele Wahlmöglichkeiten hat, kennt diesen Schwindel.

Mut und Kreativität

In Mays Stufenlehre begegnet der kreative Erwachsene der Angst mit Mut. Sein Buch über Kreativität nimmt Tillichs Mutbegriff auf. In einem Team zeigt sich das, wenn jemand trotz Unsicherheit einen ungewöhnlichen Vorschlag macht.

Gegen Techniken als Ersatz

Laut englischer Wikipedia kritisierte May, dass sich Therapeuten von Freud, Jung, Rank und Adler hin zu kurzlebigen Techniken bewegten, die von tieferen Problemen ablenken. Er wandte sich auch gegen Beliebigkeit in der Therapie. Im Coaching entspricht das der Frage, ob ein Werkzeug das eigentliche Thema nur überdeckt.

Begriffe

Angst
: unvermeidlich und wichtig für Wachstum; viel Verhalten ist von unterschwelliger, oft unbewusster Angst geprägt, die in der Therapie beachtet werden muss
Mut
: der reife Mensch begegnet der Angst mit Mut, statt sich in bequeme Routinen zu flüchten
Liebe und Wille
: Mays Buch von 1969, nach dem Liebe etwas ist, das man bewusst wählt und will, und Liebe und Sex zu Unrecht getrennt wurden
Freiheit und Schicksal
: Mays Buch von 1981: Freiheit und Schicksal begrenzen sich gegenseitig und sind aufeinander angewiesen
Kreativität
: die letzte seiner vier Entwicklungsstufen: der authentische Erwachsene, der sein Schicksal annimmt und der Angst mit Mut begegnet
Daimonisches
: jede natürliche Kraft im Menschen, die die ganze Person ergreifen kann und meist zugleich schöpferisch und zerstörerisch wirkt

Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner

Lehrer

  • Paul Tillich: enger Freund mit großem Einfluss, May schrieb über ihn das Buch „Paulus“ (1973)
  • Alfred Adler: May besuchte in Griechenland und Wien seine Seminare
  • Otto Rank: laut May der wichtigste Vorläufer der existenziellen Therapie

Schüler

  • Irvin D. Yalom: May war zeitweise sein Therapeut, Yaloms existenzielle Psychotherapie baut auf Mays Ansatz auf

Freunde

  • Paul Tillich: enger Freund

Gegner

  • Zu enge Spezialisierungen der Existenzpsychologie, etwa die Ontoanalytische Gesellschaft: May lehnte sie 1961 ab
  • Die sexuelle Revolution der 1960er Jahre: May hielt sexuelle Freiheit nicht für Freiheit

Verbindungen im Netz

6 Verbindungen, davon 6 noch nicht einzeln geprüft. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Baut auf

Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • Grundlage für Irvin D. Yalomungeprüft

    May war Yaloms Therapeut, und Yaloms existenzielle Psychotherapie baut laut deutscher Wikipedia auf Mays Ansatz auf.

  • baut auf Paul Tillichungeprüft

    Tillich beeinflusste May wesentlich, und May wurde ein enger Freund; er schrieb 1973 das Buch „Paulus“ über ihn.

  • baut auf Søren Kierkegaardungeprüft

    May zitierte Kierkegaard mit der Bestimmung der Angst als Schwindel der Freiheit (Wikipedia en).

Persönlicher Kontakt

Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.

  • persönlich verbunden mit Irvin D. Yalomungeprüft

    May war Yaloms Therapeut, und Yaloms existenzielle Psychotherapie baut laut deutscher Wikipedia auf Mays Ansatz auf.

  • persönlich verbunden mit Paul Tillichungeprüft

    Tillich beeinflusste May wesentlich, und May wurde ein enger Freund; er schrieb 1973 das Buch „Paulus“ über ihn.

Im Vergleich

Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.

  • im Vergleich mit Viktor Franklungeprüft

    Die deutsche Wikipedia nennt Frankl, May und Yalom als bedeutendste Vertreter der existenziellen Psychotherapie.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Biografie Deutung

    May erkrankte an Tuberkulose und verbrachte etwa eineinhalb Jahre im Sanatorium. Die englische Wikipedia datiert die Diagnose auf 1942, die deutsche nennt nur die 1940er Jahre. Dass diese Erfahrung sein Interesse an Angst und Tod stärkte, ist eine Deutung.[2]

  • Abhängigkeit Deutung

    May studierte am Union Theological Seminary (einer theologischen Hochschule in New York), wo Tillich lehrte, und wurde zunächst Pfarrer, bevor er Psychologie studierte. Die Nähe zu Tillich und zur Theologie prägte seine Sicht auf Angst und Mut.[1]

  • Zeitgeschehen belegt

    May kritisierte die sexuelle Revolution der 1960er Jahre mit dem Argument, sexuelle Freiheit mache Menschen nicht frei und Liebe und Sex seien zu Unrecht getrennt worden. Das zeigt, wie stark seine Freiheitslehre mit dem Zeitgeist seiner Gegenwart im Streit lag.[2]

Kritik

Die abgerufenen Quellen enthalten keine Kritik von Fachkollegen an May, die englische Wikipedia nennt lediglich seine eigene Kritik an Zeitströmungen. Die Seite der englischen Wikipedia ist selbst als mangelhaft belegt markiert.

Wirkung heute

Mays Gedanke, dass Angst nicht nur weggeräumt, sondern als Quelle von Kreativität verstanden werden kann, lebt in der existenziellen und humanistischen Psychotherapie weiter. Yalom hat seinen Ansatz fortgeführt.

Brücke zu Führung und Coaching

May lädt dazu ein, Angst im Führungsalltag nicht sofort zu beruhigen, sondern zu fragen, wovor genau sie schützt. Aus Angst vor einer Entscheidung kann Mut entstehen, wenn man sie nicht verdrängt. Frage dich: Welche Entscheidung schiebe ich auf, und was würde Mut hier konkret heißen?

Lebensstationen

  1. 1909Geburt in Ada, Ohio
  2. 1933Rückkehr aus Griechenland in die USA, Studium am Union Theological Seminary
  3. 1938Abschluss Bachelor of Divinity (ein theologischer Abschluss)
  4. 1949Promotion in klinischer Psychologie an der Columbia University
  5. 1969Erscheinen von „Love and Will“
  6. 1994Tod in Tiburon, Kalifornien

Werke

The Meaning of Anxiety (1950); Existence (1958 laut en. Wikipedia, 1956 laut de. Wikipedia); Love and Will (1969); The Courage to Create (1975); Paulus (1973)

Anekdote überliefert

Rollo May war eine Zeitlang der Therapeut von Irvin Yalom, den er später maßgeblich beeinflusste. Yalom sprach sehr wohlwollend von ihm.[3]

Lesetipps

Einstieg
Rollo May, Antwort auf die Angst (Original: The Meaning of Anxiety, 1950; deutscher Titel laut deutscher Wikipedia): Mays Grundlegung seines Angstverständnisses
Vertiefung
Irvin D. Yalom, Existentielle Psychotherapie (Original 1980, deutsch 1989): baut laut deutscher Wikipedia auf Mays Ansatz auf

Noch nicht sicher belegt

  • Mitbegründer der existenziellen Psychotherapie in den USA: Diese Formulierung steht in den abgerufenen Quellen nicht. Die deutsche Wikipedia nennt May „einen der ersten und einflussreichsten Denker“ der von europäischen Existenzialisten beeinflussten Psychotherapie und, zusammen mit Frankl und Yalom, „bedeutendsten Vertreter“; die englische Wikipedia nennt ihn, zusammen mit Frankl, einen „major proponent of existential psychotherapy“. Die Wendung „father of existential psychology“ steht nicht im Text und wurde nicht verwendet. Das Jahr von „Existence“ unterscheidet sich (1956 deutsch, 1958 englisch). Mays Stationen am William Alanson White Institute (1958 bis 1975) stammen nur aus der deutschen Wikipedia, Saybrook nur aus der englischen. Der deutsche Titel „Antwort auf die Angst“ steht in der deutschen Wikipedia, der Erscheinungsjahr der deutschen Ausgabe nicht. Die Inhalte von „Liebe und Wille“ und dem Daimonischen werden in den abgerufenen Texten nicht erläutert, deshalb sind sie nicht Thema einer eigenen Theorie.

Wege durchs Netz

  • Angst, Mut und Sinn

    May: Angst gehört zum Menschsein und muss in der Therapie ernst genommen werden, wer ihr mit Mut begegnet, kann wachsen.

Herkunft der Daten: Existenzialismus. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.

Quellen zu May

  1. [1]Rollo May, Wikipedia (de) · Wikipedia
  2. [2]Rollo May, Wikipedia (en) · Wikipedia
  3. [3]Irvin D. Yalom, Wikipedia (en) · Wikipedia
  4. [4]Wikipedia (en): Daimonic · Wikipedia, abgerufen 2026-10-20

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