Landkarte der Philosophie · Strömung

Phänomenologie und Existenzialismus

1900 bis 1970 · modernebelegt

Wie erleben wir die Welt, und wie leben wir frei und verantwortlich ohne vorgegebenen Sinn?

Die Phänomenologie beschreibt, wie sich Dinge dem Bewusstsein zeigen. Der Existenzialismus baut darauf: Der Mensch hat kein vorgegebenes Wesen und muss sich selbst entwerfen. Freiheit, Angst und Verantwortung stehen im Mittelpunkt.

Zeit und Umfeld

Der Erste und Zweite Weltkrieg, Besatzung und Massenmord erschütterten den Glauben an Fortschritt und feste Werte.

Warum das heute zählt

Verantwortung für die eigenen Entscheidungen zu übernehmen, statt sich hinter Rollen oder Umständen zu verstecken, ist Führungsarbeit und Coaching im Kern.

Kants Fragen (Deutung): Was ist der Mensch? · Was soll ich tun?

Personen (22)

Begriffe

Phänomenologie
: die genaue Beschreibung dessen, wie etwas im Erleben erscheint
Sein-in-der-Welt
: Heideggers Bild vom Menschen als immer schon in Bezügen stehend
Existenz vor Wesen
: Sartres Satz, dass der Mensch erst durch sein Handeln wird, was er ist
Unaufrichtigkeit
: sich selbst vorzumachen, man habe keine Wahl
Das Absurde
: bei Camus der Zusammenprall von Sinnsuche und schweigender Welt

Verbindungen innerhalb der Strömung

48 Verbindungen, jede als Satz mit Begründung. „Im Vergleich“ heißt: ähnliche Gedanken, ohne dass sich die beiden beeinflusst haben müssen.

  • Simone de Beauvoir baut auf Maurice Merleau-Ponty aufungeprüft

    Merleau-Ponty gehörte zur Redaktion der Temps Modernes, seine Phänomenologie prägte Das andere Geschlecht.

  • Frantz Fanon baut auf Maurice Merleau-Ponty aufungeprüft

    Merleau-Ponty wird in der Stanford-Enzyklopädie und der deutschen Wikipedia als Einfluss genannt, der eine phänomenologische Lektüre Fanons stützt.

  • Gabriel Marcel baut auf Karl Jaspers aufungeprüft

    Jaspers zählt laut dewiki zu Marcels prägenden Einflüssen.

  • Martin Heidegger baut auf Franz Brentano aufungeprüft

    Wikipedia de vermerkt, dass Heidegger stark von Brentano beeinflusst wurde.

  • Emmanuel Levinas baut auf Gabriel Marcel aufungeprüft

    Levinas besuchte Marcels Freitagabende, nachweisbarer Einfluss laut dewiki.

  • Emmanuel Levinas baut auf Martin Heidegger aufungeprüft

    Von Heideggers Hermeneutik des In-der-Welt-Seins angezogen, wandte sich Levinas von dessen Seinsdenken ab und sprach von der Notwendigkeit, das Klima dieser Philosophie zu verlassen.

  • Rollo May baut auf Paul Tillich aufungeprüft

    Tillich beeinflusste May wesentlich, und May wurde ein enger Freund; er schrieb 1973 das Buch „Paulus“ über ihn.

  • Maurice Merleau-Ponty baut auf Edmund Husserl aufungeprüft

    Er übernahm die Phänomenologie als Rahmen und wollte sie reformieren, nicht aufgeben.

  • José Ortega y Gasset baut auf Edmund Husserl aufungeprüft

    Laut Wikipedia (en) folgt Ortegas Methode einer realistischen Phänomenologie nach dem Vorbild Husserls.

  • Jean-Paul Sartre baut auf Martin Heidegger aufungeprüft

    Von Heideggers Existenzphilosophie geprägt, laut SEP-Heidegger belegt

  • Jean-Paul Sartre baut auf Edmund Husserl aufungeprüft

    Sartre beschäftigte sich ab 1933 in Berlin mit Husserls Phänomenologie.

  • Max Scheler baut auf Edmund Husserl aufungeprüft

    Scheler gehörte zu Husserls Göttinger Bekanntenkreis und wurde nach Wikipedia de maßgeblich von ihm beeinflusst.

  • Irvin D. Yalom baut auf Rollo May aufungeprüft

    May war Yaloms Therapeut, und Yaloms existenzielle Psychotherapie baut laut deutscher Wikipedia auf Mays Ansatz auf.

  • Simone de Beauvoir und Maurice Merleau-Ponty kannten sich persönlichungeprüft

    Merleau-Ponty gehörte zur Redaktion der Temps Modernes, seine Phänomenologie prägte Das andere Geschlecht.

  • Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre kannten sich persönlichungeprüft

    Lebenslang eng verbunden, offene Beziehung, Pakt von 1929, gemeinsame Zeitschrift Les Temps Modernes.

  • Nikolai Berdjajew und Max Scheler kannten sich persönlichungeprüft

    Im Berliner Exil getroffen, laut Wikipedia (de) entstand eine lebenslange Verbindung mit Scheler, Spengler und Tillich.

  • Nikolai Berdjajew und Paul Tillich kannten sich persönlichungeprüft

    Treffen im Berliner Exil und lebenslange Verbindung mit ähnlicher Kritik an Positivismus und Rationalismus.

  • Albert Camus und Jean-Paul Sartre kannten sich persönlichungeprüft

    Zeitweise befreundet, später zerstritten, wird oft mit ihm verglichen, obwohl Camus den Existentialismus für sich ablehnte

  • Frantz Fanon und Jean-Paul Sartre kannten sich persönlichungeprüft

    Sartre schrieb das Vorwort zu „Die Verdammten dieser Erde“ (1961), Fanon las zugleich dessen Blick-Analyse und „Antisemit und Jude“ kritisch.

  • Gabriel Marcel und Emmanuel Levinas kannten sich persönlichungeprüft

    Levinas besuchte Marcels Freitagabende, nachweisbarer Einfluss laut dewiki.

  • Gabriel Marcel und Jean-Paul Sartre kannten sich persönlichungeprüft

    Marcel lehnte Sartres atheistisch-radikalen Freiheitsbegriff ab, beide nahmen an den Freitagabenden teil.

  • Martin Heidegger und Karl Jaspers kannten sich persönlichungeprüft

    Freundschaft ab 1920, nach Heideggers NSDAP-Eintritt und Rektoratsrede 1933 der Bruch.

  • Martin Heidegger und Paul Tillich kannten sich persönlichungeprüft

    In Marburg 1924 bis 1925 entwickelte Tillich laut Wikipedia (en) ein fachliches Verhältnis zu Rudolf Bultmann und Martin Heidegger.

  • Edmund Husserl und Max Scheler kannten sich persönlichungeprüft

    Scheler gehörte zu Husserls Göttinger Bekanntenkreis und wurde nach Wikipedia de maßgeblich von ihm beeinflusst.

  • Rollo May und Paul Tillich kannten sich persönlichungeprüft

    Tillich beeinflusste May wesentlich, und May wurde ein enger Freund; er schrieb 1973 das Buch „Paulus“ über ihn.

  • Rollo May und Irvin D. Yalom kannten sich persönlichungeprüft

    May war Yaloms Therapeut, und Yaloms existenzielle Psychotherapie baut laut deutscher Wikipedia auf Mays Ansatz auf.

  • José Ortega y Gasset und Miguel de Unamuno kannten sich persönlichungeprüft

    Gemeinsame Kampagne gegen Antonio Maura 1908 und Fürsprache für Unamunos Begnadigung 1920.

  • Franz Brentano war Lehrer von Edmund Husserlungeprüft

    Husserl gehörte laut SEP und Wikipedia de zu Brentanos Hörern, und Brentanos beschreibende Psychologie beeinflusste seine Phänomenologie.

  • Martin Heidegger war Lehrer von Hans Jonasungeprüft

    Heidegger betreute Jonas' Dissertation von 1928, ab 1964 distanzierte sich Jonas öffentlich.

  • Edmund Husserl war Lehrer von Martin Heideggerungeprüft

    Heidegger war ab 1919 oder 1920 Husserls Assistent, widmete ihm Sein und Zeit und folgte ihm 1928 auf den Lehrstuhl.

  • Edmund Husserl war Lehrer von Hans Jonasungeprüft

    Jonas begann 1921 in Freiburg bei Husserl und Heidegger zu studieren.

  • Edmund Husserl war Lehrer von Emmanuel Levinasungeprüft

    Levinas studierte in Freiburg bei Husserl, schrieb 1930 die erste französische Einführung in dessen Denken und übersetzte 1931 die Cartesianischen Meditationen mit.

  • Edmund Husserl war Lehrer von Edith Steinungeprüft

    Edith Stein war 1916 bis 1918 Husserls Assistentin und beendete die Arbeit aus Frustration (SEP).

  • Simone de Beauvoir kritisiert Emmanuel Levinasungeprüft

    Beauvoir kritisierte in den 1950er Jahren Levinas' Bild des Subjekts als notwendig männlich (Wikipedia en).

  • Martin Buber kritisiert Martin Heideggerungeprüft

    In Gottesfinsternis setzt sich Buber mit Heidegger und Sartre auseinander und lehnt das geschlossene Subjekt ab.

  • Albert Camus kritisiert Jean-Paul Sartreungeprüft

    Bruch 1952 nach Der Mensch in der Revolte und Jeansons Rezension in Les Temps Modernes.

  • Frantz Fanon kritisiert Jean-Paul Sartreungeprüft

    Sartre schrieb das Vorwort zu „Die Verdammten dieser Erde“ (1961), Fanon las zugleich dessen Blick-Analyse und „Antisemit und Jude“ kritisch.

  • Gabriel Marcel kritisiert Jean-Paul Sartreungeprüft

    Marcel lehnte Sartres atheistisch-radikalen Freiheitsbegriff ab, beide nahmen an den Freitagabenden teil.

  • Martin Heidegger kritisiert Jean-Paul Sartreungeprüft

    Heidegger sah Sartres Humanismus als weitere metaphysische Perspektive, die nicht zur Frage nach dem Sein zurückkehrt.

  • Martin Heidegger kritisiert Max Schelerungeprüft

    Heidegger würdigte Scheler im Nachruf, kritisierte aber dessen Anthropologie als Additionsmodell (Wikipedia de).

  • Emmanuel Levinas kritisiert Martin Buberungeprüft

    Levinas warf ihm eine ästhetisierende Haltung vor und setzte das Antlitz als stärkeren ethischen Anspruch dagegen.

  • Emmanuel Levinas kritisiert Martin Heideggerungeprüft

    Von Heideggers Hermeneutik des In-der-Welt-Seins angezogen, wandte sich Levinas von dessen Seinsdenken ab und sprach von der Notwendigkeit, das Klima dieser Philosophie zu verlassen.

  • Maurice Merleau-Ponty kritisiert Jean-Paul Sartreungeprüft

    Rückzug aus Les Temps Modernes 1952/53, scharfe Kritik in Die Abenteuer der Dialektik 1955.

  • Jean-Paul Sartre kritisiert Albert Camusungeprüft

    Öffentlicher Bruch 1951 bis 1952, laut SEP belegt

  • Edith Stein kritisiert Martin Heideggerungeprüft

    Laut SEP bot ihre späte Ontologie eine christliche Alternative zu Heideggers Verständnis des Seins als Endlichkeit.

  • Viktor Frankl wird verglichen mit Rollo Mayungeprüft

    Die deutsche Wikipedia nennt Frankl, May und Yalom als bedeutendste Vertreter der existenziellen Psychotherapie.

  • Viktor Frankl wird verglichen mit Irvin D. Yalomungeprüft

    Beide gelten laut deutscher Wikipedia zusammen mit May als bedeutendste Vertreter der existenziellen Psychotherapie.

  • Martin Heidegger wird verglichen mit José Ortega y Gassetungeprüft

    Die englische Wikipedia nennt Ortegas Ansatz einen Proto-Existenzialismus vor Heidegger, die deutsche beschreibt das Massenphänomen bei beiden phänomenologisch, ein direktes Verhältnis ist nicht belegt.

Nachbarn unter den Strömungen

Wege durchs Netz

Kurze Erzählungen über mehrere Personen.

Frei sein heißt wählen müssen

Wie aus der Entscheidung des Einzelnen der Gedanke wurde, dass wir uns selbst entwerfen.

  1. 1.KierkegaardKierkegaard: Die Wahrheit über dein Leben lässt sich nicht beweisen, du musst dich entscheiden, und Angst ist das Bewusstsein dieser Freiheit.
  2. 2.NietzscheNietzsche: Wenn die alten Werte ihre Grundlage verlieren, muss der Mensch selbst Werte schaffen.
  3. 3.HeideggerHeidegger: Im Alltag verlieren wir uns im Man, dem anonymen Mitmachen, und die eigene Endlichkeit holt uns daraus zurück.
  4. 4.SartreSartre: Erst existierst du, dann machst du durch dein Handeln aus dir, was du bist, und du bleibst dafür verantwortlich.
  5. 5.BeauvoirBeauvoir: Freiheit gibt es nur in einer konkreten Lage, und wer frei sein will, trägt auch die Freiheit der anderen mit.

Zurück zu den Sachen

Wie die Phänomenologie das genaue Beschreiben des Erlebens zur Methode machte.

  1. 1.BrentanoBrentano: Alles Seelische ist auf etwas gerichtet, wer denkt, denkt etwas.
  2. 2.HusserlHusserl: Klammere deine Annahmen ein und beschreibe, wie sich die Dinge dem Bewusstsein zeigen.
  3. 3.HeideggerHeidegger: Bevor wir etwas beschreiben, leben wir schon in einer Welt, die wir verstehen.
  4. 4.Merleau-PontyMerleau-Ponty: Wir nehmen die Welt mit dem Leib wahr, der handelt und sich orientiert.
  5. 5.LevinasLevinas: Das Antlitz des anderen Menschen spricht mich an, und daraus entsteht Verantwortung vor jeder Entscheidung.

Angst, Mut und Sinn

Wie existenzielle Fragen den Weg in die Psychotherapie und ins Coaching fanden.

  1. 1.KierkegaardKierkegaard: Angst ist das Schwindelgefühl vor der eigenen Freiheit.
  2. 2.TillichTillich: Mut heißt, das eigene Sein trotz der Bedrohung durch Tod, Schuld und Sinnlosigkeit zu bejahen.
  3. 3.MayMay: Angst gehört zum Menschsein und muss in der Therapie ernst genommen werden, wer ihr mit Mut begegnet, kann wachsen.
  4. 4.FranklFrankl: Menschen streben nach Sinn und werden krank, wenn sie keinen sehen.
  5. 5.YalomYalom: Tod, Freiheit, Einsamkeit und Sinnlosigkeit sind Gegebenheiten, über die eine gute Therapie offen spricht.

Ich werde am Du

Warum viele Denker dem einsamen Ich die Begegnung entgegensetzten.

  1. 1.JaspersJaspers: Was Existenz ist, lässt sich nicht beweisen, nur im Gespräch zwischen Menschen erhellen.
  2. 2.BuberBuber: Ich-Es macht das Gegenüber zum Gegenstand, Ich-Du ist eine Begegnung.
  3. 3.G. MarcelMarcel: Liebe, Hoffnung und Treue sind keine Probleme, die man löst, sondern Geheimnisse, in denen man selbst steckt.
  4. 4.ArendtArendt: Freiheit entsteht, wenn Menschen gemeinsam etwas Neues anfangen.
  5. 5.LevinasLevinas: Ethik kommt vor allem anderen, weil der andere Mensch mich in die Verantwortung nimmt.

Wenn die Welt schweigt

Vier Jahrhunderte Ringen mit der Frage, ob das Leben einen Sinn hat.

  1. 1.PascalPascal: Der Mensch steht ohne feste Mitte zwischen dem unendlich Kleinen und Großen und lenkt sich ab, um das nicht zu spüren.
  2. 2.DostojewskiDostojewski: In seinen Romanen streiten Figuren darüber, ob ohne Gott noch etwas gilt.
  3. 3.UnamunoUnamuno: Das Leben ist tragisch, weil wir um unseren Tod wissen und trotzdem bleiben wollen.
  4. 4.CamusCamus: Die Welt antwortet nicht auf unsere Frage nach Sinn, und wir leben trotzdem und lehnen uns auf.
  5. 5.SartreSartre: Ohne vorgegebenen Sinn sind wir zur Freiheit verurteilt, und über die Frage, was daraus politisch folgt, zerbrach 1952 seine Freundschaft mit Camus.

Quellen

  1. [1]Stanford Encyclopedia of Philosophy: existentialism · Stanford Encyclopedia of Philosophy
  2. [2]Stanford Encyclopedia of Philosophy: phenomenology · Stanford Encyclopedia of Philosophy
  3. [3]Wikipedia (en): Existentialism · Wikipedia
  4. [4]Wikipedia (en): World War II · Wikipedia

Zurück zur Landkarte