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Landkarte der Philosophie

Donella Meadows

Systemwissenschaftlerin · 1941–2001 · Cambridge (Massachusetts), Hanover (New Hampshire), Hartland (Vermont)

Kernidee in Kürze

Meadows fragt, warum gut gemeinte Eingriffe in Wirtschaft, Umwelt und Organisationen oft ins Leere laufen oder das Gegenteil bewirken. Ihre Antwort lautet, dass Systeme aus Beständen, Strömen, Rückkopplungen und Verzögerungen bestehen und dass die wirkungsvollsten Eingriffe nicht bei kleinen Stellschrauben liegen, sondern bei Zielen und Denkweisen.

Kapitel
System und Organisation (redaktionell)
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

Vertiefung

Zum Einstieg

Warum verschärfen gut gemeinte Eingriffe oft die Probleme, und an welchen Stellen kann man in ein komplexes System wirklich etwas verändern?

Einwand
Kritiker hielten die Modelle von „The Limits to Growth“ für zu einfach und zu empfindlich gegenüber Annahmen, und Meadows nannte ihre Liste der Hebelpunkte selbst eine Arbeitsfassung und kein sicheres Rezept.
Verbindung
Meadows führt Forresters Systemdynamik fort und nennt Gregory Bateson unter den Denkern anderer Fächer, aus denen sie geschöpft hat. Unter ihren Lehrern nennt sie auch Peter Senge.

Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen

Wer Meadows war

Amerikanische Umwelt- und Systemwissenschaftlerin, die mit „The Limits to Growth“ und dem Aufsatz über Hebelpunkte zeigte, wie Rückkopplungen die Entwicklung ganzer Systeme bestimmen und wo man in sie eingreifen kann.

Meadows wurde am Massachusetts Institute of Technology von Jay Forrester in Systemdynamik ausgebildet und wandte sie als Mitglied eines Teams auf die Entwicklung der ganzen Welt an. Sie starb 2001 früh, ihr Buch „Thinking in Systems“ erschien erst nach ihrem Tod.

Kernidee genauer

Sie wollte Systemdenken so erklären, dass es auch ohne Computer und Gleichungen verständlich wird.

Biografischer Moment

Belegter Einfluss Die angegebenen Quellen dokumentieren, dass dieses Erlebnis das Denken beeinflusst hat. Belegt heißt dokumentiert, nicht bewiesen.

Meadows kam nach der Promotion in Biophysik ans Massachusetts Institute of Technology, in die von Jay Forrester gegründete Abteilung. Sie schreibt später, dass sie zu denen gehört, die von ihm dort ausgebildet wurden, und nennt Forresters Weltmodell ihre Einführung in die Systemanalyse.[5][1]

Bekannt für

Man kennt Meadows als Hauptautorin der Studie „The Limits to Growth“ von 1972 und für ihre zwölf Hebelpunkte, also Stellen, an denen ein kleiner Anstoß in einem System viel verändern kann. Ein Alltagsbeispiel: Wenn Dein Team ständig Termine verpasst, kannst Du an einer Zahl drehen, etwa der Frist, oder fragen, wie Informationen fließen und was Euer Ziel ist.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Grenzen des Wachstums

Meadows war 1972 Hauptautorin der Studie „The Limits to Growth“, die im Auftrag des Club of Rome am Massachusetts Institute of Technology entstand. Das Computermodell World3 verknüpfte Bevölkerung, Wirtschaft, Umweltverschmutzung und Rohstoffe und kam zu dem Ergebnis, dass ein Weiterwachsen ohne Änderungen zu einem unkontrollierten Rückgang führen könne. Das ist die Position der Studie und sie wurde sofort und bis heute diskutiert.

Hebelpunkte: Wo man in ein System eingreifen sollte

In „Leverage Points“ (1999) ordnet Meadows zwölf Stellen, an denen man in ein System eingreifen kann, nach ihrer Wirksamkeit. Am unteren Ende stehen Zahlenwerte wie Fristen oder Budgets, weiter oben Informationsflüsse, Regeln, die Macht, Strukturen zu ändern, Ziele und ganz oben die Denkweise, aus der ein System entsteht.

Mit Systemen tanzen

In „Thinking in Systems“ erklärt Meadows Bestände, Ströme, Rückkopplungsschleifen und Verzögerungen an Alltagsbeispielen wie einem Thermostat oder dem Warenlager eines Autohändlers. Das Buch fragt auch, wie Menschen mit Systemen umgehen können, wenn sie die Illusion aufgeben, sie völlig zu kontrollieren; Meadows nennt das, mit Systemen zu tanzen. Wenn Du ein Team begleitest, kannst Du so eher Rückmeldungen beobachten, als jede Reaktion im Voraus festzulegen.

Begriffe

Systemdenken
Rückkopplung
Hebelpunkte
Grenzen des Wachstums
Paradigma

Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen

3 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 3 belegt). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Was der Prüfstand bedeutet

Persönlich verbunden

Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.

  • Peter SengePrüfstand: belegt

    Meadows nennt Peter Senge unter ihren besonderen Lehrern und den Schülern, die zu ihren Lehrern geworden sind, und Senge lobte später ihr Buch „Thinking in Systems“.

Übernimmt Gedanken von

Meadows übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • Gregory BatesonPrüfstand: belegt

    Meadows nennt Gregory Bateson in „Thinking in Systems“ unter den Denkern anderer Fächer, aus denen sie geschöpft hat, neben vielen anderen wie Kenneth Boulding und Herman Daly. Welche Gedanken sie von ihm übernahm, sagt sie nicht.

  • Jay W. ForresterPrüfstand: belegt

    Das Weltmodell der Studie „The Limits to Growth“ von Donella und Dennis Meadows ging von Forresters Weltmodell in „World Dynamics“ aus.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Biografie belegt

    Meadows studierte Chemie und promovierte 1968 in Biophysik. Danach wurde sie Forschungsstipendiatin am Massachusetts Institute of Technology in der von Jay Forrester gegründeten Abteilung und lehrte ab 1972 am Dartmouth College. Sie gründete 1996 das Sustainability Institute, das Forschung mit praktischem nachhaltigem Leben verband.[3]

  • Zeitgeschehen belegt

    Meadows arbeitete 1970 bis 1972 am Massachusetts Institute of Technology an der Studie für den Club of Rome, die die Folgen unbegrenzten Wachstums untersuchte. Der Club ist eine Gruppe von Wirtschaftsleuten, Beamten und Wissenschaftlern. Das Projekt wurde mit Geld der Volkswagen-Stiftung unterstützt.[12]

  • Biografie belegt

    Meadows starb im Februar 2001 mit 59 Jahren an einer Hirnhautentzündung. Ihr Buch „Thinking in Systems“ war nicht fertig und wurde 2008 aus ihrem Entwurf von 1993 herausgegeben. Das heißt, dass sie das Buch selbst nicht mehr überarbeiten konnte.[9]

Kritik

Die Studie „The Limits to Growth“ stieß sofort auf Kritik: Peter Passell und zwei Mitautoren nannten sie 1972 in der New York Times „leer und irreführend“ und warfen ihr vor, den technischen Fortschritt zu wenig zu berücksichtigen. Eine Forschergruppe der University of Sussex hielt 1973 die Ergebnisse für sehr empfindlich gegenüber wenigen Annahmen, worauf das Team mit einer eigenen Antwort reagierte. Außerdem wurden die Zahlen zu Rohstoffen oft als Vorhersagen gelesen, obwohl das Buch sie nach einer späteren Untersuchung nirgends so bezeichnete.

Wirkung heute

Der Aufsatz über Hebelpunkte wird bis heute aufgegriffen, zum Beispiel in der Nachhaltigkeitsforschung, die zwischen flachen und tiefen Eingriffen in Systeme unterscheidet. Die Studie von 1972 erschien später in Fortschreibungen von 1992 und 2004, und die Frage nach den Grenzen des Wachstums wird weiter diskutiert.

Brücke zu Führung und Coaching

Übertragen auf heute: Wenn Du in Deinem Team ein immer wiederkehrendes Problem beheben willst, kannst Du mit Meadows fragen, auf welcher Ebene Du eingreifst: bei einer Zahl wie der Frist, bei einem Informationsfluss, bei einer Regel, beim Ziel oder bei der Denkweise dahinter. Eine Frage für Eure nächste Retrospektive lautet: Welche Annahme darüber, wie wir arbeiten, hat dieses Problem überhaupt erst möglich gemacht? Das ist eine Übertragung ihrer Liste auf Führung und keine Aussage, die sie so über Teams getroffen hat.

Lebensstationen

  1. 1941Geboren in Elgin, Illinois
  2. 1968Promotion in Biophysik an der Harvard University
  3. 1972Erscheinen von „The Limits to Growth“ und Beginn der Lehre am Dartmouth College
  4. 1994Auszeichnung mit einem MacArthur-Stipendium
  5. 1996Gründung des Sustainability Institute
  6. 2001Tod im Alter von 59 Jahren

Werke

The Limits to Growth (1972); Leverage Points: Places to Intervene in a System (1999); Thinking in Systems (2008)

Anekdote belegt

Meadows beschreibt, dass ihr die Liste der Hebelpunkte bei einer Sitzung über die neue Welthandelsordnung einfiel, bei der sie innerlich kochte. Sie stand auf, ging zum Flipchart und schrieb die Liste auf, und die anderen im Raum waren überrascht.[5]

Noch nicht sicher belegt

  • Die Angaben zum Erfolg von „The Limits to Growth“ unterscheiden sich: Genannt werden mehr als 9 Millionen Exemplare in 26 Sprachen, aber auch rund 30 Millionen in 30 Sprachen. Auch ihre Stelle von 1970 bis 1972 wird unterschiedlich beschrieben, einmal als Forschungsstelle in Forresters Team am Massachusetts Institute of Technology, einmal als Stelle an einem Harvard-Zentrum für Bevölkerungsstudien und in der Ernährungsabteilung des Massachusetts Institute of Technology. Ob die einzelnen Hebelpunkte empirisch geprüft wurden, ließ sich nicht belegen.

Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 3: Organisation, System, Lernen. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen

Quellen zu Meadows

  1. [1]Donella Meadows · Wikipedia
  2. [2]Donella Meadows · Wikipedia
  3. [3]Wikipedia (en); Dartmouth Libraries Archives · Webseite
  4. [4]nytimes.com/2001/02/22/us/donella-meadows-59-author-and-advocate-for-environment.html · Webseite
  5. [5]Leverage Points: Places to Intervene in a System, Einleitung · Webseite
  6. [6]donellameadows.org/donella-meadows-legacy/donella-dana-meadows · Webseite
  7. [7]David Lane, The Power of the Bond Between Cause and Effect Abschnitt World Dynamics; The History of The Limits to Growth · Webseite
  8. [8]The Limits to Growth · Wikipedia
  9. [9]The New York Times, Nachruf; Thinking in Systems, Vorwort der Herausgeberin · Webseite
  10. [10]chelseagreen.com/product/thinking-in-systems · Webseite
  11. [11]pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5226895 · Webseite
  12. [12]David Lane, The Power of the Bond Between Cause and Effect · Webseite

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