Landkarte der Philosophie

Novalis (Friedrich von Hardenberg)

1772–1801 · Oberwiederstedt, Freiberg, Weißenfels

Strömung
Kant und Deutscher Idealismus
Kants Fragen
Was darf ich hoffen? · Was ist der Mensch? (Deutung)
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Eigener Eintrag
Stanford Encyclopedia of Philosophy

Der Dichter und Bergbau-Fachmann, der Fichtes Philosophie ins Poetische wendete und die Frühromantik prägte.

Novalis studierte Fichtes Wissenschaftslehre genau und war mit Friedrich Schlegel eng befreundet, der seine Fragmente im Athenaeum druckte. Mit Hölderlin teilt er die Suche nach einer Einheit, die das Denken allein nicht fasst.

Kernidee

Novalis will die Welt „romantisieren“, also ihr durch Phantasie und Gefühl wieder Tiefe geben. In seinen Fichte-Studien (1795/96) stellt er Fichtes Ich in Frage und hält Gefühl und Denken für zwei eigene Quellen der Erfahrung. Philosophie und Dichtung gehören für ihn zusammen.

Bekannt für

Man kennt Novalis als Dichter der blauen Blume im Romanfragment „Heinrich von Ofterdingen“ und der „Hymnen an die Nacht“. Er starb mit 28 Jahren an Tuberkulose.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Romantisieren der Welt

Novalis fordert, die ganze Welt solle romantisiert werden. Gemeint ist nach der Stanford Encyclopedia ein kritisches Selbstverständnis und keine bloße Verklärung. Wer die Routinen seines Teams neu betrachtet, entdeckt oft, was sie eigentlich leisten.

Fichte-Studien: Das Ich ist nicht die ganze Erklärung

In seinen Notizen von 1795/96 stellt Novalis Fichtes Ich in Frage und hält Gefühl und Denken für zwei eigenständige Quellen der Erfahrung. Für ihn zeigt sich, wo Denken an Grenzen stößt, mit dem Gefühl. Wer im Team nur Zahlen gelten lässt, übersieht oft, was die Leute spüren.

Fragment als Denkform

Novalis nutzte das Fragment als philosophische Form, um den Anspruch geschlossener Systeme zu hinterfragen. Seine Sammlung Blüthenstaub erschien 1798 im Athenaeum, herausgegeben von Friedrich Schlegel. Auch gute Besprechungen enden oft mit einer offenen Frage statt mit einem fertigen Beschluss.

Begriffe

Romantisieren
Fragment
Sehnsucht
Fichte-Studien
blaue Blume

Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner

Lehrer

  • Fichte: Novalis studierte die Wissenschaftslehre 1795/96 intensiv, ohne sein Schüler im engen Sinn zu sein
  • Schiller: Novalis hörte 1791 in Jena dessen Geschichtsvorlesung und kam ihm persönlich nah
  • Abraham Gottlob Werner: Lehrer an der Bergakademie Freiberg

Freunde

  • Friedrich Schlegel: lebenslange enge Freundschaft, Begegnung 1792
  • Ludwig Tieck: Freund, gab mit Schlegel nach dem Tod Werke heraus

Gegner

  • Goethe: Novalis hielt dessen Wilhelm Meister für gegen die Poesie gerichtet, Heinrich von Ofterdingen ist teils als Gegenentwurf entstanden

Verbindungen im Netz

4 Verbindungen, davon 4 noch nicht einzeln geprüft. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Lehrer und Schüler

Persönliches Lehrverhältnis.

Baut auf

Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • baut auf Johann Gottlieb Fichteungeprüft

    Novalis studierte die Wissenschaftslehre 1795/96 und stellte Fichtes Ich zugleich in Frage.

Persönlicher Kontakt

Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.

  • persönlich verbunden mit Friedrich Schlegelungeprüft

    Lebenslange enge Freundschaft, Schlegel druckte Blüthenstaub im Athenaeum und gab später mit Tieck die Werke heraus.

Im Vergleich

Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.

  • im Vergleich mit Friedrich Hölderlinungeprüft

    Gedanklich verwandt in der Frage nach Fichtes Ich; eine persönliche Begegnung in Jena 1795 gilt als möglich, ist aber dürftig belegt.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Biografie belegt

    Novalis verlobte sich am 15. März 1795 heimlich mit der noch nicht ganz 13 Jahre alten Sophie von Kühn. Sie starb am 19. März 1797 mit 15 Jahren, und ihr Tod steht im Hintergrund der Hymnen an die Nacht.[2]

  • Abhängigkeit belegt

    Novalis folgte seinem Vater in den Salinenbetrieb. Er studierte dafür ab Ende 1797 in Freiberg Bergbau und war ab 1799 Assessor an den Salinen in Weißenfels. Dichtung und Philosophie entstanden neben diesem Brotberuf.[1]

  • Zeitgeschehen belegt

    Der Aufsatz „Die Christenheit oder Europa“ entstand 1799, wurde aber erst 1826 vollständig gedruckt. Seine Deutung reicht vom reaktionären Manifest über einen Traum von Einheit bis zum Plädoyer für ein vereintes Europa.[3]

Kritik

Wie die Christenheit-Schrift zu lesen ist, bleibt umstritten: als rückwärtsgewandte Mittelalter-Verklärung oder als Entwurf europäischer Einheit. Novalis selbst kritisierte an Goethes Wilhelm Meister, dass er die Poesie dem Alltag unterordne.

Wirkung heute

Sein Gedanke, dass Denken und Gefühl zwei eigene Quellen der Erfahrung sind, wirkt in der Debatte über das Selbst nach. Die „blaue Blume“ ist bis heute ein Bild für Sehnsucht.

Brücke zu Führung und Coaching

Novalis erinnert daran, dass Sinn nicht nur durch Zahlen entsteht. Gib einer vertrauten Arbeit in deinem Team bewusst einen neuen Namen oder eine neue Geschichte und beobachte, was sich ändert. Frage dich: Was ist an unserem Alltag so selbstverständlich, dass wir es nicht mehr sehen?

Zitate

„Nach innen geht der geheimnisvolle Weg.“

Blüthenstaub (1798), Fragment 16

Lebensstationen

  1. 1772Geboren auf Schloss Oberwiederstedt
  2. 1790Beginn des Jurastudiums in Jena, 1791 Begegnung mit Schiller
  3. 1795Verlobung mit Sophie von Kühn, Beginn der Fichte-Studien
  4. 1797Tod Sophies, Beginn des Studiums an der Bergakademie Freiberg
  5. 1800Hymnen an die Nacht erscheinen im Athenaeum
  6. 1801Tod in Weißenfels

Werke

Blüthenstaub (1798)

Die Christenheit oder Europa (1799 entstanden, 1826 gedruckt)

Hymnen an die Nacht (1800)

Heinrich von Ofterdingen (1802, unvollendet, nach seinem Tod erschienen)

Anekdote belegt

„Novalis“ war ein alter Beiname der Familie Hardenberg, abgeleitet von „de Novali“, nach dem Gut Großenrode (lateinisch magna Novalis). Das Wort lässt sich als „der Neuland Bestellende“ lesen, und Friedrich von Hardenberg wählte es als Dichternamen.[3]

Lesetipps

Einstieg
Blüthenstaub (1798) und Hymnen an die Nacht (1800): kurze Texte für einen ersten Eindruck.
Vertiefung
Manfred Frank, Einführung in die frühromantische Ästhetik. Vorlesungen (Suhrkamp, 1989)

Noch nicht sicher belegt

  • Fragmentnummer 16 stützt sich auf eine Textsammlung und eine Ausgabe von 1943, nicht auf die Erstausgabe. Die Deutung der Hymnen an die Nacht als Trauer um Sophie steht in Britannica, die Quelle für die Behauptung ist aber nur die Datierung. Goethes Ablehnung der Christenheit-Schrift ist in keiner abgerufenen Quelle belegt und wurde gestrichen, ebenso der Gegner Nicolai. Das wörtliche Romantisieren-Zitat (Novalis, Fragment von 1798) wurde nur in englischer Übersetzung (SEP, LFI 66) gesehen und deshalb nicht als Zitat geführt. Die Datierung der Hymnen (Athenaeum, August 1800) stammt aus de.wikipedia, die Entstehung ab 1797 aus en.wikipedia. Das Frank-Buch ist bibliografisch bestätigt (PhilPapers), nicht inhaltlich geprüft.

Herkunft der Daten: Kant und Deutscher Idealismus. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.

Quellen zu Novalis

  1. [1]Stanford Encyclopedia of Philosophy: Novalis · Stanford Encyclopedia of Philosophy
  2. [2]Wikipedia: Novalis · Wikipedia
  3. [3]Wikipedia: Novalis (en) · Wikipedia
  4. [4]Britannica: Novalis · Britannica
  5. [5]sites.google.com/site/germanliterature/18th-century/novalis · Webseite
  6. [6]br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/deutsch-und-literatur/novalis-der-geheimnisvolle-weg100.html · Webseite
  7. [7]philpapers.org/rec/FRAEID-4 · Aufsatz

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