Patricia Churchland
Philosophin · geboren 1943 · San Diego, Kalifornien
- Kapitel
- Geist und Technik (redaktionell, keine Schulzugehörigkeit)
- Richtung
- Analytische Philosophiebelegt[1]
- Kants Fragen
- Was kann ich wissen? · Was ist der Mensch? (Deutung)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Zum Einstieg
Wenn du sagst „Ich glaube“, beschreibst du dann etwas, das die Hirnforschung eines Tages anders benennen wird?
- Position
- Churchland antwortet, dass Philosophie und Hirnforschung zusammen arbeiten müssen und dass Begriffe der Alltagspsychologie überarbeitet werden könnten. Für sie gehört der Geist zur Naturforschung des Gehirns.
- Einwand
- Searle erwidert, dass auch ein Nachbau der Hirnvorgänge aus Ventilen und Rohren nichts verstünde und eine Simulation nicht das Wirkliche sei.
- Verbindung
- Churchland und Dennett teilen einen naturalistischen Zugang und widersprechen beide Searle, aber auf unterschiedlichen Wegen.
Redaktionell zusammengefasst, keine Zitate. Die Quellen stehen am Ende der Seite.
Kanadisch-amerikanische Philosophin, die mit der Neurophilosophie fordert, den Geist über das Gehirn zu erforschen, und alltagspsychologische Begriffe für überarbeitungsbedürftig hält.
Churchland steht in der Linie, die das Gehirn statt des Programms zum Maßstab macht. Sie widerspricht Searle, ohne das Chinesische Zimmer als Beweis gelten zu lassen, und ergänzt Dennetts naturalistischen Zugang.
Kernidee
Churchland sagt, wer den Geist verstehen will, muss das Gehirn verstehen. Philosophie und Neurowissenschaft lassen sich deshalb nicht sauber trennen, und Begriffe der Alltagspsychologie wie Glauben oder Wille müssen unter Umständen revidiert werden, wenn die Hirnforschung mehr zeigt. Ihr Buch „Neurophilosophy“ von 1986 machte diese Verbindung für viele Philosophen zum Thema.
Biografischer Moment
Lebensereignis Belegtes Ereignis aus dem Leben. Ob es das Denken geprägt hat, behauptet die Angabe nicht.
Churchland begann in Manitoba, mit Unterstützung des Physiologen Larry Jordan Neurowissenschaft zu studieren. Später fand sie am Salk Institute Unterstützung von Jonas Salk und Francis Crick für die Idee der Neurophilosophie.[1]
Fundstelle: Abschnitt Academic career
Bekannt für
Man kennt Churchland für „Neurophilosophy“ und für die Zusammenarbeit mit ihrem Mann Paul Churchland. Ein Alltagsbeispiel ist die Frage, ob „Ich will“ und „Ich glaube“ am Ende Hirnvorgänge beschreiben, die wir anders benennen würden, wenn wir mehr wüssten.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Neurophilosophie
Nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy verband Churchland 1986 Argumente der Wissenschaftstheorie mit einer Einführung in die Neurowissenschaft. Sie wollte Philosophie und Hirnforschung nicht trennen, sondern Mittel aus beiden nutzen. Wer verstehen will, wie du Entscheidungen triffst, schaut deshalb auch auf das Gehirn.
Eliminativer Materialismus
Der Name bezeichnet die Ansicht, dass Begriffe der Alltagspsychologie wie Gedanke, freier Wille und Bewusstsein wahrscheinlich überarbeitet werden müssen, wenn die Hirnforschung das Gehirn besser versteht. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy sagt, ihr Buch deute auf eine düstere Zukunft für die alltäglichen geistigen Zustände. Im Gespräch über Motive in einem Team kannst du das als Hinweis nehmen, dass unsere Worte über Gründe vorläufig sind.
Antwort auf Searle: der Leuchtraum
Zusammen mit Paul Churchland antwortete sie 1990 in Scientific American auf Searle. Nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy stimmen beide ihm zu, dass das Chinesische Zimmer kein Chinesisch versteht, halten aber dagegen, dass das Argument unsere Unkenntnis kognitiver und semantischer Vorgänge ausnutzt. Im Gleichnis vom Leuchtraum schwenkt jemand einen Magneten, sieht kein Licht und folgert daraus fälschlich, Maxwells Theorie des Lichts als elektromagnetischer Welle sei falsch.
Begriffe
- Neurophilosophie
- eliminativer Materialismus
- Alltagspsychologie
- Gehirnforschung
- Leuchtraum
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
3 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 2 belegt, 1 Deutung). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Was der Prüfstand bedeutet
- belegt
- Mit Quelle belegt.
- Deutung
- Redaktionelle Deutung auf Grundlage der Quellen.
- überliefert
- Überliefert, aber historisch nicht gesichert.
- ungeprüft
- Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Kritisiert
Churchland kritisiert eine bestimmte These. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.
John SearlePrüfstand: belegt
Die Churchlands antworteten 1990 in Scientific American auf Searle: Das Chinesische Zimmer versteht zwar nicht, doch das Argument nutze unsere Unkenntnis aus (Gleichnis vom Leuchtraum).
Baut auf
Churchland übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
Willard Van Orman QuinePrüfstand: belegt
Nach der SEP stützte sich Churchland auf Philosophen wie Quine und Sellars, als sie die Grenze zwischen Neurowissenschaft und Wissenschaftstheorie als unscharf bezeichnete.
Im Vergleich
Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.
Daniel DennettPrüfstand: Deutung
Redaktioneller Vergleich: Churchland und Dennett vertreten beide einen naturalistischen Zugang zum Geist und widersprechen Searle auf unterschiedlichen Wegen; ein Einfluss oder persönlicher Austausch wird nicht behauptet.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
Churchland wuchs auf einer Farm in British Columbia auf und studierte an der University of British Columbia, in Pittsburgh und in Oxford. In Manitoba begann sie ein formales Studium der Neurowissenschaft. Von 1984 an lehrte sie in San Diego, wo sie heute emeritiert ist.[1]
Abhängigkeit belegt
Seit 1989 hat Churchland zusätzlich eine Professur am Salk Institute und arbeitete dort mit dem Labor von Terrence Sejnowski zusammen. Daraus entstand das gemeinsame Buch „The Computational Brain“ (1992).[1]
Kritik
Searle hält dem entgegen, dass auch ein Nachbau der Hirnvorgänge, etwa aus Ventilen und Rohren, nichts verstünde. Die Wikipedia nennt außerdem einen Meinungsaustausch mit Colin McGinn 2014 über den Status der Alltagsbegriffe.
Wirkung heute
Die Idee, philosophische Fragen mit Hirnforschung zu verbinden, ist heute in der Kognitionswissenschaft verbreitet. Churchland wendet sie später auf Moral an, wie ihr Buch „Braintrust“ von 2011 zeigt.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Du kannst vermeiden, ein Verhalten allein mit Charakterworten zu erklären, und fragen, welche Bedingungen im Alltag dahinterstehen, etwa Schlaf, Stress oder Gewohnheit. Das ist eine Analogie zu Churchlands Haltung zur Alltagspsychologie und keine Aussage von ihr über Führung.
Lebensstationen
- 1943Geburt am 16. Juli in Oliver, British Columbia
- 1969Abschluss als Bachelor of Philosophy in Oxford; erste Stelle an der University of Manitoba
- 1984Professur an der University of California, San Diego
- 1986„Neurophilosophy“ erscheint
- 1990Antwort auf Searle in Scientific American, gemeinsam mit Paul Churchland
- 1991MacArthur Fellowship
Werke
- Neurophilosophy: Toward a Unified Science of the Mind-Brain (1986)
Ersterscheinung: MIT Press, Cambridge (Massachusetts), 1986.
- The Computational Brain (1992)
Ersterscheinung: MIT Press, Cambridge (Massachusetts), 1992, mit Terrence Sejnowski.
Lesetipps
- Einstieg
- Patricia S. Churchland, Neurophilosophy: Toward a Unified Science of the Mind-Brain (MIT Press, 1986); das Buch, das die Verbindung von Philosophie und Hirnforschung bekannt machte.
- Vertiefung
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Philosophy of Neuroscience“, Abschnitt zu Neurophilosophy
Noch nicht sicher belegt
- Zu Churchland gibt es keinen Eintrag in der Stanford Encyclopedia of Philosophy.
- Die biografischen Angaben (16. Juli 1943, Oliver, British Columbia) stehen übereinstimmend in der englischen und der deutschen Wikipedia.
- Eine deutsche Ausgabe von „Neurophilosophy“ wurde nicht gefunden.
- Die Formulierung „düstere Zukunft für alltägliche geistige Zustände“ ist eine eigene Wiedergabe einer Aussage der Stanford Encyclopedia of Philosophy (Eintrag Eliminative Materialism, Abschnitt 1).
- „The Computational Brain“ erschien nach der deutschen Wikipedia, der Werkliste der englischen Wikipedia und der Wikipedia zu Sejnowski 1992.
- Nur der Fließtext der englischen Wikipedia nennt 1993.
- Ein Kontakt zu Dennett ist nicht belegt, die Verbindung ist ein Vergleich der Redaktion.
- Eine Verbindung zu Nagel oder Chalmers ist nicht belegt.
- Der Wohnort San Diego folgt aus der Stelle an der University of California, San Diego.
- Dass sie emeritiert ist, steht in der deutschen Wikipedia (2013).
Wege durchs Netz
Churchland will den Geist über das Gehirn erforschen und hält Begriffe der Alltagspsychologie für überarbeitungsbedürftig.
Herkunft der Daten: Kapitel Geist, Maschine und Technik. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Churchland
- [1]Patricia Churchland – Wikipedia (en), Abschnitte Early life, Academic career
- [2]Patricia Churchland · Wikipedia
- [3]Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [4]Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [5]The Chinese Room Argument, Abschnitt 1 · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [6]Terrence Sejnowski · Wikipedia