Petrus Hispanus
Logiker, Verfasser eines Universitätslehrbuchs · 13. Jahrhundert · Ursprung der Werke vermutlich Südfrankreich oder Nordspanien
Kernidee in Kürze
Petrus Hispanus ist der Name, unter dem ein Lehrbuch der Logik aus dem dreizehnten Jahrhundert überliefert ist, der Tractatus, später Summulae logicales genannt. Das Buch fasst die Logik des Aristoteles und des Boethius zusammen und enthält die Lehre von den Eigenschaften der Wörter.
- Kapitel
- Mittelalter (redaktionell)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Vertiefung
Zum Einstieg
Wofür steht ein Wort, wenn wir es in einem Satz gebrauchen, und wie schließt man aus Sätzen richtig?
- Position
- Der Verfasser des Tractatus trennt die Bedeutung eines Wortes von seiner Supposition: Die Bedeutung hat das Wort von sich aus, wofür es steht, zeigt sich erst im Satz. Dazu ordnet er die überlieferte Logik des Aristoteles und des Boethius zu einem Lehrbuch.
- Einwand
- Der Verfasser ist nicht sicher bestimmbar: Papst Johannes XXI. oder ein Dominikaner. Spätere Logiker wie Wilhelm von Ockham deuteten seine einfache Supposition um und ließen das Wort dann für einen Begriff im Geist stehen, nicht für ein Allgemeines außerhalb des Geistes.
- Verbindung
- Das Lehrbuch baut auf Boethius und Aristoteles auf und wurde von Johannes Buridan kommentiert.
Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen
Wer Petrus Hispanus war
Verfasser des Lehrbuchs der Logik, das unter dem Namen Summulae logicales an europäischen Universitäten gelesen wurde. Wer dieser Verfasser war, ist bis heute umstritten.
Das Lehrbuch entstand nach heutiger Forschung zwischen den 1220er und 1250er Jahren, als an den Universitäten die Logik des Aristoteles Grundlage des Studiums war. Es wurde an europäischen Universitäten bis ins siebzehnte Jahrhundert gedruckt und gelesen.
Kernidee genauer
Besonders wichtig ist die Lehre von der Supposition, also der Frage, wofür ein Wort in einem bestimmten Satz steht. Der Name steht darum für ein Werk, dessen Wirkung belegt ist, während die Person im Dunkeln bleibt.
Biografischer Moment
Belegter Einfluss Die angegebenen Quellen dokumentieren, dass dieses Erlebnis das Denken beeinflusst hat. Belegt heißt dokumentiert, nicht bewiesen.
Das Lehrbuch entstand in der Lehrtradition der Universitäten des dreizehnten Jahrhunderts. Es zeigt Merkmale der Pariser Tradition, etwa die getrennte Behandlung von Erweiterung, Einschränkung und Verteilung der Wörter.[1]
Fundstelle: Abschnitt 2
Bekannt für
Man kennt Petrus Hispanus für das Logiklehrbuch Summulae logicales und für die Frage, wer es geschrieben hat. Ein Alltagsbeispiel: Wenn Du im Gespräch fragst, ob mit „die Kunden“ alle Kunden oder nur die heutigen gemeint sind, klärst Du genau das, was die Lehre von der Supposition untersucht.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Das Lehrbuch Tractatus
Der Tractatus besteht aus zwölf Abhandlungen. Die ersten fünf behandeln die überlieferte Logik, also Satzteile und Sätze, die fünf Allgemeinbegriffe (Gattung, Art, Unterschied, Eigentümliches, Zufälliges), die zehn Kategorien des Aristoteles, den Syllogismus und die Orte der Argumente. Die übrigen sieben behandeln die Eigenschaften der Wörter, den Trugschluss, die Rückbezüge und Erweiterungen von Wörtern.
Supposition
Der Verfasser unterscheidet die Bedeutung eines Wortes, die ihm von sich aus zukommt, von der Supposition, die erst entsteht, wenn das Wort in einem Zusammenhang gebraucht wird. In „Der Mensch läuft“ steht „Mensch“ für einzelne Menschen, in „Der Mensch ist eine Art“ für das Allgemeine. Diese Lehre sortiert, wofür Wörter in Sätzen stehen.
Maßvoller Realismus
Die Forschung beschreibt die Logik des Werks meist als gemäßigt „realistisch“: Um zu erklären, was sprachliche Ausdrücke besagen, richtet der Verfasser den Blick gern auf ihre Beziehung zu einer Wirklichkeit außerhalb des Denkens. Zugleich gilt sein Hauptinteresse dem Inhalt der Ausdrücke, weshalb manche eher von einer am Begriffsinhalt ausgerichteten Bedeutungslehre sprechen.
Syncategoreumata
Ein zweites Werk, das fast sicher vom selben Verfasser stammt, behandelt Wörter wie „nicht“, „nur“ oder „wenn“, die für sich allein nichts benennen. In allen Handschriften des dreizehnten Jahrhunderts folgt es unmittelbar auf den Tractatus.
Begriffe
- Summulae logicales (kleine Zusammenfassungen der Logik)
- Supposition (wofür ein Wort in einem Satz steht)
- Bedeutung (significatio)
- Syllogismus (Schluss aus zwei Voraussetzungen)
- Ort des Arguments (locus)
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
4 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 3 belegt, 1 Deutung). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Übernimmt Gedanken von
Petrus Hispanus übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
Anicius Manlius Severinus BoethiusPrüfstand: belegt
Der vierte Teil des Lehrbuchs über den Syllogismus geht vor allem auf Boethius' Schrift über kategorische Syllogismen zurück, der fünfte Teil über die Orte der Argumente auf seine Schrift über die verschiedenen Orte.
AristotelesPrüfstand: belegt
Das Lehrbuch führt die Logik des Aristoteles fort: Seine Quellen reichen zurück auf die Logik des Boethius und des Aristoteles, und der dritte Teil behandelt die zehn Kategorien des Aristoteles.
Grundlage für
Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken von Petrus Hispanus weiter, meist über Texte.
Johannes BuridanPrüfstand: belegt
Johannes Buridan begann sein Lehrbuch Summulae de dialectica als Kommentar zur erweiterten Fassung des Tractatus, den Summulae logicales, und baute es bald zu einem eigenständigen Werk aus.
Im Vergleich
Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.
Wilhelm von OckhamPrüfstand: Deutung
Beide bestimmen die einfache Supposition verschieden: Bei Petrus Hispanus und anderen mittelalterlichen Autoren vertritt der Ausdruck eine allgemeine Natur, bei Ockham steht er für den Begriff im Geist.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Zuschreibung Deutung
Lange galt der Verfasser als Portugiese, der 1276 als Johannes XXI. Papst wurde. Eine ältere Überlieferung sieht in ihm einen spanischen Dominikaner, eine Zuschreibung aus dem fünfzehnten Jahrhundert einen Petrus Ferrandi Hispanus, der zwischen 1254 und 1259 starb. Die neuere Forschung hat den Gedanken an einen Dominikaner wieder aufgenommen. Die Frage gilt als ungeklärt.[1]
Zuschreibung überliefert
Die traditionelle Lesart sieht im Verfasser der Summulae logicales den Papst Johannes XXI. Diese Lesart gilt in der Forschung als offen. Nach ihr wurde Johannes um 1210 bis 1220 in Lissabon geboren, studierte in Paris und wurde Leibarzt von Papst Gregor X.[2]
Werkgeschichte belegt
Das Lehrbuch wurde später in einer erweiterten Fassung unter dem Titel Summulae logicales benutzt. Johannes Buridan nahm diese erweiterte Fassung als Grundtext für seinen Kommentar.[1]
Wirkungsort belegt
Die Werke zeigen Merkmale der Pariser Tradition, etwa die getrennte Behandlung von Erweiterung, Einschränkung und Verteilung der Wörter. Ob der Verfasser selbst mit Paris verbunden war, ist offen. Als Herkunftsregion beider Werke gelten Südfrankreich oder Nordspanien.[1]
Kritik
In der Lehre selbst sieht die Forschung eine Unstimmigkeit: Die mittelalterlichen Logiker schwankten zwischen der Ebene der Allgemeinbegriffe und der der einzelnen Dinge, und bei Petrus Hispanus zeigt sich das besonders bei der natürlichen Supposition. Offen bleibt auch, ob das Logikbuch und die unter demselben Namen überlieferten Schriften zu Medizin und Naturphilosophie vom selben Verfasser stammen.
Wirkung heute
Das Lehrbuch war bis ins siebzehnte Jahrhundert an Universitäten verbreitet. Heute gibt es englische Übersetzungen des Tractatus und der Syncategoreumata. Die Lehre von der Supposition gilt als Teil der mittelalterlichen Theorie der Eigenschaften von Wörtern.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Wenn jemand im Team sagt „Die Kunden wollen das“, kannst Du mit der Frage der Supposition nachhaken: Meint er alle Kunden, einige oder die Kundschaft als Gruppe? Das ist eine Übertragung und keine Aussage des Werks über Führung.
Lebensstationen
- Entstehung des Tractatus zwischen den 1220er und 1250er Jahren (nach neuerer Forschung)
- Die Syncategoreumata entstehen vermutlich einige Jahre nach dem Tractatus
- Spätere erweiterte Fassung des Tractatus unter dem Titel Summulae logicales, Grundlage von Buridans Kommentar
Werke
Tractatus, später Summulae logicales; Syncategoreumata (Abhandlung über Wörter wie „nicht“ oder „wenn“, die erst zusammen mit anderen Wörtern etwas bedeuten)
Lesetipps
- Einstieg
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, „The Logic of Peter of Spain“
- Vertiefung
- Peter of Spain, Summaries of Logic, herausgegeben von Brian P. Copenhaver, Calvin G. Normore und Terence Parsons (Oxford University Press, 2014); Francis P. Dinneen, Language in Dispute (John Benjamins, 1990)
Noch nicht sicher belegt
- Wer das Lehrbuch geschrieben hat, ist nicht geklärt: Lange galt der portugiesische Gelehrte als Verfasser, der 1276 Papst Johannes XXI. wurde, neuere Forschung denkt wieder an einen Dominikaner. Darum sind Geburts- und Todesjahr nicht angegeben. Das Entstehungsjahr des Tractatus liegt nur ungefähr zwischen den 1220er und 1250er Jahren fest. Ob die unter dem Namen überlieferten Schriften zu Medizin und Naturphilosophie vom selben Verfasser stammen, ist offen. Wer die Lehrer waren, weiß man nicht sicher.
Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 10: europäische und jüdische Moderne. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen
Quellen zu Petrus Hispanus
- [1]Peter of Spain, Abschnitt 1 · Stanford Encyclopedia of Philosophy, abgerufen 2026-10-23
- [2]John XXI · Britannica
- [3]Peter of Spain (logician) · Wikipedia
- [4]Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [5]John Buridan, Abschnitt 1 · Stanford Encyclopedia of Philosophy, abgerufen 2026-10-22