Seo Gyeong-deok
Philosoph · 1489–1546 · Kaesong
Kernidee in Kürze
Seo Gyeong-deok, genannt Hwadam, zog sich von der Politik zurück und widmete sich dem Studium des Neokonfuzianismus. Er sah in der Lebenskraft (gi) die Grundsubstanz des Universums: gi ist ohne feste Gestalt und ohne Grenze und lässt alle Erscheinungen entstehen und sich verwandeln.
- Kapitel
- Asien (Überblick) (redaktionell)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Vertiefung
Zum Einstieg
Woraus besteht die Welt, und wie hängen alle Dinge zusammen?
- Position
- Hwadam sieht die Lebenskraft (gi) als Grundsubstanz von allem. Sie hat keine Gestalt und keine Grenze, schafft alles und verwandelt alles, und zwischen den Dingen gibt es keine grundsätzliche Trennung.
- Einwand
- Yi Hwang hielt Hwadams Deutung der Lehre von Zhu Xi für falsch. Yi I wandte ein, dass die ursprüngliche Kraft nicht in allen Dingen vorhanden ist.
- Verbindung
- Hwadam folgt in der Methode Zhu Xi und gilt als Anhänger der Lehren von Zhang Zai. Yi Hwang und Yi I setzen sich mit ihm auseinander.
Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen
Wer Hwadam war
Koreanischer Neokonfuzianer der frühen Joseon-Zeit, der als erster großer Denker die Lebenskraft (gi) ins Zentrum seiner Philosophie stellte.
Seo Gyeong-deok lebte in der frühen Joseon-Zeit, in der Gelehrte die Lehre der chinesischen Neokonfuzianer prüften. Er blieb außerhalb des Staatsdienstes und lehrte Schüler. Nach einer Zählung der Forschung gehört er zu den drei Meistern des koreanischen Neokonfuzianismus, neben Yi Hwang und Yi I.
Kernidee genauer
Leben und Tod erklärte er damit, dass gi verschmilzt und sich vermischt. Damit verband er seine Sicht der Welt mit dem Gedanken, dass es zwischen den Dingen keine grundsätzliche Trennung gibt. Spätere Denker haben seine Deutung der Lehre von Zhu Xi unterschiedlich beurteilt: Yi Hwang kritisierte sie, Yi I lobte seine Eigenständigkeit und widersprach ihm zugleich in einem Punkt.
Biografischer Moment
Lebensereignis Belegtes Ereignis aus dem Leben. Ob es das Denken geprägt hat, behauptet die Angabe nicht.
Hwadam zog sich von der Politik zurück und widmete sich dem Studium des Neokonfuzianismus. Aus diesem Studium ging nach der Fachliteratur die erste koreanische Philosophie der Lebenskraft hervor.[2]
Fundstelle: Abschnitt 4
Bekannt für
Man kennt Seo Gyeong-deok als den ersten koreanischen Philosophen, der die Lebenskraft (gi) ins Zentrum stellte. Ein Alltagsbeispiel: Wenn Du in einem Konflikt zwischen zwei Abteilungen fragst, was sie verbindet statt was sie trennt, denkst Du ähnlich wie Hwadam, der Trennungen zwischen den Dingen überwinden wollte.
Theorien mit Alltagsbeispiel
gi als Grundsubstanz
Nach diesem Gedanken beruht jede Veränderung auf dem Wirken von gi.
Leben und Tod
Hwadam erklärt Leben und Tod durch das Zusammenkommen und Vermischen der Tätigkeit von gi. Eine koreanische Fachstudie sieht in seiner Philosophie der Lebenskraft Leben und Tod als zusammenhängend.
Keine grundsätzliche Trennung
Mit dem Begriff gi entwirft Hwadam ein Bild der Wirklichkeit, in dem es zwischen den Dingen keine grundsätzliche Trennung gibt. Nach diesem Bild kann man das Leben stärken, indem man Teilungen überwindet und mit den Mitmenschen und der Natur in Einklang lebt. Er setzt der von ihm so gedeuteten buddhistischen Leere die innere Leere (heo) der Kraft entgegen, die in gi steckt.
Die Lehre von der ursprünglichen Kraft
Hwadam spricht in seiner Abhandlung über Geister, Leben und Tod von einer tiefen, alles durchdringenden ursprünglichen Kraft. In der Forschung gilt er als besonders entschiedener Anhänger der Lehren von Zhang Zai. Weil seine Texte kurz sind, ist schwer zu sagen, was er genau unter dieser Kraft verstand.
Begriffe
- gi (Lebenskraft
- chinesisch qi)
- i (Prinzip
- chinesisch li)
- taeheo (große Leere)
- heo (innere Leere der Kraft)
- Einheit von Mensch und Natur
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
3 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 3 belegt). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Wird kritisiert von
Kritik an einer bestimmten These von Hwadam. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.
Übernimmt Gedanken von
Hwadam übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
Zhu XiPrüfstand: belegt
Hwadam folgt in seiner Methode der Lehre von Zhu Xi vom Erforschen der Dinge, auch wenn Yi Hwang ihm vorwarf, dessen Lehre von i und gi falsch zu deuten.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
Hwadam wandte sich von der Politik der Joseon-Dynastie ab und widmete sich dem Studium des Neokonfuzianismus. Dabei wurde er zum ersten koreanischen Denker, der eine Philosophie der Lebenskraft (gi) entwarf.[2]
Biografie Deutung
Eine koreanische Fachstudie liest Hwadams Lebenslauf und seine Haltung zum Tod im Zusammenhang mit seiner Philosophie der Lebenskraft. Sie sieht darin auch einen Einfluss daoistischer Lebenshaltung, hält ihn aber nicht für einen daoistischen Denker, denn seine Schriften kritisieren den Daoismus und folgen in der Methode der Lehre von Zhu Xi.[5]
Biografie belegt
Ein Aufsatz in der Zeitschrift Acta Koreana nennt Hwadam den „Meister von Kaesong“ und Pak Sun seinen Schüler.[4]
Kritik
Yi I lobte dagegen Hwadams Eigenständigkeit, kritisierte aber seinen Gedanken, die ursprüngliche Kraft sei in allem vorhanden. Nach Yi I übersah Hwadam, dass das Prinzip alles durchdringt, die Kraft aber begrenzt ist. Ein Aufsatz zur späteren Debatte zeigt, dass auch ein späterer Denker (Nongmun) weder Yi I noch Hwadam ganz folgte. Weil Hwadams Schriften kurz sind, ist sein Gedanke der ursprünglichen Kraft schwer genau zu fassen.
Wirkung heute
Hwadams Philosophie der Lebenskraft steht am Anfang einer Denkrichtung, in der später Denker wie Hong Dae-yong und Choe Han-gi die Lebenskraft in den Mittelpunkt rückten. Die Fachliteratur nennt diese Richtung auch als Einfluss auf Yi I; ob Hwadam selbst dabei der Anstoß war, bleibt offen.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Wenn zwei Teams im Unternehmen sich gegenseitig die Schuld geben, kannst Du mit Hwadam fragen, welche gemeinsame Kraft beide tragen, statt zuerst die Grenzen zwischen ihnen zu betonen. Ein Alltagsbeispiel: Du bringst Vertrieb und Entwicklung an einen Tisch und fragst nach dem gemeinsamen Kunden. Das ist eine Übertragung und keine Aussage von Hwadam über Führung.
Lebensstationen
- 1489Geburt
- 1546Tod
Werke
Hwadamjip (Sammlung des Hwadam); Wonigi (Über den Ursprung von gi); Igi seol (Abhandlung über i und gi); Taeheo seol (Abhandlung über die große Leere); Gwisin sasaengnon (Abhandlung über Geister, Leben und Tod)
Lesetipps
- Einstieg
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Korean Philosophy“, Abschnitt 3.3
- Vertiefung
- Jung Yeup Kim, „Sŏ Kyŏngdŏk and the Rise of the Philosophy of Ki“, in: Young-chan Ro (Herausgeber), Dao Companion to Korean Confucian Philosophy (Springer, 2019), Seite 135 bis 158
Noch nicht sicher belegt
- Hwadams philosophische Texte sind kurz, und ihr Entstehungsjahr ist nicht bekannt. Dass er Schüler hatte wie Hwang Jini, ist nur in einer Quelle belegt. Sein Geburtsort ist nicht belegt; die Fachliteratur nennt ihn den Meister von Kaesong. Es bleibt offen, wie stark er Yi I beeinflusste.
Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 7: Japan klassisch und Korea. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen
Quellen zu Hwadam
- [1]Korean Philosophy, Abschnitt 3.2 · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [2]Korean Confucianism, Understanding Korea Series Nr. 3 (Akademie für Koreastudien), Abschnitt 4 · Webseite
- [3]Seo Gyeong-deok · Wikipedia
- [4]Acta Koreana, Aufsatz über Yulgok, Hwadam und Saam · Webseite
- [5]Zusammenfassung einer koreanischen Fachstudie über Hwadam · Webseite
- [6]link.springer.com/book/10.1007/978-90-481-2933-1 · Aufsatz